RANE ist immer für eine Überraschung gut, so auch bei der diesjährigen NAMM-Show mit dem System ONE, der als weltweit erster Standalone-DJ-Controller mit rotierenden Jogwheels gefeiert wurde. Der Zweikanäler vereint die Tugenden von RANEs Spitzenmodelle Performer und ONE MKII, verzichtet allerdings auf externe Anbindungen von Plattenspielern und CDJs. Stattdessen konzentriert sich das System lieber kompromisslos auf digitales DJing vom USB-Stick, der Festplatte oder via Streaming und ist damit auch unabhängig von einem Laptop. In diesem robusten Koloss versteckt sich zudem eine üppige Effekt-Suite sowie ein 7-Zoll großes Touch-Display, das alle wichtigen Infos übersichtlich darstellt und intuitiv zum Navigieren einlädt.
Die Ersparnis eines Laptops und der damit einhergehende Standalone-Betrieb schlägt allerdings mit 2499,- Euro ordentlich zu Buche. Im Vergleich zu anderen All-in-one-Controllern kein Pappenstiel, da diese auch bereits für die gute Hälfte über den Ladentisch gehen. Entsprechend bin ich neugierig, ob sich eine Anschaffung des RANE System ONE tatsächlich lohnt.

- sehr hochwertige Verarbeitung und durchdachter Workflow
- All-in-one- und Standalone-Betrieb
- sehr guter Klang
- Musikverwaltung per USB-Stick, SD-Card, Festplatte sowie Bluetooth und WiFi
- hochauflösendes 7-Zoll Touch-Display mit flüssiger Darstellung
- motorisierte High Torque 7-Zoll-Jogwheels
- MAG FOUR Crossfader mit einstellbarer Kurve und Spannungsstellschraube und verschleißfreie PRECISION FEEL Line-Fader
- Performance-Pads mit Displays ausgestattet
- 25 On-Board-Effekte plus Fader- und Touch-FX
- Lichtsteuerung
- keine Inputs für CDJs und Plattenspieler

Was gehört zum Lieferumfang des RANE System ONE ?
Dass der RANE System ONE als wahres Flaggschiff gilt, beweisen seine üppigen Maße von 737 x 403 x 145 mm (Breite x Tiefe x Höhe), womit das System etwas schmaler, aber dafür deutlich höher als der RANE Performer ausfällt. Im Karton liegen neben dem Controller die beiden Acryl-Auflagen samt Slipmats für die Jogwheels sowie ein Netz- und USB-Kabel, die Schnellstart-Anleitung, ein Satz Aufkleber und eine Tube Fader-Öl.


Wie ist der RANE System ONE verarbeitet?
Wie jedes RANE-Gerät wurde auch bei diesem DJ-Controller sämtliche Technik in einem äußerst robusten und massiven Metall-Chassis mit mattem, recht katzresistentem Finish verbaut, wodurch er auch wuchtige 13,4 kg auf die Waage bringt.
Dank des großzügigen Top-Panels behält man bei den etlichen Funktionen nicht nur die Übersicht, sondern es unterstützt auch einen ergonomischen und intuitiven Workflow. Die Regler der Mixer-Sektion mit ihrem gedämpften Drehverhalten bieten genügend Fingerfreiheit zu den Nachbarn. Die geriffelten Kappen bestehen aus Hartgummi, sind damit sehr griffig und mit ihrer weißen Oberseite auch im Dunkeln auffällig.
Eine Fader-Sektion fast für die Ewigkeit
Wie beim ONE MKII und Performer setzt RANE auf 40 mm lange, sehr leicht gleitende PRECISION FEEL Line-Fader und einen MAG FOUR Crossfader, allesamt verschleißfrei. Sie können gehamstert (Reverse-Mode), hinsichtlich ihrer Kurve stufenlos und auch vom Gleitwiderstand (beim Crossfader mit der Tension-Schraube an der Front, bei den Channel-Fadern unter dem abgeschraubten Faceplate) angepasst werden.
Die achtgliedrigen LED-Level für die beiden Kanäle und das Stereo-Master-Signal sind von den Fadern umzingelt. Ergänzt wird die Mixer-Sektion von jeweils einem Gain-Regler und drei EQ-Knobs für Bass, Mitten und Höhen, die auch wahlweise das Stem-Level der Drums, Melody und Vocals regulieren. Aus Platzgründen verbannt RANE die Regler für Master und Booth in die oberen rechten Ecken der Decks.




