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Test
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22.03.2018

Yamaha Genos Test

Portable Keyboard

Seit seinem Erscheinen ist das Arranger-Keyboard Genos des japanischen Herstellers Yamaha begeistert angenommen worden. Als Nachfolger des Tyros 5 hat der Hersteller darauf geachtet, dass Umsteiger vom Vorgängermodell Tyros auf das Spitzenmodell Genos bei der Umsiedlung ihrer bisher verwendeten Daten nicht von null anfangen müssen. Vielmehr ist der Wechsel zum Genos recht einfach zu bewerkstelligen und Dank der Kompatibilität werden Tyros-Daten vom Genos problemlos übernommen. Die auffälligste Änderung im Vergleich zum Tyros ist eindeutig die neue Benutzeroberfläche. Anstelle der unzähligen Taster zur Auswahl der Sounds und Styles ist ein aufgeräumtes Bedienfeld mit einem großen Touch-Display getreten. Um diesen evolutionären Schritt kam Yamaha in Zeiten von iPhone und iPad nicht mehr herum. Dieselbe Entwicklung konnte man bei der Einführung des Yamaha Montage als Nachfolger des Synthesizer Spitzenmodells Motif beobachten: Touch-Display und Kompatibilität zum Vorgänger. Ich habe den Genos seit geraumer Zeit im täglichen Gebrauch, davor war der Tyros 5 eines meiner Bühnen-Geräte. Daher kann ich beide Instrumente direkt vergleichen.

Einen Überblick der Features des Genos habe ich schon in meinem Preview-Test gebracht.In diesem ausführlichen Testbericht möchte ich noch mehr ins Detail gehen und darstellen, wie sich Genos im Dauerbetrieb bewährt. 

Details

Erster Eindruck

Das Design des Genos hat mit dem des Tyros nichts mehr zu tun. Die geschwungenen Linien des Genos bilden einen starken Kontrast zum kantigen Tyros. Das Gehäuseoberteil ist jetzt schwarz und nicht mehr anthrazit. Die ehemals schwarze Unterseite ist nun weiß. Der Genos ist mit seinen 13 kg verhältnismäßig leicht und lässt sich daher gut aus dem Case heben.

Fotostrecke Yamaha Genos. (Fotos: Bonedo)

Die Anschlüsse auf der Rückseite sind gut erreichbar und auch vom Bedienfeld aus gut zu bestücken, da die Anschlussbuchsen praktisch noch auf der rückseitigen Oberseite des Instruments liegen und gut sichtbar beschriftet sind. Die Anschlussmöglichkeiten habe ich schon im Preview erläutert. Ich gehe in diesem Test jetzt zunächst auf die Neuerungen des Genos im Vergleich zum Tyros 5 ein.

Fotostrecke Yamaha Genos [Rückansicht]. Die Rückseite präsentiert sich aufgeräumt und selbsterklärend (Fotos: Bonedo)

Neues Bedienkonzept

Hier ist Yamaha meiner Meinung nach ein großer Wurf gelungen. Nach geraumer Zeit im Dauereinsatz muss ich feststellen, dass sich die Menüführung des Genos mit den großen, beleuchteten Gateway-Tasten und dem riesigen Touch-Display sehr gut anfühlt. Man kommt intuitiv und schnell zum Ziel. 

Das Display reagiert präzise, die graphische Darstellung ist sehr angenehm für´s Auge und die Menüstruktur stark an die des Vorgängers angelehnt. Man findet sich also gut zurecht, wenn man vorher am Tyros gearbeitet hat. Nach kurzer Zeit hat man sich an die direkte Anwahl der Parameter auf dem Display gewöhnt. Das Home-Display gibt einen Überblick über alle Sounds, die live gespielt werden. Diese werden sogar mit einem kleinen Foto angezeigt, sodass die Klangkategorie der jeweiligen Voice sofort ins Auge springt. Außerdem zeigt das Home-Display den angewählten Style, die beiden möglicherweise geladenen Midi- oder Audio-Songs, die Multipad-Bank, die Register-Bank, den verwendeten Vocal-Harmony-Effekt und einige weitere Informationen an, die für den User wichtig sind. 

