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05.01.2021

Was ist ein Buffer? Aufbau und klangliche Unterschiede bei Buffer-Pedalen

Signalretter oder Zankapfel – Buffer im Praxiseinsatz

6 Buffer und ihr Einfluss auf den Ton im direkten Vergleich

Sicherlich kennt der eine oder andere von euch das Jimi-Hendrix-Meme vom legendären Woodstock-Festival, das mit dem Satz garniert ist: "Jeder hat sein Bestes gegeben, sich auf Woodstock zu amüsieren, obwohl Jimi’s Pedale keinen True Bypass hatten". So witzig dieser Satz klingen mag: Das Thema True vs. Buffered Bypass ist immer wieder Anlass für hitzige Diskussionen.
Nicht selten gewinnt man dabei den Eindruck, dass gepufferte Pedale per se schlecht sind und allein schon der Begriff "True Bypass" ein Qualitätsmerkmal ist und jedes damit ausgestattete Gerät adelt. Aber ganz so einfach ist der Sachverhalt nicht. Deshalb wollen wir im Folgenden nicht nur mit ein paar Mythen aufräumen, sondern euch auch ganz praktisch den klanglichen Unterschied zwischen verschiedenen Buffern und dem ungepufferten, also dem True-Bypass-Signal demonstrieren.

Einführung

Technisch gesehen ist in unserem Fall ein Buffer oder Puffer eine Schaltung mit Unity Gain, die ein hochohmiges Signal in ein niederohmiges umwandelt. Aus Spielersicht ist es die Aufgabe eines Buffers, das "Roll-Off" der hohen Frequenzen zu verhindern und die Brillanz des Gitarrensounds zu erhalten, wenn das Signal lange Kabelwege oder aufwändige Effektboards durchlaufen muss. Oder wenn Vintage-Effektpedale mit niedriger Impedanz in der Eingangsstufe wie zum Beispiel das Uni-Vibe oder Binson Echorec angeschlossen sind. Die meisten Pedale liefern im aktivierten Zustand eine niedrige Ausgangsimpedanz, sodass sie quasi wie ein Puffer wirken. Die Probleme entstehen vor allem dann, wenn alle Pedale in der Effektkette deaktiviert sind und das Signal direkt zum Amp laufen soll.

Benutzt man nur ein kurzes, hochwertiges Kabel und stöpselt ohne Umwege in einen Amp, wird man hier noch keine Roll-Off-Effekte bemerken. Allerdings sieht der Gitarristenalltag meist deutlich anders aus und ab einer Kabellänge von mehr als drei Metern bemerkt man unter Umständen schon die ersten Klangverluste. Qualitätsunterschiede der Kabel können ebenfalls eine Rolle spielen: So weisen z.B. billige Kabel mit geformten Kunststoffsteckern häufig eine höhere Kapazität auf, aber auch das beste Kabel begegnet ab einer gewissen Strecke diesem Problem. Grund dafür ist, dass die Spule eines passiven Pickups zusammen mit der Kabelkapazität, die wie ein Kondensator wirkt, einen Schwingkreis bildet. Und dieser Effekt ist prinzipiell vergleichbar mit dem Tonregler an der Gitarre, der beim Herunterdrehen die Höhen beschneidet. Wird das hochohmige Gitarrensignal jedoch mit einem Buffer in niederohmiges verwandelt, ist es stabiler, übersteht lange Kabelstrecken und belohnt den Spieler und Hörer mit einem brillanteren und lebendigeren Ton.

Hier stellt sich allerdings die Frage: Wenn der Buffer eine so sinnvolle Schaltung ist, warum entbrennen dann diese wilden Diskussionen?
Betrachtet man die Grabenkriege bei Licht, liegen dem Konflikt zwei Fragen zugrunde: Zum einen, ob ein Buffer zwingend im Effektpedal verbaut werden oder sinnvollerweise in eine separate Einheit ausgelagert werden sollte. Und zum anderen, ob und welche unterschiedlichen Qualitätsmerkmale Buffer besitzen.

