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24.03.2021

The t.bone Lucan System Complete Bundle Test

Lucan CC 200 RC Miniatur-Instrumentenmikrofon mit Schwanenhals

Schwanenhals mit Nehmerqualitäten

Das t.bone Lucan System CC 200 Mikrofonsystem ist ein Clip-Mikrofon zur Instrumentenabnahme aus dem Hause Thomann. Das Lucan System ist die Weiterentwicklung des t.bone Ovid System, dass schon im Test überzeugen konnte. Umso mehr waren wir auf den Nachfolger gespannt!

Details

Minaturmikro mit verschiedenen Clips

Das the t.bone Lucan System CC 200 ist ein Clip-Mikrofon, speziell für die Direktabnahme von Instrumenten. Es besteht aus einem Miniatur-Kondensatormikrofon, dem Lucan System CC 200 RC und sechs verschiedenen Mikro-Halterungen, mit denen sich das Lucan an verschiedensten Instrumenten anbringen lässt. Es gibt je einen Halter für Saiten-, Streich- und Blasinstrumente, einen Piano-Halter, einen Multifunktionshalter und einen Halter für Stative mit 5/8“-Mikrofonstativgewinde.

Clip-Mikrofone zur Direktabnahme von Instrumenten gibt es viele, allerdings sind diese Systeme meist für eine bestimmte Instrumentengruppe konzipiert. Und sie gehören als Spezialisten eher zu den hochpreisigen Mikrofonen – als bekanntes Beispiel wären hier die DPA-Systeme für Streichinstrumente zu nennen. Ganz anders sieht es beim Lucan System CC 200 aus: Diese Miniatur-Kondensatormikrofon lässt sich, dank der zahlreichen Halterungen, an ganz unterschiedlichen Instrumenten einsetzen und geht zudem für einen äußerst günstigen Kurs über die Ladentheke!

Der Ovid-Nachfolger

Das t.bone Lucan System CC 200 ist der Nachfolger des t.bone Ovid Systems CC 100, das Nick Mavridis schon einem intensiven Test unterzogen hat. Es gehört zu den spannendsten Aufgaben als bonedo-Autor, wenn man Nachfolgeprodukte zum Testen zugeschickt bekommen! Denn neben der Frage „was hat sich geändert?“, ist es äußerst interessant zu untersuchen, inwieweit die Hersteller auf Kritik am eigenen Produkt reagiert haben!

Aufbau des Lucan-Mikrofonsystems

Das t.bone Lucan System CC 200 besteht aus drei Bauteilen: aus dem Miniatur-Kondensatormikrofon mit Schwanenhals, dem Lucan CC 200 RC, dem externen Phantomspeiseadapter CC 200 PA, und den sechs Mikrofonhaltern. Erwerben kann man das Lucan System als Komplettset mit allen sechs Haltern oder als Einzelset, bestehend aus dem CC 200 RC Mikrofon und einer Instrumenten-spezifischen Halterung. Alle Varianten werden in einem Hardcase geliefert, das für alle Zubehörteile passenden Aussparungen aufweist. Zusätzlich sind alle Einzelteile des Lucan Systems einzeln erhältlich.

Das Lucan System CC 200 RC

Das eigentliche Mikrofon des Lucan System CC 200 RC sitzt auf einem zwölf Zentimeter langem Schwanenhals. Dieser hat einen Biegeradius von etwa drei Zentimetern. Verbiegt man den Schwanenhals nicht über diesen Radius hinaus, behält das Mikrofon zuverlässig seine Position. Ob und inwieweit dieser Biege-Mechanismus mit der Zeit ausleiert, lässt sich schlecht vorhersehen. Im Test zum Ovid-System hat sich der t.bone-Schwanenhals aber als recht langlebig herausgestellt, für das Lucan System dürfte also ähnliches gelten.