Über einen Fingertipp auf einen dieser Bereiche gelangt man sofort in das jeweilige Auswahlmenü. Am unteren Bildrand gibt es auch einen Kurzbefehlsbereich, über den man direkt in weitere Menüs, wie beispielsweise „Tempo“ oder „Live Control“ springen kann.  Diese Kurzbefehle können auf die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Ich habe das Home-Display selten gebraucht und bin meist über die rechts vom Display liegenden weiß beleuchteten Gateway-Tasten in die unterschiedlichen Bereiche, wie VOICE, STYLE, MENU, SONG, PLAYLIST oder HOME gelangt.

Die Bedienerführung am Genos gehört zu den Novitäten gegenüber der des Vorgängers Tyros 5. (Fotos: Bonedo)

Display-Darstellung im Genos. (Screenshots: Andreas Recktenwald)

Welchen Weg man geht ist Geschmackssache. Die Assignable Taster A bis F unterhalb der Gateway-Tasten sind ebenfalls eine sehr praktische Möglichkeit, um per Knopfdruck häufig benutzte Funktionen oder Kurzbefehle aufzurufen. Beispielsweise kann man hier einen Taster damit belegen, das Metronom ein bzw. auszuschalten, oder man gelangt über einen solchen Taster unmittelbar zu dem Untermenü, in dem die einzelnen Parts des gerade benutzten Styles ein- und ausgeschaltet werden können. Der User kann die Benutzeroberfläche des Genos so für seine Bedürfnisse umfassend anpassen. Das gilt auch für den völlig neuen Live Control-Bereich, der links vom Display angeordnet ist. Seine sechs Dreh- und neun Schieberegler dienen der direkten Beeinflussung des Klangs sowie des Arrangers und können sehr flexibel unterschiedlichsten Funktionen zugewiesen werden. Als sehr praktisch erweist sich dabei der DIRECT ACCESS Taster. Drückt man diesen Taster und bewegt gleichzeitig einen der Live Control-Regler, so erscheint automatisch das Menü im Display, in dem die Einstellungen für diesen Bereich vorgenommen werden können.

Die Möglichkeiten sind sehr weitreichend; man kann jedem Regler viele unterschiedliche Parameter zuordnen und dann auswählen, auf welches Ziel diese Funktion angewendet werden soll. Die Parameterliste reicht von Klangparametern wie Volumen oder EQ über Style-Steuerungsfunktionen bis hin zu Arpeggio-Einstellungen. Schließlich kann man diese Funktion selbst benennen(!), sodass der Funktionsname zusammen mit dem augenblicklichen Wert des Parameters im schmalen OLED-Display über dem Live-Control-Bereich dargestellt wird. Mit KNOB und SLIDER ASSIGN wird zwischen drei verschiedenen Sätzen von Drehregler- bzw. Fader-Zuordnungen umgeschaltet. Also hat jeder Regler sogar drei verschiedene Funktionen. Es gibt Mixer-Funktionen um die Lautstärken der einzelnen Parts anzupassen. Cutoff- und Resonanz können außer auf live gespielte Sounds, beispielsweise auch nur auf den Arranger angewendet werden, wodurch DJ-mäßige Filtereffekte erzeugt werden. Spielt man gerade eine OrganFlutes-Voice, so fungieren die Schieberegler auch als Zugriegel für die Orgel-Simulation. Dabei zeigt das OLED-Display die Werte der einzelnen Drawbars von 1 bis 8 an. Slider und Knob Sets können in der Registration Memory gespeichert werden.

Display-Darstellung im Genos. (Screenshots: Andreas Recktenwald)

Die Qualität der Live Control-Regler könnte höher sein. Beim wesentlich günstigeren Yamaha Montage Synthesizer sind stabilere Fader und Drehregler verbaut. Die Drehregler sind leider keine Endlosregler, sondern normale Potis mit einrastender Mittelstellung. Parameterwerte werden nicht „eingefangen“, sondern der Parameter springt bei Betätigung des Reglers auf den Wert, der der jeweiligen Reglerstellung entspricht. Dabei entstehen unter Umständen unerwünschte Effekte.

