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Test
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07.11.2013

Universal Audio UAD API Vision Channelstrip

UAD-Plug-In

Visionäres Plug-In

Es gibt ein neues UAD-Plug-In – und wir haben es schon im Test! Mit dem API Vision Channelstrip hat sich Universal Audio einen ganz besonderen Klassiker vorgenommen. Es handelt sich hier nicht um einen „Vintage“-Prozessor, sondern um ein modernes Stück Audiotechnik, das viele Vorzüge aus fast fünf Jahrzehnten API-Geschichte vereint.

Und das kommt nicht von ungefähr, denn es handelt sich hier um exakt den Kanalzug, der in der API-Vision-Konsole zum Einsatz kommt, dem aktuellen Mischpult-Flaggschiff des Herstellers von der amerikanischen Ostküste. Die API Vision ist ein durch und durch zeitgemäßes Pult von beeindruckender Qualität, und auch wenn es in puncto Routing-Features völlig up to date ist, so können die einzelnen Komponenten ihren Vintage-Background natürlich nicht verhehlen. Hier ist API glücklicherweise ausgesprochen konservativ: Wesentliche Baugruppen wie Preamp und EQ haben sich seit den Anfängen des Herstellers in den späten 60er-Jahren allenfalls geringfügig verändert, was auch gut so ist. API-Komponenten und –Pulte (der Hersteller begann ja als OEM-Fabrikant mit dem 550A-EQ-Modul) werden seit jeher geliebt für ihren trockenen Punch, für die präzisen Konturen gerade im Bassbereich, für ein durchsetzungsfähiges und doch schön mittenwarmes Klangbild. Warum also das Rad neu erfinden, wenn man bereits ein annähernd vollkommenes erschaffen hat?

Das hat sich wohl auch Universal Audio gedacht. Und so ist der Vision Channelstrip nun als zentrale Neuigkeit des 7.3-Updates verfügbar, das der Hersteller aus dem kalifornischen Santa Cruz kürzlich veröffentlicht hat. Damit ist der Vision Channelstrip für alle UAD-2- und Apollo-Systeme ab sofort erhältlich!

Details

200er-Module

Während die Ur-Konsolen der 2488-Serie tatsächlich mit (EQ-)Modulen des 500-Standards bestückt wurden, geht API bei den aktuellen Konsolen mit Ausnahme der 1608 schon längst einen anderen Weg. Der 500-Standard ist in den letzten Jahren ungemein populär geworden, da wird gerne einmal vergessen, dass API schon seit vielen, vielen Jahren einen zweiten Modulstandard im Programm hat, und zwar die 200-Serie. Die Konsolen der Legacy- und Vision-Serien vertrauen auf dieses andere Format, das vor allem etwas schmaler ist, also höhere Kanalzahlen bei geringerer Breite unterbringen kann als der 500-Standard. Dennoch ist die Technik unter der Haube in einigen Aspekten identisch oder doch zumindest sehr ähnlich.

Preamp

Universal Audios Vision Channelstrip Plug-In fasst nun insgesamt fünf dieser 200er-Module zusammen und bietet damit die volle Bandbreite des Vision-Processings. Vom Preamp über HP- und LP-Filter, einem Gate/Expander, einem Kompressor und einmn klassischen API-EQ bietet der Kanalzug also alle Funktionsgruppen, die man sich in einem Kanalzug nur wünschen kann.

Den Anfang macht der 212L-Preamp mit seinem Design, das direkt auf APIs legendären 312-Input zurückgreift. Mit Audio-Übertragern und einem diskreten 2520-OpAmp ausgestattet, handelt es sich hier um das Straightforward-Prinzip, das API seit den frühen 70er-Jahren im Programm hat. API-typisch bietet der Preamp bis zu 65 dB Gain, und mit -20-dB-Pad und Phasendrehung ausgestattet, kann man diese Sektion an bestimmte Gegebenheiten anpassen. Nun kann man über den Sinn und Unsinn eines Plug-In-Preamps streiten (die Pegelanpassung sollte tunlichst vor der A/D-Wandlung stattfinden), aber im Rahmen eines vollständigen Channelstrips darf diese Komponente nicht fehlen – zumal Universal Audio die Klangeigenschaften des OpAmps und der Übertrager emuliert, und sich damit interessante Effekte ergeben sollten, wenn man die gesamte Kette etwas heißer fährt.