Das kleine Mikrofongehäuse steckt in einer Schaumstoffumhüllung, die als Windschutz und zur Schwingungsentkopplung gleichermaßen sorgen soll: Die Mikrofonkapsel hat – außer dem kurzen Anschlusskabel – keine direkte mechanische Verbindung mit dem Schwanenhals. Gehalten wird das Mikrofon lediglich durch die zwei Plastikringe, die in entsprechende Aussparungen in der Schaumstoffumhüllung greifen.

Das Mikrofon im Detail

Im Lucan System CC 200 RC arbeitet eine kleine Back-Elektret Kondensatorkapsel. Schaut man sich das Gehäuse genauer an, erkennt man hinter der Kapsel seitliche Öffnungen, sogenannte Interferenzöffnungen. Diese dienen zur Etablierung einer Richtcharakteristik, laut t.bone besitzt das Lucan System CC 200 RC eine Nierencharakteristik. Der Mikrofonkörper selbst ist etwa sechs Zentimeter lang, mit Windschutz und herausragendem Kabel kommt man auf eine Gesamtlänge von etwa neun Zentimetern. Der Durchmesser beträgt etwa zweieinhalb Zentimetern. Damit ist das Mikrofon zwar immer noch klein, aber „unsichtbar“ lässt es sich am Instrument bei diesen Abmessungen nicht anbringen.

Das Anschlusskabel ist austauschbar, mikrofonseitig wird es mit einem Miniklinkenstecker angeschlossen, der eine Schraubverriegelung besitzt. Ausgangseitig besitzt das Lucan einen Mini-XLR-Stecker, ebenfalls mit einer Arretierung. Damit reagiert t.bone auf einen der größten Kritikpunkte beim Ovid-System, wo das fest verbaute Kabel vor allem durch Nebengeräusche und Ausfälle auf sich aufmerksam gemacht hat. Das Lucan Systems CC 200 CA Kabel, ist zusätzlich als sehr günstiges Ersatzteil im Thomann-Shop erhältlich. Mit zwei Metern Länge ist das Kabel ausreichend lang für die allermeisten Anwendungen. Für manchen eventuell sogar zu lang, aber dafür gibt’s ja Abhilfe in Form von Kabelclips oder Kabelbindern. Meine Meinung: Besser ab und an zu lang als ständig zu kurz.

Der Phantomspeise-Adapter

Wie jedes Kondensatormikrofon, benötigt auch das Lucan System CC 200 RC eine Speisespannung. Im Normalfall beträgt diese Spannung 48 Volt und wird über das XLR-Kabel vom Mischpult oder der Mikrofonvorstufe geliefert. Beim Lucan System benötigt man zum Betrieb am Kabel allerdings einen speziellen Speiseadapter, den CC 200 PA Adapter. Dieser Adapter erfüllt mehrere Aufgaben: Zum einen transformiert er die Phantomspeisung von +48 Volt auf +8 Volt herunter, mehr benötigt das Lucan System CC 200 RC nicht an Spannung. Weil das Mikrofon mit nur acht Volt auskommt, kann man es an einem batteriebetriebenen Taschensender betreiben, wobei das Lucan System kompatibel zu den gängigen Shure- und Sennheiser-Sendeanlagen ist (im Senderbetrieb wird der Speisadapter nicht benötigt). Verwendet man das Lucan kabelgebunden direkt am Mischpult, übernimmt der Adapter zusätzlich die Adaptierung vom Mini-XLR auf den normalen XLR-Anschluss und eine Impedanzwandlung.

Die Mikrofonhalter

Bei den Mikrofonhaltern des Lucan System CC 200 besteht der offensichtlichste Unterschied zum Vorgänger, dem Ovid System: Die neuen haben mit dem alten System wenig bis gar nichts gemeinsam. Sie sind durchweg aus massivem Aluminium gefertigt, die Mikrofonklemme für das Schwanenhalsmikrofon besteht aus einer geführten Parallelklemmung mit Schraubverschluss. Beim Vorgänger musste man hier noch auf eine einfache Plastikklemme vertrauen, bei den Lucan Haltern ist sogar der Kopf der Feststellschraube aus Metall! Zum Schutz der Instrumente sind alle Halter an den Kontaktpunkten mit Gummiauflagen versehen.