Gepufferte Pedale

Der Ehrlichkeit halber muss gesagt werden: Ein Buffer, selbst ein hochwertiges Modell mit erstklassigen Komponenten, beeinflusst immer das Signal, denn es handelt sich um eine Verstärkerschaltung, die mehr oder weniger Spuren im Klang hinterlässt und mit mehr oder weniger Rauschen zum Gesamtergebnis beiträgt. Letzteres spielt bei nur einem oder zwei gepufferten Pedalen sicherlich noch keine Rolle, kann sich jedoch addieren, wenn man mehrere Pedale ohne True-Bypass in Serie schaltet. Das heißt im Klartext: Ein oder zwei Pedale mit Buffered-Bypass am Anfang der Effektkette sind überhaupt kein Problem, vorausgesetzt, der verbaute Buffer ist hochwertig. So sagt man z.B. dem Tube Screamer-Buffer gute Eigenschaften nach, sowie auch manchen Boss-Modellen, die grundsätzlich gepuffert sind. An dieser Stelle muss man jedoch auch erwähnen, dass Boss in seiner kompletten Produktionszeit nicht immer identische Buffer eingesetzt hat, weshalb sich an diesem Punkt auch manchmal die Geister scheiden. Schlechte Buffer hingegen können zu viel High-End durchlassen, klingen spröde oder hart, sind übermäßig verrauscht und addieren im schlimmsten Fall unerwünschte Artefakte und unangenehm klingende Verzerrungen. Andererseits sind sowohl Transparenz als auch Headroom eines Buffers sehr stark von der Stromstärke abhängig, der deshalb idealerweise auch Spannungen von 18 Volt aushalten sollte, was bei Pedalen mit integrierten Buffern eher selten der Fall ist. Weitere Argumente, die für den Einsatz eines gepufferten Pedals statt eines separaten Buffers sprechen können, sind der Wegfall eines Patchkabels und des Netzteilanschluss sowie der Platzgewinn auf dem Board. Hier bietet sich beispielsweise ein Stimmgerät mit hochwertigem Buffer für den Anfang der Effektkette an, das nun zwei Jobs erledigt.

True Bypass Pedale

Natürlich haben auch True-Bypass-Pedale ihre Vor- und Nachteile. Der größte Minuspunkt ist sicherlich der sich addierende Kontaktwiderstand und die Kapazität der Fußschalter und Klinkenverbindungen, vor allem, wenn viele Pedale in Reihe geschaltet sind. Je mehr zur Kette hinzugefügt werden, desto gedämpfter wird der Ton, wenn sich die Kapazität aller Komponenten summiert.
Positiv hervorzuheben ist andererseits die Signaltreue im deaktivierten Zustand, die vor allem bei größeren Effektboard-Setups in der Addition eine sehr gewichtige Rolle spielt.

Wo ist ein Buffer nachteilig?

Aber es gibt auch Situationen, in denen ein Puffer entweder sinnlos ist oder sogar von Nachteil sein kann.
So wäre das bei einer Gitarre mit aktiven Tonabnehmern oder einem integrierten Vorverstärker der Fall, da hier ja quasi schon eine Pufferschaltung verbaut ist. Das Platzieren eines weiteren Buffers wäre eher redundant und würde, wie auch bei der Addition mehrerer gepufferter Pedale, eher zum Rauschen beitragen, wenn auch nur minimal. Aber keine Angst: Bei nur einem zusätzlichen Buffer werden die Nachteile nicht so gravierend ausfallen, als dass man zwei getrennte Setups für aktive und passive Tonabnehmer fahren müsste!

Das Platzieren eines Puffers vor manchen Vintage-Schaltkreisen, vor allem bei bestimmten Fuzz-Pedalen oder Treble-Boostern, kann ebenfalls unerwünschte Ergebnisse zutage fördern, weil diese Pedale am liebsten den puren Gitarren-Pickup sehen. Der Charakter und die typischen Reaktionen des Fuzz-Pedals werden durch die Spieldynamik und die Potistellung beeinflusst und bilden quasi eine Schaltungseinheit, die durch den Buffer durcheinandergebracht wird. Bei solchen Setups sollte man die Puffereinheit hinter dem Fuzz platzieren. Auch manche Volume-Pedale sehen den Buffer lieber hinter als vor sich gesetzt.

Best Case Scenario

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Verwendung eines Buffers bei passiven Gitarrenpickups ab einer durchschnittlichen Kabellänge prinzipiell eine zwingende Notwendigkeit ist.
Idealerweise hat man einen hochwertigen Buffer an den Anfang seiner Effektkette platziert und führt dann den Signalweg durch True-Bypass-Pedale. Dadurch erhält man das Beste aus beiden Welten, denn man umgeht den Höhenverlust, der durch lange Kabelwege entsteht, und vermeidet gleichzeitig, dass mehrere Buffer Rauschen und Verzerrungen addieren. Andererseits kann das niederohmige Signal zwar lange Strecken überstehen, aber auch nicht unendliche Wege. Deshalb kann der Einsatz eines zusätzlichen Buffers am Ende einer sehr langen Signalkette quasi als Aufholverstärker durchaus Sinn ergeben.
Um in der ganzen Diskussion etwas Wasser in den Wein zu gießen sei auch angemerkt, dass das eine oder andere gut gepufferte Pedal in der Signalkette dem Grundsound sicherlich nicht allzu sehr zusetzen wird.
Will man nicht das Geld für ein externes Bufferpedal ausgeben, lohnt sich alternativ auch der Blick auf den Pedalmarkt, wo man tolle Kombinationen aus Buffer mit Booster oder dem schon genannten Buffer mit Stimmgerät finden kann. Auch ein gepufferter Overdrive am Anfang der Effektkette kann eine gute Lösung sein, vorausgesetzt, der entsprechende Buffer hat eine gute Qualität.

