Software
Test
10
20.02.2018

Universal Audio UAD2 Software Version 9.5 Test

Effekt-Plug-Ins

UAD2 - der nächste Streich

Die Universal Audio UAD2-Plug-In-Gemeinde darf sich in regelmäßigen Abständen über Updates freuen, mit denen auch immer wieder neue Effekte und Emulationen vorgestellt werden. 

Die aktuellste Version trägt die Versionsnummer 9.5 und Universal Audio hat neben drei neuen Plug-Ins auch einige Verbesserungen an der Software vorgenommen, die sich hier nachlesen lassen.

Details & Praxis

Allgemeines 

Mit dem 9.5er Update sind folgende Plug-Ins hinzugekommen, die man hier herunterladen kann. Im Einzelnen handelt es sich dabei um einen A/DA Flanger, einen Friedmann Buxom Betty Amplifier und einen Unison Helios Type 69 Preamp sowie EQ Collection.

Das Gitarren-Update 

Nicht nur, aber besonders für Gitarristen dürfte dieses Update interessant sein, denn der A/DA Flanger und der Friedman Buxom Betty Amplifier sind Bonbons für echte Klang-Gourmets. Aber auch der Helios Type 69 Preamp und seine EQ Collection kann sich sehen und hören lassen, denn mit ihnen haben legendäre Bands wie die Beatles, Jimi Hendrix, die Rolling Stones, Led Zeppelin, Queen, Bob Marley und zahlreiche weitere Künstler ihre Songs aufgenommen.

Alle drei Plug-Ins können wie immer in einer 14-tägigen Testphase ausprobiert und bei Gefallen im UAD-Online-Store käuflich erworben werden.

A/DA Flanger 

Beginnen möchte ich mit dem von Brainworks gemodelten A/DA Flanger, den man getrost als echten Klassiker unter den Flanger-Pedalen bezeichnen kann. UAD hat es sich dabei nicht nehmen lassen, sich gleich an zwei Varianten des legendären Flangers zu wagen, wobei es sich um die Flanger aus den Jahren 1979 und 2009 handelt. Zwei sehr interessante Jahrgänge, Spätlese Südlage sozusagen.

Wichtigstes Merkmal des Originals ist die MN3010 Eimerketten-Schaltung und das Zeitverzögerungsverhältnis von 40:1 – die meisten Flanger bieten nur eine Ratio von 20:1. Mit dem Even/Odd Harmonics-Schalter, dem Threshold-Regler und dem integrierten Noise Gate eröffnen sich zudem weitere interessante Klangmöglichkeiten.

Hinzugekommen sind bei dem Plug-In ein Dry/Wet-Mix, Tempo-Sync zur DAW und der Dual Stereo Mode. Universal Audio hat natürlich auch die eigens entwickelte UAD-Unison-Technologie beim Modeln verwendet, womit man auch die Impedanz, Eingangsverstärkung und das Schaltungsverhalten des Originals erhält.

In den folgenden Audiobeispielen ist jeweils erst das Direktsignal zu hören, dann der 1979-Flanger und im dritten Beispiel der 2009-Flanger.

Neben dem Effekt stellt sich auch eine klangliche Veränderung ein: Der 1979 Flanger addiert hörbare Verzerrungen im Höhenbild hinzu und erzeugt damit einen durchsetzungsstarken, fast schon dreidimensionalen Flanger-Effekt. Der 2009 Flanger greift im Vergleich etwas weniger beherzt ins Geschehen ein, besitzt aber ebenfalls die räumliche Tiefe.

Und nun das Ganze noch einmal, jetzt aber mit einer knackiger gespielten Gitarre und einer anderen Einstellung am Pedal. Natürlich schalte ich auch hier vom 1979-Mode im zweiten auf den 2009-Mode im dritten Durchgang.

Hier lässt sich sehr schön heraushören, wie unterschiedlich die beiden Pedale agieren. Ihre Herkunft können beide nicht verleugnen, der 1979 Flanger liefert aber auch hier wieder im Vergleich für meinen Geschmack einen intensiveren, besseren Sound. Auch was das Stereobild anbelangt, können beide Flanger überzeugen. Der Klang wirkt immer raumfüllend.

Friedman Buxom Betty Amplifier 

Weiter geht es mit dem Friedman Buxom Betty Amplifier, der ebenfalls von Brainworks entwickelte wurde und natürlich auch von Dave Friedman persönlich empfohlen wird. Der Einkanaler, der im Original mit zwei EL34 bestückt ist und 50 Watt leistet, soll laut UA auch als Plug-In sowohl den Glanz amerikanischer Vintage-Röhren-Combos als auch das anmutige Gebrüll klassischer britischer Verstärker-Stacks liefern. Ich bin sehr gespannt, wie sich das im Klang niederschlägt.

