Elektron Tonverk Test: Polyphoner Sampler & Groovebox

Mit dem Tonverk stellt Elektron einen Performance-Sampler mit track-basierter und achtfacher Polyphonie vor. Der umfangreiche Elektron-Sequencer mit seinen Parameter-Locks, Mikro-Timing und generativen Conditionals trifft auf eine besonders flexible Effekt- und Routing-Engine!

Tonverk Test
Elektron Tonverk Test: Drum Machine, Groovebox & Polyphone Sampler Workstation
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • 8fach Polyphonie pro Track, flexibler Sequencer
  • Auto-Sampler für Archivierung und Sounddesign
  • Leistungsfähige Effekt- und Routing-Struktur, Granular-Sampling
Contra
  • Keine Velocity oder AT-fähigen Pads
  • Kein Slicing oder dediziertes Time-Stretching-Algorithmen
  • Overbridge aktuell nicht verfügbar, Update-Politik schwer einschätzbar
Artikelbild
Elektron Tonverk Test: Polyphoner Sampler & Groovebox
Für 1.245,00€ bei

Neuer Formfaktor, Auto-Sampling, Granulares, mehrere Effektwege, sowie External-MIDI: so positioniert sich Tonverk nicht nur als Groovebox und Sequenzer, sondern als modernes Sampler-Instrument für komplexe Ketten, Pattern und Performances.

Wie bei Geräten der Klasse OctatrackAnalog Rytm sowie zuletzt Digitakt II steht nicht nur schnelles Pattern-Basteln, sondern konsequent das Performance-orientierte Schrauben im Mittelpunkt.

Elektron Tonverk Highlights:

  • Polyphoner Performance-Sampler mit 8-fach-Polyphonie
  • Sequencer mit bis zu 256 Steps und ausgereiftem Elektron-Workflow
  • Umfangreiche Routing-Architektur mit 8 Audio-Tracks, 4 Bussen, 3 Returns und Master
  • Große Effektauswahl mit mehreren FX-Slots pro Track, Bus und Master
  • Granular-Engine für texturales und experimentelles Sounddesign inklusive Stretching
  • Auto-Sampler zur automatischen Erstellung spielbarer Multisample-Instrumente externer Synths
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Elektron Tonverk
Elektron Tonverk
Kundenbewertung:
(28)

DETAILS

Welches Konzept verfolgt der Tonverk?

Elektron Tonverk ist eine kreative Sampling-Workstation mit umfangreichem (MIDI-)Sequenzer und acht Stereo-Tracks “Made in Sweden”. Aktuell arbeitet das Gerät mit 48-kHz und 32-Bit Float Auflösung.

Draufsicht Elektron Tonverk
Sauberes Layout und viele Doppelbelegungen – so kennt man Elektron

Alle seine ersten acht Tracks können polyphone Sounds bzw. Sub-Tracks aka Drum-Racks mit bis zu jeweils acht Voices abfeuern. Anders gesagt: Maximale Audio-Polyphonie = 8×8 = 64. Ferner kann jede Spur MIDI senden und so bis zu zwölf andere Synths und Effekte steuern.

Mit dem OS-Update 1.1 kam mit GRAINER eine weitere Source hinzu, die importierte oder aufgenommene Samples gekonnt granular verwurstet. Einen Slicer oder gar verschiedene Stretch-Möglichkeiten finden sich nicht, auch finden sich unter den mitgelieferten Samples keine Percussion-Loops.

Sgnalflow Tonverk
Ein Signalfluss-Diagramm sagt mehr als 1000 Worte …

Weitere acht Spuren dienen vier Audio-Buses (Gruppen), drei FX-Returns – Delay, Reverb und Chorus – sowie einen Master. Insgesamt ergibt das 16 Spuren, die allesamt mit eigener Sequenz, Overdrive, Multi-Filter, Amp, Envelopes, Mixer, Sends sowie zwei LFOs gesegnet sind.

Als Krönung bietet jede Spur – abgesehen von den Returns – je zwei dicke FX-Engines. Die Effekte bieten dabei vor allem viele spezialisierte Filter sowie besondere Delays und Reverbs, sodass hier ordentlich hypnotisch “gedubbed” werden kann!

External-MIDI mit 16 Noten pro Step!

Übrigens können die Busse und Tracks alternativ External-MIDI senden. Jede definierte MIDI-Spur kann pro Step bis zu 16 Noten mit einstellbaren Parametern auslösen, darunter Velocity, Notenlänge, Pitch-Bend, Aftertouch sowie 16 frei wählbare MIDI CCs.