1. Lehle - Sunday Driver II

Der deutsche Hersteller Burkhard Lehle ist schon längst kein Geheimtipp mehr, wenn es um hochwertige Pedale geht, und gilt weithin als Referenz, wenn es um die Verwendung hochwertiger Bauteile und Transformatoren geht. Der Sunday Driver ist das Buffer/Booster-Modell im Produktportfolio, das in seiner Boostfunktion bis zu 18 dB liefern kann, die beim SW II sogar per Fußschalter abrufbar sind. Zusätzlich bietet der Sunday Driver II noch einen Schalter, der zwischen Drive- und Sunday-Mode umschaltet, wobei die Sunday-Betriebsart die viermal höhere Eingangsimpedanz von 4 MOhm liefert, wodurch mehr Details hörbar werden und der Ton durch Aufdrehen des Gain-Reglers mehr Charakter und Wärme erhält. Ein weiterer Schalter erlaubt es, den Sunday Driver als DI-Box einzusetzen.

  • Affiliate Link: Lehle Sunday Driver II
  • Test: n/a
  • Ladenpreis: 149,00 Euro (SW Version: 179,00 Euro) (Stand: 01/2021)

2. TC Electronic - Bonafide Buffer

Der dänische Hersteller TC Electronic liefert mit dem Bonafide-Buffer ein Pufferpedal im Minigehäuse. Neben den hochwertigen Buffer-Eigenschaften bietet der Bonafide eine Notabschaltung, mit der das Pedal automatisch in den Bypass-Mode wechselt, wenn die Stromzufuhr unterbrochen wird. Übrigens ist die Schaltungseinheit des Bonafide-Buffers auch in den Stimmgeräten der Polytune 3 Modelle verbaut, wo sie deaktiviert werden kann, möchte man den Tuner als True-Bypass-Gerät verwenden.

3. Boss - TU3

Das Stimmgerät TU3 aus dem Hause Boss wird sehr gerne auf den Pedalboards großer Stars gesehen und ist, wie alle Boss-Pedale, ein Buffered-Bypass-Modell. Insofern hat sich dieses Pedal eher in seiner „Off-Label-Use"-Funktion in diese Aufzählung geschlichen, denn ich möchte mich davon überzeugen, ob der Buffer eines der beliebtesten Stimmgeräte seinem Ruf gerecht wird. Auf die Funktionen des Tuners möchte ich hier nicht weiter eingehen. In der Waza-Version kann der Buffer übrigens auch deaktiviert werden.

4. Truetone - Pure Tone Buffer

Klein, handlich und platzsparend ist der Truetone Pure Tone-Buffer. Dieses kleine Kästchen mit den Maßen 6 x 5,5 x 3 cm passt locker auch unter jedes Floorboard und verrichtet seine Aufgabe ohne viel Schnickschnack bei einem sehr fairen Preis.

5. J. Rockett - Steampunk

Die Firma J.Rockett liefert mit dem Steampunk eine Kombination aus 20 dB Booster und Buffer im Minipedalgehäuse. Will man sich lediglich den Booster zunutze machen und das Pedal im True-Bypass-Modus verwenden, findet sich im Gehäuseinneren ein Dip-Schalter, der den Buffer-Modus deaktiviert. Ab Werk ist der Steampunk jedoch im konstanten buffered Mode, was eine rote LED auf der Oberseite auch anzeigt.

6. Mooer - Micro Buffer

Auch der Mooer Micro Buffer kombiniert einen Booster, der den Pegel bis zu 6 dB anheben kann, mit einem Buffer. Zusätzlich zum Gainregler haben wir hier noch zwei Kippschalter für einen High-Cut und einen Low-Cut. Ganz nebenbei handelt es sich dabei um das günstigste Modell in unserer Liste.

