Test
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13.07.2021

Thomann Kalimbas Test

10 Kalimbas im Vergleichstest

Deine Daumen machen „pling, pling“

Instrumente, die vergleichsweise einfach zu erlernen sind und schon nach kurzer Eingewöhnungszeit gut klingen, liegen voll im Trend. Dazu zählen auch Kalimbas, die im Fachjargon „Lamellophone“ oder landläufig auch ganz schlicht „Daumenklaviere“ genannt werden. Musikgrosso Thomann hat ein umfangreiches Sortiment an Kalimbas im Programm. Dazu zählen vier „TK“-Modelle mit einem massiven Korpus aus Hainbuche, drei „TK-R“ Mahagoni-Modelle mit hohlem Korpus und optionalem Tonabnehmer und die drei „Sun“-, „Cats“- und „Unicorn“-Modelle mit Mahagoni-Korpus, die sich lediglich im Design voneinander unterscheiden.

Kalimbas haben ihren Ursprung in Afrika. Ihre Funktionsweise ist denkbar einfach: Auf einem Resonanzkörper, der etwa aus einem Kasten oder einer Kalebasse bestehen kann, sind Metallzungen (Lamellen) unterschiedlicher Länge angebracht, die durch Zupfen mit dem Daumen in Schwingung versetzt werden. Je nach Anzahl der Lamellen und deren Stimmung lassen sich mit Kalimbas perkussive Begleitfiguren, stimmungsvolle Atmosphären oder auch komplexere Melodien spielen. Gestimmt werden Kalimbas, indem die Lamellen mit einem kleinen Hammer vor- oder zurück getrieben und der schwingende Teil so verkürzt oder verlängert wird. Mehr Infos zu den beliebten Instrumenten findet ihr übrigens hier.

Details & Praxis

Details und Praxis

Gleich zehn Kalimbas bekamen wir von Thomann für diesen Test zugeschickt. Um die Übersicht zu behalten, haben wir die Instrumente in die drei Gruppen „TK“, „TK-R“ und „Motive“ eingeteilt.

TK5, TK7, TK9 und TK14 Kalimbas

In der „TK-Reihe“ gibt es die Modelle TK5, TK7, TK9 und TK14, wobei sich die Zahl in der Bezeichnung auf die Anzahl der Lamellen bezieht. Letztere sind aus galvanisiertem Stahl gefertigt, Brücke und Stege bestehen aus Edelstahl und sind auf einem Korpus aus geölter Hainbuche mit seitlichen Einbuchtungen angebracht. Die TK-Kalimbas werden in Deutschland hergestellt und machen einen sehr soliden und robusten Eindruck, wobei sie an manchen Stellen noch etwas rau sind und etwas mehr Sorgfalt beim Schleifen hätten vertragen können. Aufgrund des fehlenden Resonanzkörpers sind sie sehr leise. Legt man sie aber etwa auf einen Tisch, werden sie deutlich lauter und klangvoller.

Wie sein Name verrät, hat das TK5 fünf Lamellen und ist werkseitig in F-Moll gestimmt (A# - C - F - F - C), wobei F-Moll in diesem Fall nicht ganz richtig ist, da die Töne einen F sus4-Akkord ergeben. Dank ihres Durchmessers von gerade einmal zehn Zentimetern passt die TK-5 Kalimba auch prima in Kinderhände und Handtaschen. Wegen der überschaubaren Anzahl an Zungen und Tönen ist es unmöglich, sich auf der kleinen Kalimba zu verspielen, und auch die Abstände zwischen den Zungen sind recht groß. So werden sich auch blutige Anfängerinnen und Anfänger von Beginn an damit wohl fühlen. Natürlich sind die melodischen Möglichkeiten des TK5 recht eingeschränkt.

