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10.07.2017

Tonabnehmersysteme für Ukulele Test

Tonabnehmersysteme für Ukulele

Ukulelenpower

Eine Ukulele mit Tonabnehmer sorgt auf der Bühne für einen stressfreien Auftritt und ist für einen amtlichen Sound unumgänglich. Dazu gehört neben einem guten Instrument natürlich auch ein gutes Tonabnehmersystem. Um die Unterschiede transparent zu machen, habe ich nacheinander vier verschiedene Tonabnehmersysteme in eine Kala Scalloped Tenor-Ukulele eingebaut. Den Test zu diesem schicken Instrument könnt ihr übrigens hier lesen:  

Alle Soundbeispiele sind komplett unbearbeitet und sollen euch so völlig ungefiltert zeigen, welche Charakteristiken die einzelnen Systeme für euren Sound bieten.

Generell ist es zu empfehlen, die Installation von einem Fachmann vornehmen zu lassen. Aber wer nicht über zwei linke Hände verfügt und handwerkliches Geschick und vor allem Geduld mitbringt, der kann sich dank der stets ausführlichen Anleitungen, die mitgeliefert werden, auch selbst ans Werk machen.

 

K&K Aloha Twin

(Produktseite auf thomann.de)

Das Aloha Twin System von K&K ist ein passives Tonabnehmersystem, bei dem zwei Tongeber auf die Innenseite der Decke geklebt werden. Hierzu wird ein doppelseitiger Klebefilm mitgeliefert. Bei der Installation ist darauf zu achten, dass die Sensoren richtig platziert werden, im Idealfall nämlich direkt unter der Brücke.

Je nachdem, wo die Sensoren platziert werden, verändert sich unmittelbar der Klang. Für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bass-, Mitten- und Höhenfrequenzen ist eine Installation der Sensoren wie im oben gezeigten Bild empfehlenswert. Vergrößert man den Abstand der Sensoren zur Brückenmitte, wird es zunehmend basslastiger. So kann es schnell zu einem verzerrten Sound am Verstärker kommen, obgleich dieses System einen recht geringen Output hat, da es schließlich ohne jegliche Stromversorgung auskommt.

Besonders geeignet ist dieses System, wenn man außer der Ausgangsbuchse keine weiteren Bohrungen am Instrument vornehmen will. Bei den Piezo-Systemen der folgenden Test-Varianten muss ein kleines Loch durch den Steg gebohrt werden, um eine Verbindung vom Tonabnehmer, der unter der Stegeinlage installiert ist, in das Korpusinnere zu schaffen. Außerdem muss die Stegeinlage, wie bei "Under-Saddle-Pickups" üblich, durch Feilen in der Höhe angepasst werden - alles Arbeitsschritte, die beim K&K Aloha Twin System entfallen.

Auch für Ukulelen mit unterschiedlicher Bespannung wie z.B. 8- oder 6-saitige Instrumente ist dieses System in besonderer Weise zu empfehlen, da durch die beiden Sensoren der unterschiedliche Saitendruck, der auf die Stegeinlage wirkt und den Klang maßgeblich beeinflussen kann, kompensiert wird.

Nach der recht einfachen Installation, bei der die größte Schwierigkeit für mich die Platzierung der Sensoren war, da ich mit meinen überaus groß geratenen Händen nicht durch das Schallloch in das Korpusinnere greifen konnte, offenbarte sich ein überaus transparenter Klang.

Fazit

Detailtreue und Transparenz des Klangbildes sind absolut überzeugend. Die einzelnen Saiten werden sehr gleichmäßig abgenommen und auch perkussive Spielelemente kommen sehr präsent. Insgesamt fehlt mir etwas Wärme, aber dafür haben wir hier ein sehr "linear" wirkendes Klangbild, mit dem man am Verstärker sehr viel anfangen kann. Ich empfehle zusätzlich zu diesem System einen externen Vorverstärker mit Klangregelung, um das Signal mit dem optimalen Pegel zum Mischpult zu schicken. Wenn ihr live auftreten möchtet und nicht immer der gleiche Mischer zum Einsatz kommt, ist ein solcher Vorverstärker dringend zu empfehlen.

Bewertung: 4/5

  • Pro
  • Transparenter Klang
  • keine Nachbearbeitung der Stegeinlage
  • Contra
  • sehr wenig Ausgangspegel
  • Klang ist stark von der Positionierung der Sensoren abhängig
  • Technische Spezifikationen
  • Hersteller: K&K
  • Modell: Aloha Twin
  • Typ: Ukulele-Tonabnehmersystem
  • Herkunftsland: USA
  • Bauart: Double Sensor, passiv
  • Ladenpreis: 89,00 Euro (Juni 2017)

L.R. Baggs Five-O

Dieses System von L.R. Baggs beinhaltet eine speziell auf die Ukulele abgestimmte Version des preisgekrönten Element-Tonabnehmers. Zusätzlich ist in der Zargenbuchse ein Vorverstärker mit eingebaut, der von einer 3-Volt-Batterie gespeist wird. Außerdem wird ein Lautstärkeregler mitgeliefert, der an die Innenseite des Schalllochs geklebt werden kann.

