Istanbul Agop Xist Test

DETAILS

Meine heutigen Testkandidaten kommen aus der Türkei. Das türkische Wort für „Bschschsch“ (vormals Becken) ist übrigens Büyük Zil.

Istanbul_Agop_Xist_Set_Set_2

Jetzt aber zur Sache. Zum Test habe ich heute zwei Exemplare des Istanbul Agop Xist Beckensets bekommen. Die Xist Serie wurde 2009 ins Leben gerufen und im Folgejahr um einige Modelle erweitert. Neben den hier getesteten Bestandteilen des Sets sind also noch diverse andere Größen erhältlich. Eine Übersicht dazu findet ihr in den Specs am Ende dieses Tests. Das Motto der Xists ist mit „modern und trotzdem traditionell“ gut getroffen. Dieses steckt sowohl in der Art der Herstellung der Becken als auch in ihrem Sound und Preis, wobei diese drei Dinge natürlich zusammenhängen. Traditionell ist zum Beispiel die verwendete B20-Bronze. Diese Legierung aus 80 Prozent Kupfer und 20 Prozent Zinn ist der Stoff, aus dem eigentlich alle professionellen Beckenträume gemacht sind. Jeder Hersteller verfeinert dieses grundsätzliche Rezept dann noch mit seiner ganz persönlichen und geheimen Spezial-Zutat. Die kenne ich in diesem Fall nicht, es soll allerdings Menschen geben, die ihre Becken zerschnitten und das Metall analysiert haben, um den Geheimnissen der Hersteller auf die Spur zu kommen. Wahrscheinlich waren das Nachfahren der Herren Hornborstel und Sachs.
Etwas moderner dagegen ist die Fertigung der Becken. Bei der Herstellung der Xists werden im Vergleich zu den teureren Serien Istanbul Agops mehr Fertigungsschritte mit maschineller Hilfe ausgeführt. So sind die Becken zum Beispiel schon grundsätzlich in Form gebracht, bevor sie ihre Endbearbeitung traditionell von Hand „eingehämmert“ bekommen.
Das spart teure Arbeitsstunden und führt zu in einem modern-niedrigen Kaufpreis. Auch im Klang findet sich der moderne Ansatz wieder. Das Wort, das Istanbul Agop gerne zur Beschreibung der  Xists benutzt ist „Projection“, was soviel bedeuted wie “Ausgerichtetheit”. Und das wiederum soll klar machen, dass die Becken sehr gut in der Lage sind, sich auch in einem modernen Kontext, zum Beispiel gegen laute Refraingitarren, durchzusetzen. Alle Modelle sind sowohl mit traditionell matter Oberfläche, als auch im eher modernen Brilliant Finish erhältlich. Ich habe zum Test übrigens jeweils ein Set beider Finishes bekommen. Meine Testsets umfassen ein Paar 14“ Hi-Hats, ein 16“ Crashbecken, ein 20“ Ridebecken und neuerdings, so sagt es mir der Aufdruck auf der Box, auch ein 18“ Crash. Zum Lieferumfang gehört neben den Becken noch eine Transporttasche.

