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04.05.2018

Video-Workshop: 4 Tipps zur Modifikation des Snaresounds

Einfache und effektive Mittel, um den Klang der Snare zu verändern

„Achtung, es liegen Gegenstände auf der Snare!“

Ein offener, singender Snaresound, wie man ihn von Drummern wie Simon Phillips, Dave Weckl, Billy Cobham und anderen kennt, lässt unsere Drummer-Herzen immer noch höher schlagen. In den letzten Jahren hat sich allerdings noch eine andere Sound-Ästhetik etabliert, die man als genaues Gegenteil zu den genannten Beispielen bezeichnen kann. Die Rede ist von gezielten, mechanischen Modifikationen des Trommelklangs, welche sich jenseits von Kessel- und Fellwahl abspielen. Durch das Auflegen verschiedener Gegenstände auf das Fell lassen sich interessante, teils elektronisch anmutende Ergebnisse erzielen, die in vielen Musikrichtungen zu einem spannenden Gesamtsound beitragen können. 

Zunächst stellt sich natürlich die Frage, welchen Sinn es haben soll, eine gut gestimmte Snaredrum klanglich dadurch zu verunstalten, dass man beispielsweise ein Becken oder eine Geldbörse drauflegt. Um eine Vorstellung von den Möglichkeiten zu bekommen, lohnt es sich, Videos von modernen Drummern wie Jojo Mayer, Oli Rubow, Scott Pellegrom und Billy Martin anzusehen, denn bei diesen Protagonisten ist die Wahrscheinlichkeit, dass die gespielten Trommeln mehr oder weniger stark mechanisch verfremdet wurden, sehr hoch. Ob platschiger Discosound, krachende House-Snare oder einfach eine deutlich leisere Alternative zu einem natürlichen Trommelklang – die Anwendungsbereiche sind äußerst vielfältig und zudem sehr kostengünstig umzusetzen. Ein paar davon möchte ich euch hier vorstellen. 

1. Der Klassiker: Weiche Dämpfung als Sustain-Verkürzer

Die gängigste Variante unter den Snaresound-Modifikationen stellt das einfache Anbringen von weichen Dämpfmaterialien dar. Hierbei geht es um das zweckmäßige Reduzieren des Nachklangs, beziehungsweise der Obertöne. Das habt ihr garantiert alle schon einmal gemacht, denn in vielen Situationen, vor allem auch im Studio, empfiehlt sich die eine oder andere Form der Dämpfung. Ob ihr kleine Stückchen Gewebeklebeband (Gaffatape), Taschentücher, Moongel, Dämpfringe (lassen sich aus alten Fellen auch schnell selbst herstellen) oder edlere Varianten wie beispielsweise die Lederdämpfer der Firma Snareweight verwendet, ist dabei ganz euch überlassen. Alle diese Möglichkeiten haben miteinander gemein, dass man sie am Fellrand anbringt, denn dort entstehen die Obertöne. Klanglich werdet ihr verschiedene Stufen der Sustain-Begrenzung erreichen, ohne zu stark in den Attacksound und den „Bauch“ der Snaredrum einzugreifen. Das sieht mit den verschiedenen Formen der Überdämpfung schon ganz anders aus. 

2. Überdämpfung oder: „Düsch!“

Bei der Überdämpfung geht es darum, der Snare einen Disco-mäßig kurzen, fetten und saftigen Klang zu entlocken, der insbesondere für breite Backbeats und klangliche Experimente funktioniert. Derartige Sounds sind heute absolut angesagt und werden stilübergreifend eingesetzt. Dass einige Drum- und Zubehör-Hersteller bereits entsprechende Trommeln und Hilfsmittel anbieten, versteht sich von selbst. So baut beispielsweise der amerikanische Custom-Hersteller A&F Drums riesige, bis zu 18 Zoll große Snares, die eher rauschen als knallen. Preislich deutlich übersichtlicher sind hingegen die Produkte von Big Fat Snaredrum. Hierbei handelt es sich um dicke Kunststofffolien, welche einfach auf das Snare-Fell gelegt werden. Es geht jedoch noch wesentlich preisgünstiger. So bewirkt ein einfaches Geschirrtuch, befestigt mit Klammern aus dem Bürobedarf (die Idee kommt von Oli Rubow) einen ähnlichen Effekt, wobei der Attacksound hierbei deutlich weicher ausfällt. Großartig klingt aber auch ein ausgedientes Fell, welches, umgedreht auf das Snare-Fell gelegt, einen platschigen, sehr authentischen 80er Jahre Drum Machine Sound imitiert. Wenn ihr derartige Accessoires nicht zur Hand habt, könnt ihr aber auch einfach zum Stimmschlüssel greifen und das Fell extrem herunter stimmen. Anschließend bringt ihr ordentlich Dämpfung an. Voilá, fertig ist der amtliche „Düsch“!