Es wurden aber noch weitere Kritikpunkte an den Vorgängermodellen aus der Welt geschafft. Der Klavierhalter CC 200 PH besitzt nun eine Magnetbefestigung (anstatt den selbstklebenden Pads beim Ovid), mit dem der Halter am Stahlrahmen eines Upright-Pianos oder eines Flügels befestigt werden kann. Auf einen speziellen Cello/Kontrabass-Halter, der hinterm Steg zwischen die Saiten geklemmt wird, verzichtet t.bone beim Lucan System. Dafür gibt es einen universellen Klemm-Halter, den CC 200 MH, der klein genug ist, um ihn an einem Cello- oder Bass-Steg zu befestigen.

Am deutlichsten wird die Verbesserung aber beim Gitarrenhalter CC 200 GH sichtbar: Wo man beim Ovid System noch mit einem langen, überstehenden Schiebeschlitten leben musste, lässt sich die Öffnungsweite beim Lucan-Halter mit einem ineinander laufenden Schlitten im Bereich von 73 bis 120 mm einstellen und mit einer dicken Schraube festziehen. Erst dann greift der eigentliche Klemmmechanismus – wieder eine Parallelklemmung, wieder bolzengeführt – mit dem großen Vorteil, dass hier nichts mehr übersteht.

Auch beim Violinen-Halter CC 200 VH wurde auf den überstehenden Schlitten verzichtet, die Öffnung der Klemmbacken lässt sich zwischen 35 bis 55 mm einstellen. Der Klarinetten- und Flötenhalter CC 200 CH besitz ein sehr langes Klettband und eine rutschfeste Gummiauflage. Vervollständigt wird die Halter-Riege durch den Stativhalter CC 200 SH, mit dem sich das Lucan Mikrofon auf einem Mikrofonstativ befestigen lässt. Im Lieferumfang ist das Reduziergewinde vom 5/8“-Gewinde auf das hier gängige 3/8“-Gewinde allerdings nicht enthalten. Insgesamt machen die Halter einen sehr guten Eindruck! Chapeau an die Konstrukteure von t.bone, hier wurde insgesamt sehr praxisnah entwickelt!

Lediglich der kleine Aluminiumring im Lieferumfang sorgte anfangs für Kopfkratzen, aber irgendwann hatten wir die Eingebung: Mit dem Ring kann man den Plastikclip am Speiseadapter ersetzen, falls man diesen nicht benötigt. Dazu muss das XLR-Gehäuse des Adapters abgeschraubt werden. Dass der Ring letztlich etwas zu groß ist, nehmen wir man so hin – viel Nutzen hat er eh nicht.

Werte-Interpretation

Die technischen Angaben, die t.bone im Datenblatt zum Lucan System CC liefert sind… naja, nenne wir es mal: ausbaufähig. Der Frequenzgang wird mit seinen Eckfrequenzen von 30 Hz bis 20000 Hz angegeben, aber viel interessanter wäre natürlich zu sehen, was genau zwischen diesen Werten abgeht. Aussagekräftiger ist da schon die Angabe zum maximalen Schalldruck: 152 dB SPL! Das ist ein sehr guter Wert für ein Kondensatormikrofon, man kann also echte Nehmerqualitäten vom Lucan CC 200 RC erwarten. Es sollte zum Beispiel den Schalldruck einer Trompete oder einer Snare-Drum locker wegstecken. Die Mikrofonempfindlichkeit ist dann wieder eher gering, aber das bedeutet ebenfalls, dass man das Lucan auch an lauten Instrumenten nutzen kann, ohne Angst zu haben, die Vorstufe zu überfahren.

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