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24.02.2021

Millenium Focus 18 20 22 Schlagzeug Sets Test

Akustische Einsteiger-Komplettsets im Vergleich

Direkt fokussiert

Mit der Millenium Focus Serie richtet die Hausmarke des Musikhauses Thomann das Einsteigersegment komplett neu aus. Wie auch schon bei den bisherigen Modellen aus der MX-Serie gilt die Devise: Der Kunde soll ein komplettes Schlagzeug zu einem sehr günstigen Preis bekommen, dabei soll alles enthalten sein, um direkt loslegen zu können. Bei den Focus Sets wurde nochmal deutlich an der Preisschraube gedreht, so kosten die Sets aktuell zwischen 239 und 249 Euro.

Dafür stehen drei Farben und gleich drei Konfigurationen zur Auswahl, jeweils enthalten ist außerdem ein Hardwarepaket, ein Drumhocker und ein zweiteiliger Beckensatz, bestehend aus einer Hi-Hat und einem Crash-Ride-Becken. Mit einem zusätzlichen Bundle Set - einem Paiste 101 Ride und einem Galgenbeckenstativ - lassen sich die Sets nochmals erweitern. Zudem bietet Thomann auch Einzeltrommeln als Ergänzung an. Wir haben keine Mühen gescheut und uns alle drei Sets zum Test kommen lassen. 

Details

Die Focus Sets werden in je zwei Kartons ausgeliefert. Auch wenn alle Komponenten relativ leichtgewichtig sind, kommt einiges an Gewicht zusammen. Das größere Focus 22 wiegt im verpackten Zustand 44 kg, die beiden kleineren Sets jeweils ein paar Kilo weniger. Wie bei den meisten Komplettsets müssen die beiden Trommeln mit dem größten Durchmesser, das Standtom und die Bassdrum, noch mit Fellen, Spannreifen und Spannschrauben bestückt werden. Alle anderen Trommeln sind schon fertig montiert. Auch hier geht es einen Schritt weiter nach vorn, bei den bisherigen Millenium-Sets, die ich unter den Fingern hatte, waren sämtliche Trommeln noch unbefellt. Die Hardware ist übersichtlich in einzelnen Kartons verpackt, die zudem nummeriert sind. So lässt sich auch für den noch unbedarften Schlagzeug-Monteur alles recht schnell zuweisen.

Die Kessel bestehen aus Pappelholz, sind sieben Millimeter stark und haben auf den Außenkanten eine leicht verrundete Gratung. Alle Kessel sind plan und haben genug Untermaß, sodass die Felle frei aufliegen können. Die Kessel sind, wie üblich in der Preisklasse, nur geschliffen, nicht versiegelt. Von der Verarbeitung der Kessel bin ich - besonders angesichts der Preisklasse - positiv überrascht. Zur Auswahl stehen für alle Konfigurationen die klassischen Farben Schwarz, Weiß und Weinrot. Dabei handelt es sich um recht dünne Folien, die überlappend verklebt sind.

Um möglichst allen Anforderungen und allen unterschiedlichen Körpermaßen gerecht werden zu können, stehen folgende Konfigurationen zur Auswahl:

  • Beim Focus 18 handelt es sich um ein Jazz- / Kinderset mit einer kleineren Bassdrum. Es hat die Kesselgrößen 18“ x 14“ Bassdrum, 10“ x 7“ und 12“ x 8“ Toms sowie ein 14“ x 14“ Floortom. Die Snare misst 13“ x 5“.
  • Das Focus 20 ist ein sogenanntes Studio- / Fusionset mit einer mittelgroßen Bassdrum. Es hat die Kesselgrößen 20“ x 16“ Bassdrum, 10“ x 7“ und 12“ x 8“ Toms, ein 14“ x 14“ Floortom und dazu eine 14“ x 5,5“ Snare.
  • Beim Focus 22 handelt es sich um ein Standard- / Rock-Drumset.  Es hat die Kesselgrößen 22“ x 16“ Bassdrum, 10“ x 8“, 12“ x 9“ Toms sowie ein 16“ x 16“ Floortom und eine 14“ x 5,5“ Snare.

Die Kesselhardware

Schauen wir uns zunächst einmal die Anbauteile der Trommeln an, also die sogenannte Kesselhardware. Hier wird bei sehr günstigen Sets meist der Rotstift angelegt. Die Millenium Focus Trommeln haben Spannböckchen aus einfachem Druckguss, ein bewegliches Gewinde wird im Inneren von einer Feder in Stellung gehalten, diese ist allerdings nicht ummantelt, so klappern einige Trommeln leicht. Das hört man besonders beim Spielen, wenn der Teppich der Snaredrum abgespannt ist. 