Down Tonverk
Die Unterscheidung zwischen Tracks und Buses mag anfangs verwundern, erklärt sich in der Praxis aber schnell!

Pro Pattern können mit 256 Steps herrschaftlich-lang Sequenzen eingespielt, quantisiert und programmiert werden. 128 Pattern, 16 Songs sowie maximal 4 GB Samples werden als Projekt organisiert.

Projektorganisation und Speicher: Wie lang können Samples im Tonverk maximal sein?

Die Anzahl der Projekte ist durch den verfügbaren Speicherplatz der eingesteckten SD-Karte begrenzt; eine 64-GB-Karte liegt bei. Pro Track können 1024 Samples mit einer maximalen Länge von bis zu 45 Minuten geladen werden, die minimale Samplegröße beträgt 96 Samples.

Tonverk unterstützt Laden und Abspielen von WAV- und AIFF-Samples mit 16, 24 oder 32 Bit (fix oder floating) sowie die Formate M4A, CAF und FLAC. Als interne Abtastrate dient aktuell nur 48 kHz, abweichende Sampleraten lassen sich importieren, werden bei Wiedergabe aber angepasst.

Anschlüsse Elektron Tonverk
Drei Stereo-Outs, ein Stereo-In sowie DIN-MIDI und zweimal USB schmücken die Rückseite des Tonverk

Zahlreiche Anschlüsse, aber noch kein Overbridge

Alle Audio-I/Os des Tonverk sind auf großer Klinke. Da wäre der Eingang für das Sampling inklusive Auto-Sampler mit Velocity. Alternativ ist dieser Eingang als Aux-In nutzbar. Hinzukommen vier TRS-Ausgänge (A-D), ein Stereo-Kopfhörer (E-F) sowie zwei USB-C Anschlüsse und ein Din-MIDI-Trio.

Via USB gibt es Strom, MIDI sowie ein 4-In/2-Out-Audiointerface. Aktuell gibt es kein Overbridge, weswegen Tonverk nur fix mit 48kHz im USB-Class-Compliant-Mode genutzt werden kann.

Das mitgelieferte USB-Power-Kabel kann verschraubt werden. Der Power-Schalter ist als Soft-Taster konzipiert und trennt nicht dauerhaft vom Strom – wer Racks gern mit einer gemeinsamen Steckdose anschaltet, muss hier extra drücken.

Elektron Workflow Deluxe

Das Setzten von Steps, bzw. Triggern wie sie Elektron nennt, erfolgt unterhalb mit 16 multifunktionalen und gut beleuchteten Tastern. Editiert werden Parameter über die acht Push-Encoder neben dem Display, deren Zuweisung durch animierte Darstellungen hübsch anzuschauen sind. Darunter gibt es sechs Tasten für vielfältige Subpages: Trigger, Source, Filter, Amp, FX und Modulation. Mehrfach, Dreifach/Vierfach-Klicken inklusive.

Das Interface-Konzept ist inzwischen vielfach adaptiert worden – Elektron gilt klar als Vorreiter: Step halten und Parameter dazu anpassen – so erhält man die umfangreich Parameter-Locks. Eine integrierte One-Octave-Klaviatur inklusive Arpeggiator und Chord-Modus laden wiederum auch zum Spielen ein und machen das Programmieren polyphoner Steps ebenfalls wesentlich einfacher – selbst wenn eine visuelle Darstellung der Noten neben dem Lauflicht fehlt.

Machines need love too

Jeder der acht Tracks unterstützt Elektron-typische SRCs/Machines, darunter seit den jüngsten Updates auch der granulare Player Grainer, der Samples in dichte Texturen, rhythmische Fragmente oder bewegte Flächen transformiert. Mit ihm kann man durchaus Time-Stretching betreiben, echte, verschiedene Time-Algorithmen oder gar einen Slicer gibt es (noch?) nicht.

Zum Testzeitpunkt bietet Tonverk somit folgende Machines:

  • Single Player: polyphone Wiedergabe einzelner WAV-Samples
  • Multi Player: Multisamples mit Velocity-Layer
  • Subtracks: bis zu acht monophone Unterspuren pro Track
  • Grainer: granulare Klangbearbeitung
  • MIDI-Track: zur Steuerung externer Geräte
Elektron Tonverk Display
Machines gibt es bei Elektron seit Tag 1. Sie sind in jedem Gerät aber anders.

