Gitarre
Test
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14.06.2021

Solid State Logic UltraViolet EQ Test

SSL-Stereoequalizer für die Lunchbox

Poliermaschine

Der Solid State Logic (kurz: SSL) UltraViolet Equalizer ist ein 500er-Kassettenmodul für die API-Lunchbox. SSL, da klingelt es in den Ohren der Tonschaffenden: Beim Abmischen von Musik schwören Toningenieure rund um den Globus seit Jahrzehnten auf die Hardware des legendären englischen Mischpultherstellers Solid State Logic. Leider mangelt es den meisten von uns an Platz und Finanzkraft, um sich den berühmten Sound in Form eines „richtigen“ SSL-Mischpultes ins eigene Studio zu holen. Zum Glück hat SSL ein Erbarmen mit uns und bietet inzwischen mehrere preiswerte Kassettenmodule für das Series 500-Format (API Lunchbox) an. Auf den 500er-Zug ist SSL inzwischen voll aufgesprungen (nachdem man mit dem X-Rack-Format zwischendurch ein eigenes Modulsystem im Programm hatte…) und so können auch wir Normalos uns den legendären SSL-Sound inzwischen ohne Anbau und Kreditaufnahme ins Studio holen!

Details

Stereo, nicht Dual Mono

Der SSL UltraViolet Equalizer ist ein reiner Stereo-Equalizer mit vier EQ-Bändern, eine Dual-Mono-Funktion gibt es nicht, alle Änderungen betreffen das linke und rechte Signal gleichermaßen. Als Zwei-Band-EQ gibt es schon den Violet-EQ (ohne „Ultra“). Dieser steckt in der SSL Fusion Box, eine Art analoge „Klangmaschine“ für das digitale Produktionsumfeld. Das SSL Fusion hat Kollege Felix Klostermann schon einem intensiven Test unterzogen, mit einem äußerst positiven Klangfazit! Für den UltraViolet EQ hat SSL seinem Violet-EQ um zwei parametrische Mittenbänder und ein Hochpassfilter erweitert. Übrigens: Laut Solid State Logic ist der Violet-, bzw. UltraViolet EQ die erste analoge Equalizer-Neuentwicklung von SSL seit 25 Jahren!

Aufgeräumter Doppeldecker

Aufgebaut ist der SSL UltraViolet EQ auf zwei Platinen, die mit einem Flachbandkabel verbunden sind. Bestückt ist der UV-EQ hauptsächlich mit SMD-Bauteilen, gefertigt wird das Modul in China. Die zwei 500er-Anschlussleisten – als Stereogerät benötigt er zwei Lunchbox-Slots – sind nicht Teil der Hauptplatinen, sondern bestehen aus angeschraubten Anschlussplatinen, dadurch wandern die beiden Hauptplatine in die Mitte der 500er-Slotbreite. Im „normalen“ 500er-Konzept bildet die Platinen meist den Boden eines Moduls. Der SSL-Aufbau hat demgegenüber einen Vorteil : links und recht der Hauptplatine ist Platz für die Bestückung mit hohen und ausladenden Bauteilen wie Schalter und Potis. Das ermöglicht letztlich eine äußerst aufgeräumte Frontplatte, mit symmetrisch angeordneten Potiknöpfen, auf der man sich sofort zurechtfindet. Tatsächlich ist die Front des UV EQs für ein 500er Equalizer-Modul unüblich weitläufig bestückt, man kommt tatsächlich ganz easy an jeden Drehknopf ran! Die Frontplatte besteht aus dunklem, gebürstetem Aluminium und sieht schlicht und edel aus. Generell gibt sich der UV-EQ optisch eher dezent, lediglich eine (violette) Status-LED erleuchtet das Studio, wenn der EQ aktiviert ist.

