Handpan_Testmarathon
Test
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14.07.2017

Vergleichstest Handpans

Terre Riddim, Terre Cosmic und Harmonic Art Handpans im direkten Vergleich

So schlagen sich Handpans aus dem Musikladen im Test

Kein Instrument hat in den letzten Jahren im Percussion-Bereich für eine derartig große Nachfrage gesorgt wie der Schweizer Hang und seine weltweiten Nachfolger, die Handpans. Wie es dazu kam? Nachdem der PanArt Hang, der Urahn der Handpans, zunächst für eine Weile zum Preis von 300 Euro regulär in den Läden erhältlich war, verschwand er einige Jahre später von der Bildfläche. 

Eine Zeitlang konnte man einen Bewerbungsbrief an die Bauer des Hangs schreiben, und wenn man Glück hatte, wurde man akzeptiert und konnte nach Bern reisen, um einen Hang vor Ort zu kaufen. Nachdem PanArt seine Produktion eingestellt hat, sind im Laufe der letzten Jahre weltweit immer weitere Instrumentenbauer auf den Zug aufgesprungen und haben begonnen, ähnliche Instrumente zu bauen. Die Instrumentenfamilie der Handpans war geboren.

Details

Wie findet man einen guten Handpan?

Da die Nachfrage stets groß ist, hat man einerseits die Möglichkeit, einen Bauer direkt zu kontaktieren. Das gelingt aber nicht immer auf Anhieb, und zumeist gibt es eine Warteliste. Das heißt, es kann eine ganze Weile dauern, bis man sein vermeintliches Trauminstrument zwischen den Händen hält. Die andere Möglichkeit ist ein Forum für gebrauchte Handpans. Links und Hintergrundinfos zum Thema, und worauf sonst noch zu achten ist, bekommst du in unserem Hang Drum und Handpan Kaufberater.

Die zweite Möglichkeit ist ein Kauf im Musikgeschäft. Man sollte allerdings im Hinterkopf haben, dass von den weltweit wirklich renommierten Handpan-Bauern bislang kaum einer diesen Vertriebsweg beschreitet, da sie ihre Instrumente auch so an den Käufer bringen. Die direkte Verfügbarkeit lassen sich die Firmen, die ihre Handpans über Geschäfte vertreiben, auch ordentlich bezahlen. Unsere getesteten Handpans bewegen sich im Preisbereich (Stand Dezember 2018) zwischen 1649 und 2490 Euro. Dafür sollte man in der Regel ein professionell verarbeitetes und perfekt gestimmtes Profiinstrument erwarten. Neben der sofortigen Verfügbarkeit hat der Kauf im Fachgeschäft den Vorteil, dass man sich seinen Handpan unter mehreren aussuchen kann und zudem eine Beratung sowie - im Gegensatz zum Gebrauchtkauf - eine Garantie erhält.

Saubere Stimmung, Art der Skala... und worauf man sonst noch achten sollte

Die Anzahl der Tonfelder ist entscheidend für den Umfang der Skala. Hier hat der Hersteller Harmomic Art mit zehn verschiedenen Skalen die größte Auswahl. Letztgenannte haben allerdings nur sieben Tonfelder rund um die Mittelnote, mit acht oder neun Tonfeldern wie bei Terre’s Riddim Handpans hat man wesentlich mehr Ausdrucksmöglichkeiten. 

Bei einem guten Handpan sind in jedes Tonfeld neben dem Grundton noch zwei Obertöne gestimmt – die Oktave und Quinte oder Duodezime. Die Terre Riddim Handpans haben lediglich die Oktave als Oberton pro Tonfeld.

Besonders viel Wert haben wir bei der Bewertung auf die Qualität der Stimmung gelegt. Vor allem wenn mit anderen Instrumenten gemeinsam musiziert werden soll, ist es sehr wichtig, dass der Handpan sauber gestimmt ist. Diese Eigenschaft ließ sich leider nur wenigen Test-Instrumenten bescheinigen, was angesichts der hohen Preisklasse zu klarem Punktabzug geführt hat. Da man einen Handpan nicht wie eine Gitarre einfach nachstimmen kann, sollte man beim Kauf in Erfahrung bringen, ob die Möglichkeit besteht, den Handpan später zum Nachstimmen im Musikladen vorbei zu bringen oder einzuschicken.