Die Insert-FX-Effekte sind umfangreich, sowie mit je zwei Slots pro Spur flexibel kombinierbar. Sollte das pro Spur nicht ausreichen, nutzt man zusätzlich die Busse. So hat man nochmal zwei Effekte, plus die im Master. Da geht einiges!

Schade: Sends gibt es nur pro Track und nicht pro Sub-Track – so landet die Kick auch mit in der Reverb-Suppe. Filter und Amp gibt es indes individuell für jeden Sub-Track. Ferner sind die FX-Parameter nicht über die LFOs erreichbar – man kann aber über die Parameter-Locks automatisieren. Je nach Position im Signalfluss bestehen außerdem Einschränkungen bei der Auswahl der Effekte.

Zur Auswahl stehen unter anderem Chrono Pitch, Comb ± Filter, Compressor, Daisy Delay, Degrader, Dirtshaper, Filter Folder, Filterbank, Frequency Warper, Infinite Flanger, Low-Pass Filter, Panoramic Chorus, Phase 98, Saturator- Delay sowie die Steel Box Reverb, Supervoid Reverb, Rumsklang Reverb und Warble.

Soweit so gut; einen richtigen Equalizer oder gar rhythmische Effekte wie Gates, Looper oder Stotter-Effekte finden sich nicht.

Elektron Tonverk Effekte
Eine kleine Auswahl der Effekte und ihrer Parameter – hier hat Elektron in den letzten Jahren wirklich stark zugelegt! (Screenshot Elektron Website)

Elektron Tonverk: please update now …

Seit der ersten Veröffentlichung im September 2025 hat Elektron den Tonverk bereits zwei umfangreiche Updates nachgeschoben. OS 1.1 brachte mit Grainer eine eigenständige Sound-Engine, die Samples in granulare Fragmente zerlegt. Ergänzt wurde dies durch die neue Shape-Machine zur Klangformung auf Bus- und Send-Spuren, erweiterte Sidechain-Optionen sowie Post-FX-Pan.

Elektron Tonverk Grainer
Der Grainer bietet galant-granulare Verwurstung von Samples

OS 1.2 legte nach und lieferte mit dem Steel Box Reverb einen dritten Hall, dessen blecherner Charakter an digitale 90er-Effekte angelehnt ist. Der Filter Folder kombinierte weiterhin noch Wavefolding, Filter und Distortion, um den Tonverk eine weitere, rauere Klangoption zu bieten. Zudem lassen sich Daisy Delay und Frequency Warper auf allen Spuren einsetzen.

Verschweigen sollte man allerdings nicht, dass jedes Update auch zahlreiche und notwendige Bugfixes mit sich brachte. Im frühen Auslieferungszustand hat die Kiste leider wenig Freude bereitet, deswegen hat auch unser Review auf sich warten lassen … Und auch jetzt ist immer noch nicht alles hundertprozentig rund.


Elektron Tonverk in der Praxis – was kann die neue Elektron?

In dunkles Industrie-Blechgewand gehüllt, bietet die neuste Elektron zunächst mal den optimalen Formfaktor zwischen “Großer Elektron und Elektron Quadrat”. Aufwändig animierte Screens im Elektro(n)-Punk-Style machen Tonverk sogar besonders Video-sexy. Die lackierten Shift-Farben sind knackig, die Bedienung allein der Beschriftungen nach verständlich und damit gut und schnell erforscht. Das Handbuch hingegen macht aktuell gar keinen Bock und ist viel zu technisch/LaTeX geschrieben, wenn ihr versteht.

Das Einspielen von Melodien funktioniert dank integrierter Mini-Klaviatur gut. Das Bearbeiten sowie Programmieren von polyphonen Melodien ist über die Lauflicht-Programmierung gut umgesetzt, trotzdem Prinzip-bedingt etwas verschachtelt. Es stellt sich aber schon Fortschritt gegenüber früheren Elektron-Poly-Ansätzen dar, die nur wenige Noten parallel zum Grundton boten. Ähnliche Vibes kommen nur noch beim Chord/Scale-Feature auf.

Elektron Tonverk bietet eine kleine Klaviatur

Pro Audiospur und Step/Trigger lassen sich nun jedenfalls bis zu acht Noten setzen, auf den MIDI-Spuren sind es sogar 16 Notes! Gesetzte Noten werden dabei durch selektierte Trigger und rote Punkte auf der Klaviatur dargestellt, die weniger hell leuchten, sollten bereits außerhalb der aktuellen Oktave Noten sitzen. Eine Notenrolle oder der bekannte Note Edit fehlen, was im Vergleich zu Lösungen mit größeren Displays wie Push, MPC oder Maschine Nachteil hat.