Bandparade

Der SSL UltraViolet Equalizer hat vier Bänder zur Bearbeitung von Audiosignalen: Ganz oben auf der Frontplatte gibt es zwei Shelving-Filter, ein LF-Band für die Bässe und ein HF-Band für die Höhen. Diese beiden Kuhschwanz-Filter besitzen jeweils ein Poti zum Auswählen der Arbeitsfrequenz und ein Gain-Poti zum Anheben- oder Absenken der ausgewählten Frequenz. Wählen kann man beim LF-Band zwischen 30 Hz, 50 Hz, 70 Hz und 90 Hz und beim HF-band zwischen 8 kHz, 12 kHz, 16 kHz und 20 kHz. Anheben oder absenken wird dann mit maximal +/- 9 dB. In der Mittelposition rastet das Gain-Poti ein. Die moderaten Gain-Werte und relativ weit außen liegenden Arbeitsfrequenzen verraten es einem schon: Diese beiden Filter dienen zur allgemeinen Auffrischung des Signals, so richtig verbiegen kann man bei maximal 9 dB nicht, aber man wird sicherlich mit dem UV EQ sehr schön „untenrum anschieben“ und „obenrum aufmachen“ können. Die Verifizierung dieser Aussage erfolgt im Praxisteil.

Mitten in die Mitten rein!

Die beiden Mitten-Bänder des SSL UltraViolet EQs sind ganz klassische, parametrische EQ-Bänder: Das LMF-Band ist für die Bearbeitung der tiefen Mitten von 100 Hz bis 1,1 kHz zuständig, das HMF-Band für die oberen Mitten von 600 Hz bis 9 kHz. In der Anleitung stehen übrigens andere Werte für das HMF-Band (400 Hz – 6 kHz), ich habe nachgemessen: Recht hat die Frontplatte! Übrigens fallen die technischen Angaben generell recht spärlich aus, die Dokumentation des EQs könnte seitens SSL etwas ausführlicher sein. Die Center-Frequenzen sind stufenlos durchstimmbar und die Bezeichnung der Frontplatte darf man dabei nur als Anhaltspunkt verstehen: Ich habe bei meinen Messungen leichte Abweichungen der Potibeschriftung zur tatsächlichen Frequenz festgestellt. Das ist aber nicht weiter schlimm, letztlich müssen wir ja eh zuhören – das ist übrigens etwas, was uns der SSL UV-EQ und generell analoges Outboard dezent, aber bestimmend aufzwingt. Bezeichnet werden diese beiden Bänder als Mittenbänder, aber das LMF-Band reicht mit seinen 100 Hz erfreulich tief in Richtung der Bässe und das HMF mit 9 kHz erfreulich weit in Richtung der Höhen. Im „echten“ Mittenbereich überlappen sich das LMF- und das HMF-Band zudem zwischen 600 Hz und 1,1 kHz, gerade den sensiblen Mittenbereich kann man also sehr genau bearbeiten. Der Gain-Bereich erstreckt sich wie bei den Shelving-Filtern von -9 bis +9 dB. Außer man hat den „Focus“-Schalter gedrückt, doch dazu komme ich gleich.

Der Q-Faktor

Über den Q-Regler wird die Filtergüte eingestellt, also die Breite der Klangbeeinflussung um die Arbeitsfrequenz herum. Ein hoher Q-Faktor, bezeichnet durch einen hohen Wert, bedeutet eine enge Bearbeitung, ein niedriger Q-Faktor, dargestellt durch einen niedrigen Wert, bedeutet eine breite Bearbeitung. Einige EQs legen den hohen Q-Faktor – der reinen Zahl entsprechend – an das Ende des Regelweges, man muss also aufdrehen, um die Bandbreite zu verringern, was zu Verwirrung führen kann. SSL umgeht diese Problematik ebenso pragmatisch wie elegant: Beim UltraViolet EQ gibt es schon mal keine Zahlenwerte, dafür eine einfach, grafische Darstellung der Filterkurve. Allerdings könnte die Grafik durchaus etwas aussagekräftiger designt sein, ganz deutlich zeigen die Kurven es nicht, aber erkennen kann man es schon: Poti auf Linksanschlag = geringe Bandbreite, hoher Q-Faktor; Poti auf Rechtsanschlag = hohe Bandbreite, niedriger Q-Faktor.