Da hat die TK7 Kalimba mit sieben Lamellen und fünf Tönen schon etwas mehr zu bieten. Was sie mit der in der Beschreibung angegebenen Tonart D-Dur zu tun haben soll, erschließt sich mir jedoch nicht, denn die Töne (H - G# - C# - A - F# - A - C#) ergeben einen schönen Fis-Moll (add9) Akkord. Auch bei dieser Kalimba ist es sehr einfach, wohlklingende Patterns aus dem Stegreif heraus zu spielen, weshalb auch sie sich gut für Einsteiger eignet. Mit zehn Zentimetern Durchmesser ist sie ebenso handlich wie die TK-5. Allerdings sind die Zungen sehr nah beieinander, sodass Menschen mit breiten Daumen vermutlich öfter mal unbeabsichtigt zwei Zungen gleichzeitig anschlagen. 

Bei der TK9 sind die Lamellen auf zwei Ebenen angeordnet, sodass sich zwischen ihnen größere Abstände ergeben, was großen Daumen sehr entgegen kommt. Zudem lassen sich die unterschiedlichen Töne so etwas besser merken, als wenn sie alle nur auf einer Ebene nebeneinander angeordnet wären. Werksseitig ist sie in der Tonart A-Moll gestimmt (A - C - C - A - A - F - E - E - H). Zum Moll-Dreiklang gesellen sich noch die beiden Töne F und H, was diese Stimmung wohlklingend und interessant macht, wobei die Kalimba immer noch sehr frei und intuitiv spielbar bleibt. Melodisch und harmonisch ergeben sich mit etwas Übung zudem schöne Möglichkeiten, was die TK9 zu einem idealen Übergang vom Einsteiger- zum Fortgeschrittenenmodell macht. Die Grundplatte der TK9 ist mit zwölf Zentimetern Durchmesser auch immer noch einigermaßen handlich.

Spontanes Wohlgefühl stellt sich auch bei der Stimmung der TK14 ein, die in D-Dur (H - F# - F# - A - A - D - D - F# - F# - C# - C# - A - A - D) geliefert wird. Zum D-Dur-Akkord kommen noch die große Septime und die Sexte. Auch hier sind die Lamellen in zwei Ebenen angeordnet, benötigen aber eine wiederum größere Grundplatte, die in diesem Fall 14 Zentimeter im Durchmesser misst. Aufgrund der vorgegebenen Stimmung und der vielen sich wiederholenden Töne führt aber auch bei dieser Kalimba freies Rumgeklimper zu wohlklingenden Ergebnissen. Wer etwas Zeit investiert und sich mit den Positionen der Töne auseinandersetzt, kann aber auch kleine Musikstücke damit kreieren.

TK10-R, TK10-R EQ, TK17-R Kalimbas 

Aus der in China gefertigten „TK-R-Reihe“ bekamen wir von Thomann drei Modelle, die alle einen hohlen Resonanzkörper besitzen und diatonisch in einer C-Dur Tonleiter gestimmt geliefert werden. Es sind bei diesen Kalimbas also alle Töne der Tonleiter vorhanden. Bei den Modellen TK10-R und TK10-R EQ reichen die Töne vom C3 bis zum E4, bei der TK17-R vom C3 bis zum E5. Bei den beiden zehnzüngigen Modellen werden die Lamellen von einem runden Metallstab auf zwei unten liegende Metallschienen gedrückt. Beim großen Modell übernimmt das ein Metallsteg. Beim großen Modell finden sich im Gegensatz zu den beiden kleineren auch noch zwei zusätzliche Resonanzlöchlein in der Bodenplatte. Alle drei Kalimbas sind gut verarbeitet und werden mit einem Transportbeutel, einem Stimmhammer und kleinen Aufklebern zum Markieren der Lamellen geliefert.