Die Testinstrumente im Videovergleich

Die Terre Riddim Handpans gehören mit 1649 Euro zu den „günstigsten Vertretern“ im Testfeld. Vor allem mit ihrer leichten Ansprache und der höchsten Anzahl an Tonfeldern konnten sie Punkte sammeln. Die mangelhafte Stimmung aller drei Instrumente machte allerdings einen ordentlichen Strich durch die Rechnung.

Terre’s Cosmic Handpans sind enge Verwandte der Riddims. Zum selben Preis bekommt man hier eine etwas weniger rustikale Verarbeitung der Oberfläche. Der Cosmic hat eine schöne Ansprache und zwei Obertöne pro Tonfeld (insgesamt sieben Tonfelder plus Mittelnote) gestimmt. Allerdings holte die nicht ganz so kosmische Stimmung der Akebono uns ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.

Für die Harmonic Art Handpans (2490 Euro) aus Kolumbien, übrigens baugleich mit Meinl’s Sonic Energy Handpans, stehen ganze zehn verschiedene Stimmungen zur Auswahl. Alle Modelle sind ansprechend verarbeitet, allerdings konnten nicht alle der acht getesteten Modelle mit gleich guter Stimmung überzeugen. Auch die Ansprache war etwas verhaltener als bei den Riddim Handpans.

Fazit

Der Testsieger

Ganz so einfach ist es nicht, einen Sieger aus unserem Vergleichstest auszumachen, denn so richtig konnte keiner der getesteten Handpans überzeugen. Die meisten Lorbeeren heimsten die Harmonic Art Handpans (2490 Euro), baugleich mit den Meinl Sonic Energy Modellen, ein. Sie sind allerdings eher Mittelklasseinstrumente, welche zum Preis eines Profiinstruments verkauft werden. Man sollte zudem darauf achten, ein gut gestimmtes Exemplar zu ergattern, denn diesbezüglich zeigten einige Modellen im Testlauf Schwächen. Die Ansprache der sehr groß gestalteten sieben Tonfelder plus Mittelnote ist insgesamt verhaltener als bei den Terre Handpans, auch die nach innen gewölbte Mittelnote könnte für den einen oder anderen gewöhnungsbedürftig sein.

Die Plätze 2 und 3

Der Terre Cosmic Handpan in der Akebono Stimmung hat ebenfalls nur sieben Tonfelder, die Verarbeitung der Oberfläche ist allerdings sorgfältiger als bei den Modellen aus der Riddim Serie ausgeführt, zudem gibt es (wie bei den Harmonic Arts Handpans auch) zwei gestimmte Obertöne pro Tonfeld (bei den Riddim Modellen nur die Oktave). Die zum Teil mangelhafte Stimmung des Cosmic passt aber einfach nicht zum Preisschild von 1649 Euro.

Zum selben Preis wie die Cosmics sind die Terre Riddim Handpans zu haben. Die rustikale Verarbeitung der Oberflächen und vor allem die durchweg mangelhafte Stimmung aller drei Modelle machen ein gemeinsame Musizieren mit anderen gestimmten Instrumenten hier leider so gut wie unmöglich. Eigentlich schade, denn mit ihren acht bzw. neun Tonfeldern und der insgesamt besten Ansprache hätten sie viel mehr Potential.

Wer sich einen Handpan im Musikgeschäft zulegen möchte, sollte nicht nur einen ordentlichen Batzen Geld dabei haben, sondern auch bereit sein, genug Zeit und Muße in das ausgiebige Probieren und Vergleichen vor Ort zu investieren. 

Weitere interessante Inhalte zum Thema:

Percussion-Workshop #12 – Handpan Basics 

Percussion-Workshop #13 – Handpan Advanced

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