Lupe für die Mittenbänder

Als zusätzliches Feature besitzen das LMF- und das HMF-Band einen so genannten „Focus“-Schalter. Ist dieser aktiviert, verändert sich die Arbeitsweise des EQ-Bandes deutlich: Arbeitet der UltraViolet EQ in der Grundstellung eher breitbandig, wird im Focus-Mode der Q-Wert nochmals erhöht. Das wirkt sich besonders aus, wenn eh schon ein hoher Q-Wert (also eine enge Bearbeitung) eingestellt ist. Der EQ arbeitet im Focus-Modus dann noch etwas schmalbandiger, aber vor allem greift der EQ mit viel größeren Dezibel-Werten zu: Waren vorher nur maximal 9 dB möglich, sind es im Focus-Mode doppelt so viel. Klar, wofür das gut ist: Durch den Focus-Mode ist man in der Lage, mit dem UV-EQ auch mal eine störende Frequenz herauszuziehen. Ich nenne das technisches Equalizing, das nicht zur Klangformung dient, sondern zur Säuberung oder der Reparatur von problematischen Audioaufnahmen. Da sich die Center-Frequenzen der beiden Mittenbänder überlappen, sind in diesem Bereich sogar noch krassere Einstellungen möglich: Wenn beide Bänder auf eine identische Frequenz eingestellt werden, addieren sich die Gain-Werte. Bei gedrücktem Focus-Schalter sind so Absenkungen oder Anhebungen von maximal 40 dB möglich.

Zu guter Letzt gibt es noch ein High-Pass-Filter (oder Low-Cut, wer's so rum mag), zur Beseitigung von tieffrequentem Störschall. Drei Arbeitsfrequenzen stehen zur Auswahl, bei 30 Hz, 40 Hz oder 50 Hz filtert der Low-Cut mit einer Flankensteilheit von 18 dB pro Oktave unerwünschte Frequenzen heraus.

Kuhschwanzkritik

Leider sind das Bass- und Höhenband des SSL UltraViolet EQs reine Shelving-Filter, lassen sich also nicht in einen Bell-Modus umschalten. Es gibt aber Situationen, wo man gerne volle vier parametrische Bell-EQs zur Verfügung hätte, ich denke hier zum Beispiel an den Live-Betrieb. Jetzt könnte man anmerken, dass man den UV EQ von SSL eher selten in einem Live-Rack finden wird, ich kenne aber durchaus FoH-Mischer, die eine Lunchbox im Gepäck haben. Ich würde ja auch nicht meckern, wenn SSL selbst nicht bereits vorgemacht hat, dass es geht: Im SSL SiX CH Channel Strip arbeitet ein Zwei-Band-EQ mit genau dieser Funktionen: Umschalten zwischen Shelving- und Bell-Funktion für das LF- und HF-Band. Und Platz genug wäre ja noch auf der Frontplatte…

Wichtig: Output-Trim!

Neben dem Low-Cut hat der SSL UV-EQ noch einen letzten, aber nicht minder wichtigen Regler: den Stereo-Trim-Regler, der das Ausgangssignal um maximal 12 dB lauter oder leiser machen kann! Mit dem Anheben oder Absenken von Frequenzen wird dem Signal Energie entzogen oder hinzugefügt. In der Praxis bedeutet das: Das Signal wird lauter durch die Anhebungen und leiser durch die Absenkung. Mit dem Trim-Regler kann man diese Pegelunterschiede wieder aufholen, was in mehrfacher Hinsicht wichtig ist. Bearbeitet man einen fertigen Mix, oder setzt den SSL UVEQ im Mastering ein, kann man mit beherztem Boost das Signal schon über die 0dBFS-Grenzen bugsieren, was ein verzerrtes Signal zur Folge hat. Auf der anderen Seite verliert man Pegel, wenn man störende Frequenzen im Focus-Mode herausfiltert, einen Lautstärkeverlust, den man mit dem Trim-Regler wieder aufholen kann. Und generell möchte man seine EQ-Entscheidung ja auch mit dem unbearbeiteten Signal vergleichen, was objektiv nur bei gleicher Lautheit der Signale möglich ist (wir wissen: lauter gewinnt immer!). In allen Fällen ist der Trim-Regler, des SSL UV EQs – im Prinzip ein Output-Regler – dein Freund!

Mit dem In-Button wird der SSL UVEQ in den Signalweg geschaltet, dann leuchtet die Status-LED violett auf.

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