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Test
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28.08.2018

Praxis

Chef-Etage: UAD-2 bx_masterdesk

Ich mach es kurz: Der neue bx_masterdesk ist für mich DAS Highlight des 9.6 Updates. Nur am Rande der Hinweis, dass es das Plugin auch von Plugin Alliance ohne DSP-Unterstützung gibt. Preislich ändert sich aber nichts und es gibt (noch) keine DSP/kein-DSP-Bundles bzw. attraktive Crossgrades.

Sicherlich, auch Century Channel, Suhr Amp und die neuen Putnam/Townsend-Mics sind gut – so innovativ sind sie für mich aber nicht. Der bx_masterdesk hingegen ist verdammt schnell am Ziel! Wie ihr im folgenden Video sehen könnt, war es ein leichtes deutlich mehr Druck und Pegel aus den Beispielen heraus zu holen. Sicherlich, es ist jetzt auch keine "Funktioniert-immer"-Wunderwaffe, wie das letzte Beispiel zeigt, das man mit anderen Mitteln lauter bekommen können ohne dass es so presst. Wie oft, wie unkompliziert und wie schnell der bx aber oftmals passt, dass ist dennoch wirklich innovativ.

Wie man sehen kann, ist das alles sehr praktikabel ausgelegt, wenn für den Anfang auch etwas irritierend beschriftet. In das Handbuch sollte man auf jeden Fall schauen, weil viele Funktionen nicht unbedingt selbsterklärend sind. Es lohnt sich aber, denn das Handbuch ist gut geschrieben und erfreulich frei von üblichen UA-Marketing-Superlativen – ganz im Gegensatz zum Century Channel beispielsweise.

Pragmatischer Workflow

Das GUI hat interessante, wenn auch nicht in voller Konsequenz ausgeführte Ansätze zu bieten. Beispielsweise wäre die Nummerierung zu nennen, eine Art Empfehlung, in welcher Reihenfolge die Bearbeitung vonstattengehen sollte: Mit VOLUME geht es los, weshalb man diesem auch die „1“ spendierte. Hier kann durchaus eine Verwirrung entstehen, weil es sich mehr um einen Threshold- als Pegel-Regler handelt. Denn mehr VOLUME schiebt doller in den Prozessor hinein und damit den Arbeitspunkt nach unten. Anders gesprochen: Dreh auf bis die Dynamic Range im grünen Bereich ist, was einem Crest-Faktor (Peak zu RMS Differenz) von ungefähr 6-8 dB entspricht.

Komprimierung wird mittels Parallel-Compression und Limiting vorgenommen. Beides relativ fix und letzteres nur wahlweise mit 1 dB oder 2 dB Gain-Reduction (LIMITER TURBO off/on). Der OUTPUT bleibt deshalb auch eigentlich immer auf null. Der Parallelwert (COMP MIX) hingegen steht als Empfehlung gleich mal „auf Mitte“ und bei ungewöhnlichen 93 %. Nach rechts gedreht löst er dabei bis 100 % äußerst fein auf, nach links gedreht hingegen bis 0 % (dry) deutlich gröber. Weitere Zeit-Parameter gibt es keine – außer die „TMT COMPRESSOR MODEs“ 1 bis 4, von starker zu schwächerer Komprimierung, und das mit auch unterschiedlichen Zeitkonstanten. 

Toleranz auch beim Modeling

TMT bedeutet hier Tolerance Modeling Technologie und führt bewusste Varianzen hinsichtlich Übertragungsverlauf und Zeitkonstanten durch, die „analoger“ klingen sollen. Und in der Tat klingt die Komprimierung wirklich tight und offen zugleich – was auch daran liegt, dass ein DE-ESSER gegen zu scharfe Cymbals und S-Laute arbeitet. Top Job!

Regler Nummer Zwei ist FOUNDATION, ein Art Tilt-EQ, um die Gewichtung zwischen Bässen und Höhen festzulegen. Mehr FOUNDATION macht den Mix „hugh“! Es passiert aber auch durchaus mehr im Hintergrund, weshalb ich glaube, dass es auch etwas mit dem Sidechain der Komprimierung zu tun hat. Aber hey whatsoever, „what sounds good is good“.

Irritierend dürfte eventuell der THD-Regler sein, was hier aber nicht für Threshold, sondern für Total Harmonic Distortion steht, also eine Art Oberton-Generator, der analoge Verzerrungen kreiert, um dem Mix mehr Durchsatz zu verschaffen. Regelbar von OFF bis „minus 40“ – bx möchte also wieder nicht, dass ihr es übertreibt. Gleiches gilt auch „Station 3“, dem EQ, der nur fixe Punkte und maximale Anpassungen im Bereich von +/-3 dB kennt. 

Kleine, feine Tools

Hinzu kommt der MONO MAKER und der STERO ENHANCE, wobei ersterer den Bass unter der Zielfrequenz mono-summieret und zweiterer darüber alles breiter macht. Beide Funktionen klingen ebenfalls sehr gut und man kann es eigentlich wieder nicht übertreiben. Ein paar weitere Optionen gibt es für die Ressonance-Filter, dich sich besonders typischen Störbereichen widmen. Es handelt sich hierbei um eine Art dynamischen EQs, wie ich schätze. Besonders cool ist dabei das Auto-Solo-Feature: Stellt man eine Frequenz ein, wird die Störfrequenz isoliert wiedergegeben, solange man den Regler hält. Praktisch.

Apropos „halten“, denn das stört mich oft bei UAD-2 Plugins. Viele Regler können nicht per Klick umgeschaltet werden, sondern müssen mit der Maus „gezogen“ werden, was durchaus zum fotorealistischem Look passt, aber eigentlich voll nervig ist. Das dürfte gern optimiert werden.

Century Tube Channel Strip

Der „Jahrhundert“ Channel sieht „mono“ aus, ist aber „under the hood“ ein Stereo-Plugin. Unterschiedliche Einstellungen für links und rechts lassen sich dennoch nicht vornehmen. Es ist aber kein Problem, denn mit einer UAD-2 Solokarte, wie der im Arrow, lassen sich auch bis 96 kHz mindestens zwei Instanzen öffnen!

Die klanglichen Unterschiede bei dem Preamp sind durchaus da, aber gering. Die Bässen werden straffer und die oberen Mitten etwas gefärbt. Gesättigter sowie dichter wird es wenn man komprimiert – aber das ist ja jetzt auch keine Überraschung. Das etwas unnötig-umständliche Handling der fixen Gain-Stufen finde ich nicht so gelungen. Generell finde ich das Bemühen von UA, alles möglichst wie Hardware aussehen und bedienen zu lassen, oftmals eher kontraproduktiv. Was allerdings wiederum sehr gut ist, ist bei Century und auch bx_masterdesk die Größe der GUI, die wirklich schön groß und hervorragend lesbar ist.

Es bleibt festzustellen, dass es sich bei CTCS meiner Einschätzung nach vor allem um ein Convenience-Produkt handelt, das nur wirklich wichtige Einstellungen bietet, um Einsteiger und Leute, die schnell zum Ziel kommen wollen, nicht zu überfordern. Es bietet ausschließlich Elemente, die man gefahrlos beim Tracking, also der reinen Aufnahme, benutzen kann. Die meisten anderen Unison Premaps von Universal Audio orientieren sich hingegen doch durchaus stark an alten Originalen – und die wurden optisch nicht unbedingt für Laien konzipiert. 

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