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Waldorf Pulse 2 Test

Praxis

Die Bedienmatrix des Waldorf Pulse 2 versteht sicher jeder sofort. Schnell sind die wichtigsten Parameter im Überblick und eingestellt, durch die Matrix kann man schnell hin- und hernavigieren, um auch voneinander abhängige Parameter immer im Wechsel zu verändern. Ab und an wird man sich eventuell zu Beginn in der Zeile vertun oder den verkehrten Oszillator verändern. Dank des großen Displays, welches nun ausreichend Auskunft gibt, sind Parameterkürzel nicht mehr nötig  – wenngleich ich bei einigen Parametern etwas verwundert bin, dass diese nicht ausgeschrieben werden, denn an Platz mangelt es auf dem Display eigentlich nicht. Aber irgendetwas muss man ja schließlich auf die Liste für zukünftige Updates setzen können.
Wo wir schon bei der Update-Wunschliste sind: Leider nicht an Bord ist das „MIDI-Thru-Stacking“ des Pulse 1, mit dem man mehrere Pulse kaskadieren, vom Master aus steuern und polyphon spielen konnte. Bleibt zu hoffen, dass Waldorf dieses Feature noch nachreicht!

Leider nicht kaskadierbar – aber zumindest eingeschränkt polyphon nutzbar!
Leider nicht kaskadierbar – aber zumindest eingeschränkt polyphon nutzbar!

Schon bei Standard-Einstellungen mit Square, Saws und leicht geschlossenem LPF wird deutlich, dass der Pulse 2 keine Gefangenen macht. Nach leichtem Detune und Bereicherung der Obertonstruktur durch Veränderung der Pulsbreite fange ich an zu schnalzen: Der kleine Synth klingt gewaltig, besonders dicke Bässe sind eine seiner Lieblingsaufgaben. Bei Bedarf lassen sie sich richtig mächtig machen, so dass sie sich im Mix nach vorne kämpfen oder als solides Fundament für die Konstruktionen der weiteren Sounds dienen – auch ohne dass man den Trick mit dem zusätzlichen Suboktav-Sinus anwenden müsste, der ein wahrer „Pegelfresser“ ist (live aber besonders zu empfehlen!). Doch auch Wünschen nach etwas hohleren oder dünneren Basssounds, die solo manchmal etwas zu mager klingen mögen, aber gerade bei dichteren Arrangements oft gefragt sind, kommt der Pultsynthesizer sehr gerne nach. Hier macht sich das Vorhandensein weiterer Filterformen besonders positiv bemerkbar.

Audio Samples
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Simple Square (PW 127) Squares, Sawtooth Detuned, Filtersweep Fatty Square + Filtersweep Portabass

Der Waldorf ist beileibe kein reiner Bass-Synth: Auch beißende Leads mit aggressivem, schneidendem Sound sind mit dem Pulse 2 schnell aufgebaut, wozu sich natürlich das steilflankigere Tiefpassfiler und das Hochpassfilter mit einer ordentlichen Portion Resonanz anbietet. Super ist, dass der Filtersound recht eigenständig ist und nicht in die Kategorien „farblos“ oder „klingt wie …“ passt. Wichtige Eigenschaft: Resonierend kann es zwar knarzen und zwitschern, doch habe ich nie das Gefühl, dass es mir zu ungestüm ist und in Schach gehalten werden will oder dass andersherum mein Gähnreflex getriggert wird. Es gilt für den gesamten Synthesizer: Der Sound ist bei Bedarf präsent, druckvoll und um Aufmerksamkeit buhlend, aber selbst bei giftigsten Einstellungen warm, gutmütig und geht nicht auf den Keks. Besonders technoide Musik kann durch den ein oder anderen Pulse-Sound im Vergleich zu typischen Digitalo-Synths etwas lebendiger und „menschlicher“ gemacht werden, wenn das gewünscht ist. Die wundervollen Drive-Settings (Tube für wohlige, dicke Klänge, Fuzz und FX für krassere Verbiegungen) sowie deren sehr gute Dosierbarkeit und dynamische Ansprache sind dabei eine große Unterstützung. Der generelle Hang zur Behäbigkeit des Pulse 1 ist beim Pulse 2 nicht auszumachen, insgesamt klingt dieser ein bisschen kristalliner und aufgeräumter. „Brav“ ist damit aber nicht gemeint: Zwar ist der Waldorf kein FM-Synth, doch bedeutet das nicht, dass man nicht auch absolut verschrobene und schräge Sachen möglich wären. So vergessen die LFOs gerne einmal das „L“ in ihrem Kürzel und wüten im Hörbereich. Ich darf notieren: Klanglich ist der Waldorf Pulse 2 in Schaltkreisen materialisierter Wahnwitz. Doch natürlich stößt man auch dann und wann an die Einschränkungen, die die analoge Technik mit sich bringt. Wem die Anzahl der Oszillatoren oder der LFOs und Hüllkurven tatsächlich nicht ausreichen sollte, der muss sich eben andere Wege zur Verwirklichung seiner Soundwünsche suchen.

