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05.06.2018

Vergleichstest Schlagzeug-Practice Pads

Übungs-Pads im direkten Vergleich

Practice Pads stehen bei vielen Schlagzeugern ganz oben auf der Zubehörliste. Schließlich gehören sie nach Verschleißteilen wie Drumsticks oder Fellen zu den Utensilien, die einfach jeder Drummer haben sollte. Manche Schlagzeuger verfügen über eine ganze Armada an Pads, meistens kommt man aber mit einem handlichen Exemplar für unterwegs und einem etwas größeren Pad für das Üben in den eigenen vier Wänden sehr gut zurecht.

Übungs-Pads gibt es übrigens schon wesentlich länger als spezialisierten Gehörschutz für Musiker. So kamen Schlagzeuglehrer schon vor vielen Jahrzehnten auf den Trichter, die Rudiment-Übungen ihrer Schüler an Stelle der lauten Snare auf einer alternativen, leiseren Oberfläche zu überwachen. Auch als Drumstick-Testoberfläche in Musikgeschäften waren Practice Pads direkt ein durchschlagender Erfolg, sehr zur Nervenentlastung des Verkaufspersonals.

Stichwort Spielgefühl: Dieses wird von vielen Herstellern als natürlich und realistisch propagiert. Allerdings fühlt sich ein mittelhartes, nicht so lautes Gummi-Pad von Vic Firth anders an als das straffere und wesentlich lautere Billy Hyde Pad, und beide unterscheiden sich doch wahrnehmbar vom Spielgefühl eines modernen Snaredrum-Fells. Grundsätzlich geht es bei einem Standard-Übungspad also darum, den besten Kompromiss zwischen einem annähernd realistischen Spielgefühl, dem Output an Körperschall (wichtig für alle Menschen um euch herum, ob zu Hause oder im Backstage) und der Portabilität des Pads zu zu finden. Vielleicht sucht ihr aber auch ein spezielles Trainings-Pad oder ein Pad mit zusätzlichen Features? Das schauen wir uns jetzt einmal an.

Welchen Arten von Übungs-Pads sind gängig?

Der Standard: Pads mit einer Gummi-Oberfläche

Die am weitesten verbreiteten Pads haben eine Gummischicht, die auf einer Holzfasermischplatte aufgeklebt ist. Diese Pads gibt es in vielen Größen und Formen, die populärsten sind sicherlich die RealFeel Pads von Evans. Gummi-Pads haben zumeist einen mittelharten, sehr angenehmen Rebound und sind nicht besonders laut, also wie gemacht für das Üben in den eigenen vier Wänden. Viele Hersteller bieten Ausführungen mit einem Gewinde auf der Unterseite an, somit lassen sie sich zumeist auf einem handelsüblichen Beckenständer montieren. Gummi-Pads sind zudem sehr robust und lassen sich gut reinigen. Nach meiner Erfahrung verlieren allerdings nach einigen Jahren die Weichmacher in der Oberfläche allmählich ihre Wirkung, wodurch die Pads etwas spröde werden und auch an einigen Stellen kaputtgehen können. Wenn ihr ein größeres Pad ohne Gewinde auf der Unterseite kauft, solltet ihr darauf achten, dass es eine rutschfeste Beschichtung auf der Unterseite hat. 

Spezielle Trainings-Pads

Wer für das Üben seiner Rudiments oder zum Warmspielen etwas mehr Herausforderung sucht, kann sich das RTom Moongel Pad ansehen. Dieses spezielle Pad entwickelt fast keinen Rebound und forciert so den Aufbau der Muskulatur. Noch ausgecheckter ist das Reflexx Pad, welches zwei unterschiedlich herausfordernde Oberflächen hat, allerdings ist es leider immer noch über keinen Vertrieb in Deutschland erhältlich.

Worauf sollte man vor dem Kauf eines Pads noch achten?

Wenn ihr mobil unterwegs seid, sind sehr kleine Pads, sofern ihr das Stativ zu Hause lasst, etwas unpraktisch, da sie aufgrund des geringen Eigengewichts gern auf der Oberfläche / Snare herumrutschen. Tama hat mit seinem TSP10 eine gute Mischung aus handlichem Packmaß und genügend Eigengewicht entwickelt. Kleine Reise-Pads, die man sich ums Knie schnallt, sind eigentlich nur in der traditionellen Stockhaltung mit beiden Händen komfortabel zu bedienen, und für manche Modelle wie die Remo Tunable Pads, das RTOM Moongel oder das Billy Hyde braucht ihr ein relativ teures, spezielles Stativ, da diese Pads noch das antiquierte 6-Millimeter-Gewinde verbaut haben.