Bei der Flut an neuen Möglichkeiten, per Regler in die Arbeitsweise des Keyboards einzugreifen, wundert man sich, dass Yamaha beim Genos wieder keinen Manual Bass Taster eingebaut hat. Beim Konkurrenten Korg beispielsweise genügt diese Taste, um den Sound des automatischen Basses in die Left Voice zu legen, beispielsweise um besondere Basslinien selbst zu spielen. Zwar gibt es beim Genos wieder eine Funktion „Manual Bass“ im Untermenü „Split Point/Fingering“, die nur wählbar ist, wenn der Akkorderkennungs-Bereich auf „Upper“ eingestellt ist, aber man muss diesen Zustand dann schon auf eine Registration speichern, um sie beim Live-Spiel schnell einzuschalten. Nachteil: Die Style Variation (A bis D) wird mit abgespeichert und bleibt beim Manual-Bass-Spiel nicht erhalten. Außerdem ist diese Methode nicht spontan und erfordert vorheriges Programmieren.

Die übrigen Taster und Regler des Yamaha Genos entsprechen den Bedienelementen des Tyros. Auf der linken Seite steuert man den Arranger, also die Songs und Styles und mit der rechten Hand werden die One Touch Settings, Multipads und Live-Voices bedient. Unterhalb des großen Touch-Displays sind jetzt zehn Register in einer Bank direkt anwählbar. Beim Tyros waren es noch acht.

Anstelle der zwei Räder für Pitch Bend und Modulation ist jetzt ein Joystick getreten, der beide Funktionen abdecken soll. Die X-Achse steuert den Pitch Bend Effekt und die Y-Achse die Modulation. Vorteil: Es gibt positive und negative Modulation-Werte, Nachteil: Es ist sehr gewöhnungsbedürftig. Da man das Modulationsrad früher in einer beliebigen Stellung belassen konnte, hat Yamaha dem Joystick eine Hold-Taste spendiert, die den entsprechenden Wert der Y-Achse speichert, wenn die Taste gedrückt wird. Das ist aber etwas umständlich und nur ein Kompromiss. Ich persönlich verstehe nicht ganz, warum Yamaha die alten, bewährten Spielhilfen aufgegeben hat. Für die Steuerung der Super-Articulation-Voices sind beim Genos jetzt sogar drei Taster ART.1 bis 3 vorhanden. Außerdem kann der Leslie-Effekt für Organ-Voices mit einer eigenen Taste umgeschaltet werden, die sich direkt über den Articulation-Tastern befindet. Diese Taste lässt sich aber auch mit anderen Funktionen belegen, wie z. B. Fade In / Out. Beim Tyros 5 war an dieser Stelle noch eine Taste mit dieser Funktion.

Neue Styles

Dass das Flagschiff der Yamaha Arranger-Workstations sehr gute Styles zur Verfügung stellt, sollte man voraussetzen. Beim Tyros 5 wurden Audio-Styles eingesetzt um den Sound noch authentischer zu machen. Der Genos besitzt werksseitig keine Audio-Styles, ist das also ein Rückschritt? Ganz klar: Nein! Yamaha hat sich dazu entschlossen einen anderen Weg zu gehen als beim Vorgänger: Es gibt jetzt die Revo-Drums! Jede Trommel und jedes Becken wurden individuell mehr als zwanzig Mal gesampelt. Algorithmen sorgen dafür, dass jedes Mal, wenn eine Trommel oder ein Becken gespielt wird, ein anderes Sample ausgewählt wird. Das als Wave-Cycling bezeichnete Verfahren erzeugt so ein sehr authentisches Klangbild des Schlagzeugs. Die Drumloops der Audio-Styles waren nicht editierbar und konnten ohne störende Artefakte nur in einem begrenzten Tempo-Bereich abgespielt werden.

Die neuen Revo-Drums sind wie gewohnt midibasiert, damit auch editierbar und nicht mehr an ein bestimmtes Tempo gebunden. Die Drums klingen sehr natürlich und stellen eine klare Verbesserung gegenüber dem Tyros dar. Die Audio-Styles des Tyros 5 kann man aber trotzdem nachträglich kostenlos installieren, indem man sie von der Yamaha-Website herunterlädt und über den Yamaha Expansion Manager (YEM) auf den Genos überträgt. Anschließend kann man sie übrigens auch in den User-Speicher oder auf einen USB-Stick schieben und von dort auswählen. Dadurch erhält man wieder freien Speicherplatz für andere Sounds im auf ca. 2 GB beschränkten Expansion-Flash-Speicher. Im folgenden Audiobeispiel habe ich den Audiostyle „R&B SoulBallad“ aus dem Tyros 5 mit dem namensgleichen Midi-Style des Genos verglichen. Ich habe die Drum-Spur der Style-Variationen Main A bis D jeweils zwei Takte direkt hintereinander gespielt. Dabei hört man zuerst immer die Audio-Drums, und danach sofort die Midi-Drums. Am Ende spiele ich den Midi-Style komplett aus.

