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Test
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23.01.2019

Tone 2 Gladiator 3 Test

Software-Synthesizer

Die Kampfmaschine!

Gladiatoren waren die Kämpfer des alten Roms. Die Söldner wurden zu Kampfmaschinen und Überlebenskünstlern ausgebildet, die perfekt dafür gewappnet waren, jeden Kampf zu beherrschen und in jeder Situation zu überleben. Da unterschiedliche Gegner auf die Kämpfer warteten, mussten die Gladiatoren mit allem rechnen und auf alles gefasst sein.

Ob das auch auf Tone 2 Gladiator 3 zutrifft und für jeden Kampf das richtige Schwert hat? In diesem Test finden wir es heraus!

Details

Allgemeines

Gladiator 3 gibt es für Windows im VST-Format in 32 und 64 Bit und als Standalone. Für MacOS stehen ab Version 10.5 die Formate VST und AU zur Verfügung, ebenfalls in 32 und 64 Bit. Die Vollversion von Gladiator kostet regulär 149 Euro, zum Zeitpunkt des Tests (03.01.2019) bekommt man das Plugin zusammen mit einer Sound-Expansion aber auch nur 169 Euro. Verschiedene Expansion-Packs aus den Bereichen Electronic, Dance & Trance sowie State Of Art sind jeweils für weitere 69 Euro erhältlich. 

Modernste Klangerzeugung

Besonders an Gladiator 3 sind seine zahlreichen Synthese-Möglichkeiten. Nicht weniger als 15 Formen stehen zur Verfügung, wie zum Beispiel Subtractive, Frequency Modulation, Pulse Width Modulation, Waveshaping, Super Saw, Additive Spectra usw., die fast unbegrenzt miteinander kombiniert werden können. 

Einzigartig ist aber seine Harmonic Content Morphing Klangerzeugung, kurz HCM-Synthesis genannt. Als deren Basis dienen unzählige Sounds wie Stimmen und natürliche Sounds, Waveformen und Wavetables. Deren harmonische Strukturen können mit zehn Modulen und durch 132 verschiedene Algorithmen beeinflusst werden. Hinzu kommen 18 Oszillatoren pro Stimme, 40 Filtertypen und 37 Effekte – so ist es nicht verwunderlich, dass Gladiator bereits mit mehr als 1200 Presets ausgeliefert wird. Zusätzlich gibt es für den faulen Produzenten eine Random-Funktion, die durch nur einen Mausklick völlig neue Klangwelten eröffnet. 

Gladiator 3 beinhaltet zusätzlich auch Psychoacoustic Processing. Dabei wird berücksichtigt, wie der Mensch Klang und Musik wahrnimmt. Durch ein entsprechendes Post Processing Modul entsteht mehr Transparenz und die Bässe erscheinen tiefer. Außerdem gibt es in der Oszillatoren-Sektion einen Phase Modifier, der auch digitale Wellenformen rund, weich und charaktervoll erscheinen lässt. Durch verschiedene Micro-Tuning-Modi können Akkorde leicht verstimmt werden, um sie natürlicher, fetter und klarer klingen zu lassen. 

Alleine die Fakten von Gladiator machen Eindruck. Scheinbar hat man erfolgreich versucht, so viel wie möglich in ein einziges Synthesizer-VST hineinzupacken. Die vielen klanglichen Möglichkeiten legen nahe, dass wir uns erst einmal ausgiebig die grafische Oberfläche von Gladiator anschauen.

GUI

In der Kopfzeile der GUI finden wir unter anderem die Browser-Sektion mit zwei Displays. Das eine zeigt die ausgewählte Kategorie oder Bank an, das zweite Display das jeweils ausgewählte Preset. Außerdem finden wir hier einen großen Browser-Knopf für eine noch übersichtlichere Ansicht aller zur Verfügung stehender Patches. Zudem gibt es hier die verschiedensten Preset-bezogenen Funktionen, wie zum Beispiel Load, Save oder Rename, aber auch eine Random-Funktion. Hier wird allerdings nicht zufällig aus den vorhandenen Presets ausgewählt, sondern ein komplett neuer Sound mit all seinen Parametern erschaffen. Wenn man sich bei einer Produktion zweitweise also völlig uninspiriert fühlt oder dem Ganzen einen neuen Touch geben möchte, entsteht durch Knopfdruck ein ganz neuer Sound.