Welche Effekte biete der RANE System ONE?
Oberhalb der Fader gibt sich die FX-Einheit mit den robusten ikonischen FX-Hebeln aus Alu die Ehre, um wahlweise einen der sechs Preset-FX (Echo, Reverb, Recycle, Pitch On, Rise, und Echo Out) der insgesamt 25 On-Board-Effekte zu aktivieren.
Wichtige Parameter passe ich mit dem Rotary Encoder an. Die BPM und Beats werden mit dem vertikal und horizontal arbeitenden Joystick getippt. Zwischen diesen beiden befindet sich der FX-Intensitätsregler. Die Effektsektion hat aber noch mehr zu bieten.
Da wäre zunächst die fünf Sweep FX-Regler:
- Filter
- Noise
- Wash
- Reverb
- Dub Echo
Dazu kommen vier Fader-FX:
- Fader Echo
- Shutter Verb
- Echo Down
- Reverb Down
... und letztlich dank dem Display satte zehn Touch-FX:
- LFO Echo
- Noise Gate
- Filter Roll
- Filter Reverb
- Filter Echo
- Flanger,
- Filter Dub Echo
- LFO Filter
- Filter Gate
- Filter
Allesamt können mit den anderen Effekten kombiniert werden.
Großes hochauflösendes Touch-Display für neue Optionen
Die obere Hälfte der Mischeinheit bestimmt das 7-Zoll große Touch-Display, um sich beim Workflow völlig von einem angeschlossenen Laptop nebst DJ-Software zu lösen. Vor allem für das Scrollen in der Library, um Tracks zu suchen und in die Decks zu laden, ist das Display unabdingbar. Neben den obligatorischen Track-Infos visualisiert es die Wellenformen.
Dank EngineDJ vom Medium unabhängige Zuspielung
EngineDJ, ein Betriebssystem, das sich bereits in Denon DJ-Controllern etablierte, verwaltet die auf USB-Sticks, Festplatte, SD-Card gespeicherte oder direkt von Spotify, Apple Music, Beatport, Tidal oder Amazon Music per WiFi oder Bluetooth gestreamte Musik.
Mit den Buttons Source/Browse und Menü kann ich zwischen den Medien on the fly beim Auflegen wechseln. Wer dennoch lieber vom Laptop nebst DJ-Software wie Serato DJ Pro auflegt, auch hierfür ist das System ONE vorbereitet und schaltet dank beinhalteter Lizenz die Vollversion nicht nur frei, sondern funktioniert auch plug’n‘play.
Etablierte motorisierte „Plattenteller“
RANE System ONE ist nicht nur der erste All-in-one-Controller von RANE, sondern mit den bereits im ONE verbauten motorisierten 7,2 Zoll großen Jogwheels in Plattenteller-Optik auch der erste generell seiner Art. Auch wenn man den Stroboskopspiegeln an den Tellern und der Rillenstruktur der draufliegenden Arcyl-Platten zunächst nur einen optischen Bezug zum Plattenspieler unterstellt, sorgen sie vor allem für besseren Grip beim Pitch-Bending am Jog-Wheel-Rand und beim Droppen der „Platte“. Für den perfekten Dreh der Platte wird wie bei richtigen Turntables eine Slipmat dazwischen gelegt.
Je nachdem, wie schnell der Start der Jogwheels sein darf, stellt man das Drehmoment auf low und high im Menü ein. Gleiches gilt auch für das Stoppen per Brake, das über einen Drehknopf angepasst wird. Selbst an die umschaltbare Umdrehungsgeschwindigkeit wurde gedacht: wahlweise 33 oder 45 Umdrehungen pro Minute.
Wer sich auch beim Beatmatching lieber traditionell auf den Pitch-Control verlässt, mit dem 10 cm langen Fader, der in der Null-Position leicht einrastet, geht es wie gewohnt von der Hand.