Die Snare der Midi-Drum-Spur hat für meinen Geschmack zu viel Hall, das kann man aber leicht ändern und neu abspeichern. Die Audio-Drums klingen authentischer, sind aber beim Wechsel von einer Variation zur nächsten auch etwas zu unterschiedlich. Man muss von Fall zu Fall überlegen, welche Drums besser klingen. Gut, dass man die Auswahl hat!

Bei den Styles fällt auf, dass der Generationswechsel vom betagten Tyros auf die neue, modernere Genos-Plattform auch eine neue Generation von Usern ansprechen soll. Das, was beim Tyros als Oldie galt, waren die 60er und 70er. Beim Genos wurde sehr viel Content mit Material der 80er Jahre gefüllt. Das sind die neuen Evergreens, die von den heutigen Entertainern erwartet werden. Eine neue eigene Style-Kategorie mit dem Namen „RetroPop“ ist beim Genos hinzugefügt worden und besteht fast ausschließlich aus sehr gut programmierten 80er-Styles, mit denen sich viele Songs spielen lassen, die auf keiner Party fehlen dürfen. Hier ein paar Beispiele, die verdeutlichen, wie gut die Styles gelungen sind. Die gespielten Live-Sounds habe ich dabei von den One Touch Settings (OTS) vorgeschlagen bekommen.

Auch die moderneren Top40-Hits der letzten Jahre sind gut vertreten. Hier einige Beispiele.

Die neuen Live Control Möglichkeiten machen den Einsatz der modernen Dance-Styles sehr viel dynamischer und lebendiger. Neben den Filter-Effekten ist hier die Style Retrigger-Funktion sehr außergewöhnlich. Dabei wird eine bestimmte Länge des Anfangs des aktuellen Styles geloopt. Die Länge kann auf die Werte 1, 2, 4, 8, 16 oder 32 eingestellt werden, was dem jeweiligen Notenwert entspricht. Seit dem letzten Betriebssystem-Update kann man die verschiedenen Retrigger-Werte jetzt auch auf mit den Registern abspeichern. Dadurch gelingt das Umschalten von einer Retrigger Rate zur nächsten mit den Register-Tasten deutlich sicherer, vor allem nach dem 32tel-Wert auf „Off“. Das war vorher mit dem Drehregler nur sehr ungenau möglich.

Die ebenfalls vorhandenen DJ-Styles, bei denen der Arranger selbständig Akkordfolgen spielt, sind nicht mein Ding. Durch die vorgegebenen Harmonien sind diese Styles nicht universell zur Songbegleitung einsetzbar. Ich mag es halt nicht, wenn mir die Maschine vorschreibt, was gespielt wird. Auch in anderen Genres haben die späten 70er und 80er Einzug gehalten. So findet man bei den R&B Styles klare Anlehnungen an bekannte Songs von Al Jarreau oder Chaka Khan.

Die Bandbreite und Qualität der Styles ist wirklich beeindruckend. Hier noch ein paar Beispiele völlig unterschiedlicher Styles.

Viele Preset-Styles am Genos sind  - wie bei den meisten Arrangerkeyboards - stark überladen mit Phrasen und Sounds. Ich dünne die Styles meistens auf das Nötigste aus. Dafür habe ich mir die Menüseite, auf der man die Style-Parts per Knopfdruck muten kann, auf einen Assignable Taster gelegt, so kann ich die Komplexität des Styles schnell variieren. Praktische Tools dafür sind auch die Live-Control-Funktionen „StyMuteA“ und „StyMuteB“. Damit können die Parts mit dem Dreh- oder Schieberegler in der Intensität beeinflusst werden, indem stufenweise die Parts an- oder abgeschaltet werden. Styles können im Genos mit dem Style Creator editiert oder neu erstellt werden. Man kann auch Styles nach dem Baukasten-Prinzip zusammenstellen, indem man Elemente aus unterschiedlichen Preset-Styles zu einem neuen Style kombiniert. Gefällt die Bass-Figur in einem Dance-Style nicht? Kein Problem – vielleicht passt der Bass eines Latin-Styles besser. Auch die Sounds der Style-Parts können verändert werden. Besonders wichtig ist der Drum-Editor des Style-Creators. Hier kann man jedes Schlaginstrument einzeln verstimmen oder in der Lautstärke verändern. Alle Änderungen müssen dann als neuer User-Style gespeichert werden. Drum-Kits können am Genos leider nicht separat als User-Drum-Kits gespeichert werden. Das geht nur in Verbindung mit einem User-Style. Auch die vier OTS-Register, in denen zum Style passende Voices für die rechte und linke Hand sowie Multipads gespeichert sind, können auf den eigenen Geschmack angepasst und mit dem User-Style abgelegt werden.

