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Epiphone DR-500MCE Masterbilt-Serie Test

Westerngitarre

Überraschungskandidat

Gleich vorweg: Unsere Kandidatin im bonedo-Test, die Epiphone DR-500MCE, gehört - wie viele andere - zu den Westerngitarren, die in China nach den Vorgaben westlicher Auftraggeber gefertigt werden. Und die preisgünstige Dreadnought zeigt auch - ebenfalls wie viele andere - dass die qualitativen Unterschiede zwischen in Europa oder den USA gefertigten Instrumenten und den entsprechenden Modellen aus Fernost immer kleiner werden. Aber auch, wenn der Markt in diesem Preissegment mehr als gefüllt ist, gibt es einige gute Gründe, sich gerade der Epiphone DR-500MCE etwas intensiver zu widmen.

Die Gitarre bietet nämlich nicht nur ein optimales Preis-Leistungsverhältnis, sondern einige Besonderheiten wie den "eSonic2" Onboard-Vorverstärker, der als Steuereinheit für gleich zwei unterschiedliche Tonabnehmer an Hals und Steg dient. Schon diese Info sollte den Leser neugierig machen.

Details

Formal zeigt sich die Epiphone DR-500MCE von der konservativen Seite und tritt auch äußerlich bescheiden auf. Ihr Korpus wurde mit einer Breite von 40,5 cm (30,0) am Unterbug (Oberbug) und einer Länge von 50,5 cm am Boden genau nach Maßgabe der berühmten Dreadnought geformt. Mit einem rund geschwungenen Cutaway empfiehlt sie sich außerdem auch für das Spiel von Sololinien. Die CE-Kennzeichnung dieser Gitarre hat demzufolge auch nichts mit den EU-Richtlinien zu tun: "C" steht für Cutaway und "E" für Elektronik.

Dunkel getönt erstrahlt die glänzend polierte Decke aus massiver Sitkafichte. Die hauchdünne Versiegelung lässt der vergleichsweise kräftigen Decke (0,45 mm - 0,50 mm am Schallloch) genügend Raum zum Atmen, und die sehr feinen Strukturen bleiben überall sichtbar. In der Mitte am Unterbug sieht man, wenn auch nur schwach, den Verlauf einer Nahtstelle, an der die zwei Deckenhälften miteinander verleimt wurden. Mit einem bunten Schlagschutz (Tortoise) wird die wunderschöne Oberfläche vor Attacken mit Plektrum und unkontrollierten Fingernagelmanövern geschützt. Drei konzentrische Ringe umrunden das Schallloch, das mit etwa 10 cm Durchmesser das Normalmaß nicht überschreitet, und den Deckenrand verziert diskret ein schmaler Heringbone-Streifen. Obwohl die DR-500MCE ohne Intarsien und Einlegearbeiten auf die Reise geht, kann man ihr Eleganz, Charme und Charakter nicht abstreiten.

Ein sehr gewohnter Anblick bietet sich auch beim mattglänzend lackierten Saitenhalter aus dunkelbraunem Palisander. Er ist aufgeleimt, stark konturiert und brüstet sich mit einem geschwungenen Unterbauch (Bottom-Belly). Die einteilige, längenkompensierte Stegeinlage ruht wackelfrei in ihrer Fräsung. Die Auflage der sB-Saite wurde außerdem mit einer Nase befeilt und gewährleistet eine präzise Intonation auf ganzer Länge - eine Tatsache, die man durchaus lobend hervorheben darf. Die Ball-Ends der Saiten werden, wie üblich, stabil mit weißen Pins arretiert.

Der Rücken der Gitarre, der aus zwei symmetrisch gemaserten Bodenhälften aus rötlich-dunkelbraunem Mahagoni besteht, wird durch einen optisch ansprechenden Zierspan in der Mitte getrennt. Die lebendigen Maserungen bieten eine Farbskala mit dunklen und hellen Partien. Mit einer Zargentiefe je nach Messpunkt zwischen 10 cm am Hals und satten 12,2 cm am Endpin bietet unsere Kandidatin außerdem ein ähnlich großes Luftvolumen wie das Vorbild von Martin. Da sollte man auf jeden Fall einen fulminanten Naturklang erwarten dürfend. Die ausgeprägte Profilverjüngung (2,2 cm) erkennt man deutlich bei seitlicher Betrachtung. Gelbes Binding verbindet rundum die Boden- und Deckenhälften mit den beiden Zargen. Der gesamte Korpus ist glänzend versiegelt, aber das äußere Erscheinungsbild unterscheidet unsere Kandidatin eben nicht von vielen anderen Mitbewerberinnen.

