Gitarre Hersteller_Thomann
Test
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03.04.2019

Praxis

Der erste Eindruck der Thomann Classica Fusion 3BK CW Slim: Ist die aber dünn! Ist die aber leicht! Ist man eine normal große Klassikgitarre gewohnt, ist die Handhabung der Fusion Slim ungeheuer bequem, wobei sie mir sogar eher zu leicht ist. Das ist jedoch reine Geschmackssache - ein Kollege war völlig begeistert von dem geringen Gewicht.

An die Handhabung des Stimmgerätes musste ich mich gewöhnen, ich konnte dann aber sehr gut damit arbeiten. Zwei rote LEDs zeigen an, ob der Ton zu niedrig oder zu hoch ist, nicht aber, wie weit er noch von der korrekten Stimmung entfernt ist. Die blaue LED für "stimmt" blitzt dann nur in einem sehr engen Bereich auf, was ja eigentlich gut ist, denn der so gestimmte Ton stimmt dann auch wirklich. In der Praxis wird man ein paar Mal hin und her drehen, bis man die richtige Note erwischt hat.

Der Grundsound ist leise, aber überraschend füllig. Hier haben die Konstrukteure offensichtlich die Lautstärke zugunsten des Klangs gezügelt, wofür die kräftigen Deckenleisten verantwortlich sein dürften. Natürlich fehlen die Bässe, aber es fällt nicht auf, denn die Mitten dominieren nicht den Klang.

Das Timbre liegt irgendwo zwischen Klassikton und Folksound, wobei der Folkanteil eher überwiegt. Dafür ist die ordentlich ausgeprägte Attack der Gitarre verantwortlich. Stile wie Bossa Nova oder Flamenco kommen damit richtig gut, wobei speziell der Flamenco überraschend authentisch daher kommt. Wen wundert's, sind doch die echten Flamenco-Kisten ebenfalls etwas kleiner und ebenfalls federleicht.

Dann verträgt die Classica Fusion auch eine deutlich niedrigere Saitenlage - sie ist ab Werk auf einen klassiktypischen Wert eingestellt. Folkgitarristen werden sich darüber freuen, und da die Dynamik durch die gesperrte Decke eh eingeschränkt ist, kann man auf die kompromisslos hohe Saitenlage auch verzichten. Klassik und Klassikähnliches funktionieren natürlich dennoch, sind aber nicht die Kernkompetenz der Gitarre. Man sollte vielleicht eher Klassik-Fake dazu sagen, aber im entsprechenden Umfeld funktioniert auch das hervorragend!

Der Pickup liefert erwartungsgemäß einen vergleichsweise authentischen Ton, der jedoch ein deutliches Piezo-Timbre aufweist. Dieses Timbre tritt in den Hintergrund, wenn man den Presence-Regler zurückdreht - gerne auch bis zum Anschlag. Dann erhält man einen einwandfrei einsetzbaren Nylonton, der viele teure und akustisch sicherlich wunderbare Gitarren in den Schatten stellt. Die XLR-Buchse unterstreicht dabei den professionellen Anspruch.

So schön diese Elektronik ist und so sauber sie funktioniert, hätte sie doch sorgfältiger verlegt werden müssen, denn manche Kabel berühren die Decke oder den Boden und geben dann ein schepperndes Geräusch von sich.

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