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Test
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27.06.2016

Zoom H4n Pro Test

Vierspur-Handheld-Recorder

Pro-Version des H4n mit verbesserter Klangqualität

Mit dem H4 hat sich der japanische Hersteller Zoom 2006 in die Audio-Geschichtsbücher gebracht und liefert mit dem H4n Pro nun eine neue, verbesserte Version. Der Nachfolger des beliebten mobilen Aufnahmegerätes wurde nicht nur optisch und haptisch aufgewertet, sondern klingt auch besser als das Original. Mit 260 Euro ist der H4n Pro im unteren Preissegment angesiedelt. Ob er jeden Penny wert ist oder nicht, finden wir in diesem bonedo-Test heraus.

Details

Unpacking

Ja ist denn heut' schon Weihnachten? Immer wenn neue Produkte auf meinem Testtisch landen, fühle ich mich wie früher an Heiligabend. Und wenn es sich dann auch noch um ein kleines Allroundtool handelt, ist die Vorfreude sogar noch ein bisschen größer, denn irgendwie sind diese kleinen, japanischen Technikwunderwerke immer wieder sehr beeindruckend. Schon beim Auspacken wird mir ein wertiger Eindruck vermittelt. Als erste Verbesserung gegenüber dem H4n fällt mir das gummierte Gehäuse auf - es fühlt sich angenehm an. Mit eingelegten Batterien wiegt der H4n Pro knapp über 300 Gramm und liegt gut, gewichtig und sicher in der Hand. Beim Einschalten fällt auf, dass das bernsteinfarbene Display des Vorgängers einem schick wirkenden, bläulich hintergrundbeleuchteten LCD weichen durfte. Außer einem Satz Batterien, einem praktischen Kunststoff-Case und Handbüchern in mehreren Sprachen wird nichts anderes mitgeliefert. Im Handel gibt es aber eine ganze Palette an Zubehör aus der Zoom-Recorder-Reihe, die man sich zum Handhelden zusätzlich holen sollte. Netzteil, Fernbedienung und Windschutz sind eigentlich ein Muss für jeden, der mit dem Zoom H4n Pro ins Feld ziehen möchte.

Ein Überblick

Der H4n Pro ist ein kleiner, mobiler Vierspur-Handheld-Recorder. Man kann mit ihm auf SD-Karten Aufnahmen im WAV-Format mit bis zu 24 Bit/96 Kilohertz und im MP3-Format von 32 bis 320 kbps machen. Als Quellen stehen das eingebaute X/Y-Stereomikrofon, zwei XLR/Klinken-Kombobuchsen-Eingänge und eine Miniklinke für Plugin-Powered-Mics zur Verfügung. Die verbauten Mikrofonkapseln verarbeiten Schalldrücke bis zu 140 dB(SPL) und qualifizieren sich somit spielend für laute Proberaum-Mitschnitte, Schlagzeug-Aufnahmen, Konzert-Mitschnitte oder beispielsweise zum Aufstocken der Sample-Library mit nah mikrofonierten Presslufthammer-Schlägen. Über den kleinen, integrierten Lautsprecher oder den regelbaren Kopfhörer-/Line-Ausgang lassen sich die Aufnahmen entweder per Monitoring-Funktion mithören oder im Nachhinein abhören. Mit integrierten Tools wie einem Stimmgerät, einem Metronom und diversen Effekten wie Gitarrenamp-Simulation, Delay, Kompressor, M/S-Matrix und Lowcut-Filter bietet der H4n Pro praxisrelevante Hilfsmittel, die sicher nicht zu den allerbesten der auf dem Markt befindlichen Effekte und Tools zählen, aber praktisch ist es schon, dass sie direkt mit an Bord sind. Per USB-Schnittstelle lässt sich der H4n Pro genauso wie sein Vorgängermodell an PC und MAC als 4In/2Out-Audio-Interface verwenden. Abgerundet wird das Mini-Tonstudio mit Cubase LE- und Wavelab LE-Lizenzen, die einem genügend Nachbearbeitungs-Optionen fürs heimische Rechenzentrum zur Verfügung stellen dürften. Von den Funktionen her unterscheidet sich der H4n Pro nur minimal vom H4n. Das Prädikat des Preis-Leistungs-Königs in seiner Klasse verdient er sich aber eben durch seine verbesserten inneren Werte. Was sind denn nun die Unterschiede beziehungsweise die weiteren Verbesserungen gegenüber dem H4n?

