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24.05.2019

Turntable-Sound verbessern: Klang-Optimierung bei Plattenspielern

Zubehör und Maßnahmen zur Verbesserung des Schallplattenspieler-Sounds

#How to pimp my Turntable

Mythen über Klangoptimierung bei Plattenspielern gibt es viele, doch was bringen die oft genannten Maßnahmen tatsächlich? Im Netz findet man zuhauf Tipps zu jenem Thema, doch welche sind effektiv genug, dass man von einem angemessenem Verhältnis von Aufwand und Nutzen sprechen kann?  

Darüber hinaus wird selten differenziert, ab wann der Kauf optionalen Zubehörs oder bauliche Maßnahmen überhaupt in hörbaren klanglichen Verbesserungen resultieren und welche die Grundvoraussetzungen sind, um überhaupt an Optimierungen und Upgrades zu denken.

Klang-Optimierung bei Plattenspielern - Quick Facts

Wer seinen Plattenspieler ein paar Upgrades verpassen will, um die klanglichen Eigenschaften seines Sound-Systems zu verbessern, sollte selbst einschätzen können, ob es sich bei beim vorliegenden Modell überhaupt lohnt oder ob nicht eine Investition in einen komplett neuen Turntable viel sinnvoller ist. Darüber hinaus kann das Experimentieren mit verschiedenen Tonabnehmern sehr viel bringen, weswegen meist der Kauf von sinnvollen Montage- und Justage-Tools sehr zu empfehlen ist. Eine hundertprozentig korrekte Fein-Justage geht meist schon mit großen klanglichen Verbesserungen einher. Darüber hinaus sollte einem klar sein, dass eine Verbesserung der Abtastsituation sowie eine Optimierung der Signalübertragung positive Effekte auf das Klangbild haben. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so „klangwirksam“ sieht es bei Maßnahmen aus, die der Vibrationsdämpfung oder der Abkopplung des Plattenspielers dienen, wobei diese „Upgrades“ eher die Alltagstauglichkeit verbessern und die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen hier sehr schnell verloren geht. Stichwort: „Wir mauern einen Untergrund…“ Dennoch: Ein sehr gut abgekoppelter Plattenspieler klingt einfach „frei“ und tonal geht dann bei den Bässen einfach hörbar mehr ab.

Grundvoraussetzung – ein Plattenspieler mit Luft nach oben

Bevor man sich mit einem derart vielschichtigen Thema ernsthaft auseinandersetzt, sollte man über einen Plattenspieler verfügen, der grundsätzlich in der Lage ist, einen soliden Sound zu liefern. Hierfür muss im Zweifel gar nicht soviel Geld ausgegeben werden. DJ-Plattenspieler zum Beispiel können aufgrund ihrer akkuraten und kräftigen Direktantriebe hinsichtlich ihrer Tonalität mit riemengetriebenen Laufwerken renommierter HiFi-Hersteller bis zum 1.500 Euro Preissegment durchaus mithalten, bieten dafür aber häufig so einige Vorteile gegenüber den Produkten rein audiophil konzipierter Brettspieler: effektive Gerätefüße und massive und vibrationsdämpfende Chassis, s-förmige Alurohr-Tonarme und teils sehr komfortable höhenverstellbare Tonarmbasen wie zum Beispiel beim Technics 1210 MKII, 1200GR oder Pioneer PLX-1000, die man im High-End-Segment erst ab 2000 Euro Anschaffungspreis antrifft, um nur die Elementarsten zu nennen.

Notwendiges und hilfreiches Zubehör für die Tonabnehmer-Montage

Selten taugt ein Tonabnehmer etwas, der zum standardisierten Lieferumfang eines DJ-Plattenspielers zählt. Ebenso verhält es sich in meinen Augen mit dem zugehörigen Headshell. In dieser Disziplin genießen renommierte HiFi-Hersteller zu Recht ein besseres Ansehen, da es gut organisierte Kooperationen mit dem Handel gibt und die oft sehr kundenorientierten Einzelhändler sich als recht kompetent erweisen und recht flexible Montage-Optionen anbieten und diese vor Ort kostenlos selbständig vornehmen. Gute Beispiele hierfür sind die Phono-Schmiede Pro-ject, der System-Hersteller Ortofon und der überwiegende Teil der High-End-Läden, die audiophile, aber bezahlbare Audioprodukte an den Mann bringen.

