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Radial Engineering Decoder Test

Praxis

Der Radial Decoder in der Praxis

Kanal 1 ist für den Anschluss des Mittensignals vorgesehen. Für das Seitensignal ist in erster Linie Kanal 2a zuständig. Bei Verwendung eines Druckgradientenempfängers oder einer Spur für die Seiten muss das Signal dieses Kanals mit Hilfe des Link-Knopfes zusätzlich auf Kanal 2b geroutet werden. Beim Radial Decoder ist es nicht mehr nötig, in diesem Kanal die Phase umzukehren, denn er ist bereits invertiert. Am Stereo-Ausgang liegt dann das dekodierte Signal an.

Zwei Möglichkeiten, MS-Stereo aufzunehmen

Wir haben bei der Verwendung des Radial Decoders die Möglichkeit, den Druckgradientenempfänger durch zwei nach außen gerichtete Nierenmikrofone zu ersetzen. Dafür schliessen wir an die Eingänge 2a und 2b jeweils ein nach außen gerichtetes Nierenmikrofon an. Bei dieser Mikrofonierung oder bei Vorliegen entsprechender Spuren sollte der Link-Schalter nicht gedrückt sein, dafür muss jedoch der invertierten Kanal 2b mit dem 180°-Schalter zurückgedreht werden, da die Seitenmikrofone durch die Ausrichtung nach außen bereits gegenphasige Signale aufnehmen.

Der Decoders im Einsatz bei Abi Linden vom Klangarchiv

In der Praxis können durch den größeren Abstand der Kapseln zueinander Phasenprobleme und für MS-Stereo problematische Laufzeitunterschiede entstehen. Bei MS-Mikrofonierung müssen die Kapseln ja möglichst eng positioniert sein, möglichst exakt ausgerichtet und möglichst genau ausgesteuert, um eine optimale Monokompatibilität zu erreichen. Dies wird durch die nicht exakt arbeitenden Gainpotis und das Fehlen von Aussteuerungsanzeigen zusätzlich erschwert. Der Decoder warnt auch nicht vor Verzerrungen. Da helfen nur ein gutes Monitoring und gute Ohren. Ich fand es gerade in Livesituationen sehr schwierig, die Pegel am Radial Decoder sauber aufeinander abzustimmen.
Das Ergebnis sind Aufnahmen, die aufgrund der ungewollt unterschiedlichen Aussteuerung zu einer Seite kippen sowie negative Korrelationswerte der Stereokanäle.

Aufnahme mit dem Radial Decoder, Kugel- und Achtermikrofon bei einem Kneipenkonzert der Band „The King Blues“ aus Köln.

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Kneipenkonzert Kugel/Acht

Zum Vergleich habe ich Aufnahmen einer Akustikgitarre mit dem Radial Decoder gemacht und dann die selbe Situation mit genau denselben Mikrofonen an den gleichen Positionen mit meinem kleinen Mobilrecorder noch einmal kodiert aufgenommen. Diese zweiten Aufnahmen habe ich dann später ohne weitere Bearbeitung in Logic Pro dekodiert.

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Gitarre mit Kugel und Acht Gitarre mit Kugel und Acht, in Logic dekodiert Gitarre mit Kugel und zwei Nierenmikrofonen Gitarre mit Kugel und zwei Nierenmikrofonen, in Logic dekodiert

Im direkten Vergleich zeigt sich, wie schwierig es ist die Kanäle des Radial Decoder sauber auszusteuern. Die Verschiebung des Stereobildes und die Phasenauslöschungen kommen nicht von falsch aufgestellten Mikrofonen oder falsch gepolten Kabeln, wie der Hersteller in einer Stellungnahme nahelegt, denn dann wären auch die Referenzaufnahmen verschoben.
Was bei den bisherigen Aufnahmen noch nicht wirklich auffiel, zeigt sich beim Reamping im Studio um so deutlicher: Der Decoder vertauscht die Seiten. Alles was bei der Aufnahme links war, erklingt am Ausgang des Decoders rechts! Der Gitarrist wird plötzlich zum Linkshänder. Das ist ein nicht zu vernachlässigendes Problem des Radial Decoder. Ich tippe auf einen Phasenfehler in einem der Eingangskanäle, zumindest bei meinem Testgerät. Zum Vergleich habe ich dieselben Signale mit verschiedenen Plug-Ins in Logic Pro dekodiert. Alle getesteten Plug-Ins ergeben seitenrichtige Stereosignale. Auch hier habe ich die korrekte Phasenlage der Verkabelung geprüft.

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Original mit dem Radial Decoder dekodierter Mix mit einem Plug-In in Logic dekodierter Mix
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