Unter Settings regelt man neben der Master Volume dann auch verschiedene Klangeinstellungen. Die Stimmanzahl ist in zwölf Stufen einstellbar, genau wie die Qualität der Sounds in den vier Stufen linear, medium, very high und high-end. Wie bereits erwähnt bietet das Micro Tuning die Möglichkeit, Akkorde leicht zu verstimmen, um sie natürlicher und wärmer klingen zu lassen. Drei Modi sind wählbar: lively chords, silky chords und Just Intonation. Außerdem stellt man hier über den Knopf Editor-Size die Größe der GUI in vier Stufen ein. Das ist sehr zeitgemäß, da heutzutage sowohl an 13-Zoll-Laptops als auch an 75-Zoll-Bildschirmen gearbeitet wird. Gladiator 3 bietet somit für jedes Display-Format die richtige GUI-Größe.

Oben rechts in der Ecke wurde dann noch ein zweizeiliges Display verbaut, das den Namen und den Wert der zuletzt getätigten Einstellung anzeigt.

Parameterschlacht

Einen Stock tiefer wird es dann richtig ernst. Schon an der Anzahl der Parameter erkennt man, dass Gladiator ein Powerhouse-Synth ist, mit dem man scheinbar alles, definitiv aber sehr viel, machen kann. Die Basis sind zwei Oszillatoren, die jeweils aus zwei Wellenformen bestehen und auf verschiedene Arten kombiniert werden können. Unter Wave sucht man aus 163 Möglichkeiten einen Klangerzeuger aus. Und ähnlich wie bei der Wavetable-Synthese wird auch hier im Display darunter quasi eine Art Wellenform angezeigt, bei Gladiator ist das als multidimensionale Spektrum-Anzeige zu verstehen, die die Vorgänge im Harmonic Content Morphing optisch darstellt. Ganz oben im Display zeigt ein kleiner Cursor die momentane Position in der Wellenform an, ein Harmonic Morphing Grid sozusagen. Unter Morphmode unterhalb des Displays wird nun eigestellt, auf welche Art sich der Cursor durch die Wellenform bewegt. Das Zeichen ‘\’ steht zum Beispiel dabei für die Bewegung nach rechts, / für die Bewegung nach links. Mit dem Drehregler namens Start beeinflusst man, wo in der Wellenform der Cursor seine Reise beginnt, mit Speed logischerweise dessen Geschwindigkeit.

Oberhalb des Displays gibt es aber noch weitere wichtige Optionen, denn hier entscheidet man, wie die beiden Wellenformen des ersten Oszillators, oder eigentlich Oszillator 1 und 2 gemischt werden. Neben den verschiedenen Modulationsoptionen für jede Klangquelle einzeln (jeweils 94 Stück an der Zahl!) wählt man dann am Ende des Signalweges, wie die beiden Wellen gemischt werden. Hier kommt man immerhin auch auf 13 Möglichkeiten, und die Oszillatoren 3 und 4 mit genau den gleichen Programmieroptionen kommen dann noch hinzu. Für einfachere Sounds kann man auch nach den ersten beiden dann direkt zu Oszillator 5 wechseln, der mit weniger und ganz anderen Wellenformen einen Kontrast zu den ersten vier Oszillatoren bildet. Alle Klangquellen werden dann schlussendlich in der Mix-Sektion so in Lautstärke und Panorama kombiniert und gemischt, dass der Sound dann perfekt in die jeweilige Produktion passt.

Auch an der Sound-Sektion sieht man, was Gladiator so besonders macht. Hier stehen zum Beispiel 30 Unison-Modi und immerhin 19 Spirit-Modes zur Verfügung, um die Amplitude zu modellieren. Es ist fast so, als hätte man versucht, dem User in jedem Bereich immer mehr Optionen zu bieten, als er gewohnt ist. Und obwohl alleine die Klangerzeugung bei Gladiator schon so viele Möglichkeiten bietet, war das trotzdem noch lange nicht alles.

Denn jetzt treffen wir auf der rechten Seite der GUI noch auf viele Tools, die man von der herkömmlichen FM-Synthese kennt. Es gibt einen 16-Step-Arpeggiator, gleich zwei Filtersektionen mit jeweils 40 Filtertypen, eine Verzerrungseinheit, eine Volume-Sektion mit den Reglern für die Hüllkurve, einen eingebauten Equalizer, zwei LFOs plus einen Step-LFO, eine Glide-/Pitch-Sektion sowie eine Modulationsmatrix mit den verschiedensten Routing-Optionen.

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