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Test
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19.12.2012

Zultan Caz Test

Handgehämmerte türkische Jazz-Becken

Preiswunder

Zu den Zultan Caz Cymbals fällt mir vor allem ein großer Vergleich ein: Wie ist eigentlich der aktuelle Kurs für ein türkisches 22“ K Zildjian Ride aus den 60er Jahren? Nun, 1500 Euro muss man wohl hinblättern für ein gut erhaltenes Exemplar, und das ist so ziemlich genau die Summe, die man für den vorliegenden 14-teiligen Zultan Caz Beckensatz ausgeben muss. „Caz“ ist die türkische Übersetzung für „Jazz“, und bei handgehämmerten, türkischen Becken mit einer solchen Namensbezeichnung liegt die Assoziation zu den alten Ks natürlich auf der Hand.

Unzählige Beckenhersteller versuchen seit Jahrzehnten, den sagenumwobenen Sound von Jazz-Giganten wie Elvin Jones, Art Blakey oder Tony Williams zu reproduzieren, allen voran natürlich die Firma Zildjian selber mit künstlichen Alterungsmethoden oder komplizierten Hämmerungstechniken. Teilweise sind die Unterschiede zu den Originalen auch gar nicht mehr so groß, aber obwohl ein Ride aus der aktuellen K-Zildjian-Serie nur ein Drittel eines echten Vintage-Schätzchens kostet, reisst es dennoch ein nicht unerhebliches Loch ins Geldbeutelchen. Da sich das einfach nicht jeder leisten kann, sind in den letzten Jahren vermehrt Hersteller aufgetaucht, die handgehämmerte Ride-Becken aus B20-Bronze zu einem Preis anbieten, für den man bei den großen Beckenherstellern gerade mal ein 10“ Splash und einen feuchten Händedruck vom Verkäufer bekommt. Die seit 1996 existierende Firma Turkish aus Istanbul stellt exklusiv für das Musikhaus Thomann unter dem Markennamen „Zultan“ verschiedene Beckenserien her, welche sich allesamt durch edle Materialien und traditionelle Fertigungsmethoden bei gleichzeitig extrem niedrigen Preisen auszeichnen. Möglich wird die radikale Preisgestaltung vor allem durch den bewussten Verzicht auf große Werbemaßnahmen oder Endorsements. Man vertraut auf die Qualität seiner Produkte und setzt darauf, dass die Marke sich durch Mundpropaganda langfristig am Markt etablieren wird.

Details

Die „Caz“-Serie wurde, wie der Name schon sagt, speziell für den Einsatz im Jazzbereich konzipiert und beinhaltet die folgenden Modelle, welche allesamt zum Test vorliegen: Hi-Hats in den Größen 13“, 14“ und 15“, Crashes in 16“, 17“ und 18“, Rides in 20“, 21“ und 22“, ein 19“ Crash Ride und ein 21“ Sizzle Ride. Wie die legendären Vorbilder werden auch die Zultan Caz-Becken aus der traditionellen B20-Bronzelegierung (bestehend im Wesentlichen aus 80% Kupfer und 20% Zinn) gegossen. Gewichtsbezeichnungen wie „Thin“ oder „Medium“ gibt es nicht, stattdessen erfolgt lediglich eine grobe Klassifizierung in „Crash“ oder „Ride“. Der Prägestempel zeigt das typische Halbmond-/Stern-Logo und verrät, dass es sich in Wahrheit um „Turkish“-Becken, „Handmade in Turkey“ handelt.

Konkret bedeutet dies, dass die Becken nicht maschinell, sondern per Hand abgedreht und gehämmert werden. Auf diesen Aspekt ist man bei Zultan besonders stolz, denn diese spezielle und sehr aufwändige Art der Bearbeitung gilt als die Königsdisziplin der Beckenschmiedekunst und hebt die Caz-Serie klar von preislich vergleichbaren Produkten der Konkurrenz ab. Die Spielflächen der Becken sind mit einer kräftigen, dichten, unregelmäßig verteilten Hämmerung versehen, während auf den Kuppen sehr dezente, kaum erkennbare Einschläge vorhanden sind. Fast die ganze Modellpalette ist gekennzeichnet von einem relativ feinen, aber dennoch prägnanten Abdrehmuster, bei dem die Abstände zwischen den Rillen leicht variieren. Auf den Unterseiten der Hi-Hat-Top-Becken ist die Bearbeitung etwas gröber ausgeführt. Alle Becken der Serie haben ein außergewöhnlich flaches Profil bei insgesamt relativ geringer Materialstärke. Kleine Unterschiede gibt es diesbezüglich innerhalb der Serie aber trotzdem, so fallen zum Beispiel die 16“ und 17“ Crashes sowie das mit zwei Nieten bestückte 21“ Sizzle Ride sehr leicht aus, während die restlichen Modelle sowohl vom Spielgefühl als auch vom tatsächlichen Gewicht her eher in die Medium-Thin-Kategorie einzuordnen sind. Bei näherer Betrachtung kann man die Spuren der Handarbeit in Form von vereinzelten Kratzern sowie unterschiedlich stark entgrateten und teilweise nicht hundertprozentig runden Mittellöchern erkennen. Dies soll aber kein Kritikpunkt sein, denn Perfektion kann man bei handgemachten Becken naturgemäß nicht erwarten, und auf den Sound wirken sich solche Unregelmäßigkeiten keinesfalls negativ aus.

Alle Becken haben sauber geschliffene Ränder und liegen plan auf einer glatten Fläche auf. Allerdings ist die Gewichtsverteilung bei einigen der getesteten Modelle etwas ungleichmäßig. Dadurch neigen sie dazu, sich während des Spielens immer wieder in die gleiche Position zu drehen. Im Praxisteil will ich nun herausfinden, ob Zultan hier tatsächlich eine preiswerte Alternative zu K Zildjian & Co. geglückt ist.

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