Hersteller_Yamaha EK_Einsteiger_Keyboard EK_Anschlagdynamik
Test
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18.10.2018

Praxis

Tastatur und Lautsprecher

Das Yamaha PSR-E463 verfügt über eine anschlagdynamische Klaviatur mit 61 Tasten in Normalgröße. Für ein Keyboard dieser Klasse empfinde ich das Spielgefühl als sehr angenehm. Die Anschlagdynamik lässt sich präzise dosieren und die Tastatur wirkt für ein Einsteiger-Keyboard erfreulich wenig schwammig. 

Unter den Metallschutzgittern befinden sich zwei je 12 cm große Lautsprecher, die von einem Verstärkersystem mit 2 x 6 Watt angetrieben werden. Die Größe der Lautsprecher ist identisch mit dem Geschwistermodell PSR-EW410, allerdings bietet das PSR-E463 lediglich die halbe Verstärkerleistung. Dennoch kann das Keyboard recht laut werden und klingt bei moderater Lautstärke druckvoll und sauber; für das Üben zu Hause reicht das allemal. Dreht man die Lautstärke voll auf, dann kommen die Lautsprecher aber bisweilen an ihre Grenzen und beginnen etwas zu verzerren.

Klangfarben (Voices)

Mit insgesamt 758 Klangfarben ist das Yamaha PSR-E463 für ein Keyboard dieser Klasse mehr als üppig bestückt. Darin inbegriffen sind 24 Drum- und SFX-Sets, 40 spezielle Arpeggio-Voices und die 457 Voices umfassende XGlite-Klangpalette, die vorwiegend bei der Wiedergabe von MIDI-Songs zum Einsatz kommt. Wie üblich deckt das Angebot fast jedes erdenkliche Instrument ab. Erfreulich ist das mittlerweile große Angebot an modernen Synthesizer-Sounds, durch das sich auch aktuelle Hits überzeugend darbieten lassen. Einige wenige Sounds verfügen über mehrere Velocity-Layer, sodass man beispielsweise verschiedene Spielweisen durch die Anschlagstärke abrufen kann.

Die Qualität der Klänge ist für ein Keyboard dieser Klasse gut und das PSR-E463 im Vergleich mit der direkten Konkurrenz klanglich gut aufgestellt. Allerdings bietet es auch kaum nennenswerte klangliche Verbesserungen gegenüber den unmittelbaren Vorgängermodellen. Die Konkurrenz schläft nicht und vielleicht sollte Yamaha in der nächsten Generation darüber nachdenken, den Keyboards der PSR-E-Serie eine klangliche Frischzellenkur zu gönnen.

Mit den Drehreglern können Klänge in einigen Parametern in Echtzeit beim Spielen verändert werden. Man hat Zugriff auf Filter Cutoff und Resonanz, die Effektanteile für Reverb und Chorus sowie Attack und Release der Hüllkurve. Außerdem sind zwei Parameter des DSP-Effekts regelbar; dazu gleich mehr. Dadurch kann man Klänge während des Spielens lebendig gestalten.

Split und Layer

Bis zu drei Klangfarben lassen sich beim PSR-E463 zeitgleich auf der Tastatur spielen. Aktiviert man den Dual-Modus, so werden zwei Klänge übereinander geschichtet. Zur Auswahl der zweiten Voice hält man den Dual-Taster etwas länger gedrückt. Lautstärke, Oktave, Panning, Effektanteile sowie Filter Cutoff, Resonanz und Hüllkurve der Dual-Voice lassen sich im Funktionsmenü getrennt einstellen.

Um die Tastatur in zwei Bereiche aufzuteilen, drückt man den Shift-Taster. Dann lässt sich für den linken Tastaturbereich eine Split-Voice auswählen; das Verfahren funktioniert genau wie bei der Dual-Voice. Auch hier können die Parameter Volumen, Oktave, Panning und Effektanteile im Funktionsmenü geregelt werden, wo sich auch der Splitpunkt einstellen lässt. Der Split-Modus kann gleichzeitig mit der Dual-Voice genutzt werden, wodurch maximal drei Sounds simultan spielbar sind: Einer in der linken und zwei in der rechten Hand.

