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22.06.2019

Woodwind Librarys im Vergleich

Die besten Sample Librarys für Holzbläser 2019

Woodwinds-Libraries gibt es mittlerweile von so ziemlich jedem namhaften Hersteller. Da  Holzbläser in der aktuellen Film- und Gamemusik eher eine untergeordnete Rolle spielen, ist die Auswahl nicht ganz so groß wie bei den Streichern oder bei den Blechblasinstrumenten. 

Aber dennoch gibt es nicht wirklich eine orchestrale Samplemanufaktur, die sich dem Thema so gar nicht widmet. Wie „das Beste“ dabei aussieht bzw. klingt, ist natürlich eine Frage des Bedarfs: Benötigst du fetten Instantsound, exzessive Eingriffsmöglichkeiten, Artikulationen ohne Ende oder lieber experimentelle Techniken? Wir haben für euch vier Sample-Libraries aus dem Angebot herausgegriffen und vergleichen sie auf ihre jeweiligen Stärken und Schwächen.

Unsere Kandidaten kommen aus den Häusern Native Instruments, Spitfire Audio, Best Service und der Vienna Symphonic Library. Neben einem kurzen Abriss der jeweiligen Library-Charakteristika haben wir die besondere Aufmerksamkeit auf die Frage nach dem Zeitaufwand zur Demoproduktion und CPU-Auslastung gelegt.Damit ihr das klangliche Ergebnis der verschiedenen Libraries auch adäquat beurteilen könnt, war das Vorgehen bei der Demoproduktion stets dasselbe: ein Stück, das von vier verschiedenen Libraries wiedergegeben wurde. Wir haben dabei nur die gröbsten Schnitzer ausgebügelt, Feinheiten im Programming fanden nicht statt. Es kamen außerdem keinerlei EQs oder Kompressoren zum Einsatz, lediglich ein Panning mithilfe des Logic-internen Direction-Mixers wurde verwendet. Die Räume wurden mit den internen Möglichkeiten der Libraries erstellt.

Best Service Chris Hein Professional Woodwinds - Satt und gut und schnell

Die Chris Heins Library bietet neben einem soliden Artikulationsangebot vor allem auch ein paar interessante Instrumente, so verfügt sie u. a. über eine Altflöte, eine Es-Klarinette, ein Barock-Fagott und, man höre und staune, eine Oboe d’Amore. Das GUI wirkt auf den ersten Blick etwas erschlagend, aber mit einem Einsatz von 10 Minuten hat man auch diese Library schnell begriffen. Klanglich bin ich nicht ganz überzeugt, die verschiedenen Velocity-Layer scheinen mir etwas unausgewogen und manche Töne wirken sogar verstimmt. Das kann als Farbe natürlich charmant sein, für verlässliche, schnelle Ergebnisse im Sinne von Film oder Werbung wäre mir diese Library jedoch zu unsicher. Wenn es etwas verschrobener und eigener werden soll, kommt sie für mich durchaus in Betracht. Das Schöne ist, dass alle Artikulationen anschlagsdynamisch funktionieren.

Chris Hein Professional Woodwinds – Pro und Contra

Das Instrumentenangebot ist grundsolide, wobei insbesondere die Oboe d’Amore und die Es-Klarinette eine Ansage sind. Auch Edit-Möglichkeiten sind reichlich vorhanden. Klanglich steckt die Library irgendwo in der Mitte; nicht so dünn wie das Holz von Native oder Spitfire, aber auch nicht so satt und edel wie VSL. Der Gesamteindruck ist etwas staubig, wozu die auch teils verstimmt klingenden Töne beitragen. In diesem Sinne wirkt das Holz von Chris Hein wie der Charakterkopf unter unseren vier Kandidaten. Von daher ist es hier besonders bedauerlich, dass es keine FX-Patches gibt.

Chris Hein Professional Woodwinds eignet sich gut für…

… Holzbläser mit leicht verschroben-skurrilem Einschlag. Und unter diesen wiederum für alles, was mit Standardartikulationen auskommt. In ihrer leicht scheppen Vortragsweise eignen sich die Bläser auch gut für Stücke, die in Richtung „alte Musik“ gehen sollen. Sollte ich zum Beispiel jemals einen barocken Bläsersatz abliefern sollen, würde ich sicher zuerst diese Library aufmachen.

