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25.08.2017

Universal Audio UAD2 Software Version 9.3 Test

UAD2 DSP-Effekte Update

Unison für alle ENGL und teuflische Plug-ins

Universal Audios neue UAD2 Software Version 9.3 steht zum Download bereit. Sie beinhaltet neben der inzwischen gewohnten Einführung neuer Plug-ins und Detailverbesserungen die erweiterte Verwendung aller ENGL Amp-Emulationen als Unison Plug-in (Benutzung während der Aufnahme).

Detaillierte Informationen hierzu findet ihr auf der Homepage von Universal Audio. Im Folgenden möchten wir in diesem Testbericht die fünf neuen UAD2 Plug-ins etwas näher betrachten:

  • Korg SDD-3000 Digital Delay
  • AMS RMX16 Expanded Digital Reverb
  • Dytronics Cyclosonic Panner
  • Sonnox Oxford Dynamic EQ
  • ENGL Savage 120 Amplifier

Details

Korg SDD-3000 Digital Delay

Obwohl der japanische Hersteller Korg eher für Tasteninstrumente als für Effektgeräte berühmt ist, handelt es sich beim 1982 erschienenen SD-3000 um eine Ikone, die unter anderem in einem Atemzug mit der Stilistik des U2 Gitarristen The Edge und auch William Orbit genannt wird. 

Zusätzlich zur Emulation des eigentlichen Effekts werden auch die charakteristischen Ein- und Ausgangsverstärker nachgebildet und da es sich beim Korg SDD-3000 Digital Delay um ein Unison Plug-in handelt, kann man bei Bedarf das Effektsignal gleich in hoher Authentizität direkt mitaufnehmen.

Im Folgenden sehen wir das überwiegend selbsterklärende GUI, welches gegenüber der originalen 19-Zoll Hardware (1HE) sinnvollerweise auf ein für den Bildschirm passenderes Format geändert wurde.

Selbstverständlich gibt es Erweiterungen gegenüber dem Originalgerät. Neben der (fast schon) obligatorischen Synchronisierungsmöglichkeit zur DAW bietet das Plug-in flexible Routing-Möglichkeiten, die in der folgenden Abbildung zu sehen sind:

Und wie klingt es? Nach dem folgenden, unbearbeiteten Audiobeispiel ist ein leicht moduliertes, rhythmisches Delay auf einen Synthesizer Arpeggio zu hören.

Selbstverständlich lassen sich mit dem SDD-3000 auch reine Modulationseffekte erzeugen, wie hier auf einem E-Piano in vier verschiedenen Einstellungen.

Was gefällt?

Der warme und organische Sound ist bemerkenswert! Delay-Effekte gibt es bekanntlich wie Sand am Meer und Korg hat mit dem SDD-3000 – zumindest aus heutiger Sicht – was den Funktionsumfang angeht, das Rad nicht neu erfunden. Allerdings gelangt man aufgrund des angenehmen Grundsounds sehr viel müheloser zu einem überzeugenden Ergebnis als mit vielen anderen Vertretern dieser Effektgattung.

Was gefällt nicht?

Nichts. Alles gut.

Dytronics Cyclosonic Panner

Trotz des „spacigen“ Namens habe ich von diesem 1984 erschienenen Gerät vor seiner Reinkarnation als UAD-Plug-in (powered by Softube) noch nie etwas gehört. Dieses etwas schrullige Schätzchen macht es sich zur Aufgabe, statischen Spuren und Mixes Leben einzuhauchen. Hierzu bedient sich der Cyclosonic Panner 36 verschiedener Varianten aus Panorama-, Lautstärken- und Phasenmodulation sowie einem Exciter, welche über (nicht komplett selbsterklärende) Tastenkombinationen im Bereich „Pan. Mode“ und „Round. Mode“ ausgewählt werden können. Weiterhin stehen ein DAW-synchronisierbarer LFO und verschiedene Trigger-Funktionen zur Auslösung der Modulation zur Verfügung. Die Visualisierung der derzeitigen 3D-Position des jeweiligen Ausgangs erfolgt über eine kugelförmige LED-Anzeige, die entfernt an den Todesstern erinnert.