Effekte

Das PSR-E463 verfügt über einen globalen Halleffekt mit 12 verschiedenen Typen und einen Chorus mit fünf Typen. Im Funktionsmenü lassen sich die Effektanteile für Main Voice, Dual Voice und Split Voice getrennt regeln; weitere Einstellmöglichkeiten gibt es für diese Effekte aber nicht. Zusätzlich bietet das Keyboard einen DSP-Effekt, der wahlweise der Main- und Dual-Voice oder der Begleitung zugewiesen werden kann. Um ihn zu aktivieren, drückt man den Taster „DSP“. Zum Auswählen des Effekttyps hält man diesen Taster gedrückt und trifft dann die Wahl mit dem Daten-Encoder. Zehn DSP-Typen stehen bereit: Rotary Speaker, zwei Verzerrer, Chorus, Flanger, Phaser, Tremolo, Autopan sowie ein Tiefpass- und ein Hochpassfilter. Alle lassen sich mit den Drehreglern in zwei Parametern anpassen. So kann man beispielsweise beim Rotary-Speaker-Effekt die Geschwindigkeit und die Verzerrung regeln oder bei den Modulationseffekten die Geschwindigkeit und Effekttiefe (Depth) steuern.  Die Effekte klingen für ein Einsteigerkeyboard ausreichend, wenn auch nicht überragend. Auch hier gilt, dass die PSR-E-Serie bald reif für ein größeres Update sein dürfte. So bietet das etwa zeitgleich mit dem PSR-E463 erschienene und praktisch gleich teure Casio CT-X3000 eine umfangreichere Effektsektion mit mehr Möglichkeiten.

Styles (Rhythmen)

Mit 235 Begleitrhythmen bietet das PSR-E463 exakt genauso viele wie das Casio CT-X3000. Der Unterschied liegt jedoch im Detail: Während die Rhythmen des Konkurrenten von Casio mit vier Variationen pro Style aufwarten, muss man sich beim PSR-E463 mit zwei Variationen begnügen. Zusätzlich bietet jeder Style (nur) ein Intro, ein Ending und zwei Fill-Ins. Zu jedem Style gibt es außerdem wie gewohnt ein „One Touch Setting“ (OTS), wodurch automatisch passende Keyboard-Voices ausgewählt werden.

Obwohl das PSR-E463 weniger Variationen bietet als das Konkurrenzmodell von Casio, gefällt mir der Sound der Begleitautomatik bei Yamaha nach wie vor etwas besser. Etliche Rhythmen des PSR-E463 entstammen höherklassigen Instrumenten des Herstellers wie der PSR-S-Serie und dem Tyros. Zwar klingen die Styles hier nicht ganz so ausgefeilt, weil die Programmierer sich mit dem eingeschränkten Klangangebot des Einsteiger-Keyboards begnügen mussten, aber sie sind sehr stilsicher programmiert und wirken etwas souveräner, druckvoller und lebendiger als bei der direkten Konkurrenz. Neben den üblichen Rhythmen aus den Bereichen Pop, Rock, Latin, Jazz usw. sind auch etliche modernere Dance-Styles an Bord, die aber natürlich kaum mit schnelllebigen Clubtrends mithalten können. Einige Styles orientieren sich sehr eng an bekannten Hits, die sich dann recht authentisch spielen lassen.

Während der Wiedergabe kann man einzelne Elemente wie Drums, Bass oder verschiedene Akkordspuren stummschalten, wodurch sich eine Style-Performance noch flexibler gestalten lässt. Das Lautstärkeverhältnis der verschiedenen Begleitspuren ist allerdings nicht regelbar, nur die Gesamtlautstärke des Arrangers kann im Funktionsmenü eingestellt werden. Es ist auch nicht möglich, Styles zu bearbeiten und neu abzuspeichern, geschweige denn ganz neu zu erstellen. Auch hier kann das PSR-E463 nicht mit dem Casio CT-X3000 Schritt halten, bei dem man Begleitrhythmen komplett selbst erstellen kann. Immerhin gibt es aber zehn freie Speicherplätze für User-Styles, die über einen USB-Stick mit weiteren Rhythmen gefüllt werden können.