Chris Hein Professional Woodwinds eignet sich nicht so gut für…

… satten, edlen, kommerziellen Sound. Dafür klingt die Library nicht glatt genug. Leider fallen Experimente ebenfalls aus, da die Artikulationen alle im Standardbereich bleiben.

  • Zeitaufwand: 13 Minuten
  • CPU Spitze: 56,6
  • Straßenpreis: 399 Euro

Native Instruments Symphony Series Woodwinds Solo – ein guter Standard, klein und schnell

Ein interessantes Feature der Woodwinds Solo Library ist, dass sie Saxophone anbietet. Dafür fallen andere, halbwegs sichere Kandidaten hingegen weg: keine Piccoloflöte, kein English Horn, keine Bassklarinette. Deshalb nutzt unser Stück auch nur die absoluten Standards wie Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Kontrafagott, da dies die einzigen Instrumente sind, die alle vier Libraries gemeinsam haben. Artikulatorisch ist die Library gut aufgestellt (es gibt sogar für jedes Instrument ein FX-Patch) und in der Handhabung extrem einfach, da sie sehr übersichtlich gestaltet ist. Klanglich würde ich sie unter „gutem Standard“ einordnen. Die langen Artikulationen reagieren nicht auf Anschlagsdynamik, was meinem Workflow nicht sehr entgegenkommt. Dafür gibt es vier Mikrofonpositionen, mit denen sich all das schnell hindrehen lässt, was man sich räumlich so wünscht.

Symphony Series Woodwinds Solo – Pro und Contra

Die Bearbeitung geht schnell und die Library bietet alles, was man regulär braucht – bis auf ein paar Standardinstrumente. Das GUI ist sehr benutzerfreundlich und man braucht keine Ewigkeit, um sich einen Überblick zu verschaffen oder zu befriedigenden klanglichen Ergebnissen zu kommen. Klanglich ist die Library etwas dünn, was sie für einen Sologebrauch von Holzbläsern nicht so interessant macht, aber innerhalb eines größeren Arrangements lässt sich dieses Contra durchaus als Pluspunkt sehen.

Symphony Series Woodwinds Solo – eignet sich gut für…

… Standardfarben von Holzbläsern im Rahmen größerer Arrangements sowie als Quelle ungewöhnlicher Sounds dank der FX-Patches.

Symphony Series Woodwinds Solo – eignet sich nicht so gut für…

… den Soloeinsatz von Holzbläsern. Wenn man an der Holzbläserfront final Ruhe haben möchte, sind die Woodwinds Solo als Standard-Library mangels Instrumentenangebots nicht zu empfehlen.

  • Zeitaufwand: 17 Minuten
  • CPU Spitze: 54,7
  • Straßenpreis: 499 Euro

Spitfire Audio Studio Woodwinds Professional – reichhaltig und detailliert

Spitfire, zuverlässiger Lieferant für Orchester-Samples mit angerauter Note, hat vor nicht allzu langer Zeit seine Studio Woodwinds in die Welt entlassen, die jüngste Veröffentlichung in unserer Runde und insofern ein interessanter Gradmesser für den aktuellen Zeitgeist. Was die Instrumente angeht, sind die Bassflöte und vor allem die Kontrabassklarinette bemerkenswert, beides Instrumente die nicht zum Orchesterstandard gehören, in der Filmmusik aber immer wieder gerne verwendet werden.

Das Instrumentenangebot ist reich, ebenso die Artikulationen, die teilweise auch Flageoletts, Falls, Rips und FX bieten: ein wahrer Allrounder! Der Sound ist mir, ähnlich wie bei den Natives, teilweise zu dünn. Dadurch setzt er sich in größeren Arrangements zwar gut durch, wirkt in kleineren Bestzungen aber halt schnell …dünn. Mikrosignale und Bearbeitungsoptionen gibt es reichlich, wenngleich die Unterschiede doch meist dezent bleiben. Eine Library im Dienste des Realismus also, die vor allem gerade dann gut zu gebrauchen ist, wenn es schnell gehen muss. Von allen Beteiligten sicherlich der heißeste Kandidat, wenn es um hochwertige, kommerzielle Produktionen geht.

