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Test
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22.06.2019

Thenatan X-Eight Test

Bass-Plugin

Der Bass-Fallout

Die Basssounds der legendären 808 von Roland sind aus vielen Musikstilen nicht mehr wegzudenken. Oft werden Sub-Bässe zusätzlich verzerrt, damit sie auch auf kleinen Lautsprechern zu hören sind. Im Trap hat sich diese Technik zum Stilmittel entwickelt. Wer also Trap-Musik macht, braucht früher oder später verzerrte Sub-Basssounds, denn die hört man zurzeit einfach in jedem Song des Genres.

Allzu viele Sounds gibt es dafür noch nicht. Wer nicht selbst Hand anlegen möchte, konnte bisher höchstens auf Rob Papens Raw Kick zurückgreifen. Mit X-Eight schließt der aufstrebende Plugin-Produzent Thenatan nun diese Lücke. Nach seinen beiden Drum-Romplern Trapstar und Trax, die sich ebenfalls besonders an Trap-, Hip-Hop-Produzenten richteten, dreht sich bei seinem neuesten Plugin alles um Basssounds und Distortion.

Details + Praxis

Allgemeines

X-Eight gibt es für Windows und MacOS ohne Versionsbeschränkung in den Formaten AU, VST und VST3. Nach dem Kauf auf der Herstellerwebseite erhält man per Mail einen Downloadlink und kann das 2,62 GB große Plug-in herunterladen. Installiert werden muss nichts, der entpackte Ordner muss lediglich in den entsprechenden Plugin-Ordner kopiert werden. 

Übersichtliches GUI

Das GUI ist übersichtlich, allzu viele Funktionen mussten ja auch nicht untergebracht werden. Optisch erinnert alles an altes Militärequipment und damit auch an die Computerspiele der Fallout-Serie. Eine schöne Abwechslung zu den oft steril wirkenden GUIs anderer Plugins.

Ganz oben wählt man das Preset, die Bank stellt man etwas weiter unten, unter Expansion ein. Die räumliche Trennung der beiden Displays ist etwas unpraktisch, aber man gewöhnt sich nach kurzer Zeit daran. Es gibt übrigens zehn Bänke: Aggressive, Bangerz, Bloodgem, Deepflow, Distorted, Kicker, Legendary, Noiza, Smoke und Wierd. So kommt man auf über 1000 Presets, das ist durchaus amtlich für ein Plugin, das nur verzerrte Basssounds kann.

Darunter ermöglicht die Amp-Sektion das Anheben von Höhen und Tiefen, während es daneben noch eine LFO-Sektion mit Reglern für Rate und Depth gibt. Als Quelle kann das Mod-Wheel, Aftertouch oder Velocity gewählt werden. Euch stehen außerdem fünf Wellenformen zur Verfügung: Triangle, Sinus, Saw, Square und Exponent. Unter Destination wählt ihr schließlich den zu verändernden Parameter aus: entweder Pitch, Expression oder Pan.     

Die nächste Sektion beschäftigt sich mit der Hüllkurve: Attack, Decay, Sustain sowie Release. Bei Hip-Hop-Beats ist das besonders wichtig. So kann der Bass zum einen leicht verzögert einsetzen und damit der Kick Platz machen, zum anderen kann sein Ausklingen perfekt mit der folgenden Snare abgestimmt werden. Ist die Release-Trigger-Decay-Funktion aktiviert, wird der Sound erst beim Loslassen der Taste abgespielt.

Ganz unten im Display findet sich noch ein kleines Keyboard mit insgesamt vier Oktaven zum Anspielen von Sounds, falls ihr gerade kein Keyboard oder Controller zur Hand habt. Das ist durchaus praktisch, ich sehe immer wieder Trap-Produzenten, die sich bei der Arbeit auf ihren Laptop und das FL-Studio beschränken. Daneben gibt es zwei Regler, einen für Glide (Poly, Mono, Legato) und einen für das Tuning. Bis zu 200 Cents kann der Sound in beide Richtungen verstimmt werden.