Groove Creator

Der „Groove Creator“ tritt beim PSR-E463 an die Stelle der „DJ-Patterns“ der Vorgängermodelle. Das Konzept ist das Gleiche: Vorgefertigte Grooves in diversen modernen Dance- und Hip-Hop-Stilen, bei denen man auf Knopfdruck zwischen fünf verschiedenen Patterns umschalten und die Performance variabel gestalten kann. Dazu kann man selbstverständlich auf der Tastatur spielen. Per Tastendruck auf der Tastatur lassen sich die Patterns zudem transponieren. Neu ist, dass das fünfte Pattern nun „Musical Climax“ heißt und wie eine Art Ending inklusive Steigerung gestaltet ist, das sich besonders auch zur Überleitung in einen anderen Groove anbietet. Während der Performance mit dem „Groove Creator“ kann man mit den Track-Control-Buttons einzelne Elemente wie verschiedene Drum-, Bass- und Akkordspuren an- und ausschalten, wodurch sich die Patterns noch vielseitiger gestalten und verwenden lassen.

Gerade im Zusammenhang mit dem „Groove Creator“ ist es eine tolle Sache, dass man den DSP-Effekt auch der Begleitung (den Grooves) zuweisen kann. Im Handumdrehen lassen sich so zum Beispiel Verzerrer, Flanger oder Phaser auf ein Groove-Creator-Pattern auflegen. Auch die Drehregler und damit die Echtzeitkontrolle über Filter und Effekte lassen sich auf die Grooves anwenden. Außerdem gibt es eine Retrigger-Funktion, mit der man Dance-typische „Buildups“ erzeugen kann, die aber mit den Drehreglern leider nur mit Glück exakt zu kontrollieren ist.

So hat man eine Menge Möglichkeiten, mit den Grooves kreativ zu werden, und kann sich beinahe wie ein DJ fühlen. Die insgesamt 35 Grooves sind frisch und stilsicher programmiert und machen eine Menge Spaß. Dennoch bleibt das Material natürlich vorgefertigt und musikalisch zu festgelegt, als dass man es als Basis für eigene Tracks nutzen könnte. Unter dem Strich ist der Groove Creator ein spaßiges Feature, das für jede Menge gute Laune sorgt – mehr aber letztlich auch nicht.

Sampling

Die wichtigste Neuerung, die das PSR-E463 seinem Vorgänger voraus hat, ist die Sampling-Funktion. Über den externen Audioeingang kann man zum Beispiel Signale von einem angeschlossenen Audioplayer oder Synthesizer sampeln. Eine so entstandene Sample Voice kann beim PSR-E463 bis zu fünf Samples enthalten (beim Geschwistermodell PSR-EW410 sind es sieben): eines im „Normal Mode“, das sich auf der Tastatur chromatisch spielen lässt, und vier weitere in den Modi „Loop“ oder „One Shot“, in denen das Sample nicht transponiert wird. Dafür sind jeweils bestimmte Tastaturbereiche vorgesehen, die auf dem Bedienfeld entsprechend beschriftet sind.

Die Möglichkeit zur Erstellung eigener Samples ist bei einem Keyboard dieser Klasse sehr selten und sorgt für viel kreativen Spielraum. Derzeit sind das PSR-E463 und das PSR-EW410 die einzigen mir bekannten Einsteiger-Keyboards mit dieser Funktion, seit der Konkurrent Casio die rudimentäre Sampling-Funktion der CTK-Serie vor einiger Zeit wieder abgeschafft hat. Das bloße Vorhandensein des Samplings ist also eine tolle Sache für Kreative, zumal es in Stereo und mit einer brauchbaren Auflösung von 44,1 kHz und 16 Bit erfolgt.