Studio Woodwinds Professional – Pro und Contra

Klanglich finde ich auch diese Library etwas dünn, man könnte sogar sagen etwas flach – was Pro und Contra gleichermaßen ist, je nach Bedarf. Instrumente und Artikulationen sind ein klares Pro, ebenso die Bearbeitungsmöglichkeiten. Und in Anbetracht dieser Fülle darf auch der Preis getrost unter Pro verbucht werden. Nervig finde ich das enervierend kleine GUI und die Tatsache, dass einem alle langen Artikulationen stets fortissimo entgegenwehen, da sie nicht auf Anschlagsdynamik reagieren und dynamisch gefahren werden müssen.

Studio Woodwinds Professional – eignet sich gut für…

… kommerzielle Produktionen, bei denen es schnell gehen muss. Hier lässt die Library so gut wie keine Wünsche offen und ist als Standard ganz klar zu empfehlen.

Studio Woodwinds Professional – eignet sich nicht so gut für…

…. das realistische Nachbauen klassischer Musik und Experimentelles. Für das eine fehlt es ihr an klanglicher Tiefe, für das andere an Angebot.

  • Zeitaufwand: 23 Minuten   
  • CPU Spitze: 57,00
  • Straßenpreis: 399 Euro

Vienna Symphonic Library Special Editions 1 & 2 Plus – Speerspitze der Profiliga, mehr Detail geht nicht

VSL steht seit jeher für realistisch-orchestrale Samples auf höchstem Niveau. Klarer hat sich wohl kaum je eine Firma „Orchester“ auf die Agenda geschrieben. Die Special-Editions sind auch keine Kontakt-Libraries, sondern werden in den VSL-eigenen Player geladen. Die Möglichkeiten, Realismus zu erzeugen, grenzen dabei ans Manische. Das macht auch Sinn, da die Samples in absolut trockener Umgebung aufgenommen wurden und ohne jegliche Bearbeitung recht nüchtern klingen. Das ist zwar suboptimal, wenn es schnell gehen muss, bedeutet aber auch, dass sich VSL-Samples gerade wegen der neutralen Ausgangsbasis stärker drehen und wenden lassen als alle anderen. Klanglich sind die Instrumente extrem satt und die VSL-Bläser klingen von allen in diesem Vergleich besprochenen Libraries für mich am überzeugendsten. 

Special Editions 1 & 2 Plus - Pro und Contra

Das klare Pro dieser Bläser sind die Sattheit und die gebotene Detailverliebtheit. Hier wurde kein Mittel ausgelassen, um dem natürlichen Klang der Instrumente möglichst nahezukommen. Auf der Contra-Seite steht die für VSL typische, absolut tote Aufnahmeumgebung. Trockener als bei VSL sind klassische Samples nirgends. Das ist insofern schade, als dass der Instrumentenklang zwar unfassbar realistisch ist, der nachträglich zu erzeugende Raumklang jedoch immer einen artifiziellen Beigeschmack behält. 

Special Editions 1& 2 Plus - eignen sich gut für…

… Die VSL-Bläser sind meine erste Wahl, wenn es klassisch-orchestral werden soll. Die Instrumente klingen massiv, extrem detailliert und absolut realistisch.

Special Editions 1 & 2 Plus - eignen sich nicht so gut für…

… Etwas Experimentelles ist mit den VSL-Bläsern nicht zu machen. Wenn es außerdem schnell gehen muss und sich die Instrumente zügig und ohne viel Gefummel in einen Mix einfügen sollen, greife ich persönlich eher zu anderen Libraries, denn dafür ist VSL zu arbeitsintensiv. Das bedeutet nicht, dass sich diese Ergebnisse mit den VSL-Bläsern nicht erzielen lassen, es dauert einfach nur länger.

  • Zeitaufwand: 16 Minuten
  • CPU Spitze: 106,4
  • Straßenpreis für beide Editions: 600 Euro 

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