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Novation Audiohub 2×4 Test

Praxis

Das Thema „Stromversorgung“ hatte ich ja im Intro bereits kurz angeschnitten und schon mal gleich vorweg: Die Lautstärke des Interfaces ist unabhängig davon, ob es am 240V-Netz hängt oder nicht. Sein Hub allerdings funktioniert nur unter dieser Voraussetzung, was absolut sinnvoll ist, und so kann man auch stromhungrigeres USB-Equipment spielend anschließen. Ferner ist die externe Spannungsversorgung Pflicht, wenn ein iPad anstelle eines Rechners genutzt werden soll, da dieses allein zu schwach ist, um den Audiohub mit Betriebsspannung zu versorgen. Hier ist im Übrigen Apples Camera Connection Kit unabdingbar. Das ist, wenn man gezwungen ist, zudem noch 30-Pin/Lightning-Adapter einzusetzen, schon eine wackelige Angelegenheit. Mir persönlich wäre es lieber, der Audiohub hätte ein simples USB-auf-Lightning-Kabel im Gepäck, auch wenn dies den Kaufpreis vielleicht ein ganz klein wenig anheben würde. Außerdem sollte man wissen, dass iOS-Devices nicht aufgeladen werden, daher sollten sie vor einer Live Performance ausreichend geladen sein, will man nicht in die Bredouille geraten. Es gibt ja durchaus Gerätschaften, die den iPad-Akku bei Anschluss versorgen, insofern ein kleiner Kontrapunkt.  
Was allerdings im Zusammenspiel mit dem Apfelbrett problemlos klappt, ist die Übertragung von Audiosignalen und USB-MIDI-Befehlen beispielsweise eines Keyboards an eine App wie Waldorfs Nave. Schade allerdings, dass Novations Hub keine echten MIDI I/Os bereitstellt. Das wäre durchaus sinnvoll gewesen. Als ebenso unproblematisch erweist sich das Mehrkanal-Audiorouting via Core Audio im Tablet-Verbund. Die Eingangskanäle werden der entsprechenden Recording-App automatisch zugeordnet, ebenso wie die Playout-Channels dem Instrument, der Groovebox oder was auch immer gerade läuft. Ferner können iPad und Audiohub auch als DJ-Lösung mit separaten Stereoausgängen für Masterbus und Vorhöre fungieren. Das funktioniert natürlich auch mit einem MacBook, wobei die aktuellen DJ-Programme ja auch den externen Mix erlauben, also das separate Playout der Decks über die Stereoausgänge an zwei Kanäle eines externen Mischers. Mein Test mit Native Instruments Traktor verlief selbst bei niedrigen Latenzeinstellungen störungsfrei. Da Audiohub nur über einen Eingangskanal verfügt und der zudem ohne Phono Preamp auskommen muss, brauchen wir uns dem Thema „DVS“ nicht zu widmen und kommen zu dem Schluss, dass ein digitaler Performer, der eine DJ-Lösung sucht und keine DVS-Ambitionen pflegt, mit dem Audiohub eigentlich gut bedient sein sollte.

Fotostrecke: 2 Bilder Ob iPad oder iPhone, das Audiohub hat kein Problem mit Multiaudio-Anwendungen und Core MIDI. Netzteilspeisung des Audiohubs und ein Camera Connection Kit sind aber Pflicht.
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Ableton Live Lite V9