Unsere Practice Pad-Testberichte

Wir haben eine Vielzahl von Übungs-Pads getestet. Dabei haben wir neben dem Preis-Leistungs-Verhältnis auch die generelle Verarbeitung, das Spielgefühl und die Lautstärke bewertet. Dieser Artikel wird übrigens fortlaufend ergänzt, also falls ihr ein Modell vermisst, schreibt es ruhig in die Kommentare. 

Evans RealFeel HQ Pads

Die Evans RealFeel Pads gehören seit vielen Jahren zu den meistverkauften Vertretern ihrer Gattung. Besonders das 12“ Modell mit einseitiger Spielfläche kann mit angenehmen Spielgefühl und moderatem Anschaffungspreis überzeugen.

 

 

Vic Firth VFPAD12 Practice Pad

Mit gediegener Optik, einem ebenfalls sehr angenehmen Spielgefühl und guter Verarbeitung kann das 12“ große Vic Firth punkten. Einzig der relativ hohe Anschaffungspreis wird den einen oder anderen Drummer zögern lassen.

Tama TSP10 und TSP6 Pads

Auch der japanische Trommelfabrikant Tama hat Pads im Portfolio. Beide haben eine mittelharte bzw. eher weiche Oberfläche (TSP6) aus Gummi und bieten sich durch ihre handlichen Ausmaße für den mobilen Einsatz an. 

Ahead 10“ Practice Pads

Neben dem normalen Gummi-Pad, welches minimal härter als die Modelle von Evans HQ und Vic Firth ausfällt, hat Ahead noch Modellvarianten mit Snare-Effekt und zweiter Spielfläche im Portfolio. Besonders die Basis-Ausführung überzeugt mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Meinl MPP-12 und MPP-6 Pads

Meinl bietet seine beiden mittelharten Gummi-Pads in insgesamt drei Optiken an. Neben dem Meinl Logo kann man seine Übungen auch auf den Logos von Thomas Lang oder Benny Greb exerzieren. Das kleinere MPP-6 hat ein Gewinde auf der Unterseite.

Millenium R1 Metronome Practice Pad

Viele Drummer nutzen als Zubehör zum Üben mit dem Pad ein Metronom oder eine Metronom-App auf dem Smartphone. Das Millenium R1 hat das Metronom integriert und spielt sich auch ansonsten sehr angenehm. Zum Zeitpunkt unseres Testberichtes bereiteten einige Funktionen des Metronoms allerdings noch Probleme.

RTOm 7" Moongel Workout Pad

Es ist klein blau und stellt eine echte Herausforderung dar. Wer seine Stöcke auf diesem Silikonkissen zum Springen bringt, war fleißig. Kleiner Wermutstropfen: Die Verarbeitungsqualität passt nicht ganz zum Preisschild, und für die Montage bedarf es eines speziellen Stativs mit 6-Millimeter Gewinde.

Reflexx CP1 Conditioning Pad

Das CP1 aus der kleinen New Yorker Manufaktur Reflexx ist Pad und Konditionsgerät in einem und gilt bei vielen Drummern inzwischen als Must-Have-Produkt. Wir haben uns ein Exemplar besorgt und es ausgiebig gecheckt. 

Billy Hyde Natural Rebound Pad

Das Signature Produkt der australischen Drum-Legende Billy Hyde ist seit über 50 Jahren am Markt. Die relativ harte Gummi-Oberfläche, ein prägnantes akustisches Signal und die Möglichkeit, auch auf dem Rand zu spielen, sind neben dem attraktiven Anschaffungspreis gute Argumente für das Pad. Allerdings hat es ebenfalls ein veraltetes 6-Millimeter Gewinde, wodurch ein spezieller Pad-Ständer benötigt wird.

Remo Tunable und Silentstroke Pads

Die beiden Remo Pads messen handliche acht Zoll, die Spannung der Oberfläche ist anpassbar und kann bei Verschleiß auch ausgetauscht werden. Vor allem das Tunable Pad ist sehr laut, und beide Pads haben ein eher unnatürliches Spielgefühl. Für die Montage bedarf es ebenfalls eines Stativs mit 6-Millimeter Gewinde

Thomann Sticky Practice Pad

Es ist klein, relativ preisgünstig und kann auf jede saubere Oberfläche, wie zum Beispiel einen Schreibtisch, geklebt werden. Ideal also für das kleine Gedengel zwischendurch oder als Minimalgepäck in der Reisetasche. Hinterher zieht man es einfach wieder ab.

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