3. Jingles (Schellen) machen den Snaresound lebendig

Der Schellenkranz war und ist eines der beliebtesten Klangwerkzeuge in der Popmusik. Hört euch mal ein paar Soul- und R'n'B-Stücke der 60er Jahre an, fast immer bedient jemand in der Band (meistens Sängerinnen oder Sänger) den charakteristischen Holzring mit den kleinen Metallscheibchen. Später begannen DJs und Produzenten, Klangbestandteile dieser alten Songs zu samplen, und so kam es, dass auf vielen Snaresounds moderner Elektro-Tracks gleichzeitig ein Jingle-Geräusch zu hören ist. Diese Kombination klingt sehr funky und gleichzeitig gefällig, weil sich die Schellen perfekt in viele Kontexte integrieren, ohne zu aufdringlich zu wirken. Gleichzeitig verleihen sie der Snare mehr Präsenz. Und es ist sehr einfach, den Sound mechanisch zu imitieren, beispielsweise, indem ihr einfach einen kleinen Schellenkranz oder ein Tambourin auf das Fell legt. Je nach Spielweise solltet ihr die Konstruktion durch etwas Gaffatape sichern. Geht dadurch zu viel Spielfläche verloren, bietet beispielsweise LP in seiner RAW Serie einen magnetisch haftenden Schellenarm an. Auch Jingle-Ringe, wie sie zum Beispiel von Meinl erhältlich sind, eignen sich sehr gut, um den Snaresound zu pimpen. Ansonsten gilt auch hier: Alles, was aufs Fell passt und gut klingt, ist erlaubt. 

4. Becken und Crasher 

„Schplatt!“ Hart und scheppernd klingt es, wenn ihr Becken auf die Snaredrum legt. Dieser Sound möchte Techno-, House- und andere attacklastige Electronica-Snares imitieren. Klangunterschiede ergeben sich einerseits durch die Größe und das Gewicht der Becken und vor allem die Art und Weise, wie ihr die Konstruktion spielt. Mit der Stockschulter direkt aufs Becken geschlagen, wird der Klang am metallischsten, trifft der Stick aufs Fell, entwickelt sich ein natürlicherer Anschlag-Sound. Damit das Becken nicht zu hoch springt oder gar von der Trommel herunter segelt, kann es sinnvoll sein, einen langen Streifen Gaffa-Band quer über das Becken zu kleben und anschließend beidseitig am Spannreifen zu fixieren. Weitere Möglichkeiten bieten Geräte wie Sabian's Hoop Crasher oder Ufip's Snare Clang. Beide Teile bestehen aus aufeinander liegenden, schmalen Metallringen in Snaredrum-Größe, welche beim Schlag auf die Snare aufeinander schlagen und so ein metallisches Scheppern verursachen. Beim Snare Clang sind zudem Jingles integriert. Fast schon als Klassiker können die von Meinl in Zusammenarbeit mit Johnny Rabb entwickelten Drumbals bezeichnet werden. Die in acht und zehn Zoll Durchmesser erhältlichen Minibecken mit Griff in der Mitte eröffnen die Möglichkeit, den Snaredrumsound in der Tonhöhe zu verändern, je nachdem, wie nah ihr die Becken an das Fell haltet. 

Damit ihr selbst den einen oder anderen Sound nachbauen könnt, haben wir hier die Dinge aufgelistet, die in unserem Video zum Einsatz kommen. Viel Spaß beim experimentieren mit eurem Snaresound! 

  • Equipment-Liste
  • Gaffatape-Falz
  • Taschentuch
  • Evans Dämpfring
  • Snareweight M1
  • Geschirrtuch mit Halteklammer
  • Big Fat Snaredrum The Original
  • Doppellagiges coated Fell (RMV)
  • Snare Resonanzfell (Remo Black Suede)
  • Portemonnaie
  • Meinl Hi-Hat Tambourine
  • Meinl Ching Ring
  • Meinl Jingle Stick
  • Altes Splash-Becken (Marke unbekannt). Alternativ ginge auch ein Meinl Drumbal
  • Ufip Ximbau Medium
  • Ufip Snare Clang
  • Rhythm Tech Crasher
  • Ankle Bells aus dem Afrika-Shop
  • Pro Mark Tubz

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