Im Marktsegment für die auflegende Zunft vertrocknet fachkompetenter Kundenservice in dieser Teildisziplin manchmal in der Plattenspielerwüste, was im Allgemeinen an den eher geringen klanglichen Ansprüchen der Deejays und dem Einzelhandel auf der einen Seite und der Übermacht der Concorde-User andererseits liegt.

„Selbst ist der Mann“ und „Respekt, wer’s selber macht“ sind hier durchaus passende Marketing-Parolen, die man aber eigentlich eher aus der Parallelwelt der Baumarktwerbung kennt. Aber gut, nehmen wir die Herausforderung an!

A) Hochwertige Headshells und Spacer

Um einen Tonabnehmer, bestehend aus System und Nadel, möglichst unkompliziert, dafür aber absolut korrekt an einen Tonarm zu montieren, wird ein Headshell benötigt, das hundertprozentig genau die SME-Norm erfüllt. Das bedeutet konkret hinsichtlich der Arretierung, sprich des Schraubverschlusses, keine Toleranzen bei der Fertigung. Darüber hinaus darf das Headshell hinsichtlich des Azimuts (vertikaler Fehlwinkel) kein Grad Abweichung haben und soll somit als verlängerter Tonarm dienen.

Ist das Headshell fixiert und die Tonarmhöhe justiert, müssen sowohl Headshell als auch Tonarm parallel zum Vinyl aufliegen. Ist das nicht der Fall, ist der Systemträger minderwertig. Das findet man gar nicht so selten bei Headshells im Preissegment unter 20 Euro vor. Vom Zukauf eines solchen Headshells würde ich persönlich generell abraten.

Mitgelieferte Zutaten von Technics oder Pioneer erfüllen dieses Minimalkriterium in der Regel. Beim Zukauf kann man sich ab einer Investition von etwa 35 Euro einigermaßen sicher sein, dass die Ansprüche an eine korrekte Montage erfüllt werden. Ein als absolut würdiger Vertreter dieses Segments preislicher Vernunft gilt für mich das SH4 von Ortofon, das ich uneingeschränkt jedem empfehlen würde, da die lange gerade Kante einen guten optischen Anhaltspunkt für eine korrekte Montage bietet und das Teil mit ziemlich geringen Fertigungstoleranzen produziert wird.

User, die einen PLX-1000, einen 1210er oder 1200GR oder gar höherwertiges ihr Eigen nennen, möchte ich den Kauf eines Magnesium Headshells von Nagaoka oder Jelco ans Herz legen, das mit 70 Euro Invest zwar ein doppelt so großes Loch in die Geldbörse reißt, dafür aber voll flexibel mit einstellbarem Azimut, hochwertigen Inbusschrauben und Headshell-Kabeln von Audioquest daherkommt, die separat erworben ebenfalls bereits mit 30 Euro Kaufpreis zu Buche schlagen. Letztlich passt der Preis auch hier.

Nicht unumstritten ist der Einsatz von Spacern aus Carbon oder Edelhölzern. Doch dieser kann aus mir drei bekannten Gründen durchaus sinnvoll sein. Man kann mit solchen Zwischenträgern mehr Systemgewicht generieren (wenn z. B. das Headshell und der Tonabnehmer „echte Fliegengewichte sind) oder mehr Systemhöhe erreichen, was nötig werden kann, wenn man an der Tonarmbasis bereits am unteren Ende angekommen ist.

Einfluss auf den Sound kann man so ebenfalls nehmen: Spacer werden zum Beispiel auch empfohlen, wenn der Sound insgesamt ein wenig unterkühlt wirkt. Spacer (aus Carbon oder aus diversen Edelhölzern hergestellt) erhält man leicht bei eBay für etwa 20 Euro.

