Drumset_komplett
Test
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15.01.2018

Praxis

Das Yamaha Rydeen Drumkit hinterlässt optisch einen professionellen Eindruck und wirkt durch die kleinen Böckchen und die schwarze Folie mit leichtem Glitzereffekt auf eine unaufdringliche Weise edel. Einzig die Tatsache, dass das 16“ Floortom nur mit 12 statt der allgemein üblichen 16 Spannböckchen ausgestattet ist, deutet darauf hin, dass wir es mit einem recht preisgünstigen Kit zu tun haben. Die Verarbeitung der Holzkessel und auch die Qualität und Funktionalität des Snare Strainers sowie der sonstigen Metallteile ist für diese Preisklasse in Ordnung. Ein dickes Plus verdient die Hardware, die alles andere als billig aussieht und auch gehobenen Ansprüchen gerecht werden dürfte. Dass die Federspannung der Hi-Hat-Maschine nicht verändert werden kann, dürften die meisten Kaufinteressierten leicht verschmerzen, umso erfreulicher gestalten sich die Laufeigenschaften der Pedale sowie die allgemeine Performance der Hardware in der Praxis. 

Gut definierter Sound im mittleren Tuning, aber die Felle erschweren den Stimmvorgang

Kommen wir nun zum Wichtigsten, dem Sound. Zunächst probiere ich es mit einer tiefen Stimmung. Die Bassdrum-Stimmschrauben ziehe ich nur locker an, ins Innere der Trommel lege ich ein kleines Dämpfungskissen. Bei den Toms verzichte ich auf Dämpfungsmaßnahmen und stimme die extrem dünnen Felle so weit herunter, dass sie noch einigermaßen sauber klingen, ohne zu flattern oder zu schnarren. Dabei wird deutlich, dass die Grenze hier schneller erreicht ist als bei dickeren Fellen, so dass ich letztendlich eher bei einer mittleren Stimmung lande. Die Snare ist in den Groove-Soundfiles nur leicht gedämpft, um die Obertöne nicht komplett zu eliminieren. 

Im Ergebnis liefert die Bassdrum ein solides Fundament, wobei sie mit der 22er Größe auch genügend Lautstärkereserven mitbringt. Die Snare spricht auch auf leise Anschläge gut an und klingt aufgrund des Holzkessels nicht zu scharf. Mit ein wenig Dämpfung auf dem Schlagfell erzeugen die Obertöne ein dezentes Singen, das schön mit dem Grundklang verschmilzt. Die Toms erfordern aufgrund der zarten Felle ein sehr genaues Tuning, das unerfahrenen Trommlern Schwierigkeiten bereiten könnte. Hat man aber eine gleichmäßige Stimmung erreicht, entwickeln die Trommeln einen runden, recht gut definierten Ton. Auch wenn manchen Drummern der tonale Unterschied zwischen den 12“ und 16“ Toms zu groß erscheinen mag, hat Yamaha hier eine sinnvolle Entscheidung getroffen, denn das Floortom rundet das Frequenzspektrum schön nach unten ab.

Und so hört sich das Ganze an:

In höheren Lagen wird die Luft etwas dünner

Für die nächsten Soundfiles wähle ich ein höheres Tuning für Toms und Snare, wobei hier die Snare in allen Sound-Beispielen ungedämpft ist. Am Ende hört ihr noch den Beckensatz solo.

Während das Floortom auch nach ein paar Aufwärts-Umdrehungen mit dem Stimmschlüssel kaum etwas von seiner Klangfülle einbüßt, zeigen sich bei den Racktoms im oberen Stimmbereich die tonalen Grenzen des Pappelholzes. Das Sustain der 10" und 12" Toms fällt aufgrund der am Kessel befestigten Halteböckchen in Kombination mit dem relativ weichen und somit resonanzarmen Kesselmaterial verhältnismäßig kurz aus. Hier spielt sicher auch die schlechte Qualität der Felle eine Rolle. Die dünnen Folien sind bereits nach einmaligem Hochstimmen "labberig" und weisen leichte Dellen auf, als ich sie für einen letzten Check von den Trommeln entferne.

Das Beckenset hebt sich schon von der Materialstärke her deutlich von den Blechen ab, die in der untersten Preisklasse der Komplett-Sets ihr Unwesen treiben. Somit können sie bedenkenlos über viele Jahre gespielt werden und klingen dabei recht annehmbar. Das 16" Crash tönt zwar etwas matt, dafür wird es bei unkontrollierter Spielweise nicht so laut wie professionelle Modelle. Mit dem Ride und den Hi-Hats lässt sich durchaus arbeiten, wobei sich das Ride auch als großes Crash-Becken verwenden lässt.

Ein Fellwechsel erweitert den Stimmbereich

Da sich bei den ab Werk aufgezogenen No Name Fellen die Belastbarkeitsgrenze schon nach einigen Stunden zeigt und ich wissen möchte, wie die Toms in einer tieferen Stimmung – die mit den Werksfellen schwer realisierbar ist – klingen, ziehe ich zum Schluss noch einen Satz Remo Emperor clear Schlagfelle auf die Toms auf. Dabei zeigt sich, dass sich mit den doppellagigen Markenfellen der Stimmbereich hörbar nach unten erweitert. So ist auch ein satter, rockiger Sound leicht umsetzbar, ohne dass zusätzlich gedämpft werden muss. Der Wechsel der Tom-Schlagfelle, der in der Summe mit 50 Euro zu Buche schlägt, lohnt sich also durchaus.

Die entsprechenden Soundfiles hört ihr hier:

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