HPF und LPF

Als nächstes wandert das Signal durch das 215L Sweep Filter, und damit einen heimlichen Klassiker des 200-Standards. Mit durchstimmbaren Hoch- und Tiefpassfiltern können hier unerwünschte Pegel an den Rändern des Frequenzspektrums ausgeblendet werden, und das auf ausgesprochen softe Weise: Mit einer Flankensteilheit von nur 6 dB pro Oktave beim Tiefpass und 12 dB beim Hochpass bietet API hier ein ideales Filter für nicht-kaputtmachende Aufräumarbeiten. 6 dB/Oktave in den Höhen garantieren, dass etwaige Schärfe ultraweich reduziert werden kann, während 12 dB in den Bässe etwas kräftiger zupacken, um energiereichen Bassmulm besser in den Griff zu bekommen. Neben dem Einsatz im Audioweg kann die Filtersektion auch in den Sidechain des Kompressors geschaltet werden – zu dieser Einheit weiter unten mehr! Dynamics Zunächst passiert das Signal noch den 235L Gate/Expander. Mit den Potis Threshold, Depth und Release/Hold bietet dieses Modul eine Basisausstattung, die mit dem Attack-Schalter (25 ms oder 100 Mikrosekunden) noch etwas ergänzt wird. Mit einem Regelhub von maximal 80 dB erlaubt diese Funktionsgruppe auch drastische Einsätze, der Depth-Parameter ist aber so skaliert, dass er im sensiblen Bereich zwischen 0 und 9 dB besonders fein auflöst.

Komplettiert wird die Dynamikabteilung vom 225L Compressor/Limiter, der praktisch eine Babyversion des legendären 2500 darstellt. Während die ersten API-Konsolen noch auf FET-Kompressoren im 500-Format (den nicht minder legendären 525) setzen, baut der Hersteller nun schon lange auf VCA-Kompression, und in dieses Camp reiht sich auch der 225L ein. Er bietet Potis für Threshold, Ratio und Release und dazu noch eine Reihe von Schaltern. Die Attack kann zwischen Fast, Medium und Slow (2, 18, 75 ms) umgeschaltet werden, und ebenso wie APIs 19“-Kompressor-Flaggschiff kann die Dynamikeinheit wahlweise im Hard- und Softkneemodus arbeiten. Auch die Umschaltung zwischen Feedback- und Feed-Forward-Betrieb ist möglich. Damit bietet dieses kleine Modulchen eigentlich alle zentralen Komponenten des 2500.

Frequenzgangbearbeitung

Schließlich wird der Kanalzug noch abgerundet durch den 550L-EQ. Hierbei handelt es sich um ein Modul, das technisch baugleich ist mit dem 550B, es verfügt also über vier Bänder von APIs legendärem, reziproken Proportional-Q-Entzerrer, hier lediglich angepasst an die schmalere Gehäuseform (das „L“ im Namen steht übrigens für „Long Format Module“). Die vier Bänder überstreichen überlappend einen Frequenzbereich von 30 Hz bis 20 kHz, wobei die äußeren Bänder wahlweise auch im Shelving-Modus betrieben werden können. Auch diese Baugruppe kann auf Wunsch in den Sidechain des Kompressors geschaltet werden, und mittels „Predyn“-Schalter kann auch die Position des EQs im Audioweg beeinflusst werden – er kann entweder vor oder hinter der gesamten Dynamiksektion zum Einsatz kommen.

Utility

Neben diesen fünf Original-API-Komponenten hat Universal Audio seinem Plug-In noch eine „Utility-Sektion“ spendiert. Diese verfügt neben einer LED-Kette und einem Output-Trimmer mit „cleanem“ Gain im Bereich von -24 bis +12 dB auch über eine Link-Funktion für beide Kanäle, für den Fall dass man das Plug-In auf einem Stereo-Kanal zum Einsatz bringen sollte. Damit bringt der Vision-Channelstrip auch als Plug-In auf engem Raum, aber übersichtlich organisiert, eine Menge Funktionen unter. Wie das in der Praxis funktioniert wollen wir uns nun einmal anschauen!

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