B) Auflagen, Gummimatten und Slipsheets

Beim Thema Auflagen (oder besser: Vinyl-Unterlagen) blasen viele fachkundige Geister häufig in die gleichen Hörner, doch erachte ich die damit verbundenen Problematiken für viel zu essentiell, um sie hier einfach gewissenlos zu ignorieren. Zum einen dient die Vinyl-Unterlage als Bettung für die Platte, andererseits als Vibrationsdämpfer, um externe Schwingungen daran zu hindern, den Tonarm zum Mitschwingen anzuregen. Hierzu zählen schockartige Ereignisse wie zugehauene Türen oder Schubladen, Körper- und Trittschall sowie die periodische Anregung durch die akustische Wiedergabe von Bässen z .B. von der heimischen HiFi-Anlage oder der Beschallungseinrichtung in Veranstaltungsräumen. Darüber hinaus kann eine Kombination aus Auflagen auch bloß dazu dienen, das Vinyl höher zu setzen, da man mit der Höhenverstellung der Basis das Tonarmrohr nicht mehr weiter abgesenkt bekommt, was zwar selten genug der Fall ist, aber eben doch manchmal vorkommt.  

Zahlreiche Hersteller von Phono-Zubehör vertreiben diverse Auflagen aus verschiedensten Materialien in unterschiedlichen Stärken, angefangen von standardisierten Gummimatten und ebenso nachgiebigen Auflagen aus Kautschuk oder Kork, über DJ-typischen Slipmats aus Filz in hart bis weich von 0,3 mm bis 3,5 mm Materialstärke bis hin zu harten Unterlagen aus Kunststoff, Carbon oder gar Vinyl.  

Hier gilt: Was gefällt und gut funktioniert, kann nicht verkehrt sein. Viele Wege führen bekanntlich nach Rom, doch es gibt lange und kurze Wege und natürlich kann hier optimiert werden. Aber ich gebe eines zu bedenken: Wo ein Wille zur Optimierung ist, muss auch genügend Budget vorhanden sein, um verschiedene Kombinationen auszuprobieren und zu vergleichen. Im Schnitt kostet jedwede Auflage zwischen 15 und 30 Euro und mit einer ist es meistens nicht getan. Und wer zwei Turntables sein Eigen nennt, muss alles in doppelter Ausfertigung anschaffen.

Hinsichtlich der Vibrationsdämpfung kann man ausnahmsweise den Satz anbringen:

Viel hilft viel!

Eine Kombination aus verschiedenen Unterlagen aus unterschiedlichen Materialien ist in diesem Fall immer effektiver als eine einzelne Auflage. Warum? Weil aufgrund von mehreren Materialübergängen mehr Schwingungsenergie absorbiert wird als bei EINER Auflage, selbst wenn diese aus recht massivem Material gefertigt ist.

Je mehr Materialübergänge, desto effektiver die Vibrationsdämpfung!

Aus diesem Grund empfehle ich gerne eine Kombination aus Gummimatte, Slipsheet und Slipmat. Mit zwei Materialübergängen und einer verhältnismäßig hohen Masse, nämlich die der Gummimatte, erreicht man schon mal ziemlich viel hinsichtlich der Problematik „Vibrationsdämpfung“ und die Nutzung eines Slipsheets als „Mittelschicht“ ermöglicht nicht zuletzt die Verwendung einer Slipmat, was die auflegende Zunft sehr erfreuen wird.

Als Slipmat kommen für mein Dafürhalten eigentlich nur recht harte Exemplare, die wenig „flusen“, in Frage, so wie sie bei Pioneer zum Lieferumfang gehören. Von allzu weichen und dicken Filzmatten würde ich im Zweifel eher abraten.

Für alle, die gerne dauerhaft auf Gerätehauben verzichten ...