Zum Lieferumfang zählt „Live 9 Lite“, eine abgespeckte DAW, die aber gerade für Neuankömmlinge im Ableton Universum einen zusätzlichen Kaufanreiz bieten könnte. Live 9 Lite bietet nämlich viele Basis-Features seines großen Bruders, zum Beispiel Warp und Timestretch, VST- & AU-Host, MIDI-Sequencer samt MIDI-Learn und Mehrspur-Aufnahmen mit bis zu 32 Bit bei 192 kHz. An Software-Instrumenten sind Drum Rack, Impulse und Simpler enthalten sowie eine Anzahl von Audio- und MIDI-Effekten, die in Kombination mit den Core Library Sounds zahlreiche Möglichkeiten bieten, um erste musikalische Gehversuche mit der DAW zu unternehmen. Einen aktuellen Test der Vollversion findet ihr hier.
In der Lite-Edition könnt ihr mit acht Audio- und MIDI-Spuren sowie zwei Send- und Return-Spuren in bis zu acht Szenen arbeiten. Für das Ein- und Ausgangsrouting stehen je vier Monokanäle zur Verfügung, im Falle des Audiohubs natürlich nur zwei Inputs. Das Einbinden des Interfaces geht „easy as can be“ von der Hand und es schlägt sich in der Performance und Flexibilität sehr gut, vor allem natürlich auch, weil sich auch die Möglichkeit bietet, diverse Kommandozentralen zur Fernbedienung von Effekt- und Synth-Plug-ins, virtuellen Fadern und Equalizern einzubeziehen. Sobald die Peripherie erkannt ist, finden sich alle Controller in den Voreinstellungen ein. Man sollte allerdings auch hier nicht vergessen, dass die kleine schwarze Kiste keine Möglichkeit zur Aufnahme von Stimmendarbietungen oder akustischen Instrumenten bietet, da sie über keinen Mikrofoneingang verfügt. Es ist hier aber mit einem kleinen vorgeschalteten Pult „ein Workaround“ zu schaffen.
Erwähnen möchte ich noch, dass sich der Audiohub durchaus auch mit einem externen Effektor kombinieren lässt, der über die Outputs 3 und 4 gespeist wird und der Mischung und dem Monitorweg über den Cinch-Eingang zurückgeführt werden kann. Denkbar ist auch, eine Effekt-App wie Sugarbytes Turnado am iPad einzubeziehen, idealerweise mit einem passenden In/Out-Dock.
Wichtig ist nur, dass man sich im Vorfeld einigermaßen klar darüber ist, dass am Hub kaum Optionen für „Erweiterungen“ vorhanden sind. In meinem Fall ist dort gerade eine Maschine, ein Push und mein guter, „alter“ VCM-600 von Vestax angeschlossen. Am Line-In wartet AKAIs Wolf auf ein Startsignal und mit der vorderseitigen 6,3-Millimeter-Klinkenbuchse betreibe ich einen Ultrasone DJ Pro und verbinde den symmetrischen Ausgang mit der LN 600 Monitoranlage, womit fast alle Schnittstellen belegt und „der Drops gelutscht ist!“

Fotostrecke: 3 Bilder Hier mit belegtem Hub und Push, Maschine sowie VCM-600.
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Klang

Die Pegel der beiden Ausgänge lassen sich wie eingangs erläutert direkt an der Hardware regeln, was nicht nur für den Live-Betrieb ein Segen ist, darf man doch mitunter den Klick auf einen Software-basierten Mixer oder ein virtuelles Panel getrost abschreiben. Somit ist es folgerichtig, dass auch der Kopfhörerausgang einen separaten Volume-Regler spendiert bekommen hat, und zwar nicht klein und fummelig, nein, schön groß und sehr griffig. Praktisch erscheinen mir auch die Clipping-LEDs für den In- und Output, denn so hat man potentielle Übersteuerungen stets im Blick. Sollte aus irgendeinem Grund die Verbindung zu einem USB-Gerät ausfallen, wird auch dies unverzüglich „mitgeteilt“, sehr löblich! Diverse Lämpchen melden zudem Aktivitäten von Audiointerface und Hub. Ein einfaches, aber gelungenes visuelles Feedback, das auch in dunklen Umgebungen eindeutig genug ist.  
Bei der Digitalisierung eines Line-Signals ist der Sound weder zu harsch noch zu dumpf oder undifferenziert, sondern neutral und authentisch. Im Direktvergleich fällt nichts negativ auf, wie man den nachfolgenden Hörbeispielen gut entnehmen kann. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass zur Vermeidung von Übersteuerungen, der an den Cinchbuchsen anliegende Signalpegel beim Betätigen der Input-Taste um gut 8 dB und der Computer/iPad-Pegel um rund 5 dB gedämpft wird. Dabei wird das Signal in der Summe leiser und muss gegebenenfalls nachreguliert werden. Dazu auch ein Audiobeispiel.

Audio Samples
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Auszug AD-Wandlung Auszug Original-File Direktvergleich Audiodateien Standard, Absenkung Live Input und Drum

Und ja, ich würde sagen, der Audiohub macht ordentlich Dampf! Der Ausgangspegel passt. Ich habe hier zwar Gerätschaften stehen, die noch eine Schüppe drauflegen können, dennoch ist es genug, um in den anvisierten Szenarien zu bestehen. Was den Klang angeht, kann ich dem Audiohub mit den Focusrite-Innereien einen transparenten und differenzierten Sound ohne Schönfärberei attestieren. Hinsichtlich der Pegelnorm liegt der Audiohub an den elektrisch symmetrierten Ausgängen bei nominalen +18,4 dBU (Vergleich: NI Komplete A6 nominal 11 dBU, Focusrite Forte nominal 16 dBU). Der Kopfhörerverstärker ist laut genug für den Live- und Club-Einsatz und auch dieser klingt transparent, rund und verfügt über ausreichende Leistungsreserven.

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