Software
Test
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24.05.2018

Praxis

Simple, bewährte Bedienung


Eingesteckt und losgelegt – die Front des Warm Audio WA73-EQ erklärt sich dabei von selbst und lässt keine Fragen offen. Im Gegenteil, man hat sich hier zum Glück nicht allzu streng an das „Original-Layout“ gehalten, was durchaus verwirren kann. Und das führt uns zu der wichtigsten Frage: Was ist überhaupt das Original? Immerhin gibt es selbst von Neve unterschiedlichst Varianten. 

Der wichtigste Konkurrent dürfte AMS Neve 1073SPX sein, der preislich in einer ganz anderen Dimension schwebt und einige Besonderheiten wie eine optionale Digitalkarte, etwas andere I/Os und unterschiedliche Cue-Punkte für das Level-Meter bietet. Ansonsten sind sich beide Geräte optisch recht ähnlich.

Warmer Klang

Der Warm Audio WA73-EQ klingt jedenfalls fett und gut, vor allem, wenn man die Tone-Option aktiviert und die Eingangsimpedanz ändert. Dadurch färbt der WA73-EQ mehr und der schöne, gesättigte Übertrager-Sound setzt sich deutlich durch. Gerade Bässe erhalten eine ordentliche Portion Obertöne, was für einen „Sound sorgt, der am besten mit „rich“ zu umschreiben ist. Erster Unterschied: Bei dem Warm Audio hat der Impedanztaster auch Einfluss auf den Line In, beim Neve 1073SPX wirkt sich dieser nur auf die Mic-Eingänge aus. In dem Zusammenhang ebenfalls erwähnenswert: Die Beschriftung des Gain-Reglers beim Warm Audio kann man getrost ignorieren: Umso weiter man ihn aufdreht, umso mehr Pegel gibt es – die Unterschiede für Line- und Mic-Positionen wie beim Neve gibt es indes nicht.

Ziemlich authentischer Clone

Der Neve-Sound gilt als etwas träge, was die Ergebnisse entschärft, auch weil die Höhen leicht abfallen. In dem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass sobald der EQ aktiviert wird, die Höhen noch ein klein wenig mehr abfallen, selbst wenn der EQ an sich „auf Null“ steht. Genauso verhält sich auch das Original. „It's not a bug, it's a feature“, sozusagen.

Der EQ tut sein Übriges und bringt, dezent eingestellt, noch mehr Charakter für die Aufnahme. Man sollte es allerdings nicht übertreiben, zumal man mit den wenigen Einsatzfrequenzen – in Anbetracht der heutigen Zeit – durchaus etwas eingeschränkt ist.

Mir fällt dennoch auf, dass der Warm Audio im Vergleich zum AMS Neve etwas cleaner, auch „linearer“ und teilweise auch schriller klingt. Der Neve hingegen ist „sahniger“. Am besten hört man das an den Files der obigen Heavy-Gitarre, welche ich via Line I/O ohne EQ und sonstigen Schnickschnack erstellt habe. Ob das jetzt das Dreifache des Preises rechtfertigt, muss jeder selbst entscheiden.

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