Bleiben noch die drei Regler am unteren Rand des GUIs für Filter, Volume und Reverb. Letzeren kann ich nicht nachvollziehen, denn bei elektronischer Musik im Generellen wird man wahrscheinlich niemals auf die Idee kommen, dem Bass Hall beizumischen. Vielleicht richtet sich dieses Feature eher an Film- und Media-Composer.

Sound: von brachial bis verrückt

Auch klanglich fühlt man sich bei X-Eight wieder an die Soundwelten des Computerspiels Fall Out erinnert. Viele Sounds sind hart und kompromisslos verzerrt, so soll das sein – was uns direkt zur ersten Expansion namens Aggressive führt. Gleich die ersten beiden Beispiele könnten auch von Flers neuem Album stammen und passen daher perfekt in die Klangwelt des Traps. Das dritte Beispiel gehört hingegen eher auf ein Hardstyle-Techno-Album.       

VORSICHT: Die Sounds aus dieser Expansion sind sehr laut!

Dann folgen zwei Beispiele aus der Expansion Bangerz. Hier geht es schon etwas gesitteter zu, denn die Distortion wurde hier etwas dezenter eingesetzt. Beim zweiten Beispiel kommt auch der eingebaute LFO zur Geltung, er moduliert den Pitch des Sounds.

Nun drei Beispiele aus der Expansion Kicker. Hier wurde zum Sub-Basssound eine Kick hinzugemischt. Somit erspart man sich die tontechnische Arbeit, die Kick am Basssound vorbeizuschmuggeln. Solche Sounds werden im Trap immer wieder benutzt, gut also, dass diese Expansion mit 200 Presets besonders groß ist.

Die folgenden beiden Sounds stammen aus der Expansion Legendary. Hier wurde die Verzerrung noch einmal etwas heruntergedreht, was zu einem runden Bass mit subtilem Brummen führt.

Zum Schluss noch drei Beispiele aus der Expansion Wierd. Passender könnte dieser Name übrigens nicht sein.

Fazit

X-Eight von Thenatan ist eigentlich ein Sub-Bass-Rompler und damit besonders für Trap-Produzenten interessant. Die mehr als 1000 Presets, von denen sehr viele gut in Beats und anderen Produktionen einsetzbar sind, klingen wirklich gut und meistens schön brutal. Bei manchen Presets ist durch die Verzerrung nicht mehr allzu viel Sub-Bass übrig. Das Problem lässt sich aber leicht lösen, indem man einfach einen zweiten Subbass, wie man ihn zum Beispiel in Rob Papens Sub Boom Bass findet, darunter mixt. Der Hall erschließt sich mir nicht ganz, gerade bei Trap-Beats wird man den garantiert nicht brauchen, und genau dafür wurde X-Eight ja hauptsächlich konzipiert. Ich hätte mir noch gewünscht, dass man die Verzerrung beeinflussen kann und dass sich die Range des Pitch-Wheels einstellen lässt, das wäre für individuelle Glides bei Trap-Beats durchaus sinnvoll. Alles in Allem ist X-Eight für eine spezielle Klientel aber äußerst wertvoll. 

www.sellfy.com/thenatan

  • Pro
  • riesige Auswahl an Presets, über 1000 Stück in zehn Bänken
  • gute Sounds – von zart bis hart, genau das Richtige für Trap-Beats
  • Hüllkurvenkontrolle
  • geringer Anschaffungspreis
  • Contra
  • Reverb ist unnötig
  • Controls für Verzerrung und Pitch-Range wären sinnvoller gewesen
  • Features
  • Mehr als 1000 808- und Sub-Bass-Presets
  • Alle Samples in 24 Bit und 48 kHz
  • ADSR-Envelopes
  • Ein LFO
  • Reverb
  • Glide-Funktion
  • Amp-Sektion in Low und High unterteilt
  • Ein Filter
  • Fine Tune Pitch, 200 Cents auf- und abwärts
  • Systemanforderungen:
  • MacOS und Windows: ohne Versionsbeschränkung in den Formaten AU, VST und VST3, keine Installation nötig
  • Preis
  • Thenatan X-Eight: 36 bis 60 USD (Straßenpreis am 27.06.2019)

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