Was ich in diesem Fall anraten würde, ist die Anschaffung einer harten Auflage aus Kunststoff, Vinyl oder ähnlichem, gerne transparent oder eben auch farbig, um Filzmatten vor dem Zustauben zu schützen, denn der größte Feind des Vinyls ist neben dem Mensch nach wie vor der Staub!

Slipmats (Produkte auf thomann.de)

Für eine korrekte Justage des Systems

Nach der Montage des Tonabnehmers unter das Headshell muss das gesamte System nun feinjustiert werden. Hierzu bedarf es der Anschaffung von geeignetem Zubehör.

A) Justageblöcke und Einstellschablonen

Zum einen wird für die Feststellung der Parallelität des Tonarms zur Platte ein Anlageblock aus transparentem Acryl benötigt, zudem ist mindestens eine simple Einstellschablone (Cartridge Alignment Protractor) von Nöten. Besser: Direkt in eine Schoen-Schablone, Typ 2 investieren, das kostet zwar gute 40 Euro, dafür werden aber diverse Optionen geboten, den Überhang zu justieren (Überhang (direkt/indirekt) sowie Achsabstand und effektive Tonarmlänge).

Cartridge Alignment Protractor (Produktseite auf thomann.de)

B) Tonarmwaagen, Dosenlibellen und Rohlinge

Um hinsichtlich des Auflagegewichts korrekte Ergebnisse zu erzielen, ist eine digitale Tonarmwaage nicht zwingend von Nöten. Die mitgelieferten Counter Weights der Plattenspieler sind direkt nach Ausbalancierung des Tonarms in der Regel genau genug, doch dies bleibt nur dann genau, solange man nicht (versehentlich) am Skalenrad dreht. User, die häufiger mal die Tonabnehmer wechseln möchten, sei eine digitale Tonarmwaage empfohlen, da man sich das Ausbalancieren des Tonarms schenken und somit Zeit sparen kann. Kostenpunkt je nach Ausführung 10-140 Euro, aber ernsthaft: 15 Euro tun es auf jeden Fall!

Um einen Turntable exakt horizontal ausrichten zu können, benötigt man unbedingt eine Wasserwaage. Am besten eignen sich hierfür die leicht im Netz erhältlichen Dosenlibellen, am besten direkt in drei verschiedenen Größen ordern, falls man mal wirklich an der Fertigungsqualität eines Chassis oder der Geometrie eines Plattentellers bzw. an dessen Aufhängung oder am SME-Verschluss eines Tonarmrohrs zweifeln sollte. Mit den drei unten abgebildeten „Dosen“ kann so ziemlich alles vermeintlich „Horizontale“ an einem Plattenspieler überprüft werden.

Zu guter Letzt möchte ich im Zusammenhang mit der korrekten Justage des Tonabnehmers die Anschaffung eines unbeschriebenen Vinyl-Rohlings nennen, der zur korrekten Einstellung des Antiskating-Wertes benötigt wird. Hier reicht aber auch eine einfache Leerseite einer 12-Inch-EP, wenn vorhanden. Hauptsache 12 Zoll und unbeschrieben!

Optimierung der Abtastung und Signalübertragung

Kommen wir nun zur Optimierung der Abtastung. Hierfür müssen wir uns beim Blick auf den eigentlichen Vorgang auf das Wesentliche konzentrieren und uns fragen, was da eigentlich genau passiert: Eine Diamantnadel, unter einem kardanisch gelagertem Tonarmrohr befestigt, folgt dem Verlauf einer nahezu konzentrisch geschnittenen Plattenrille, die stetig mit möglichst konstanter Drehgeschwindigkeit am System vorbeigeführt wird.

Die Abtastung ist also zunächst ein rein mechanischer Vorgang, den es gilt, so weit möglich am Ideal zu halten. So viel Auflagegewicht wie nötig, um eine Wiedergabe ohne Nadelspringen zu erhalten und so wenig Auflage wie möglich, um so wenig Abrieb bei Nadel und Vinyl zu produzieren.