Die Installation ist auch in diesem Fall kein Hexenwerk. Nachdem ein Loch im Stegschlitz durch die Brücke gebohrt wurde, muss der Tonabnehmer durch dieses geführt werden. Hierzu hat der Hersteller eine kleine Lasche am Ende des Tonabnehmers angebracht, an der eine dünne Schnur befestigt werden kann, mit der man den Pickup von der Korpusinnenseite nach außen zieht. Dies erleichtert die Installation ungemein, da man sich nicht mehr von der Korpusinnenseite an die Bohrung herantasten muss. Danach wird die Lasche einfach abgeschnitten und der Tonabnehmer unter der Stegeinlage platziert. Nachdem die Zargenbuchse befestigt wurde, klebt man den Batteriehalter innen an den Halsfuß und den Lautstärkeregler auf die Deckeninnenseite in die Nähe des Schalllochs.

Der Pegel ist dank des aktiven Vorverstärkers ideal. Die einzelnen Saiten werden ausgeglichen wiedergegeben. Oft wird bei einer High-G-Bespannung die hohe G-Saite leiser abgenommen, ein Umstand, den man übrigens durch eine kleine zusätzliche Einlage zwischen Tonabnehmer und Stegeinlage verbessern kann. Dazu wird einfach ein dünnes Stück Papier oder ähnliches eingelegt, um an dieser Stelle den Druck zu vergrößern und so die Saite lauter klingen zu lassen.

Fazit

Das Five-O System überzeugt mit einer natürlichen Wärme, das Sustain ist toll und alle Saiten werden differenziert abgenommen. Schnelle Strummings bilden einen schönen Teppich in der Liedbegleitung. Die zusätzliche Option, direkt am Instrument die Lautstärke zu ändern, runden das System ab und machen es zu einer sehr empfehlenswerten Variante für die Bühne. Vor allem, da die Batterie laut Hersteller über 300 Stunden hält, was ich allerdings nicht überprüfen konnte.

Bewertung: 4.5/5

  • Pro
  • Warmer natürlicher Klang
  • Einfache Installation
  • Lautstärkeregelung inklusive
  • Contra
  • Hoher Anschaffungspreis
  • Technische Spezifikationen
  • Hersteller: L.R.Baggs
  • Modell: Five.O
  • Typ: Ukulelen-Tonabnehmer
  • Herkunftsland: USA
  • Bauart: aktiv
  • Preamp: Miniatur Endpin-Preamp
  • Regler: Lautstärkeregler mit Schalllochbefestigung
  • Stromversorgung: 3 Volt Knopfzelle
  • Batterielaufzeit: über 300 Stunden
  • Unverbindliche Preisempfehlung: 261,00 Euro

Mi-Si Acoustic Trio Uke

(Produktseite auf thomann.de)

Als nächstes schickt sich der hierzulande noch relativ unbekannte US-Hersteller Mi-Si Electronics Design an, mit seinem Acoustic Trio Uke-System zu überzeugen. Analog zum L.R. Baggs-System wird die Zargenbuchse installiert, der Tonabnehmer vom Korpusinneren durch die Bohrung in der Brücke geführt und unter der Stegeinlage platziert. Der Tonabnehmer ist übrigens keine Eigenentwicklung, sonder stammt von L.R. Baggs. Ganz neu entwickelt hat die Firma dagegen einen batteriefreien Vorverstärker, der ebenfalls in der Zargenbuchse integriert ist. Dieser wird mit dem mitgelieferten Netzteil aufgeladen und soll nach 60 Sekunden Ladezeit das System bis zu 16 Stunden am Laufen halten.

Bei der Installation wird es allerdings etwas umständlich. Im Gegensatz zu dem Five.O-System wurde hier nämlich auf eine Rückhollasche am Tonabnehmer verzichtet. Deshalb muss man den sehr flexiblen, weichen Tonabnehmer von der Korpusinnenseite mit reichlich Fingerspitzengefühl nach außen durch die Brückenbohrung führen. Am besten führt man deshalb von außen eine dünne Stahlsaite durch die Bohrung für eine bessere Orientierung - übermäßig Spaß macht die Installation durch diesen Umstand allerdings nicht.