Audiofiles

Da es sich hier klanglich um sehr feine Nuancen handelt, empfehle ich, die Files mit hochwertigen Boxen oder Kopfhörer abzuhören.
Als Testsetup spiele ich die ersten Audiofiles mit einer Singlecoil-Strat in einen Fender Bassman, da Singlecoils am empfindlichsten auf die Kabellängen reagieren. Die Kabel sind "The Spirit“-Modelle aus dem Hause Sommer Cable.
Um auf 12 m Kabellänge zu kommen, setze ich ein deaktiviertes True-Bypass-Pedal zwischen zwei 6 m Kabel, bei den Beispielen ohne Buffer kommt noch ein weiteres Pedal und ein 3 m langes Kabel für die 15 m Länge hinzu. Die Buffer selbst werden mit einem 3 m langen Kabel mit dem Amp verbunden, die unterschiedlichen Kabellängen finden also vor dem Buffer statt.
Grund dafür ist, dass die Kabellängen hinter dem Buffer erst bei relativ großen Strecken relevant sind. Daher erscheint es im Versuchsaufbau sinnvoller, sie vor dem Buffer zu variieren, denn auch am Anfang der Signalkette, sprich, vor dem Effektboard und dem ersten Buffer, kann es durchaus zu längeren Kabelwegen kommen, wenn der Player Bewegungsfreiheit haben will.

Für den Dynamik-Check spiele ich mit einer Les Paul über ein 3 m langes Kabel vor und hinter den Buffern in einen Peavey 5150 im Rhythm-Channel, der auf sehr wenig Gain gesetzt ist. Da für den Test keine Reamping-Box mit einem ausreichend hochohmigen Signal zur Verfügung stand, werde ich jedes File einzeln einspielen, wodurch auch kleine Spielunterschiede auftreten können, die den Vergleich möglicherweise erschweren. Dennoch sollten grundlegende Tendenzen erkennbar sein.

a) Signaltreue

Kein Buffer

Lehle - Sunday Driver II

TC Electronic - Bonafide Buffer

Boss - TU3

Truetone - Pure Tone Buffer

J. Rockett - Steampunk

Mooer - Micro Buffer

b) Dynamikcheck

Fazit

In den ersten Files, bei denen vier Kabelstrecken ohne Buffer zum Einsatz kommen, wird schon der Verlust in der Höhenwiedergabe deutlich, den es zwischen einem drei Meter und einem sechs Meter langen Kabel gibt, und der mit steigender Kabellänge weiter zunimmt. Die Unterschiede der einzelnen Buffer in puncto Signaltreue sind zunächst sehr subtil, wobei für mich persönlich Lehle, True Tone und J.Rockett dem ungepufferten Sound am 3 m langen Kabel am nächsten kommen. Der Boss-Tuner hingegen neigt dazu, Höhen zu addieren und den Sound etwas schärfer zu machen. Die Buffer von Mooer und TC Electronic erledigen ihre Aufgabe ebenfalls sehr gut, auch wenn der Micro Buffer eher etwas höhenreicher, der Bonafide Buffer minimal dunkler klingt. Die unterschiedlichen Kabelstrecken vor den Buffern führen natürlich auch hier zu Klangunterschieden, und so werden dem Signal am 6 m Kabel gegenüber dem 3 m Kabel ein paar Höhen geklaut. Nichtsdestotrotz klingt der Gitarrensound selbst nach der 12 m Strecke mit Buffer deutlich besser als ohne.
Der Dynamik-Check fördert hier allerdings noch weitere Unterschiede ans Licht und in puncto Headroom, Luftigkeit und Transparenz zeigen der Lehle Sunday Driver und der J. Rockett Steampunk aus meiner Sicht die klarsten, aber auch angenehmsten Höhen und die größte Offenheit.
Betrachtet man das Gesamtpaket, muss man sagen, dass der Lehle Sunday Driver sicherlich das hochwertigste Ergebnis abliefert, da hier die DI-Box-Funktion, das Umschalten zwischen Sunday- und Drive-Mode (1 MOhm- oder 4 MOhm-Ausgang) sowie der integrierte Booster tolle Features sind. Wer es etwas günstiger haben will, wird mit dem Steampunk Buffer, der auch eine Boostfunktion besitzt, ebenfalls bestens versorgt. Noch simpler, aber ebenfalls sehr klangneutral, ist der Truetone Pure Tone Buffer für User, die wenig Schnickschnack benötigen. Die übrigen Modelle erfüllen ihren Job ebenfalls solide, nehmen aber Einfluss auf das Signal und die Dynamik, wenn auch nur minimal. Die Unterschiede sind in der Regel so gering, dass es sehr gute Boxen und ein geschultes Gehör braucht, um sie wahrzunehmen. Das Ganze würde ich deshalb in einer Live-Spielsituation nicht gezwungenermaßen als hinderlich empfinden. Vorsicht wäre hier eher in der Addition mehrerer solcher färbenden Faktoren geboten. Letztendlich wird man mit all den genannten Buffern Ergebnisse erzielen, die definitiv besser sind als jeder ungepufferte Weg von mehr als sechs Metern. Wer audiophile High-End-Qualität und tolle Zusatzfeatures möchte, wird jedoch um die Top-Produkte nicht herumkommen.

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