Man hört an der Formulierung bereits: Dieser mechanische Vorgang ist so oder so kompromissbehaftet. Liegt die Nadel mit exakt 90 Grad auf dem Vinyl und das Headshell parallel zum Vinyl auf und ist das System nach Schoen idealtypisch justiert und die Auflage optimal eingestellt, kann das gesamte Abtastsystem nicht weiter optimiert werden. Einzig beim Abtastgegenstand, DEM VINYL, können wir etwas machen: Dafür Sorge tragen, dass es nicht verrutscht und dass es so plan auf dem Plattenteller aufliegt, wie man es sich nur vorstellen kann.

A) Platten-Pucks und Vinyl-Klemmen

Um Vinyl-Platten zu zwingen, sich gleichmäßig auf den Plattenteller zu legen, sind natürlich korrekt gefertigte Scheiben nötig. Erwischt man aber mal eine mit einem krassen Höhenschlag, kann das nicht nur zu einem ziemlich unruhigen Klangbild führen, sondern sogar zu unerwünschten Needlehoppers; ganz besonders blöd: rückführende Nadelsprünge! Doch so einem Höhenschlag oder einem wellig gefertigten Vinyl kann man recht gut entgegenwirken, indem man mit einem Plattenpuck, Plattengewicht oder einer Vinyl-Klemme arbeitet.

Idealerweise mit einem Gewicht (und auch hier scheiden sich wieder die Geister) von 250 bis 450 Gramm. Weniger lohnt sich kaum, da man nicht genügend Gewichtskraft ausübt, um die Platte niederzudrücken und mehr Gewicht kann zu Schäden an der Aufhängung des Plattentellers führen. Bei ganz krassen Welligkeiten würde ich eher den Einsatz einer Vinyl-Klemme empfehlen.

B) Hochwertige NF-Kabel und professionelle Steckverbinder

Um die Signalübertragung zu optimieren, empfehle ich, einmalig in ein gutes Kabel zu investieren. Egal, ob fertig konfektioniert oder selbst gelötet – der Aufwand lohnt sich immer. Für ein zwei Meter langes Stereo-NF-Kabel und vier qualitativ hochwertiger Cinch-Verbinder muss man mit etwa 50 Euro Materialaufwand rechnen. Für alle, die nicht selbst löten möchten, gilt etwa das Doppelte.

Sommer Cable SC-Albedo MKII HiFi-Kabel (Produktseite auf thomann.de)

Hicon HI-CM03 Red (Produktseite auf thomann.de)

Hicon HI-CM03 NTL (Produktseite auf thomann.de)

Vibrationsdämpfung und Abkopplung

Generell gilt es, den mechanischen Abtaster vor äußeren Einwirkungen zu schützen, sprich von mechanischen Schwingungen, wie Tritt- bzw. Körperschall fernzuhalten. Das erreicht man am besten mit einer wirksamen Abkopplung vom Untergrund.

A) Alternative Dämpfungsfüße

... sind eine gute Wahl. Vergangenes Jahr habe ich das Isonoe Audio Isolation System hier auf Bonedo getestet, das sich einer frei aufgehängten, innenliegenden Mittelsäule bedient. Clever, das kann wirklich was und ist mit einem Invest von rund 160 Euro hinsichtlich der Kosten überschaubar. Hier geht’s zum Test.

Ähnlich verhält es sich hinsichtlich des finanziellen Aufwands bei den Schwebedämpfern NeoLev von TritonAudio, die aber auf ein ganz anderes Konzept setzen: Basierend auf zwei sich abstoßenden Neodym-Magneten, hat der Plattenspieler gar keinen direkten Kontakt mehr mit dem Untergrund. Und: Sie nivellieren sich auch noch selbständig, heißt: Der Plattendreher steht automatisch in der Waage ohne eigene Fein-Justage. Stark! Kostenpunkt: 4 Stück etwa 160 Euro.