Drums lassen sich über Sub-Tracks wiederum schlüssig und praxisnah programmieren. Die unteren Tasten der Klaviatur dienen als Umschalter zwischen den Sounds eines Tracks, während die 16 Step-Taster darunter die Lauflicht-Programmierung nutzen. Das Wechseln zwischen Pages, Tracks und Sub-Tracks ist klar gelöst, das Kopieren von Patterns, Steps und Einstellungen ebenso, was Alles ohne unnötige Umwege funktioniert.

Ausgereifter Workflow

Insgesamt fühlt sich die Programmierung damit direkt und flüssig an, zumal sich bei Bedarf jederzeit eine externe Klaviatur anschließen lässt. Quantisierungen sind schnell gesetzt und greifen zuverlässig.

Die interne Latenz des Geräts ist niedrig, lediglich das External-Clocking reagiert träge. Das Laden von Samples und Instrumenten innerhalb eines Projekts erfolgt ebenfalls relativ flink.

Neben dem Einstieg über die Machines gibt es auch einen übergreifenden Browser, der mit Keys oder Drums sowie Namen relativ einfach ausfällt.

Uncool: Library-Sounds können im Main-Browser nicht vorgehört werden und müssen immer geladen werden. Mit rudimentären, binären Unterscheidung zwischen Drums und Keys ist er ebenfalls zu simpel gestaltet. Das “Durchballern von Presets” ist nicht 100% gewährleistet, zumal mir ein Track-Reset fehlt, falls man zuvor mit Effekten ausgerastet ist. Immerhin: Ist eine Machine gewählt können die mit ihr assoziierten Sounds durchaus vorgehört werden.

Wie klingt der Elektron Tonverk?

Grundsätzlich klingt eine digitale Kiste erstmal nicht von selbst, und auch die Wandler hier machen schlicht ihren Job: neutral und zuverlässig. Heißt konkret: Sampled ihr einen warmen Synth in den Tonverk, bleibt dessen Charakter auch nach dem Auto-Sampler-Prozess erhalten. In dieser Hinsicht verhält sich das Gerät erfreulich transparent.

Die mitgelieferten Sounds hinterlassen dagegen einen gemischten Eindruck. Sie eignen sich als solider Einstieg und zum Kennenlernen des Systems, gehen inhaltlich jedoch nicht in die Tiefe. Die Werkslibrary fällt überschaubar aus und ist nicht kategorisiert. Aktuell umfasst sie 160 Drum-Kits sowie 175 Instrumente, die klanglich nicht selten 90er-Jahre-Rompler-Assoziationen wecken.

Für folgende, drei kleinen Beispiele hab ich mich flink am Sample-Fundus bedient und eigene Pattern gebaut, Parameter automatisiert, mit Mutes arrangiert sowie einzelne Sounds wie den Grainer live editiert. Aufgenommen hab ich das Ganze mit USB.

Audio Samples
0:00
Rainy Dub Grain Player Mute Jam

Vor allen wenn man mit den Delays arbeitet, wird es schnell angenehm breit! Für trippy Melodien, gebrochene Flächen und wabernde Strukturen ist der Tonverk daher wie gemacht – selbst wenn ich drei Styles bei meiner Improvisation angepeilt habe, überwiegt durchaus ein gemeinsamer Klang. Das ist schon mal gut und macht die Elektron zum Gerät mit Charakter.

Positiv ist, dass sich Ausgangsmaterial schnell und konsequent verbiegen lässt – genau dafür ist der Tonverk schließlich konzipiert. Mit umfangreichen Effekten, Modulationen und komplexem Routing lassen sich die Presets zügig in neue Richtungen treiben.

Am Ende vieler Bearbeitungen stellt sich jedoch häufig ein typischer Elektron-Klangcharakter ein: kontrolliert, leicht kühl und etwas wollig, und selten von Haus aus so richtig fett oder gar edel. Das soll nicht heißen, dass sich entsprechende Ergebnisse nicht erzielen lassen – sie erfordern jedoch gezieltes Schrauben und liegen nicht im Default-Bereich. Ein paar druckvollere Drum-Kits ab Werk hätten dem Gesamtpaket ebenfalls gut getan – aber dafür ist ja Digitakt II gedacht, oder?

