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Test
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30.11.2015

Zultan Q Series Professional Set Test

Beckensatz aus B20 Bronze

Türkisch für Anfänger

Es gibt Orte auf der Welt, mit denen man unweigerlich etwas Bestimmtes verbindet: Wolfsburg ist die Auto-Stadt, Los Angeles die Entertainment-Stadt – und Istanbul ist nun mal einfach die Stadt der Becken. Nahezu alle großen Cymbal-Hersteller lassen ihre Instrumente am Bosporus fertigen – zum einen, da die alten Traditionen und das Handwerk der Beckenschmiedekunst eng mit der Metropole verbunden sind und die dort erreichte Qualität erfahrungsgemäß einfach stimmt, zum anderen, weil die Kosten für handgefertigte Becken dort noch überschaubar sind. Diesen Umstand hat sich das Musikhaus Thomann für seine Cymbal-Hausmarke „Zultan“ zunutze gemacht und lässt beim dort ansässigen Hersteller „Turkish“ verschiedene Beckenserien für die Dachmarke Zultan in 100 Prozent Handarbeit fertigen. Unsere Aufmerksamkeit lenken wir in diesem bonedo Test auf die Instrumente der Q-Serie von Zultan, welche in Form eines speziell aufeinander abgestimmten vierteiligen „Professional Sets“ für den kleinen Geldbeutel vorliegen. 

Es sind viele Faktoren, die ein Becken zu dem machen, was es ist bzw. darüber entscheiden, wie gut es sich in ein bestimmtes musikalisches Umfeld einfügt. Das verwendete Material selbst, sei es nun Messing, Bronze, Kupfer oder Blech, spielt dabei eine ebenso entscheidende Rolle wie Stärke und Gewicht des Instrumentes. Weiterhin nehmen die Fertigungsmethode sowie verschiedene Arten der Oberflächenbehandlung Einfluss auf den Klang des Cymbals, und schließlich wollen auch genau jene Exemplare zu einem Satz zusammengefasst werden, die aufgrund der eben genannten Gründe besonders gut miteinander harmonieren. Ist es also Zeit für ein neues Becken-Set, so gilt es, genau abzuwägen, welche Möglichkeiten sich bieten, die gewünschte Klangvorstellung und die fälligen Anschaffungskosten unter einen Hut zu bekommen. Wie gut und vielseitig das Professional Set der Zultan Q-Serie mit seinen vier Instrumenten aus B20 Bronze  (Hi-Hat 14“ / Crash 16“ + 18“  /  Ride 20“) zu einem auffallend günstigen Preis wirklich ist, werden wir nun herausfinden: Auspacken ist angesagt!

Details

Die Becken kommen in einem großen Karton zu mir nach Hause, in welchem sich eine schwarze, mit dem Zultan-Logo bedruckte Nylon-Beckentasche befindet. Jedes der Cymbals steckt in einer transparenten Plastikfolie. Obwohl die Tasche eine prima Dreingabe ist, um die Teller von A nach B zu transportieren, eignet sie sich nicht fürs Touren, da sie weder über Fächer verfügt, noch irgendeine Art von Transportschutz bietet. Ein erster Blick lenkt meine Aufmerksamkeit sofort auf die optischen Auffälligkeiten der Q-Serie: Alle Becken-Oberseiten sind quasi dreigeteilt, wobei die Kuppen und äußeren Randbereiche in einer rohen, Patina-artigen Optik gehalten sind, während der jeweilige innere Bereich hochglanzpoliert daher kommt. Auf den Kuppen sind keine Spuren der Handhämmerung zu sehen, ganz im Gegensatz zum äußeren Rand der Becken. Dort sind die Schläge des Handwerkers deutlich zu erkennen, was den Instrumenten ihre erdige und rohe Optik verleiht. Das mittige Segment der Cymbals hingegen erstrahlt in gleißendem  Glanz, die typischen Hammereinschläge sind auf dem auf Hochglanz polierten Abschnitt nur minimal erkennbar, dafür sieht man die feinen, engeren Linien vom erneuten Abdrehen nach der Oberflächenbehandlung deutlich.

Meine Recherchen haben ergeben, dass die starken optischen Unterschiede der einzelnen Abschnitte der Q-Becken auf ein spezielles Fertigungsverfahren im Hause Turkish zurückzuführen sind, bei dem Säure verwendet wird. Zultan nennt diesen Look „Acid Wash“. Ob dies Einfluss auf den Klang der Becken hat, werden wir etwas später in der Praxis noch genauer beleuchten. Abgerundet wird das Bild von einem schwarzen Zultan-Logo sowie einem großen „Q“ für die Serie, und schaut man dann noch etwas genauer hin, lässt sich auch eine „Handmade in Turkey“ - Stanzung finden, die den Cymbals durchaus eine Art Edel-Aufwertung verleiht. Ein Blick auf die Rückseite aller Becken zeigt, dass die Säurebehandlung nur auf der Oberseite zum Einsatz kam – die Rückseiten aller Becken sind komplett hochglanzpoliert, und auch hier lässt sich das saubere Abdrehen gut nachvollziehen. Das Zultan-Logo ist  auch auf den Rückseiten zu finden, außerdem noch je eine Größenbezeichnung sowie der Hinweis „Handmade Cymbals“. 

Das Gewicht verrät einiges über die Persönlichkeit.

Die Becken der Q-Serie verstehen sich laut der Set-Bezeichnung „Professional“ als Allround Cymbals und weniger als besonders Stil-spezifische Instrumente. Dementsprechend fällt auch das Gewicht der einzelnen Cymbals aus: Die beiden Becken der 14 Zoll Hats unterscheiden sich im Gewicht weniger deutlich voneinander, als man dies von manch anderem Exemplar dieser Gattung kennt. Generell würde ich die Hi-Hat-Kombi mit ihren 1098 (Top) und 1296 Gramm (Bottom) als mittelschwer einordnen. Beide Becken haben sauber gearbeitete Mittellöcher. 

Die beiden Crashes, 16 und 18 Zoll im Durchmesser, sind ebenfalls in der Kategorie Medium zu sehen, zu dick und schwer, als dass man sie als explosiv und schnell einstufen könnte, andererseits aber auch zu leicht für echte Heavy Player. Eben das Mittelding, was eine breite musikalische Bandbreite verspricht. 

In Zahlen liest sich das so: Das 16er wiegt 1052 Gramm, mit 1594 Gramm kommt das 18er Crash deutlich schwerer ums Eck. Auch die Crashes sind sauber gearbeitet, lediglich beim 16er ist das Mittelloch nicht ganz perfekt gelungen. Beide Crashes haben Kuppen, die in ihren Ausmaßen dem entsprechen, was man von Crashes dieser Größen erwartet. Bleibt noch das Ride, was mit seinen 20 Zoll ebenfalls auf Vielseitigkeit abzielt. Dieses Becken kommt mir mit seinen gewogenen 2568 Gramm im Verhältnis zu seinen Geschwistern etwas schwerer vor – ich würde es als „medium-heavy“ einordnen – womit ein ordentlicher „Ping“ zum Preis von weniger „Wash“ garantiert sein sollte. Das Ride-Becken ist ebenfalls prima verarbeitet und gibt keinerlei Anlass zu Beanstandungen. Nachdem wir die vier Schmuckstücke nun ausgiebig begutachtet haben, wird es Zeit, es scheppern zu lassen – auf in die Praxis

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