Display-Darstellung im Genos. (Screenshots: Andreas Recktenwald)

Song-Player

Mit dem Dual-Player/Recorder können zwei Songs (Midi oder Audio) parallel abgespielt und mit dem Crossfader des Genos ineinander überblendet werden. Allerdings können nicht zwei Midi-Songs gleichzeitig wiedergegeben werden. Da sind andere Hersteller großzügiger. Trotzdem ist die Steuerung des Players sehr komfortabel gelöst. Midi-Songs können auch synchron zu einem Style eingestartet werden und es gibt die Möglichkeit, Songmarkierungen zu setzen, zu denen man springt oder zwischen denen man loopt, um den Song-Ablauf frei zu gestalten. Für Audio-Songs bietet der Genos die üblichen Funktionen: Voice Cancelling, Time Stretch, Pitch und Loop-Wiedergabe (A-B-Playback) an. Praktisch: Songs können in eine Liste zusammengestellt werden, um sie der Reihe nach abzuspielen. So kann man sich auch Hintergrundmusik-Listen basteln und abspeichern, für die Zeit zwischen den Sets.

Recording

Sowohl Midi- als auch Audio-Aufnahmen können direkt am Genos durchgeführt werden. Dabei gibt es jeweils eine Quick-Variante, bei der nur eine einfache Spur aufgenommen wird, und eine Mehrspur-Variante, bei der mehrere Spuren im Overdub-Verfahren erzeugt werden. Komplette Demo-Produktionen oder Playbacks für die eigene Darbietung können so sehr schnell und komfortabel erstellt werden. Alle Audio-Beispiele dieses Tests habe ich übrigens mit dem Audio-Recorder gemacht.

Display-Darstellung im Genos. (Screenshots: Andreas Recktenwald)

Um Midi-Files zu verändern und mit den Sounds des Genos zu versehen, liest man sie in den Midi-Multi-Recorder ein. Anschließend verändert man im Mixer alle Parameter der Klänge und speichert sie im Setup des Songs mit ab. Natürlich kann jedes Midi-Event des Songs editiert werden.

Playlist

Die Playlist-Funktion ermöglicht es, verschiedene Register-Einstellungen gezielt für einen Auftritt zusammenzustellen. Über eine komfortable Suchfunktion (durch Eingabe eines Begriffs) oder durch das Durchstöbern der Files kann eine bestimmte Registerbank gefunden und in die Playlist eingefügt werden. Man kann einstellen, welche Registernummer (1-10) beim Aufruf der Registerbank automatisch geladen werden soll. So ist man sofort spielbereit. Dabei ist es egal, ob das Register angelegt wurde, um mit einem Style oder einem Song zu spielen. Man kann auch dem Playlisteintrag einen neuen Namen geben und festlegen, ob Lyrics, Text oder Noten eines verknüpften Songs beim Aufruf eines Songs dargestellt werden sollen. Das funktioniert natürlich nur, wenn der Song entsprechende Daten zur Verfügung stellt. Die Playlist kann unter einem beliebigen Namen gespeichert und jederzeit wieder aufgerufen werden. So lassen sich aus dem Gesamtrepertoire bequem Sets zusammenstellen, und das hektische Suchen von Registern zwischen zwei Darbietungen gehört der Vergangenheit an. Übrigens lassen sich Music-Finder-Daten des Tyros 5 vom Genos lesen und in eine Playlist umwandeln.