Was kann der externe Sequenzer ?

Als externer MIDI-Sequenzer ist der Tonverk gut nutzbar, sollte aber als praktisches Zusatzfeature denn vollwertiger Master-Sequenzer verstanden werden. Zum einen ist die über klassisches MIDI übertragbare Datenmenge naturgemäß begrenzt, zum anderen zeigen sich beim Einspielen längerer Noten vereinzelt Überschneidungen, wodurch Notenlängen nachträglich verkürzt werden können.

Für einfache Aufgaben – etwa das Ansteuern externer Akkorde oder einer analogen Bassline – funktioniert das jedoch problemlos. Für komplexe Arrangements oder längere polyphone Passagen empfiehlt sich weiterhin eine dediziertere Lösung. Über USB lassen sich ferner mehr Informationen übertragen als über DIN-MIDI allein, einen Timing-Versatz über die bekannten MIDI-Bandbreiten-Limitierungen hinaus konnte ich nicht feststellen.

Magic mit dem Tonverk Auto-Sampler

Der Auto-Sampler erleichtert das Sampling externer, MIDI-fähiger Klangerzeuger deutlich. In einer Sampling-Session lassen sich Notenbereich, Anzahl der zu erfassenden Töne, Velocity-Layer, Notenlänge sowie die Release-Zeit definieren.

Elektron Tonverk & Roland Juno-6
Auto-Sampler ist ein echtes Highlight und dient nicht nur exzellent der Archivierung sonder erlaubt auch extreme Verbiegungen gewohnter Sounds!

Zusätzlich misst das System die Latenz des angeschlossenen Geräts und kompensiert diese, wie auch die Ausklangzeit des jeweiligen Sounds analysiert und durch eine passenden Release-Phase berücksichtigt wird, sodass das vollständige Ausschwingen in der Regel sauber erfasst wird.

Zwar wären an der Stelle weitere, render-bare Klangoptionen via MIDI-CCs wünschenswert, insgesamt fällt das Konzept aber überzeugend aus: Nach dem Sampling entsteht unmittelbar ein spielbares Instrument, mit automatisch vergebenen Namen, was mit den internen Modulations-, Filter- und Amp-Sektionen elegant weitergeformt werden kann.

Gerade das Zusammenspiel aus Filter und Amp funktioniert hier auch nachträglich ausgesprochen gut. Ein zusätzlicher Praxisvorteil liegt in der Möglichkeit, mit höherer Polyphonie zu arbeiten, als der ursprünglich gesampelte Synthesizer selbst bieten würde.

Der Auto-Sampling-Prozess erzeugt ferner mehrere Dateien: ein Instrument im .elmulti-Format zur Nutzung im Multi Player sowie eine zusammenhängende WAV-Datei, die alle gesampelten Noten nacheinander enthält und sich auch für den Single Player eignet.

USB-Drive-Mode am Tonverk: wie man die 32-Bit Files am besten bearbeiten soll, erklärt sich nicht von selbst!

Theoretisch ließen sich so Auto-Sampler-Aufnahmen – etwa von einem Chorus-berauschten Juno-6 – nachträglich bearbeiten, um sie anschließend in den Tonverk zurück zu kopieren. Da Tonverk jedoch 32-Bit-Files wohl ohne übliche Gain-Description nutzt, ist das in der Praxis jedoch deutlich komplizierter…

Segmentierung & Elektron Update-Politik

Elektron entwickelt viele seiner Geräte erkennbar auf einer gemeinsamen Plattformbasis, begrenzt deren Möglichkeiten jedoch bewusst über Konzept, Feature-Set und Positionierung. Theoretisch ließen sich zahlreiche Funktionen problemlos erweitern – zusätzliche Machines, weitere Filtertypen, längere Step-Strukturen oder komplexere Trigger-Conditions wären technisch denkbar.

Erweiterungen erscheinen jedoch nur selten als Upgrades für ältere Geräte. Stattdessen werden Funktionsgrenzen gezielt zwischen Modellen und Generationen gezogen. Das sorgt für ein klar strukturiertes Portfolio, lässt ältere Geräte aber vergleichsweise früh unfertig oder eingeschränkt wirken.

Besonders problematisch wird dieser Ansatz, wenn ein Gerät wie Tonverk bereits mit einer sehr unausgereiften und fehleranfälligen Software-Version 1.0 ausgeliefert wird. Aus diesem Grund haben wir mit unserem Test bis Version 1.2 gewartet. Trotzdem bleibt zu diesem Zeitpunkt offen, ob eine zentrale Funktionen wie Overbridge nachgereicht werden wird oder nicht.