Der eigentliche Hotspot ist, wie schon erwähnt, der eSonic2, der in der oberen Zarge verbaut wurde. Duale Tonabnehmersysteme sind groß im Kommen, weil sie viele unterschiedliche mischbare Klangfarben mitbringen. Der eSonic2 dient als Steuereinheit für einen herkömmlichen Untersatteltonabnehmer (Nanoflex) und einen Halstonabnehmer (Nanomag), wobei die beiden Partner jeweils einzeln oder auch gemeinsam auftreten können. Darüber hinaus verrichten die Pickups ihre Arbeit sowohl im Mono- als auch im Stereobetrieb. Im Mono-Modus wird der Amp, wie üblich, über die Klinkenbuchse im Gurtknopf an der Zarge verbunden. Für den Stereobetrieb steht zusätzlich ein zweiter Anschluss in der unteren Zarge bereit. Der neuartige magnetische Tonabnehmer entstand in Zusammenarbeit mit der deutschen Firma Shadow.

Mit einem kristallklaren Sound, der an den Klang eines klassischen Humbuckers erinnern soll, erweitert dieser Pickup das gängige Soundrepertoire einer Akustikgitarre. Epoxidharz und eine spezielle, stark leitende Silber-Platin-Schicht schirmen den Tonabnehmer ab und sollen in Kombination mit der aktiven Elektronik ein brummfreies und niederohmiges Ausgangssignal bereitstellen. Man wird hören. Überschaubar und bühnengerecht konzipiert wurde das Panel des Preamps eSonic2. Insgesamt gibt es hier nur drei Potis (2 x Klang , 1 x Volume), einen Schieberegler (Blend) und zwei kleine Taster (Phase, Tuner). Der Schieberegler Blend hat eine zweifache Funktion, je nachdem ob nur der Monoeingang oder auch gleichzeitig der Stereoeingang belegt wird. Im Monobetrieb (Ausgang am Knopf) kann man mit Blend den Anteil der beiden Tonabnehmer im Mono-Mix bestimmen. In den extremen Positionen (ganz rechts oder links) wird der Sound entweder des Nanomags oder des Nanoflex vollständig aus dem Mix entfernt, sodass man bei Bedarf auch nur mit jeweils einem von beiden arbeitet. Im Stereobetrieb (mit zweitem Klinkenkabel) lassen sich die beiden Pickups auf zwei separate Kanäle pannen. Der Fader "Blend" dient dann nur noch als Lautstärkeregler für den einen oder anderen Kanal. In der Mittelposition kommen beide Sounds separat, aber in gleicher Lautstärke über jeweils eine Box.

Es gibt nur jeweils einen Klangregler für den Nanomag (mag/eq) und einen für den Nanoflex (flex/eq). Dreht man den Controller im Uhrzeigersinn, so werden die Höhen bis zu 9dB angehoben. Allerdings werden gleichzeitig auch die Mitten leicht geboostet, während die tiefen Frequenzen ausgeblendet werden. Nähere Angaben macht der Hersteller dazu nicht. Ob das reicht?

Mit Volume wird im Mono- und im Stereobetrieb die Summe für beide Tonabnehmer geregelt. Darüber hinaus bietet der Pre-Amp einen Phasenumkehrtaster, der mit Brummschleifen kurzen Prozess macht. Der chromatische Tuner ist leicht zu bedienen und arbeitet präzise. Allerdings kann man den Kammerton nicht kalibrieren (a = 440 Hz). Eine rote LED meldet sich rechtzeitig, wenn der Batterie der "Saft" ausgeht - letztere versorgt das aktive System mit Energie. Das Batteriefach befindet sich unter der Abdeckkappe mit der Aufschrift "eSonic2" am Preamp, die sich schnell und mühelos auf- und zuschieben lässt. Zwei flache Batterien vom Typ CR2032 sind im Lieferumfang enthalten. Die Pole Plus und Minus sollten natürlich - auch auf einer dunklen Bühne - nicht vertauscht werden.

Im Inneren sieht alles sehr klassisch normal aus - Epiphone braucht die Dreadnought nicht neu zu erfinden. Ein wuchtiger Halsblock aus Mahagoni verbindet Zargen, Decke, Boden und Halsfuß. Letzterer ist recht flach und von außen stabil per Schwalbenschwanz (Single-Dovetail) mit dem Halsblock verzapft. Die Fichtendecke ist mit einem standard x-bracing unterbaut. Vier Querverstrebungen am Boden und ein längs angeordneter Bodenmittelstreifen sorgen dafür, dass sich die beiden Bodenhälften nicht voneinander lösen. Der kritische Schalllochbereich ist mit zwei flachen Leisten verstärkt, die zusammen mit den X-Ausläufern rund um das Schallloch für Stabilität sorgen. Boden und Decke werden jeweils mit einem Holzstreifen mit aufgeleimten, keilfömig gesägten Reifchen mit den Zargen verbunden.