Display-Darstellung im Genos. (Screenshots: Andreas Recktenwald)

Neue Voices und Effekte

Der Genos besitzt viele völlig neue Klänge, die zum Teil auch aus dem Yamaha Montage Synthesizer stammen. Das neue Piano-Sample CFX ConcertGrand ist solch eine Leihgabe und klingt sehr detailreich. Es lässt sich auch auf der 76er Tastatur nuancenreich spielen. Für rockigere Klaviersounds habe ich gerne das C7-Piano benutzt, dass direkter und plakativer klingt. In Verbindung mit einem der neuen Padsounds kann man beim Genos wunderschöne Piano-Layer erzeugen, die man über die Live-Control-Regler in Echtzeit effektiv beeinflussen kann.

Der gute Klang der Sound-Engine ist auch darauf zurückzuführen, dass die Effekt-Sektion im Vergleich zum Tyros wesentlich leistungsstärker geworden ist. Im Mixer des Genos kann jeder Sound – egal ob Keyboard-, Style- oder Song-Part, klanglich stark verändert werden. Für jeden Part getrennt, stehen ein Equalizer für Höhen und Tiefen sowie zwei System-Effekte Reverb und Chorus zur Verfügung. Zusätzlich kann jedem Part ein Insert-Effekt zugewiesen werden, der detailliert editiert werden kann. So wird dann aus einem normalen E-Piano ein Flanger-Rhodes oder die E-Gitarre erhält ihren verzerrten Overdrive-Solo-Sound. Es stehen 28 (!) Slots für solche Insert-Effekte bereit. Das Besondere ist, dass man über die Seite „Assign Part Setting“ jedem Part auch mehrere Insert-Effekte zuweisen kann, die dann hintereinandergeschaltet werden.

Für meinen später im Praxis-Teil erwähnten Work Around, bei dem ich Piano-Klänge durch ein externes Keyboard generiere, bedeutet das, dass ich die Parts, die über die separaten Outputs 3 und 4 laufen, trotzdem mit Hall und Chorus belegen kann. Die System-Effekte stehen nämlich nur für die Main-Outs zur Verfügung. Die zusätzlichen Insert-Effekte können allerdings nicht mehr editiert werden, man schaltet sie einfach dazu. Will man da besondere Parameter-Werte benutzen, muss man diese als User-Einstellungen vorher speichern und kann sie dann abrufen und verwenden.

Mit dem sogenannten Variation-Effektblock steht für die Song- und Style-Parts ein weiterer System-Effekt zur Verfügung (z. B. für Delay-Effekte), der auf alle Parts wirken kann, der aber auch zu einem zusätzlichen Insert-Effekt gemacht werden kann. Die Effekte besitzen durchweg eine sehr gute Qualität. Nur der Leslie-Effekt ist wie beim Tyros zu brav geraten. Da baut Yamaha eine wirklich gut gelungene 9-chörige Orgel-Simulation mit Zugriegeln in den Genos, die sowohl graphisch auf dem großen Display keine Wünsche offenlässt und durch die Fader der Live-Control-Sektion perfekt zu bedienen ist. Trotzdem fehlt wieder der „rotzige“ Sound einer echten B3. Schade. Neben dem Hammond-Modell „Vintage“ wird auch eine Heimorgel („Home“) und eine „Euro“ Organ simuliert und auch entsprechend graphisch dargestellt.

Display-Darstellung im Genos. (Screenshots: Andreas Recktenwald)

Aus dem Tyros 5 übernommen wurden auch die Ensemble Voices, bei denen beim mehrstimmigen Spiel die vier Live-Parts geschickt den gespielten Tönen zugeordnet werden. Spielt man einen Akkord, so wird beispielsweise bei einem Streichquartett-Ensemble der tiefste gespielte Ton automatisch dem Cello zugeordnet, und die übrigen Töne auf die anderen Instrumente (Bratsche und Violinen) verteilt. Dadurch entsteht ein sehr authentisches Klangbild. Es gibt Ensemble-Voices für Streicher-, Bläser- und Chor-Sätze, aber auch für gemischte Kombinationen. Die Zuweisungs-Algorithmen können im Detail bearbeitet werden. Die Ensemble-Voices klingen sehr gut. Ich sehe ihre Anwendung eher im Bereich Recording- und Satz- Arrangement, obwohl ich die Funktion auch schon im Live-Betrieb eingesetzt habe. 