Verbesserung Nummer eins: das gummierte Gehäuse

Zoom hat der Pro-Version ein griffiges, gummiertes Gehäuse spendiert. Das fühlt sich nicht nur wertig an, sondern sorgt im manchmal hektisch-aufregenden Aufnahme-Alltag bei verschwitzten Händen für einen deutlich sichereren Griff. Gerade wenn man vielleicht mit externen Mikros hantiert und den H4n Pro dadurch nur einhändig bedienen kann, ist die leichte Gummierung sehr vorteilhaft.

Verbesserung Nummer zwei: das Mikrofon

Über dem Display, an der Oberseite des Gerätes, befindet sich das fest verbaute Stereomikrofon, das dem Zoom iQ6 entspricht, welches wir bereits getestet haben (hier ist das Review). Es handelt sich dabei um zwei gerichtete Kondensator-Kapseln, die in X/Y-Anordnung zueinander verbaut wurden. Wie beim Vorgänger lässt sich der Öffnungswinkel des aufzunehmenden Stereofelds durch Verdrehen der Kapseln stufenlos zwischen 90 und 120 Grad einstellen. Liegt der Fokus einer Aufnahme in der Mitte, zum Beispiel bei einer nahen Sprachaufnahme, so wählt man eher einen kleinen Öffnungswinkel. Möchte man weiter entfernte Klänge aufnehmen, wählt man gerne größere Öffnungswinkel, damit der Eindruck der erzielten Stereobreite nicht zu klein klingt. Letztlich ist das aber natürlich vor allem auch Geschmackssache. Das Besondere am Mikrofon des H4n Pro ist der große Headroom, was die Verarbeitung von hohem Schalldruck anbelangt. Laut Specs können die Kapseln bis zu 140 dB(SPL) ab. Das müsste eigentlich für die Aufnahme des nächsten AC/DC-Konzerts in der fünften oder sechsten Reihe (von hinten!) reichen.

Verbesserung Nummer drei: die XLR-Anschlüsse

Im Gegensatz zum H4n wurden dem H4n Pro verriegelbare XLR-Eingänge spendiert. Der stabile Sitz hilft nicht nur, ein versehentliches Abziehen angeschlossener Kabel zu vermeiden, sondern dient auch der Phantomspeisungs-Stabilität. Wer wie ich schon einmal das Vergnügen mit Phantomspeisungs-Wacklern beim Einsatz von Kondensatormikros hatte, schätzt eine solche Verriegelung ungemein. Ein kleiner, unauffälliger Ausfall eines Signals im Millisekunden-Bereich mag vielleicht nicht allzu sehr ins Gewicht fallen. Bricht allerdings die Phantomspeisung eines Mikros zusammen, so wird dies meist von lauten Störgeräuschen und mehrsekündigem Signalausfall begleitet. Gar nicht gut, und deshalb umso erfreulicher, dass Zoom dem nun einen Riegel vorgeschoben hat. Dem Amateur hilft’s, den Profi entspannt´s.

Verbesserung Nummer vier: die Pre-Amps

Mit dem H4n Pro möchte man nicht nur Profis ansprechen, sondern klarmachen, dass es sich um ein qualitativ hochwertigeres Nachfolgemodell in der gleichen, erschwinglichen Preiskategorie handelt. Das zweitwichtigste Glied in der Aufnahme-Kette ist nach dem Mikrofon der Pre-Amp. Hier hat sich Zoom bei den Mikrofon-Vorverstärkern der H5- und H6-Reihe bedient. Zum gewohnt günstigen H4-Preis bekommt man mit der Pro-Version nun also auch noch die klanglich hervorragenden Pre-Amps der teureren, großen Modelle, die sich durch wenig Eigenrauschen und weniger Artefakte auszeichnen. Bei Konzert- oder Proberaum-Mitschnitten dürfte das nicht allzu sehr auffallen, aber den Dokumentarfilmer wird’s freuen, wenn bei einer Außenaufnahme das leise Summen und Fiepen von Flora und Fauna nicht im Rauschen der Pre-Amps absäuft.

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