Bei genauerem Hinsehen wird jedoch deutlich, dass die Funktion in ihren Fähigkeiten und ihrer Bedienung doch recht eingeschränkt ist. So beträgt die maximale Sampling-Zeit magere 9,6 Sekunden. Zwar lassen sich Samples auf einem USB-Stick speichern, aber der Speicher- und Ladevorgang ist wenig intuitiv und es ist im Keyboard immer nur eine Sample-Voice mit bis zu fünf Samples direkt abrufbar. Direkt vom USB-Stick kann man Samples nicht spielen; man muss sie immer erst in den Speicher des Keyboards laden und dabei die dort bereits befindliche Sample Voice überschreiben. Der Import von Dateien im WAV-Format ist nicht möglich; die Samples werden in einem Yamaha-eigenen Format gespeichert. Auch lassen sich Samples nach der Aufnahme nicht bearbeiten, abgesehen von einer Funktion zum automatischen Wegschneiden von Stille („Blank Cut“). Gerade die Arbeit mit Loops ist dadurch schwierig, denn es gibt keine Option, die Länge von Loops exakt festzulegen. Zu guter Letzt fehlt dem Keyboard ein Mikrofoneingang. Wenn man einfach ein Mikro anschließen und mal eben die eigene Stimme oder ein Instrument sampeln könnte, würde das Sampling noch viel mehr Sinn ergeben. Mit den beschriebenen Einschränkungen bleibt es leider ein Gimmick – wenn auch eines mit einem hohen Spaßfaktor.

Songs und Aufnahmefunktionen

Im Speicher des PSR-E463 liegen 30 vorprogrammierte Songs, die verschiedene Sounds und Styles demonstrieren oder Klavierbegleitungen in verschiedenen Stilen darstellen. Weitere 70 Songs stehen auf der Yamaha Website zum Download bereit, zusammen mit einem Songbook. Diese können per USB in den etwa 1,7 MB großen Flash-Speicher des Keyboards geladen werden. MIDI-Files lassen sich direkt von einem USB-Stick wiedergeben. Bei der Wiedergabe steht eine Wiederholungsfunktion zur Verfügung, mit der man beispielsweise einen Refrain wiederholen oder eine Sektion in einer Dauerschleife üben kann. Mit den Track-Select-Buttons können einzelne Spuren stummgeschaltet werden, zum Beispiel um die Melodiestimme eines Songs selbst zu spielen.

Das PSR-E463 bietet sowohl eine MIDI- als auch eine Audio-Aufnahmefunktion. Der MIDI-Recorder, der zum Aufzeichnen der bis zu zehn User-Songs verwendet wird, verfügt über sechs Spuren, wovon eine für den Style bzw. das Groove-Creator-Pattern reserviert ist. Die übrigen fünf lassen sich im Overdub-Verfahren aufnehmen. Es ist auch möglich, einzelne Spuren eines User-Songs zu löschen; weitere Bearbeitungsmöglichkeiten bestehen aber nicht. Dennoch bietet das Keyboard mit zehn Songs à sechs Spuren viel Raum für Kreativität. Falls der interne Speicher nicht ausreichen sollte, können User-Songs auf einem USB-Stick archiviert werden.

Der Audio-Recorder zeichnet das eigene Spiel direkt als Audiodatei (WAV, 44,1 kHz, 16 Bit) auf einem USB-Stick auf. Auch das Signal vom Audioeingang wird mit aufgezeichnet. Das ist eine tolle Sache, mit der man im Handumdrehen komplette Demos erstellen kann. Die Handhabung der Funktion ist sehr einfach. Alle Hörbeispiele dieses Tests wurden mit dem Audio-Recorder direkt auf einem USB-Stick aufgezeichnet. 

Registrierungsspeicher

Eigene Kompletteinstellungen des Keyboards, inklusive der gewählten Klangfarben, dem Style, Tempo, Effekt-Settings etc., lassen sich im 32 Plätze umfassenden Registrierungsspeicher ablegen und wieder aufrufen. 32 Plätze sind nicht besonders viel, entsprechen aber dem, was in dieser Klasse üblich ist. Sollte der Platz nicht ausreichen, kann man den Inhalt des Speichers auf einen USB-Stick übertragen und dort sichern archivieren, um den internen Speicher für neue Registrierungen frei zu machen. Allerdings ist es nicht möglich, Registrierungen einzeln direkt auf einem USB-Stick abzulegen und direkt von dort wieder aufzurufen – es wird immer der komplette Registrierungsspeicher auf dem Stick abgelegt oder von dort wiederhergestellt.

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