Das eingebundene Griffbrett aus Palisander ist passgenau auf dem schlanken Hals aus Mahagoni verleimt. Griffbretter aus Palisander zeigen auch nach Jahren keine Abnutzungserscheinungen. Ein sanftes Shaping erleichtert das Spiel mit Barrégriffen. 20 Bünde sind an den Kanten ordentlich abgerichtet und auf der Oberfläche korrekt poliert - es gibt also kein Kratzen beim Saitenziehen.

Sechs Bundmarkierer, in unserem Fall wunderschöne Split-Diamonds, lassen den Spieler sicher auf dem Griffbrett navigieren. Schwarze Punkteinlagen auf der cremefarbenen Einbindung bilden eine sinnvolle Ergänzung und setzen sich dort optisch gut ab. Unaufdringlich fügt sich der Nanomag am Ende des Griffbretts in das Gesamtbild der Gitarre ein und verändert deren Optik nicht.

Die Saiten laufen über einen sorgfältig gefeilten und ausgerichteten Sattel, der mit einer Breite von exakt 4,3 cm dem Standardmaß entspricht. Die Kerben sind gerade so breit und so tief, dass die Saiten nicht festklemmen und auch bei härteren Anschlägen mit dem Plektrum liegenbleiben. Der dünne Hals mit einem Umfang von 11,3 cm wird von einem obligatorischen Truss Rod stabilisiert. Mit diesem Metall-Halsstellstab kann auch die Halskrümmung eingestellt werden: Das eine Ende sitzt fest im Halsansatz, während die justierbare Gegenseite mit einer Mutter an der Kopfplatte abschließt. In einer kleinen Vertiefung hinter dem Sattel verbirgt sich die Stellschraube unter einer schwarzen Abdeckung. Leichte Korrekturen können nach einem Saitenwechsel (dünnere oder dickere Sätze) fällig werden und dünne Hälse sind von Natur aus empfindlicher. Doch bei unserer Testkandidatin gibt es überhaupt keinen Grund, den Inbus (im Lieferumfang enthalten) anzusetzen, denn die Gitarre kommt optimal eingestellt aus dem Karton.

Auch der Halswinkel stimmt. Bei der Westerngitarre wird der Hals in einem sehr flachen Winkel von 0,5 bis 0,75 Grad vom Korpus weggeführt. Der Abstand der dicken E-Saite beträgt hier im ersten Bund ca. 3 mm und im 10. Bund lediglich 4 mm. Diese Abmessungen sind für einen Picker optimal und für einen Single-Line Spieler noch akzeptabel. Mit einem flachen Halsfuß kann Letzterer auch die Bünde in den oberen Lagen ohne Anstrengung erreichen, wobei ihn der Cutaway zusätzlich unterstützt. Allerdings richtet sich die Werkbespannung mit einem 12er Satz eher an den Picker und Strummer - ein satter Sound ist die Belohnung. Dazu später mehr. Der Neck Joint befindet sich, wie bei einer Steel-String üblich, am 14. Bund.

Die Epiphone DR-500MCE kommt mit Normalmensur (65 cm), wobei Hals, Kopfplatte und Halsfuß eine massive Einheit bilden. In diesem Preissegment ist der "Einteiler" eher die Ausnahme als die Regel, denn die Beschaffung von einteiligen Halsrohlingen soll kostenintensiver sein. Die Fans des einteiligen Halses wollen bei diesen Instrumenten eine deutlich längere Abklingzeit des Tones vernehmen. Unser einteiliger Hals ist seidenmatt versiegelt, die Oberseite der massiv eingebundenen Kopfplatte mit schwarzem Furnier verblendet. Das Logo der Firma Epiphone, eine echte Abalone-Einlage, funkelt an der Oberseite. Im Zentrum prangt außerdem unübersehbar eine weitere, längliche Einlage aus Abalone.

Gestimmt wird mit sechs offenen Grover Sta-Tite aus Nickel in 3/3 Anordnung. Mit offenen Mechaniken wurden in der Regel vor 1950 hergestellte Stahlsaitengitarren (mit geschlossener Kopfplatte) ausgerüstet. Offene Mechaniken sind nicht unbedingt schlechter als gekapselte, jedoch sollten sie gelegentlich vom Schmutz befreit und regelmäßig mit Schmierfett eingeölt werden.

14 Umdrehungen werden benötigt, damit sich der Schaft einmal um die eigene Achse wickeln kann. Je höher die Übersetzung, desto feinfühliger kann das Instrument gestimmt werden. Allerdings muss der Stimmflügel auch wesentlich häufiger gedreht werden, um eine Saite aufzuziehen. Mit einer Übersetzung von 14:1 kann man aber auch ohne Kurbel beim Aufziehen der Saite noch ganz gut leben. Jedenfalls verrichten die Mechaniken mit auffällig kleinen Stimmflügeln einen makellosen Job und lassen sich leichtgängig drehen.

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