Fünf Böckchen pro Seite sind bei den kleinen Toms verbaut, sechs bei den Floortoms und acht Böckchen pro Seite bei den Bassdrums. Die Snaredrums sind mit sechs Doppelspannböckchen ausgestattet. Bei den Spannreifen von Snare und Toms handelt es sich um recht dünne, dreifach geflanschte 1,6 Millimeter-Ausführungen aus Stahl. Besonders bei den Toms sind einige Modelle sichtbar unrund. Ein Novum für mich in der Preisklasse sind die freischwingenden Tomhalterungen bei den kleinen Toms. Diese werden an zwei Punkten mit Gummis um die Spannschrauben befestigt, zusätzlich steckt ein lose verklebtes Stück Styropor in der Öffnung für das Rohr des Tomhalters. Wahrscheinlich ist dieses als Kratzschutz gedacht? Die Tomhalter werden ganz klassisch auf der Bassdrum befestigt, je zwei Memory Locks helfen an allen wichtigen Punkten dabei, die gefundenen Einstellungen zu sichern.

Die Bassdrums haben Dämpfungskissen dabei

Die Bassdrums sind mit schwarz lackierten Metallspannreifen ausgestattet, zusätzlich wurde ein Folien-Inlay „in Wagenfarbe“ in den Reifen eingeklebt. Durch das Gewicht der Reifen liegen die Felle sehr satt auf und lassen sich sehr problemlos auf Spannung bringen. Selbiges gilt übrigens auch für das Laufverhalten der Gewinde von Snaredrum und Toms.

Etwas weniger spaßig sind die sehr widerspenstigen Bassdrum-Teleskopfüße, diese kann ich bei allen drei Modellen nur mit viel Nachdruck aus der Verankerung herausziehen. Zu jeder Bassdrum gibt es ein Klettkissen als Zubehör, welches durch den Kontakt zu den Fellen den Klang etwas prängnanter und handlicher und weniger paukig macht. Besonders bei der kürzeren 18“x14“ liegt das Kissen noch stärker an, was für einen mittigen, funky Klang sorgt.

Das Focus 18 hat eine kleinere Snaredrum

Schauen wir uns die Snaredrums etwas genauer an. Abgesehen vom kleineren Kesselmaß (13“ x 5“) beim Focus 18 sind sie identisch aufgebaut. Die Spannung verteilt sich auf sechs Doppelspannböckchen. Die Teppichabhebung wird seitlich abgeklappt und ist wesentlich besser im Laufverhalten als bei den Vorgängern aus der MX-Serie. Mit einer Rändelschraube auf der Oberseite lässt sich der Teppichanteil im Gesamtklang dosieren. Dafür zuständig ist ein einfacher 20-Spiraler aus Stahl. Die Snarebeds sind flach über die Gratung gezogen und, was den Start- und Endpunkt der Vertiefung betrifft, nicht ganz gleichmäßig von der Breite her.

Ebenfalls typisch für die Preisklasse ist die einfache Fellbestückung, alle Modelle sind recht dünn und einlagig, auch bei den Bassdrums kommen keine vorgedämpften Versionen zum Einsatz.

Das Hardwarepaket

Zum Set gibt es noch ein komplettes Hardwareset dazu, dieses besteht aus dünnen, aber doppelstrebigen Stativen. Mit dabei ist ein gerades, zweifach ausziehbares Beckenstativ, ein Snarestativ mit flexibel einstellbarem Korb, das aber insgesamt etwas wackelig ausfällt, und ein Hi-Hat-Stativ mit fester Federspannung. Diese hat beim Niedertreten des Pedals einen ausreichend starken Widerstand. Positiv ins Auge sticht das Bassdrum-Pedal mit Einzelkettenantrieb. Wie die Hi-Hat-Maschine auch, hat es ein gelochtes Fußboard. Alle essentiell wichtigen Einstellungen wie die Federspannung, der Winkel des Beaters und seine Höhe können ohne Umschweife justiert werden. Ein runder Beaterkopf lässt sich wahlweise auf Filz oder Kunststoff justieren. Außerdem gibt es einen Drumhocker, dabei handelt es sich um das weit verbreitete Modell mit rundem, relativ hartem Sitzkissen, dessen Höhe sich über eine Lochrasterung verstellen lässt. Leider ist der Sitz recht wackelig, aber so kann man zumindest für’s Erste Platz nehmen und lostrommeln…

Die Becken

Das enthaltene Beckenset besteht aus einer 14“ Hi-Hat und einem 16“ Crash-Ride. Dabei handelt es sich um dünne, gepresste Messingbleche, die zumindest für den Anfang ausreichen sollen und das Set somit komplettieren.

Mit dem Bundle kann nochmals erweitert werden

Wer auch noch ein Ridebecken dazu möchte, kann mit dem Bundle Set fündig werden. Dieses besteht aus einem Millenium Galgenstativ aus der Stage-Serie, das wesentlich robuster ausfällt, und einem Paiste 101 Messing Ridebecken.

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