Wie auch beim Korg SDD-3000 gehört neben der DAW-Synchronisierbarkeit ein flexibleres Output Routing zu den Neuerungen der Plug-in-Version. Welche Optionen sich hier bieten, ist der folgenden Abbildung zu entnehmen:

Nach dem folgenden, unbearbeiteten Audiobeispiel hört man den Cyclonic Panner in 4 unterschiedlichen Einstellungen auf einem Synthesizer Arpeggio (stereo):

Und so hört es sich an, wenn man mit dem Dyclonics (irgendwie ein geiler Name für eine Band) Cyclosonic (mmh… irgendwie auch) ein Mono-Signal aufpeppt:

Das Resultat der unerwarteten Verwendungsmöglichkeit als Exciter, auf welche am Ende des Manuals hingewiesen wird (merkwürdige Kombination von Parametern), hört ihr im folgenden Audiobeispiel. Zunächst ein unbearbeiteter Mix im 80’s Style gefolgt von zwei Effektbearbeitungen mit einer Effektintensität von ca. 50 % und plakativen 100 %:

Was gefällt?

Der Dytronics Cyclosonic Panner klingt rund, lebendig und organisch, seine (deaktivierbaren) „3D-Phasen-Sauereien“ machen ihn unique, wobei derartige Effekte seltener auf „tragenden“ Spuren eingesetzt werden sollten. Eine positive und unerwartete Überraschung ist der sehr angenehm klingende Exciter, der mir besser gefällt als manch ein Spezialist dieser Effektgattung. 

Was gefällt nicht?

In einigen Bereichen ist die Bedienung, entsprechend der Hardware, nicht selbsterklärend.

AMS RMX16 Expanded Digital Reverb

Hierbei handelt es sich um die erweiterte Version der bereits existierenden UAD Emulation „AMS RMX16 Digital Reverb“. Die Plug-in-Version der 1980 erschienenen, digitalen „Hall-Legende“ wurde vom Schöpfer der Hardware höchstpersönlich entwickelt, was eine besonders hohe Authentizität erwarten lässt. Neu an dieser „expanded“ Version sind die Programme 10 bis 18, wobei es sich hierbei nicht um irgendwelche User-Programme handelt, sondern um rare Effektalgorithmen, die man nur mit einem aus heutiger Sicht skurrilen Barcode-Reader in das Hardwaregerät laden konnte. 

  • 10 Reverse 2
  • 11 Freeze
  • 12 Room A0
  • 13 Room B1
  • 14 Hall A1
  • 15 Plate B1
  • 16 Delay
  • 17 Image P1
  • 18 Nonlin 1

Die 80er sind bekannterweise sehr berüchtigt für plakativen Hall auf Drumsounds – und daran wird der RMX16 nicht ganz unschuldig sein. Im folgenden Hörbeispiel habe ich mal versucht ein ähnliches Szenario nachzustellen. Zunächst hören wir ein roughes Logic Programming ohne Effekte, anschließend mit verschiedenen Halleffekten des RMX16, die vorwiegend auf den Drums zu hören sind.

Hier hören wir die Drums solo, zuerst ohne, dann mit Effekt:

Was gefällt?

Die Soundqualität und Musikalität sämtlicher „Programs“ ist sensationell und macht das Plug-in, nicht zuletzt durch die neuen Algorithmen, vielseitig einsetzbar – nicht nur im 80er-Jahre-Kontext. 

Das RMX16 Digital Reverb ist ein Must-Have für ambitionierte DAW Producer!

Was gefällt nicht?

Entsprechend der Hardware entspricht die Beschriftung nicht allen Parametern sämtlicher Programs, wodurch der Blick ins Manual für Einsteiger manchmal notwendig sein kann. Die Delayzeiten (Echo, Delay) sind nicht automatisch zum Songtempo synchronisierbar, was allerdings eher eine Komforteinschränkung als ein Problem darstellt.

Sonnox Oxford Dynamic EQ

Beim letzten Testkandidaten handelt es sich um ein Plug-in ohne reales Vorbild aus der Welt der Hardware, einen dynamischen Equalizer. Diese „Gerätegattung“ führt unberechtigterweise noch ein Schattendasein, obwohl es eine Wunderwaffe bei vielen tontechnischen und auch musikalischen Problemen ist. Generell handelt es sich um einen EQ, der sowohl statisch als auch in Pegelabhängigkeit Frequenzbereiche absenkt oder auch erhöht. Ein dynamischer EQ ist dem Multibandkompressor nicht ganz unähnlich, aber viel präziser und flexibler, was besonders für den Oxford Dynamic EQ gilt, in welchen je Band das zu bearbeitende Signal aus Left, Right, Stereo, Mid und Side ausgewählt werden kann. Weiterhin kann je Band die dynamische Pegelveränderung per Sidechain Filter (Low Pass, Band Pass, High Pass) gesteuert werden.

