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14.03.2017

Zähl EQ1 Stereo Equalizer Test

API 500 EQ

Keine Kritikpunkte

Wenn es so etwas wie „unbesungene Helden“ in der hiesigen Studiolandschaft gibt, dann könnte Michael Zähl dazu zählen. Bei einem professionellen Publikum schon lange verehrt, sorgen Geräte wie der Zähle EQ1 nun dafür, dass der Name Zähl auch in der Breite die Anerkennung bekommt, die er verdient. Mit weit über drei Jahrzehnten im Geschäft gehört der in Bergisch Gladbach ansässige Entwickler zu den alten Hasen der Branche. Was viele nicht wissen: Das legendäre Studio des nicht weniger legendären Producers Conny Plank war ebenso mit einer spezialangefertigten Zähl-Konsole bestückt wie das der Band Can. Letzteres Pult lässt sich übrigens heute im Rock’n’Pop Museum in der Stadt Gronau besichtigen. Kenner wissen den Zähl-Sound also schon lange zu schätzen; seine Technik bleibt untrennbar verbunden mit Genres wie Krautrock und auch den Anfängen elektronischer Musikproduktion in Deutschland.

Nachdem Michael Zähl eine Weile vor allem auf Broadcast-Tools spezialisiert war, brachte eine Begebenheit vor ein paar Jahren einen Stein ins Rollen, an dessen vorläufigem Zielpunkt nun Geräte wie der EQ1 stehen. Mark Ernestus, legendärer Technoproduzent hinter Projekten wie Basic Channel oder Rhythm & Sound, stolperte auf der Suche nach einem neuen Herzstück für sein Studio über eine alte, gebrauchte Zähl-Konsole. Er kontaktierte Michael Zähl aufgrund einer Reihe von bis dato ungelöster Maintenance-Fragen, doch leider stellte sich heraus, dass eine Wiederbelebung des alten Pults ökonomisch nicht lohnenswert sein würde. Jedoch führte der Austausch zwischen Ernestus und Zähl zur Entwicklung einer völlig neuen Studio-Konsole, der AM1. In diesem nur auf Bestellung gefertigten Schiff kulminiert die jahrzehntelange Erfahrung von Zähl, und verschiedene Produzenten wie Ricardo Villalobos, Tobi Neumann oder auch Mark Ernestus selbst installierten ein AM1 in ihren Studios.

Details

Einige Features des Zähl EQ1 sind eher Mastering-Tools vorbehalten

Zunächst war Zähl weiter ausschließlich im absoluten Pro-Sektor verhaftet. Der EQ1 verpackt die EQ-Sektion des Pultes nun in einem 500-Modul doppelter Slotbreite und erschließt damit einen viel breiteren Markt. Als reines Stereogerät konzipiert, bietet der EQ1 die nötigen Schaltkreise, um simultan zwei Audio-Kanäle zu bearbeiten. Da das Gerät aber nur über einen Satz Bedienelemente verfügt, bietet es sich geradezu für die Subgruppen- und Summenbearbeitung an. Dabei werden die vier Bänder des vollparametrischen Designs von zahlreichen ungemein praktischen und teils auch eher ungewöhnlichen Features ergänzt, welche normalerweise eher sehr speziellen Masteringtools vorbehalten sind und sich nicht unbedingt in der Welt des 500-Standards finden.

Weit überlappende, umschaltbare Mittenbänder

Doch der Reihe nach: Zunächst einmal bieten die Mittenbänder jeweils zwei Frequenzbereiche, zwischen denen umgeschaltet werden kann. Die Tiefmitten greifen bei von 40-400 Hz oder bei 0,2-2 kHz, während bei den Hochmitten zwischen den Bereichen 0,6-6 oder 1,8-18 kHz gewählt werden kann. Damit erfüllen bereits diese beiden Bänder zwei wichtige Funktionen: Zum einen überlappen sie sich weit, zum anderen decken sie bereits fast das gesamte menschliche Hörspektrum ab; sie reichen von der zweittiefsten Oktave bis weit hinauf ins Airband. Der Q-Faktor lässt sich jeweils zwischen 0,5 und 6 justieren und ein weiteres Poti übernimmt die Einstellung der Amplitude. Die beiden äußeren Bänder wiederum lassen sich separat zwischen Peaking-und Shelving-Charakteristik umschalten und bieten Frequenzbereiche von 30-300 Hz für den Bass sowie 2 bis 20 kHz für die Höhen. 

