Gibt es Recording-Prepper? Nun, wer weiß. Aber ich habe mir letztens die hypothetische Frage gestellt, was passiert, wenn einige Dinge unterbrochen sein oder gar wegfallen sollten, an die wir uns gewöhnt haben. Ist dein Recording-Setup krisensicher?

Was kann geschehen?
Was passiert in einem Krisenfall? Es kann immer mal Naturkatastrophen geben. Großflächige Cyberangriffe wie gezielte Abschaltungen durch Kriminalität, politische Druckmittel (Sanktion, „Bestrafung“ oder Destabilisierung, Stichwort: Geoblocking!) können die Technik, auf die wir uns verlassen, lahmlegen. Was passiert, wenn Betriebssysteme per „Kill Switch“ fernabgeschaltet werden? Oder wenn der Strom für Tage ausfällt? Im Extremfall haben wir zwar andere Sorgen als Aufnahmen zu machen, aber wer vorbereitet ist, kann auch in Krisenzeiten kreativ bleiben.
Braucht dein Recording-Setup das Internet?
Es gibt Software und auch Hardware, die nur benutzt werden kann, wenn sie Verbindung zum Internet hat. Manche nur bei der Installation, anderes in regelmäßigen Abständen. Im Regelfall geht es dabei um Registrierungen.
Dein Setup könnte blockiert werden, wenn die DAW eine Online-Aktivierung erfordert. Sieh nach, wie deine wichtigsten Audio-Programme mit Lizenzierung umgehen. Bei Plug-ins ebenfalls, aber diese sind oft nicht so essentiell wie die Hosts. Checke auch dein Audio-Interface und seine zugehörige Software! Abosysteme sind natürlich anfälliger als wirklich erworbene Lizenzen.

Was Software mit Zeitschriften zu tun hat? Mehr als man denkt!
Cloud? Schön. Und dein Backup? Fühlst du dich irgendwie erwischt? Achte darauf, immer eine lokale Kopie deiner wichtigen Daten zu haben!

Mark Needham ist einer der Top-Mixer und Produzenten weltweit. Im Workshop-Interview lässt er euch über seine Schulter gucken und gibt euch 5 Profi-Tipps für das Backup eurer Studiodaten.
Haarig wird es natürlich, wenn dein Betriebssystem streiken sollte, aus welchen Gründen auch immer. 2017 beispielsweise nutzte eine Ransomware eine Schwachstelle in Windows, um weltweit Systeme zu verschlüsseln.
Multitrack-Studios und -Recorder

Auf den PC oder Mac verzichten? Echt jetzt? Wozu das denn? Nun, hier sind ein paar passende Gründe.
Kein Strom? Ok, das wird schwierig.
2015 und 2016 legten Hacker Teile des Stromnetzes durch Sabotage der Steuerungssysteme in der Ukraine lahm. Ich selbst hatte nach der Flut von 2021 einmal drei Tage keinen Strom, weil es an einer Verteilstelle einen Kurzschluss gegeben hat. Das Mobiltelefon konnte ich am Auto laden, das war es aber auch schon. Alles andere ging nur an Orten, die Strom hatten. Zum Glück habe ich kein Smart Home oder „Smart Studio“. Generator, Akkubank, unabhängige Möglichkeit zum Strom generieren: hatte ich nicht. Für das Recording ist man schnell aufgeschmissen, so viel ist klar. Da helfen dann auch Mobilgeräte nicht, zumindest nicht für einen längeren Zeitraum. Und rein mechanische Aufnahmesysteme wie eine Wachswalze habe auch nicht unbedingt, vintage hin oder her.
Manche Audio-Interfaces laufen bus-powered, mit handelsüblichen 12V-Netzteilen oder sogar mit USB-Power von 5 Volt. Damit kannst du sie direkt an Autobatterien, Powerstations oder sonstigen wiederaufladbaren Quellen anschließen.
Heizung, Lüftung oder Klimaanlage ausgefallen?
Wenn die Fernwärme oder Gaszufuhr unterbrochen ist, die Smart Home-Technik deine Heizung lahmlegt, du deinen typischen Brennstoff nicht bekommst oder er unbezahlbar wird, kann das je nach aktuellem Wetter problematisch sein. Vorsicht mit mobilen Heizgeräten wie Katalytöfen: Entstehende Feuchtigkeit ist ein Problem, ganz besonders aber Kohlenmonooxid: geruchlos und tödlich! Klimaanlage, Be- und Entlüftung kategorisieren wir mal unter Luxus.
Handel eingeschränkt? Kann für Recording zum Problem werden.
Es geht gar nicht unbedingt um Neukauf. Überleg’ mal, welches deiner Geräte wie lange ohne jeglichen Service auskommt. Sollte Handel erschwert sein, kann es da problematisch werden. Ein defektes Gerät ersetzen? Manchmal sind es die kleinen Dinge, die bei Nichtfunktion die komplette Arbeit lahmlegen können.
Die meisten Röhren werden sich in Lagern finden, auch standardmäßige Bauteile, mit denen sich Platinen reparieren lassen. Kondensatoren, auch einige Transitoren, ja sogar OP-Amps lassen sich sicher irgendwo auftreiben. Aber ein Gerät mal eben zum Spezialisten oder Hersteller in ein anderes Land zur Fehlerbehebung schicken? Das ist in Krisenzeiten vielleicht ein ganz schön ordentliches Problem. Das sehen wir ja schon aktuell beim Thema Zölle. Gut, wenn du Layouts verstehst, Fehler finden und selber löten kannst. Allerdings: Wo sind denn die Manuals, Blockschaltbilder und die Austauschmöglichkeit mit Fachleuten? „Im Internet“?

Jeder kennt es: Da will man aufnehmen, produzieren, editieren oder mischen – und irgendwas funktioniert nicht wie gewünscht. Eine Handlungsanleitung.

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Vermeintlich banal, aber auch eine Krise: kein Geld
Die bislang wohl häufigsten Krisen für semi- und vollprofessionelle Studios sind finanzieller Natur. Der Verlust eines Jobs oder von Ersparnissen oder Geldanlagen, auch Hyperinflation kann zum signifikanten Problem werden. Frage dich also: Kann ich bei jetzigem Jobverlust meine Studiomiete weiterzahlen? Wie sind die Kündigungsfristen und Konditionen? Muss ich etwas zurückbauen bei Beendigung des Mietverhältnisses? Bin ich abgesichert bei Krankheit und Unfall? Was von meinem Equipment könnte ich schnell verkaufen, um liquide zu werden? Kann ich meine Steuern und sonstige Verpflichtungen bezahlen?
Fazit: Recording-Setup krisenfest?
Was denkst du? Ist es übertrieben, sich darüber Gedanken zu machen oder sogar vorzusorgen? Ist es Alarmismus? Es muss ja nicht hybride oder physische Kriegsführung dafür sorgen, dass du eine Zeit im Dunkeln sitzt. Theoretisch reicht schon ein ordentlicher Schneesturm. Es müssen keine globalpoitischen Zerwürfnisse dafür sorgen, dass du bestimmte internetabhängige Dienste nicht mehr oder zeitweise nicht nutzen kannst, das kann auch rein technische Gründe oder kriminellen Hintergrund haben. Für einige Probleme reichen schon zufällige Defekte, die in unserer hochtechnisierten Welt nicht unwahrscheinlicher werden.