Weitere Ausstattungsmerkmale der Decks
Die Transport-Sektion mit ihrer vom Hub leicht einsenkenden Start/Stop-Taste, sowohl die schmal ausfallende Cue- und Sync-Taste wurden vom Performer übernommen. Auch die Performance-Pads nahmen das Geschwistermodell als Vorbild. Entsprechend profitiert von der System ONE von 27×20 mm großen farbig illuminierten und anschlagsdynamischen Pads und den vier monochromen Displays für die Anzeige der Namen beziehungsweise zeitlichen Position der Hotcues, die Roll-Länge, die Samples sowie die STEMS-Spur. Die Pads unterwerfen sich lediglich sechs Modi, wahlweise Hotcue, Roll, Loop, Sampler und STEMS in ihrer ersten Ebene, dazu Slicer in der zweiten.
Zu den weiteren Besonderheiten der beiden Decks zählen dedizierte Sektionen für Stems, zum Extrahieren der Acapella und des Instrumental, für Loops und Beat Jumps. Auch den Censor-/Silent Cue- und Reverse gönnt RANE eine Taste. Ebenso der Aufnahmefunktion, Quantize und Mixer/EQ (Mixer-Settings). Als letzte Neuerung zieht noch die Sektion für drei abrufbare Playlisten ein.
Die Frontseite des RANE System ONE
Die Vorderseite definiert sich durch die Level-, Bass- und Höhenregler für die zwei anschließbaren Mikrofone nebst Ein- und Ausschalter und einem zuschaltbaren in der Intensität regelbaren Effekt. Mikrofon 1 trumpft sogar noch mit einem Talkover auf.
In der Mitte unterhalb der Fader schließt sich deren stufenlose Kurvenanpassung und Reverse an. Über die Tension-Schraube stelle ich den Gleitwiderstand des Crossfaders nach meiner Vorstellung ein. Rechts knüpfen die Level-Regler für Sampler und Bluetooth/Aux wie auch für den über die große oder kleine Klinkenbuchse angeschlossenen Kopfhörer an. Den individuellen Hörgewohnheiten entsprechend erlaubt der Kopfhörerausgang eine getrennte Master- und Cue-Signalwiedergabe auf den beiden Kapseln (Split) oder ein stufenlos mischbares Signal (Mix).

Welche Anschlüsse bietet der RANE System ONE?
Der RANE System ONE wird mit der völligen Freiheit bei der Wahl der Medien beworben. Demzufolge reihen sich beim Backpanel zwei Slots für USB-Sticks, wahlweise USB B- und USB-C-Port, SD-Card, ein weiterer USB-C-Slot für den Laptop aneinander. Der Anschluss für die optionale Festplatte versteckt sich am Boden des Gerätes.
Zur beatsynchronen Lichtsteuerung, auch über Touch-Display möglich, kann der Controller per mit dem dafür reservierten USB-Port und einem erforderlichen optionalen SoundSwitch-Interface verbunden werden. Zudem verbindet sich der RANE System ONE über Bluetooth 5.4 mit Externa, um einerseits Musik auf den Bluetooth-Kanal zu legen, aber auch Hardware wie eine Tastatur anzuschließen.
Die analogen Anschlüsse erweisen sich als einziger Haken des System ONE. Schließlich bietet er als weitere Inputs nur zwei RCA-Buchsen für eine Line-Quelle und zwei Kombi-Buchsen für die Mikrofone.
Daher ist nicht alles All-in-one und völlig Standalone, denn wer die Mixer-Einheit zum Auflegen mit zwei externen Quellen wie CDJs oder Schallplattenspielern nutzen möchte, wird enttäuscht. Auch der Back2back-Betrieb mit zwei Laptops ist ausgeschlossen.
Den professionellen Einsatz im Club oder auf dem Event unterstreichen wiederum die Master-Ausgänge über XLR- und Cinch-Buchsen, die wahlweise auch auf Mono schaltbar sind, und die beiden Monitor-Klinken-Outputs. Der Netzschalter und der Kaltgerätekabelanschluss vervollständigen das Backpanel.