TritonAudio NeoLev (Produktseite auf thomann.de)

B) Individuelle Gerätebasen

Natürlich sind individuelle Gerätebasen in diesem Kontext besonders interessant. Selbstverständlich kann man auch fertige Basen im High-End-Laden kaufen oder auch online erwerben, aber die Preise, die man hierfür teilweise bezahlt, sind schon außerordentlich. Ich habe vor 5 Jahren für 2 Platten à 45 x 37 cm gute 80 Euro hingelegt. Hinzu muss man allerdings noch je vier Vollgummifüße rechnen, die noch mal mit je 20 Euro zu Buche schlagen und fertig. Pro Basis kann man also mit maximal 60 Euro rechnen. Eine Platte wiegt mit 13 kg etwa ähnlich viel wie einer der PLX-1000. Seit Verwendung der Granitplatten als Gerätebasen kann ich während der Vinyl-Wiedergabe, die in das Holzrack eingebaute 19“ Rack-Schublade öffnen und schließen, ohne dass die Nadel springt. 

C) Stabile und massive Untergründe

Grundsätzlich gilt für den Untergrund, auf dem ein Plattenspieler aufgestellt wird, dass er so massiv wie eben möglich beschaffen sein sollte. Ideal ist ein gemauerter Untergrund; Stein, Granit, Marmor, alles ist erlaubt. Beton gießen ist auch ne super Sache. Doch ist das selten alltagstauglich, die Beschwerden der Partnerin/des Partners oder zumindest die der Putzkraft sind vorprogrammiert. Und: Man benötigt für Umzüge fortan ganz sicher immer ein Umzugsunternehmen.

Nun aber Spaß beiseite. Das ist auch nicht für jede Statik etwas, so ein gemauerter Untergrund. Und in nachträglich ausgebauten Dachböden wäre ich mit so etwas eher vorsichtig und in Altbauten mit Dielendecken/Böden würde ich das mal lieber ganz lassen, weil es dort auch gar nichts bringt. Derartige Aufbauten taugen nur was in Häusern mit gemauerten Wänden und Stahlbetondecken. Liegt dann noch ein sorgfältig verlegter Trittschallschutz unter dem Parkettfußboden (besser kein Laminat!) und hat man vor, dort mindestens die nächsten 10 Jahre zu verweilen, kann man über derartige Maßnahmen nachdenken.

Aber auch ein aus massivem Holz hergestellter Untergrund kann durchaus was taugen. Schwere und steife Hölzer wie zum Beispiel Eiche oder Buche bringen genügend Eigenmasse mit und bei ausschließlicher Verwendung von 30-50 mm dicken Platten, die natürlich allesamt richtig verleimt werden müssen, kommt man so auch zum Ziel. 

D) Bitumen und Antivibrationsmatten

Wichtig ist bei hölzernen Untergründen vor allem, dass man jedweden Kontakt (also zum Beispiel den mit der Gerätebasis oder den Kontakt zum Fußboden) wieder mit einem zusätzlichen Materialübergang versieht. Also: Zwischen Gerätebasis und Untergrund gehören Vollgummifüße und zwischen dem HiFi-Möbel und dem Parkettfußboden ein ordentlicher Streifen Bautenschutzmatte (60x60cm Waschmaschinenunterlage aus dem Baumarkt für etwa 15 Euro)

Bei der Dämpfung von Vibrationen, sprich der Übertragung von Körperschall, kann man sich zudem preisgünstiger, aber dennoch sehr wirksamer Helferlein bedienen. Diverse Online-Händler vertreiben Bitumen als vorkonfektionierte Matten, die auf der Rückseite mit einer selbstklebenden Schicht versehen sind.

Mit Hilfe derartiger Matten versieht die Autoindustrie die Hohlräume in Kraftfahrzeugen, um Resonanzräume zu eliminieren und Vibrationen zu minimieren. So kann der Phonofreak sämtliche nicht sichtbare Innenwände, Rückwände usw. mit jenen Matten auskleiden, was die Masse je nach Dicke der „Fliesen“ (3, 6 oder 8 mm) erheblich vergrößern kann. Aber Vorsicht, irgendwann kann man auch das hölzerne HiFi-Möbel nicht mehr alleine anheben und schon gar nicht alleine fortbewegen ...

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