Display-Darstellung im Genos. (Screenshots: Andreas Recktenwald)

Die Voices des Genos können im Gerät selber nur recht rudimentär verändert und als User-Voice abgespeichert werden. Hier zeigt sich der Unterschied einer Genos Workstation zu einem Vollblut-Synthesizer wie dem Montage, bei dem ein Sound im Instrument bis ins kleinste Detail editiert werden kann. Neben dieser Quick-Variante der Voice-Editierung im Genos kann man mithilfe des Yamaha Expansion Managers (YEM), einer Software für PC und Mac, tiefergehend in die Voice-Struktur eingreifen. Allerdings lassen sich nur einige Werkssounds auf diese Weise bearbeiten. Beispielsweise ist es nicht möglich, Super Articulation Voices zu editieren. Der eigentliche Zweck des YEM ist die Erstellung eigener Voices mit User-Wellenformen, also eigenen Samples. Man kommt hier recht schnell zu einem Ergebnis, allerdings sind die Möglichkeiten beschränkt. Außerdem können Yamaha Expansion Packs (Yamaha MusicSoft) und Packs von Drittanbietern verwaltet und in den internen Speicher des Genos geschoben werden. Es stehen 1,8 GB an Sample-Speicher für User-Voices zu Verfügung. Die Arbeitsweise mit dem YEM ist ziemlich umständlich. Bei jeder Änderung der Sounds, sei es ein neues gekauftes Pack oder auch nur die Änderung eines User-Sounds über den Voice-Editor, muss der gesamte Inhalt des Speichers neu beschrieben werden. Das kann dann schon eine halbe Stunde dauern, wenn der der Expansion-Speicher voll belegt ist.

Arpeggio

Dieses neue Feature ist nur für die Voices der rechten Hand vorbehalten. Neben der vom Tyros bekannten Harmony-Funktion, die der mit der rechten Hand gespielten Note weitere Stimmen zufügt, die zum Akkord der linken Hand passen, erzeugt die Arpeggio-Funktion Sequenzen aus den gespielten Tönen der rechten Hand. Geboten werden 216 verschiedene Arpeggio-Muster, von Strumming-Pattern für akustische Gitarren bis hin zu typischen Synthesizer-Sequenzen, die allerdings fest vorgegeben sind und leider nicht editiert werden können. Auch User-Pattern können nicht erstellt werden. Einige Parameter des Arpeggiators können auch über die Live-Control-Regler beeinflusst werden.

Multipads 

Mit den vier Multi-Pads können Phrasen, Loops oder Sounds ins Live-Spiel eingebaut werden. Neben Midi-basierten Multi-Pads, die auch synchron zum Tempo und harmonisch passend zum gespielten Akkord der linken Hand wiedergegeben werden, können auch eigene Audio-Samples im WAV-Format auf die Multi-Pads gelegt werden. Seit dem Update 1.20 ist es möglich jetzt auch mehrere Audios gleichzeitig abzuspielen. So können z. B. auch ganze Intros oder Gesangs-Spuren abgefeuert werden. Der Start eines Multi-Pads kann synchron zum Start des Arrangers erfolgen, leider ist es aber nicht möglich, Samples als Loop abzuspielen, um diese z. B. synchron zum Style ablaufen zu lassen. Auch können die Audio-Samples nicht automatisch zur nächsten „1“ gestartet werden, wie es mit den Phrasen der Midi-Multi-Pads möglich ist. Reverb, Chorus und ein EQ stehen jeweils für die gesamte Multi-Pad-Bank zur Verfügung, DSP-Effekte leider nicht. Mit dem Multi Pad Creator können Midi- und Audio-Multi-Pads im Genos erzeugt und verändert werden.

Vocal Harmonizer

Der Mikrofon-Eingang besitzt jetzt Phantomspeisung, sodass auch Kondensatormikrofone problemlos angeschlossen werden können. Chöre werden der Gesangstimme durch die Vocal Harmony Funktion passend zum gespielten Akkord hinterlegt. Der Synth Vocoder ist durch ein paar neue Presets aufgewertet worden und klingt echt gut. 

Display-Darstellung im Genos. (Screenshots: Andreas Recktenwald)

Yamaha Genos Sound & Style Demo-Video 1 (no talking)

Yamaha Genos Sound & Style Demo-Video 2 (no talking)

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