Auffällig sind die dickeren Lamellen der beiden zehnzüngigen Modelle. Diese sind beim TK10-R auf einem etwa 12,5 x 18,5 x 4 Zentimeter (B x T x H) großen Mahagoni-Korpus angebracht, der sich nach oben auf etwa 9,5 Zentimeter verjüngt. Durch die breiten Lamellen lassen sich die einzelnen Töne leicht treffen und mit ein wenig Übung einfache Melodien, Begleitpatterns oder sogar auch einfache Akkordprogressionen spielen. Durch den Resonanzkörper ist die TK10-R deutlich lauter als die TK-Modelle und die Töne klingen auch etwas länger. Mit dem zugehörigen Stimmhammer lässt sich die Stimmung recht einfach ändern. Um etwa eine G-Dur Tonleiter zu erhalten, müssen lediglich die F-Lamellen etwas nach oben getrieben werden, damit aus ihnen F# wird. Um zu F-Dur zu gelangen, müssen die H-Lamellen etwas nach unten getrieben werden, damit sie in B erklingen. 

Der Korpus der TK10-R EQ besitzt dieselben Maße wie der der TK10-R, besteht jedoch aus Koa und birgt noch eine Besonderheit im Inneren. Dort befindet sich ein Tonabnehmersystem, mit dem die Kalimba beispielsweise an einen Verstärker, Effektgeräte oder eine PA angeschlossen werden kann. Dafür befindet sich am vorderen Rand der Kalimba eine Klinkenbuchse, in die das mitgelieferte Instrumentenkabel eingesteckt wird. Das Signal, das die Kalimba liefert, klingt sehr natürlich und ist absolut praxistauglich. Wenn überhaupt nötig, kann es mit moderatem EQ-Einsatz noch etwas aufgehübscht werden. Wer seine Kalimba also gerne verstärkt spielen möchte, ist mit diesem Modell gut beraten. Einziger Knackpunkt: Durch Zufall habe ich das mitgelieferte Kabel in der Kalimba-Buchse etwas gedreht, was ein lautes und störendes Brummen verursacht hat. Ein hochwertiges Instrumentenkabel funktioniert jedoch einwandfrei.

Der Korpus der TK17-R Kalimba besteht aus Mahagoni und misst etwa 13,5 x 18,5 x 3,8 Zentimeter (B x T x H), wobei er sich nach oben auf etwa 11,5 Zentimeter verjüngt. Sie bietet eine ganze Oktave mehr Spielraum nach oben als die beiden kleineren Kalimbas und somit noch mehr Möglichkeiten, was das Spielen von Melodien und Akkorden betrifft. Mit zunehmender Tonhöhe verringert sich jedoch das Sustain der Lamellen, was die ganz oberen Töne im Gegensatz zu den tieferen etwas dünn klingen lässt. Dieser Effekt lässt sich etwas abgemildert aber auch bei den kleineren Modellen beobachten. Die dünnen und eng beieinander liegenden Zungen zielsicher zu treffen, ist mit dicken Daumen nicht ganz einfach, und am Anfang ist es sicherlich empfehlenswert, zur besseren Orientierung die mitgelieferten Aufkleber zu verwenden. 

Sun Kalimba Blue, Cats Kalimba Brown, PFU Unicorn Kalimba

Zu guter Letzt schauen wir uns noch die Sun Kalimba Blue, Cats Kalimba Brown und PFU Unicorn Kalimba an. Sie werden auch in China gebaut und sind der TK17-R Kalimba sehr ähnlich, weisen aber ein paar andere Designmerkmale auf. Ihre Korpusse sind ebenfalls aus Mahagoni gefertigt und besitzen dieselben Maße, haben allerdings leichte Einbuchtungen an den Seiten, in die sich die Daumenballen leicht einschmiegen. Zudem sind in den Lamellen die Tonhöhen und Stufenzahlen eingeprägt, um schon am Anfang das Spielen zu erleichtern. Was den Klang betrifft, nehmen sich die drei Kalimbas nichts, sodass es letztendlich reine Geschmacksache ist, welches Design am meisten zusagt. Die Sun und Cats Kalimbas sind beide in braun oder blau erhältlich, die Einhorn Kalimba nur in rosa. Zum Lieferumfang gehört jeweils ein robustes Case, ein Stimmhammer sowie zwei Gummihütchen für die Daumen.

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