Universal Audio hat es sich natürlich auch nicht nehmen lassen, dem modellierten Verstärker noch einige Features mit auf den Weg zu geben. Dazu gehören ein Noise Gate, ein Vintage Delay und High/Low-Filter. Beeindruckender ist aber die Liste von 100 Impulsantworten unterschiedlicher Aufnahmeketten mit verschiedenen Boutique-Verstärkerboxen. Und auch hier kam die UAD-Unison-Technologie zum Einsatz, die Impedanz, Gain-Staging und Schaltungsverhalten des Buxom Betty eingefangen hat. Insgesamt stehen drei Aufnahmeketten zur Verfügung:

  1. Telefunken V76 Preamp und Massenburg GML 8200EQ 
  2. Amek 9098 Channel Strip 
  3. SSL 4000 E Series

Und als Boxen kamen folgenden zum Einsatz:

  1. American 4x12: Mesa Boogie Rectifier 4fb 280 Watt, 4x12“ Vintage 30
  2. Friedman Buxom Betty 1x12: offene 1x12“ mit 65 Watt Celestion G12M- 65 Creamback
  3. Friedman Dirty Shirley 1x12“: offen, 65 Watt 1x12“ Celestion G12M-65 Creamback
  4. Friedman Vintage 4x12: 2x 12“ Celestion Vintage 30 (untere Reihe), 2x 12“ Celestion G12M-25 Greenback (obere Reihe)
  5. English 4x12: Marshall 1960 TV Lead 100 W 4x12“ Greenback G12M-25
  6. Orange 2x12: geschlossen, Orange PPC 212 120 Watt 2x12“ Vintage 30

Wie das ganze klingt, hört man im folgenden Beispiel. Zuerst ist der Amp mit allen Reglern in der Mittelstellung an der Reihe. Als Box kommt eine American 4x12“ zum Einsatz. Im zweiten Beispiel ist eine Buxom Betty 1x12“ Box und im dritten dann eine Dirty Shirley 1x12“ Box bei unveränderten Einstellungen am Amp zu hören. Diese drei Beispiele können natürlich nur einen kleinen Überblick darüber geben, was klanglich so möglich ist. Als Gitarre kommt eine mit einem Humbucker am Steg bestückte Strat zum Einsatz.

Wie erwartet, ändert sich der Klang des Verstärkers maßgeblich durch die unterschiedlichen Boxen, und dank der wirklich großen Auswahl unterschiedlicher Cabinets lässt sich der optimale Sound auswählen. Der Amp zeigt sich klanglich in der Tat britisch eingefärbt und liefert einen rotzigen Rocksound, der die Attacks schön herausarbeitet und so für mehr Kontur sorgt.

Im nächsten Beispiel habe ich den Volume-Regler ganz aufgedreht, Presence auf 16 Uhr, Bass auf 14 Uhr, Middle auf 9 Uhr und Treble auf 14 Uhr gestellt. Hier ist wieder die American 4x12“ Box zu hören.

Auch Single Notes werden klar akzentuiert und breit wiedergegeben und es macht Spaß, mit dem Buxom Betty Riffs abzufeuern.

Helios Type 69 Preamp und EQ Collection 

Mit der Helios Type 69 Preamp und EQ Collection kommt neben der bereits erhältlichen Neve 1073 Preamp & EQ Collection und der UA 610 Tube Preamp & EQ Collection ein weiterer Klassiker der Tontechnik hinzu, der die goldene Ära des Rock geprägt hat. Dabei handelt es sich um die Mischkonsole “Helios Type 69“, auf der Bands wie Led Zeppelin, The Beatles, Jimi Hendrix, AC/DC, Black Sabbath und viele andere ihre Meilensteine der Musikgeschichte aufgenommenen haben.

Wichtigste Stichpunkte beim Kanalzug: Überarbeiteter EQ, ein Lustraphone-Mikrofon- Eingangstransformator des Originals und ein Induktor-basierter 3-Band-Equalizer. Der Triple-Amp-Vorverstärker ist zudem der einzige auf der UAD-Plattform. Bei der Entwicklung des Kanalzugs hat Universal Audio auch hier die selbst entwickelte Unison-Technologie verwendet, bei der die Impedanz der Line/Mic-Vorverstärker und das exakte Schaltungsverhalten der Hardware gemodelt wurden.

Der Kanalzug besitzt einen passiven 3-Band EQ mit vier Glocken-Boost-Filtern im Bassbereich mit den Frequenzen 60, 120, 250 und 400 Hz. Ein fester 50 Hz Low Cut mit stufenweiser Verstärkungsregelung sorgt zudem für Ruhe bei sensiblem Audiomaterial, falls benötigt.

Wie der Kanalzug klingt, belegen die folgenden Beispiele. Beginnen möchte ich mit einem Klavier, das im ersten Beispiel ohne Plug-In, im zweiten dann mit dem EQ bearbeitet wurde.

Der EQ vermag das eher matt klingenden Klavier mit wenigen Handgriffen aufzufrischen und in den tiefen Frequenzen auszudünnen. Der Sound klingt nicht verbogen, sondern zeigt sich auch nach der Bearbeitung natürlich. Es folgt eine Snare, auch hier erst das Original, dann mit dem EQ veredelt.