Istanbul_Agop_Xist_Set_Tasche

Schon auf den ersten Blick macht das bunte „Xist“-Logo auf der Rückseite der Beckentasche klar, dass das Zielpublikum der Serie keine alten Herren sind. Mich leitet der Look des Schriftzuges kurz in die Irre. Er versprüht ein wenig Kinder- oder Einsteigercharme. Dieser Eindruck hält aber nur bis zum Öffnen der Beckentasche. Die einzelnen Becken sind fein säuberlich einzeln in Plastikhüllen verpackt, damit beim Transport nichts zerkratzt. Durch die Klarsichthülle blitzt mir schon deutlich der Farbton der B20 Bronze entgegen. Als Erstes werfe ich mal einen Blick auf den Satz im traditionellen, matten Finish. Der erste Eindruck passt zu dem, was ich während meiner Hausaufgaben über die Fertigung der Becken gelernt habe. Ganz klar sind die Einschläge der Handhämmerung schön verteilt auf allen Becken zu sehen. Allerdings ahnt man auch, dass nicht sie alleine das Becken in Form gebracht haben. Die Form ist nämlich maschinell exakt und zu sauber, um ausschließlich von Hand entstanden zu sein. Nicht ganz so sauber sind die Oberflächen der Becken. Es verstecken sich da und dort einige Unreinheiten im Metall und führen zu kleinen rauen oder dunklen Flecken. Ansonsten ist die Färbung meiner Testkandidaten sehr gleichmäßig. Es gibt auch etwas zu lesen auf den Becken: Oben ist das schon beschriebene Xist Logo aufgedruckt, gleich darunter ist das Maß sowohl in Zoll als auch in Zentimetern angegeben, damit es auch auf beiden Seiten des großen Teichs verstanden wird. Seitlich befindet sich eine Prägung im Metall, an der man erkennt, welches Fabrikat man vor sich hat, auch wenn die Schriftzüge schon abgespielt sind und meine Testkandidaten gereifte Vintageobjekte geworden sind. Am unteren Rand ist der bekannte Agop-Schriftzug platziert. Diesmal mit ein wenig Schmutz drumherum, der beim Aufbringen der  Logos aller meiner Testbecken entstanden sein muss. Sowohl diese Spuren als auch die leichten Verunreinigungen der Bronze sind auf den Fotos hier im Test gut zu erkennen.

Istanbul_Agop_Xist_Set_20_Ride

Ich empfinde solcherlei leichte Spuren immer als Beweis für die Einzigartigkeit eines jeden Beckens. Ebenfalls ein Beweis dafür sind die teilweise ganz ordentlich variierenden Gewichte, die man selbst bei Becken gleicher Größe und Serie findet. Im Falle meiner beiden Sätze handelt es sich um folgende Werte: Die Hi-Hat bringt 970 und 1180 Gramm auf die Waage, wobei das Top natürlich das Leichtere von Beiden ist.

Istanbul_Agop_Xist_Set_HiHat_Top

Das 16“ Crash wiegt 990 Gramm, das 18“ Crash 1430 Gramm und das 20“ Ride bringt es auf 2470 Gramm. Um den direkten Vergleich zu erleichtern, leite ich mal mit dem Thema Gewicht zum Brilliantset über. Hier wiegt die Hi-Hat 1010 und 1180 (das Top-Becken ist also 40 Gramm schwerer!), das 16“ Crash wiegt 1040 Gramm, 50 Gramm mehr als der matte Kollege. Das 18“ Crash hat 1520 Gramm auf den Rippen. Den deutlichsten Unterschied macht aber das 20“ Ride mit 2170 Gramm. Wenn meine Waage nicht spinnt, sind das 300 Gramm Unterschied zum Artgenossen. Da hat aber jemand ordentlich was weg poliert! Die Politur, oder das „Buffing“, um es international zu sagen, ist nämlich der Unterschied zwischen meinen beiden Testsets, obwohl die Körper meiner Testbecken recht schonend bearbeitet wurden. Das kann man an den, im Vergleich zum traditionellen Satz, noch fast vollständig erhaltenen „Tone Grooves“ sehen. Tone Grooves werden die konzentrischen Rillen genannt, die beim Abdrehen der frisch gehämmerten Becken entstehen. Diese verringern sich je nach Intensität der anschließenden Politur mehr oder weniger. Diesen Effekt  kann man auf den Glocken der Xists gut erkennen. Die Glocken, sowie etwa 1cm ihres Umkreises, wurden nämlich etwas härter rangenommen und blitzen daher deutlich mehr –bei merklich verringerter Rillentiefe. Die Politurprozedur hat einige der dunklen Stellen, die ich bei dem anderen Satz festgestellt habe, beseitigt. Geblieben sind nur die vereinzelten Verunreinigungen der Legierung.

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