Besonderheit: Globale Amplitudenumschaltung

Die maximale Anhebung/Absenkungen in allen Bändern habe ich absichtlich noch nicht genannt, denn hier verbirgt sich die erste der Zähl-Spezialfunktionen. So lässt sich die maximale Amplitude global für alle Bänder zwischen ±5 und ±15 dB umschalten. Auf diese Weise gewinnt man das Beste beider Welten – entweder man kann den gesamten Potiweg für feine Anpassungen nutzen oder aber man lässt die geballte Power der EQ-Schaltung für maximalen Pegelhub aus dem Tank. In der Mittelposition der Gain-Potis nimmt eine spezielle Schaltung das gesamte jeweilige Band komplett aus dem Signalweg heraus, sodass die Schaltung stets so transparent wie nur möglich arbeiten kann. A/B-Vergleiche werden zudem durch weitere Bypass-Schalter pro Band erleichtert.

„Mastersektion“ mit weiteren Funktionen

Zu den vier Bändern gesellt sich noch ein stufenloser Hochpass, der zwischen 25 und 250 Hz ansetzen kann. Daneben bietet der EQ noch eine Art „Mastersektion“, deren Herzstück eine globale Pegelanpassung ist. Auch hier kann das Gain zwischen ±5 und ±15 dB umgeschaltet werden. Noch dazu lässt sich die Pegelstufe wahlweise vor oder hinter der EQ-Schaltung einsetzen. Damit kann das Gainstaging völlig flexibel gehandhabt werden. Entweder man bringt etwa ein zu schwaches Signal auf Pegel, bevor man es mit dem Entzerrer bearbeitet oder man gewinnt Headroom in der Ausgangsstufe, etwa bei sehr großen Filteramplituden. Die Pegelanpassung wird durch eine zweifarbige LED erleichtert. Sie leuchtet grün, wenn Signal anliegt und rot, um vor Übersteuerungen zu warnen. Der Pegel wird dafür an nicht weniger als zehn verschiedenen Stellen im Signalweg automatisch und gleichzeitig überwacht wird.  

Durchweg hochwertig – bei Bedarf auch das Housing

Auch bei den vermeintlich nebensächlichen Details wurde nicht gespart: Jeder Schalter verfügt über seine eigene Status-LED. Rot steht für den globalen Bypass, Grün für die Bypass-Funktion der einzelnen EQ-Bänder und Orange für alle anderen Schalter. Alle Gain-Potis bieten zudem noch eine Mittenrastung an. Damit tummeln sich auf der Frontplatte nicht weniger als 12 Potis und 13 Schalter samt LEDs. Und dennoch benötigt man weder ein Handbuch noch viel Anlaufzeit, um sich hier zurechtzufinden. Nicht nur die Schaltung, auch die Frontplatte selbst wurde so clever und genial gelayoutet, dass sich das Gerät trotz seiner Funktionsfülle gewissermaßen von selbst erklärt. Diese Übersichtlichkeit ist auch wichtig damit man in meist eher schummrig gehaltenen Regien und im bisweilen hektischen Recording-Alltag nicht danebengreift. Insgesamt präsentiert sich der EQ1 also schon von außen gesehen als ingenieurtechnische Meisterleistung. Dies spiegelt sich auch sowohl in der mechanischen Ausführung des Gehäuses und der restlichen Hardware als auch im Inneren wider. Das Gerät verfügt über zwei doppelstöckige Platinen, auf denen sich beispielsweise zahlreiche hochwertige WIMA-Kondensatoren tummeln. Mit seiner vielseitig-transparenten Grundausrichtung versteht es sich von selbst, dass hier aktive Filterschaltungen ihren Dienst verrichten. Auch auf Übertrager an den Ein-/Ausgängen wurde bewusst verzichtet. Der EQ1 folgt durch und durch „modernen“ Topologien, wobei laut Hersteller bestimmte Übertragereigenschaften in den aktiven Stufen abgebildet werden. Zähl bietet auch eine eigene „2-Slot-Lunchbox“ für das Modul an. Diese ist ebenso hervorragend gefertigt wie der EQ1 selbst, mit einem Preis von 809,20 € aber nicht ganz billig. Der Kaufpreis umfasst allerdings ebenso ein externes, extrem hochwertiges Netzteil – und wir alle wissen, dass ein solcher Prozessor wie der EQ1 nur so gut performen kann, wie der Strom, mit dem er gefüttert wird, es erlaubt.

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