Im folgenden Audiobeispiel hören wir verschiedene Synths und eine Bassdrum auf einem gemeinsamen Bus. Die tiefen Frequenzen der Bassdrum (Sidechain) steuern die Absenkung hoher Frequenzen, wodurch der Groove etwas lebendiger wirkt. Zunächst das unbearbeitete Signal:

Die nächsten beiden Audiobeispiele demonstrieren den verzweifelten Rettungsversuch einer schlechten Sprachaufnahme ohne Popschutz und Hoch Pass Filter. Im bearbeiteten File sind außerdem die S-Laute dezent abgesenkt.

Zum Abschluss bearbeite ich mit dem Oxford Dynamic EQ einen (Midi-)Streicher-Stem. Die leicht links positionierte Violine wird durch eine Präsenzanhebung des linken Kanals viel klarer ohne das restliche Signal spürbar zu beeinflussen.

Was gefällt?

Der Oxford Dynamic EQ ist ein mächtiges und flexibel einsetzbares Werkzeug zum technischen EQing. Die Ausstattung macht (fast) wunschlos glücklich und der Sound ist transparent und neutral.

Was gefällt nicht?

Kein externer Sidechain

ENGL Savage 120 Amplifier

Die komplette ENGL Amp-Kollektion ist nun ab der Version 9.3 auch als Unison Plug-In für die Apollo-Interfaces verfügbar. Der Vorteil der Unison Plug-Ins für Gitarristen ist, dass man mit äußerst geringer Latenz (wie bei einem digitalen Multieffekt) spielen kann, denn die Plug-Ins sind auf dem Prozessor des Audio-Interfaces geparkt. Am Apollo steckt man die Gitarre direkt in den Hi-Z Input, der auf die höhere Impedanz der Gitarrenpickups eingestellt ist. Neu im Sortiment ist der ENGL Savage 120 Amplifier, ein legendärer Amp aus der deutschen Verstärker-Manufaktur, der für seinen satten High-Gain-Sound mit ordentlich Wumms bekannt und beliebt ist. Das Topteil kommt mit vier unterschiedlichen Kanälen (Clean, Crunch 1, Crunch 2, Lead) und findet seinen Einsatz vor allem in modernen Rocksounds. Die Entwicklern von Brainworx integrierten alle Regel- und Schaltmöglichkeiten des Originals in das Plug-In, von dem wir uns nun ein paar unterschiedliche Soundsettings anhören.

Wir starten den Rundgang mit den etwas zahmeren Sounds, hier sind die Kanäle Clean- und Crunch 1.

Nun geht es mit den härteren Beispielen weiter. Die Bezeichnung Crunch ist für den zweiten Crunch-Kanal eher eine Untertreibung, denn hier geht es schon ordentlich ans Eingemachte. Im ersten Beispiel ist eine Duesenberg Starplayer bei mittlerem Gain zu hören und im zweiten Beispiel geht es um die Aktionen mit dem Volume-Poti an der Gitarre. Dort habe ich zuerst den Volume-Regler weit zurückgenommen und dann voll aufgedreht. Der Zerrgrad lässt sich in dieser Form wirksam abschwächen, bei Vollgas wird der Sound aber nicht matschig, Akkorde und einzelne Anschläge der Saiten sind gut hörbar. Im dritten Beispiel geht es dann in den Keller, die Bariton Les Paul ist am Start und auch hier werden die tiefen Frequenzen souverän übertragen.

Was gefällt?

