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Steinberg Wavelab Pro 9 Test

Praxis

Das Master Rig

Diese neue Plug-In-Kombination wertet Wavelab Pro 9 gegenüber den Vorgängerversionen erheblich auf, soviel sei vorab schon verraten. Steinbergs Master Rig besteht aus zehn unterschiedlichen Klangbearbeitungskomponenten, die sich in beliebiger Reihenfolge in einem Plug-In-Fenster miteinander kombinieren lassen. In diesem Fenster werden immer nur die Processing-Parameter des gerade ausgewählten Moduls angezeigt, alle Prozesse können einzeln auf Bypass oder Solo geschaltet werden. Eine gewisse Ähnlichkeit mit der Bedienlogik von Izotopes renommiertem Mastering-Werkzeug Ozone ist dabei nicht zu verhehlen. Letztendlich wird mit dieser Anordnung aber nur der normale Workflow eines Mastering-Engineers in einem Plug-In nachempfunden – und das ist auch gut so.


Die Anordnungsmöglichkeiten der Prozessoren im Master Rig ähneln denen von Izotopes Ozone.
Die Anordnungsmöglichkeiten der Prozessoren im Master Rig ähneln denen von Izotopes Ozone.

Vollständige M/S-Unterstützung

Die Abkürzung „M/S“ steht für Mitte-Seite-Stereophonie und für eine andere Art des Stereo-Handlings als das allseits bekannte L-R-Schema. Für die Zwecke dieses Tests soll die Erklärung reichen, dass man mit dieser Methode das Mittensignal und das Seitensignal getrennt bearbeiten kann. Für den Mastering-Engineer ist diese Methode häufig die effektivste, um ein Stereo-Master noch klanglich zu optimieren. Grundsätzlich lässt sich mit dieser Methode aber auch nachträglich der Stereoeindruck verändern, also verringern oder vergrößern. Und an dieser Stelle liegt das größte Risiko dieser Methode: Der Einsteiger dreht immer mehr Seitensignal rein und findet, dass der Klang besser wird. Das stimmt aber leider nicht immer. Letztlich gibt es zwei Probleme, die folgen können:

  • Man zieht das Seitensignal so weit hoch, dass die Balance mit den in der Mitte platzierten Instrumenten auseinanderfällt.
  • Das Abhören des Songs in Mono hat erhebliche Klangunterschiede zur Folge, er ist nicht mehr monokompatibel.

Im folgenden Klangbeispiel habe ich das ausgewogene Master gegen eine Version geschnitten, bei der der Stereoeffekt übertrieben ist und die Balance zwischen Mitte und Seiten nicht mehr stimmt:

Audio Samples
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too much Stereo

Steinberg hat bei der Umsetzung der M/S-Technik keine halben Sachen gemacht und diese Technik in allen möglichen Bereichen umgesetzt. Alle Prozessoren im Master Rig (außer Limiter und den Imager) können das Mitten- und das Seitensignal getrennt bearbeiten und sogar die Wellenformdarstellung kann auf diese Darstellung umgestellt werden. Im Master Rig entscheidet der Benutzer pro Band, ob er im (Standard)-Stereo-, im M/S- oder im L/R-Modus arbeiten möchte. Eine größere Flexibilität kann man sich kaum vorstellen. Doch auch alle anderen Plug-Ins, die nicht für eine M/S-Bearbeitung ausgerüstet sind, können M/S-mäßig bearbeiten: Für jede Plug-In-Instanz in Wavelab Pro 9 lässt sich einzeln einstellen, welchen Signalanteil sie bearbeitet. Somit steht die M/S-Funktionalität letztlich allen Plug-Ins zur Verfügung.

Dank der Einstellungen zur Kanalbearbeitung kann jedes Plug-In in Wavelab auch nur den Mitte- oder Seitenbereich bearbeiten.
Dank der Einstellungen zur Kanalbearbeitung kann jedes Plug-In in Wavelab auch nur den Mitte- oder Seitenbereich bearbeiten.

In der Praxis wird jeder professionelle Mastering-Engineer froh sein, mit Wavelab sehr weitreichende Zugriffsmöglichkeiten auf Stereofiles zu haben. Wer seine eigenen Mixes mit Wavelab mastert, hat zusätzlich noch die Möglichkeit, das DAW-Projekt zu öffnen und dort die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.
Eng verbunden mit den M/S-Fähigkeiten in Wavelab sind auch die verbesserten Abhörmöglichkeiten im Masterbereich. 


Um zu überprüfen, ob man dem Track zu viel Stereobreite zugestanden hat, sollte man die Arbeitsergebnisse immer auch mal in Mono abhören.
Um zu überprüfen, ob man dem Track zu viel Stereobreite zugestanden hat, sollte man die Arbeitsergebnisse immer auch mal in Mono abhören.

Mit dem Umschalten auf Mono lässt sich schnell überprüfen, ob man es mit der Stereoverbreiterung übertrieben hat. Aber auch die Möglichkeit, nur einzelne Kanäle abzuhören ist in der Praxis unverzichtbar. Nun benötigt man dafür keine externen Geräte oder Plug-Ins, sondern kann die Quellenwahl gleich in Wavelab vornehmen – prima. 

Im folgenden Klangbeispiel habe ich das Master gegen die Mono-Version geschnitten, im direkten Vergleich ist der Unterschied sehr auffällig:

Audio Samples
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Mastered vs. Mono

Weitere Neuerungen

Neben den großen Neuerungen gibt es allerlei kleine Workflow-Verbesserungen, die den Arbeitsalltag mit Wavelab Pro 9 erleichtern:

  • Direkter Dateiaustausch mit Cubase und Nuendo: Eine alte Funktion, die es zu Zeiten von Cubase VST 5 schon mal gab, lebt wieder auf: Wavelab Pro 9 hat eine direkte Verbindung zu den Steinberg-DAWs. Die Kooperation ist bidirektional und erlaubt nicht nur, dass man Wavelab als Sample Editor der DAWs verwendet. 
  • Das Send-Level von Clip-Effekten kann mit Wavelab Pro 9 dynamisch automatisiert werden. Zur Steuerung werden Automationshüllkurven verwendet.
  • Für die CD-Herstellung können CD-Text oder ISRC-Codes aus Textdokumenten oder Excel-Sheets ausgelesen werden. Endlich können Marker zwischen zwischen Audiodateien und Montagen kopiert und eingefügt werden.
  • Im Master-Abschnitt gibt es nun eine Resampling-Einheit, die für hochwertige Samplerate-Konversion sorgt, wenn das benötigt wird. Neben den bekannten Fest-Samplingrates kann man bei Bedarf auch ein beliebiges eigenes Format bestimmen.
  • Wavelab Pro 9 bietet ein flexibel gestaltbares Benennungsschema für die mit der Software gerenderten Audiodateien.
  • Neben den oben genannten Effekten sind auch ein Multiband-Envelope-Shaper und Multiband-Expander neu im Wavelab Pro 9 Angebot. Beide Effekte arbeiten ebenfalls in vier frei verschiebbaren Frequenzbändern.
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