Dafür wird man mit einem großartigen Ergebnis belohnt. Das System schickt ein überaus differenziertes und warm klingendes Klangbild mit einem optimalen Pegel ans Mischpult. Eine Mischung aus Klarheit und Ausgewogenheit, die nicht kühl, sondern ganz im Gegenteil sehr wohlig und ehrlich klingt, ist das Ergebnis. Die Stegeinlage muss für eine optimale Saitenlage heruntergefeilt werden, was man einem Fachmann überlassen sollte, da die Unterseite der Stegeinlage komplett plan sein muss, um ein optimales Klangergebnis zu gewährleisten.

Tatsächlich ist auch die Handhabung mit dem Netzteil wirklich sehr clever gelöst. Nach 60 Sekunden ist das System wieder komplett geladen, schneller, als man Batterien gewechselt hätte. Hat man das Netzteil versehentlich zuhause vergessen, fällt der Gig noch lange nicht ins Wasser: Ein Stereo-Klinkenkabel und eine 9V-Batterie laden das System auch unterwegs.

Fazit

Abgesehen von der etwas nervigen Installation überzeugt das Mi-Si Acoustic Trio Uke System mit einem aufgeräumten und differenzierten Klangbild, das viel Fundament und Wärme mitbringt. Als ideale Ergänzung empfehle ich auch hier wieder einen externen Equalizer oder Vorverstärker mit Klangregelung, um den Sound perfekt an den Raum und die Bühne anzupassen.

Bewertung: 5/5

  • Pro
  • Natürlicher, warmer Klang
  • kurze Aufladezeit bei langer Spieldauer
  • gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • Contra
  • fehlende Rückhollasche am Pickupende erschwert den Einbau
  • Technische Spezifikationen
  • Hersteller: Mi-Si Electronics Design
  • Modell: Acoustic Trio Uke
  • Typ: Ukulelen-Tonabnehmer
  • Herkunftsland: USA
  • Bauart: aktiv mit L.R.Baggs Piezo-Tonabnehmer
  • Preamp: Miniatur Endpin-Preamp
  • Stromversorgung: Aufladung per Netzteil in 60 Sekunden
  • Betriebszeit mit einer Ladung: 16 Stunden
  • Ladenpreis: 189,00 Euro (Juni 2017)

B-Band U1.0 System

Zum Abschluss nehmen wir das günstigste System unter die Lupe. Mit dem U1.0 System bietet die Firma B-Band ein günstiges aktives Tonabnehmersystem speziell für die Ukulele. Der Tonabnehmer besteht aus einem flexiblen, aber sehr dünnen Material. Hierdurch wird eine nachträgliche Bearbeitung der Stegeinlage überflüssig, da sich die Saitenlage durch das System so gut wie gar nicht verändert. Auch hier erleichtert eine Rückhollasche am Tonabnehmer die Installation ungemein. Der Vorverstärker befindet sich zusammen mit der Ausgangsbuchse und dem Batteriefach in einer Einheit, was den Batteriewechsel erleichtert, da das Fach von außen zugänglich ist.

Entgegen meiner Befürchtung, dass das System deutlich schwerer sein könnte als die anderen, werde ich nach dem Auspacken eines Besseren belehrt. Trotz des klobigen Anblicks ist kein deutlicher Unterschied zu den anderen Systemen zu spüren.

Fazit

Der Klang ist sehr aufgeräumt und auch der Pegel stimmt. Keine Nebengeräusche sind wahrzunehmen und das Signal kommt recht transparent daher. Allerdings klingt es doch etwas kühler als bei den anderen Systemen, aber mit einem guten Equalizer sollte man auch hier zu einem professionellem Ergebnis kommen. Durch den unschlagbar günstigen Preis ergibt eine nachträgliche Tonabnehmer-Installation auch bei weniger hochpreisigen Instrumenten einen wirtschaftlichen Sinn. Wegen der einfachen Installation und dem durchweg guten Klangergebnis empfehle ich dieses System jedem Spieler, der eine gute und preisgünstige Lösung für seine Ukulele sucht.

Bewertung: 4/5

  • Pro
  • günstiger Preis
  • keine Nachbearbeitung der Stegeinlage nötig
  • Contra
  • sehr kühler Klang
  • Technische Spezifikationen
  • Hersteller: B-Band
  • Modell: U1.0 Ukulele Pickup Set
  • Typ: Ukulelen-Tonabnehmer
  • Herkunftsland: USA
  • Bauart: aktiv
  • Preamp: HZZLess low-noise / high output
  • Einbau: Endpin-Preamp mit Batteriefach und Buchse für Zargeneinbau
  • Stromversorgung: 2 x 3 Volt Knopfzellen
  • Ladenpreis: 89,00 Euro (Juni 2017)

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