Der Savage 120 liefert ein sattes Gain-Gewitter in vielen Variationen und mit guter klanglicher Auflösung. Selbst bei hohen Zerrgraden sind die einzelnen Saiten deutlich zu hören und Akkorde über mehrere Saiten, auch jenseits der Powerchords, werden klar übertragen. Die Reaktion auf die Aktionen mit dem Volume-Poti an der Gitarre fällt ausgesprochen positiv aus, man kann einen hochverzerrten Sound über das Gitarren-Volume entsprechend entzerren. Der Savage 120 Amplifier kann zudem eine große Bandbreite an Sounds von Clean bis High Gain abdecken, wobei die effektive Klangregelung und diverse Schalter den Klang bei Bedarf fein abstimmen. Somit ist der Savage 120 Amplifier auf jeden Fall in vielen Stilistiken variabel einsetzbar.

Was gefällt nicht?

Die Presets der High-Gain-Sounds sind zum Teil etwas zu kräftig abgestimmt. Mit meiner Les Paul war bei einigen voreingestellten Sounds der Pegel direkt im übersteuerten Bereich. Mit einem Griff am Power-Soak-Regler ist das zwar ganz schnell behoben, aber der ungeduldige Gitarrist möchte halt schnell zur Sache kommen.

Fazit

Neuigkeiten auf der UAD Plattform sind immer wieder spannend und inspirierend, was auch auf das 9.3er Update zutrifft. Alle getesteten Plug-ins befinden sich auf dem gewohnt hohen Niveau und die überschaubaren Kritikpunkte beschränken sich überwiegend auf Eigenheiten, die schon die realen Vorbilder besaßen. Besonders angetan hat es mir das charismatische SDD-3000 Digital Delay und das AMS RMX16 Expanded Digital Reverb, dessen Vorgänger ich schon seit längerem als Preset-Schleuder missbrauche und dessen wirkliches Potential mir sich erst durch diesen Test erschlossen hat.

  • PRO
  • überzeugende Klangqualität
  • inspirierende neue Plug-ins
  • CONTRA
  • Oxford Dynamic EQ ohne externen Sidechain
  • FEATURES und Spezifikationen
  • UAD2 Plugins für macOS 10.10/10.11/10.12 und Windows 7/8.1/10 (64 Bit)
  • Korg SDD-3000 Digital Delay
  • drei Plug-ins (XL/Legacy/Legacy SE)
  • End-to-End Circuit Emulation
  • Unison Plug-in
  • 13-bit Delay
  • max. Delayzeit: 1023 ms
  • DAW Sync
  • erweiterte In-/Output Routings
  • Low Cut Filter (Flat, 125/250/500 Hz)
  • High Cut Filter (Flat, 8/4/2 kHz)
  • Dytronics Cyclosonic Panner
  • 3D-Panning
  • Lautstärkenmodulation
  • Exciter
  • Output Modes: mono, mono to stereo, true stereo, double stereo
  • LFO: Dreieck / Rechteck, stufenlos überblendbar, 0.1s - 30s / DAW Sync
  • AMS RMX16 Expanded Digital Reverb
  • 18 „Programs“/Effektalgorithmen (9 davon sind neu gegenüber der bisherigen Plug-in-Version)
  • Ambience
  • Room (3 Programs)
  • Hall (3 Programs)
  • Plate (2 Programs)
  • Chorus
  • Echo
  • Nonlin (2 Programs)
  • Reverse (2 Programs)
  • Freeze
  • Delay (bis 810 ms)
  • Image
  • Sonnox Oxford Dynamic EQ
  • 5 frei einstellbare Bänder (proportional Q/Shelf)
  • Left, Right, Stereo, Mid, Side je Band zur Bearbeitung anwählbar
  • Regelzeiten (Attack, Release)
  • Up/Down Compressor und Expander
  • Onset Detection für Transientenbearbeitung
  • Flexible Sidechainregelung
  • FFT Display
  • ENGL Savage 120 Amplifier
  • Unison Plug-in
  • Emulation von 100 high-end Aufnahmeketten
  • latenzfreies Tracking mit Apollo Interfaces
  • FX Racks (Lo-Fi Delay, Noise Gate, Filter)
  • 3-Band EQ
  • Clean, Crunch 1, Crunch 2, Lead
  • Preis
  • Update kostenlos
  • Korg SDD-3000 Digital Delay EUR 199,-
  • AMS RMX16 Expanded Digital Reverb EUR 349,-
  • Upgrade RMX16 EUR 49,-
  • Dytronics Cyclosonic Panner EUR 149,-
  • ENGL Savage 120 Amplifier EUR 149,-
  • Sonnox Oxford Dynamic EQ EUR 249,-

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