Hersteller_Warm_Audio
Test
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06.09.2017

Praxis

Nah genug am Original?

Warm-Produkte kann man meiner Meinung nach so charakterisieren: „Sie sind optisch, technisch und klanglich einigermaßen in der Nähe ihrer Vorbilder. Ob sehr originalgetreu oder nicht, sei einmal dahingestellt, auf jeden Fall klingen sie sehr gut und sind preiswert.“ – Diese Aussage eignet sich vielleicht nicht ganz für eine Werbebroschüre, trifft es aber nach meiner Ansicht recht gut. Und sie gilt auch für das WA-14. Ernüchtert von diesem Statement? Dafür gibt es keinen Grund, denn das WA-14 zeigt schon bei der ersten Nutzung, dass es ein hervorragend gefertigtes und tatsächlich „teuer klingendes“ Mikrofon ist.  

„Platz da“

Ein EB stand mir leider nicht zum Direktvergleich zur Verfügung, doch habe ich vor fünfzehn Jahren das erste Mal mit einem gearbeitet und kenne es recht gut – ein Freund besitzt eines, doch leider ist sein Studio alles andere als hier in der Nähe. Auffallend ist, dass das WA-14 in den Tiefen sehr ordentlich zupackt und „Brustbehaarung“ besitzt. Der Übertrager klingt sehr deutlich vor, Signale werden im Bass dick und griffig. Mir gefällt das, allerdings ist das mir bekannte EB deutlich vorsichtiger und feinfühliger unterwegs – und ermöglicht dadurch eine bessere Auflösung der Tiefen. Die Mitten und Präsenzen profitieren von den Klangeigenschaften besonders dann, wenn man ein Signal im Mix nach vorne holen will. Vor allem Stimmen und cleane E-Gitarren drücken sich mit einem lauten „Platz da!“ nach vorne und platzieren sich vor anderen Signalen, was in Kombination mit dem Nahbesprechungseffekt und ein wenig Kompression zu einem wuchtigen Klangbild führt. Dazu gesellt sich aber ein leicht kristalliner Klang der Höhen, die mit einer besseren Auflösung aufwarten, als es meine Beschreibung des Bassbereichs erahnen ließ. Und hier ist er, der 414-Charakter: Oben im Spektrum ist das Signal zwar eher reich, aber dennoch schnell und detailliert. Meine klassische Assoziation beim C414 EB hat auch hier gezündet: Der Klang bekommt eine angenehme Note, die mich immer wieder an Aluminium-Snares von Ludwig erinnert. Und diese Obertonstruktur ist bei Mikrofonen am Ehesten in der Bauart der Kapsel begründet.

Niere besser als Kugel und Acht

Eher gering ist die Poppempfindlichkeit, es scheint allerdings sehr angebracht, die Spinne zu benutzen (die dann auch ordentlich filtert). Eine zu dröhnige Überbassung findet bei naher Besprechung nicht statt, aber dennoch wäre ein Hochpassfilter nicht verkehrt gewesen. Bezüglich der Patternstabilität zeigt das Mikrofon die klassischen Eigenschaften, glücklicherweise ohne allzu kräftige Einbrüche bei hohen Pegeln. Somit ist der Sweet-Spot der Niere ausreichend breit. Die Niere klingt definitiv besser als Acht und Kugel, und das gilt nicht nur für Signale, die weit außerhalb der Achsen auf die Doppelkapsel treffen: Die Acht ist etwas zu bissig, die Kugel kann ihren eher hohlen Charakter nicht gut verbergen. Damit ist das WA-14 allerdings nicht allein auf weiter Flur – und schon gar nicht in diesem Preissegment. S-Laute beispielsweise klingen in Cardioid-Stellung des Schalters definitiv ausgewogener als im Omni- oder Figure-of-Eight-Betrieb.

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