Hier hört man sehr schön, wie effektiv der Helios arbeitet. Der Snareteppich wird förmlich nach vorne gerückt und frischt die etwas dumpf klingende Snare auf. Dabei bleibt auch hier die ursprüngliche Klangcharakteristik erhalten, sehr schön! Wo eine Snare ist, kann eine Kick nicht weit sein. Auch hier erst ohne, dann mit dem Kanalzug.

Kein Wunder, dass der Kanalzug gern bei Rockproduktionen verwendet wird, denn der bearbeitete Sound lässt sich wunderbar in den Mix integrieren und arbeitet die gewünschten Frequenzen hervorragend heraus.

Eine Akustikgitarre darf auch nicht fehlen. Im zweiten Durchgang habe ich das Signal mit dem Helios klanglich aufgewertet.

Trotz des massiven Einsatzes des EQs bleibt die Grundcharakteristik der Akustikgitarre erhalten. Das Höhenbild öffnet sich auf eine natürliche Art und Weise und auch hier werden die Anschläge sauber und perkussiv dargestellt.

Wie sich der Line/Mic-Schalter klanglich auswirkt, hört man im nächsten Beispiel. Erst steht er auf Line, im zweiten Beispiel dann auf Mic.

Das Signal wird förmlich aufgeblasen. Das hat zur Folge, dass die Rauminformationen weiter nach vorne gestellt werden und das Schlagzeug an Größe gewinnt.

Da sich der Helios auch verzerren lässt, nutze ich einen Bass, um genau den Effekt aufzuzeigen.

Bevor es in Richtung Fazit geht, möchte ich noch herausfinden, wie sich das Plug-In mit der Stimme versteht.

Wie bei den Beispielen zuvor zeigt der Helios EQ, das er zwar beherzt ins Klanggeschehen eingreifen kann, dieses aber nicht verbiegt. Gerade bei einer Gesangsspur zeigt sich die Qualität eines EQs und genau hier überzeugt der Helios erneut.

Fazit

Mit dem 9,5er Update hat Universal Audio wieder einmal ein eindrucksvolles Paket geschnürt, das neben den obligatorischen Verbesserungen der Software auch mit drei neuen Plug-Ins überzeugen kann. Mit dem A/DA Flanger, dem Friedman Buxom Betty Amplifier und der Helios Type 69 EQ & Preamp Collection gibt die US-Manufaktur interessierten Produzenten und Musikern überzeugende Tools an die Hand, die sich allesamt professionell nutzen lassen und mit ihrem Klang begeistern können. Daher gibt es von mir die volle Punktzahl!

  • Pro
  • hervorragende Klangqualität
  • erweiterter Funktionsumfang gegenüber dem Original (A/DA, Buxom Amplifier)
  • Contra
  • keins
  • Features A/DA Flanger
  • Unison Technology
  • 1979 Flanger, 2009 Flanger
  • Time Delay 0,4 - 14 ms
  • Sweep-Rate 0,04 Hz - 10 Hz
  • Sync 1/32 - 16 Takte
  • Harmonics even/odd
  • Output -24 dB -12 dB
  • Mix Regler
  • Saturation Regler
  • Stereo On/Off
  • Features Friedman Buxom Betty Amplifier
  • Unison Technology
  • Latenzfreies Aufnehmen mit Apollo Interfaces
  • FX Rack (Noise Gate, Vintage Delay, Amp Filter)
  • Recording Chain (über 100 verschiedene Aufnahmeketten)
  • Klangregelung Presence, Bass, Middle, Treble
  • Bright 3 Positionen
  • Volume
  • Input Selector High& Low
  • Power Soak
  • Features Helios Type 69 EQ & Preamp Collection
  • Unison Technology
  • Preamp Gain
  • -20dB Pad Mic/Line Input Selector
  • Output Fade
  • Gain: 20 dB, 30 dB, 40 dB, 50 dB, 60 dB und 70 dB
  • High Shelf: 10 kHz in 4er Schritte von Absenkung bis -16 dB, Anhebung bis+12 dB
  • Mid Freq: 700 Hz/ 1 kHz/ 1,4 kHz/ 2 kHz/ 2,8 kHz/ 3,5 kHz/ 4,5 kHz und 6 kHz
  • Mid Gain: Absenkung bis -9 dB, Anhebung bis 15 dB
  • Mid Type: Pk (Peak), TR (Through)
  • Bass: Peak Mode: 60 Hz / 100 Hz / 200 Hz / und 400 Hz
  • Cut Mode: Set Frequency 50 Hz, -3 dB, -6 dB, -9 dB, -12 dB, -15 dB)
  • Bass Gain: 0-15 dB Polarity Switch Level - ∞bis +10 dB
  • Preise
  • Helios Type 69 Preamp und EQ Collection: 299,00 Euro im UAD Online Store
  • A/DA Flanger: 149,00 Euro im UAD Online Store
  • Friedman Buxom Betty Amplifier: 149,00 Euro im UAD Online Store

Verwandte Artikel

User Kommentare