Unterm Strich zeigt sich: Elektron baut leider keine offenen Systeme, sondern kuratierte elektronische Instrumente und kommuniziert etwas schlecht. Anders gesagt: klanglich und workflow-seitig oft überzeugend, funktional jedoch begrenzt und mit wenig Langzeitpflege.

Unterschiede: Tonverk & Digitakt II


TonverkDigitakt II
PolyphoniePolyphon und Multisampling möglich – spielt Klänge akkordisch und instrument-artig. Monofon pro Track – Akkorde nur durch mehrere Tracks/Layer. 
Tracks8 Stereo-Audio + 4 Bus + 3 Send + Master = 16 interne Spuren mit erweitertem Routing. 16 Tracks, nutzbar als Audio oder MIDI Track
SequencerBis 256 Steps Bis 128 Steps
Effekte & ModulationUmfangreiche Effekte, Bus/Routing-Effekte, Mod-Matrix. Solide Effekte pro Track, weniger Routing-Tiefe. 
Sampling-ModiSingleMulti (Multisamples),
Subtracks(Drum-Kit-Gruppen). 
Verschiedene Maschinen (Werp, Stretch, Repitch, Grid) aber kein native Multisampling wie bei Tonverk
Time-Stretch / Slicingnoch nicht integriertSlice/Stretch-Methoden direkt im Workflow
I/O & RoutingMehrfach Audio-Out, erweiterte Bus-Send-Architektur. Standard Stereo-Out + Eingänge, MIDI, weniger interne Routing-Komplexität. 

FAZIT: Elektron Tonverk

Der Tonverk ist kein klassischer Sampler, sondern ein polyphones Sample-Instrument mit klarer Synth-Denke – allerdings ohne dedizierte Synthesizer-Machines, wie man sie von anderen Elektron-Geräten kennt. Strukturell ist er umfangreicher als Digitakt oder Octatrack, erkauft sich diese Tiefe jedoch mit einem komplexeren Workflow. Aktuell verzichtet er auch auf traditionelle Sampling-Werkzeuge wie Slicing oder verschiedene Stretch-Algos. Als Gegenpol bietet Elektron mit dem Auto-Sampler jedoch ein leistungsfähiges Werkzeug, um externe Klangerzeuger schnell in spielbare Multisample-Instrumente zu überführen.

Mit bis zu 256 Steps pro Pattern, bis zu 16 Noten pro Step, integrierter Mini-Klaviatur, acht Audio-Spuren, vier Audiobussen, drei Send/Returns, einer umfangreichen MIDI-Implementierung sowie einer flexibel platzierbaren Effektsektion ist der Tonverk ohne Zweifel der umfangreichste Elektron-Klangerzeuger überhaupt – Synthese einmal ausgenommen. Vor allem der Sequencer zählt zum Leistungsfähigsten, was Elektron bisher realisiert hat.

Bemerkenswert ist zudem, dass all dies auf einer vergleichsweise kompakten Oberfläche untergebracht ist: das Tastenlayout und die genutzten Doppelfunktionen wirken gereift. Die Menüführung ist logisch, die Verschachtelung bleibt moderat – sie ist jedoch vorhanden und unmittelbar dem großen Funktionsumfang geschuldet. Entsprechend hoch fällt die Lernkurve aus: Der Tonverk will erarbeitet werden und richtet sich klar an Anwender, die bereit sind, Zeit in Struktur, Routing und Detailarbeit zu investieren.

Unterm Strich ist der Tonverk ein ambitioniertes und mächtiges Instrument, das konzeptionell neue Wege im Elektron-Kosmos beschreitet. Wer sich darauf einlässt, erhält enorme Möglichkeiten – wer hingegen schnellen Zugriff und klar umrissene Workflows bevorzugt, dürfte mit Digitakt weiterhin besser bedient sein.

Klanglich zeigt sich auch beim Tonverk die typische Elektron-Ästhetik: eher zurückhaltend, leicht matt abgestimmt und auf Kontrolle ausgelegt. Wirklich druckvolle Ergebnisse erfordern gezieltes Schrauben – der wiedererkennbare Elektron-Sound bleibt dabei stets präsent, ohne sich als durchgehend „edel“ in den Vordergrund zu spielen.

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