Audio Samples
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Late Seventies Wide Range Arp Filter Arp a Fuzzy Arp Simple Squary + Tube Warmth Dirty Lead HAL-lo! Plucked Sounds Noise Annoys! Bite Anadrums Filter Arp b Odd Harmonics Polyphonic

Wirklich angetan bin ich von der Verarbeitungsqualität. Das Gehäuse wirkt belastbar, die Bedienelemente haben einen satten, klaren Druckpunkt beziehungsweise einen gleichmäßigen Regelweg. Die Metallkappen sind vielleicht mit verschwitzten Fingern im Club ein wenig glitschig, vermitteln aber ein wertiges und klares haptisches Erlebnis. Wenn ich bedenke, dass die generell sehr leichtgängigen Plastikkappen-Potis meines alten Pulse labberig und eierig geworden sind, bin ich froh um die Ausstattung des Pulse 2 (zumal es bei meinem Pulse als erstes das Poti war, auf dem auch der Cutoff liegt – natürlich). Im Laufe des Tests des Pulse 2 ist mir aber doch ein kleiner ergonomischer Mangel aufgefallen: Wenn Rechtshänder mit einer Hand die Shift-Funktionen erreichen wollen, stoßen sie fast unweigerlich an den ersten der sechs Drehgeber der Matrix. Und das nervt, hier ist der Synth doch etwas eng gebaut.  

Darf seinen Namen mit Würde tragen: Der Waldorf Pulse 2
Darf seinen Namen mit Würde tragen: Der Waldorf Pulse 2

Etwas Positives und heute beileibe nicht Alltägliches hat der Pulse 2 mit seinem Urahn gemein: Er kommt mit einem guten, durchdachten, informativen Handbuch, das besonders Anfängern die Materie der subtraktiven Klangerzeugung besser näher bringt als so manche Fachliteratur! Allerdings verzichtet es unverständlicherweise auf die genormte MIDI-Implementationstabelle.

Kommentieren
Profilbild von der kolberg

der kolberg sagt:

#1 - 01.11.2013 um 18:40 Uhr

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sehr guter test....ich habe noch eine Frage. ist es möglich den pulse als midi to CV -gate zu nutzen? mit eigenen midikanal und vielleicht noch den internen sequencer nutzen...würde ihn ja gerne an meiner ms-20 hängen... danke

Profilbild von Klaus Joter

Klaus Joter sagt:

#2 - 18.11.2013 um 03:31 Uhr

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Merkwürdiger Test.
Wo bleibt z.B. der pseudo-polyphone Aspekt?
Generell: Manchmal kann ich diese unmusikalischen Tests nicht mehr lesen. Technik ist zwar wichtig, keine Frage. Aber entscheidender ist, was man damit machen kann, wofür sich das Gerät anbietet und wofür nicht. Naja, man merkt halt, dass der Autor Techniker und Liebhaber von Trends etc. ist.Herr Autor, Musiker zu sein, heißt fast per se, auch kreativ-nonkonformistisch zu sein. Und das fängt schon mit diesem grauenvollen Pultgehäuse an. Was interessiert mich der von Ihnen angebrachte Klischeespruch, dass 19 Zoll 80-er oder 90-er Jahre entspricht. Wie sollte ich all diese kleinen Kisten in mein großes Live-Setup integrieren?
Es gilt halt immer noch Zappas Spruch: It´s Monkey Business.

Profilbild von Prahlhans

Prahlhans sagt:

#3 - 29.11.2013 um 01:35 Uhr

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Stacking ist sehr wohl möglich !!!
Der Midi Out lässt sich im Menü auf thru umstellen. Gruss und Dank :)

Profilbild von Wahnfried soporatus

Wahnfried soporatus sagt:

#4 - 14.07.2017 um 16:37 Uhr

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Wie immer, sehr guter Test. Ich hab mir einen gekauft (sieht schick aus neben dem blofeld) und begeistert mich nach wenigen Minuten. Waldorf baut auch wirklich sehr solide Geräte, was auch die innere Qualität widerspiegelt. Eine wunderbare Maschine. Ich gebe auch 5 Stars. ?

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