Gear_DJ-Controller Hersteller_Behringer
Test
5
11.07.2013

Gesamtfazit
(4 / 5)

Da steht sie nun im Bonedo-Testlabor, die brandneue CMD-Serie von Behringer. Und was wurde im Vorfeld in den einschlägigen Foren nicht schon alles gepostet. Von überschwänglicher Game-Changer-Metaphorik bis hin zu furiosem Forward-Bashing war da so ziemlich jedes Statement vertreten, das in Zeiten freier Meinungsäußerung möglich ist. Unser Eindruck ist, dass die Controller und ihre Bedienelemente zum einen im Großen und Ganzen gut gelungen sind, zum anderen in ihren jeweiligen Einsatzbereichen überzeugen können. Potis und Fader zählen dabei in Bezug auf ihre Haptik zu den Leistungsträgern, die Wertung für die Taster leidet primär unter dem stellenweise etwas zu stramm angesetzten Druckpunkt. Bei Sektionen, die vornehmlich für das Schalten von Funktionen dienen, ist das durchaus angebracht. Zum Beispiel bei der Navigationsabteilung des DC-1 oder den übergreifend verbauten Funktionstastern. Bei schnellen Trigger-Aktionen, für die sich speziell die Pad-Matrix-Bereiche des LC-1 und des DC-1 empfehlen, sollte man dagegen nicht mit der Bespielbarkeit eines NI Kontrol F1 (Test hier) oder eines Ableton Push (Test hier) rechnen. Was die weitere haptische und mechanische Qualität angeht, verweisen wir an dieser Stelle auf den Einzelpunkt Build Quality, wo wir uns ausgiebig dem Außen- und Innenleben der Controller widmen. Was aber beim Blick in die Eingeweide sofort klar wird: Behringer hat hier sehr effizient und (an den richtigen Stellen) kostensparend gearbeitet (Stichwort: Eigenkomponenten und Ein-Platinen-Design).

Und wie schlagen sich die Module im aktuellen Marktumfeld? Fangen wir mit dem „kleinsten“ Mitglied der CMD-Serie an, nämlich dem CMD Micro. Zu einem derzeit konkurrenzlos günstigen Preis liefert er die basalen Bedienelemente, die man zum Mischen zweier Audiodateien am Rechner (oder iPad) braucht. Leider wurde ihm keine integrierte Soundkarte spendiert, sodass man hier immer über die „Bande“ eines externen Audiointerfaces spielen muss.

Ein sehr eigenständiges Konzept wurde dagegen beim MM-1 realisiert, der quasi einen Vierkanal-DJ-Mischer mit Powered-Hub umsetzt, allerdings ohne Soundkarte. Als Einzelkomponente ist so etwas derzeit tatsächlich nicht erhältlich, denn die meisten „Vierkanal-DJ-Controller“ kommen inklusive Interface und Jogwheel-Einheit, wie etwa der Traktor S4 von NI (Test hier). Und wo wir schon beim Thema „Jogwheels“ sind, kommt natürlich der Deck-Controller PL-1 ins Spiel, der sich dann auch direkt ans Hub anschließen ließe.

An dieser Stelle lohnt es sich, auch mal auf die Gesamtsystemkosten zu schauen. Der derzeitige Verkaufspreis der Module liegt pro Stück bei Budget-schonenden 129,- Euro (ausgenommen CMD Micro mit 59,- Euro). Addiert man allerdings nur drei Stück (beispielsweise zwei PL-1 plus MM-1), landet man entsprechend bei 387,- Euro und ist bereits in der Preis- und Qualitätsklasse, in der auch ein American Audio VMS4.1 rangiert. Die Behringer-Serie ist also beileibe keine Preisrevolution, sondern im Großen und Ganzen angemessen kalkuliert.

Doch im Praxistest wurden wir Tester zunächst einmal durch die derzeit (noch) eklatante Unterversorgung mit fertigen Mappings für die einschlägigen DAWs und Digital-DJing-Systeme etwas abgeschreckt – strammes Timing beim Verkaufsstart hin oder her. Das wird besonders beim LC-1 deutlich, der sich idealerweise für die Kontrolle von Ableton Live empfiehlt, dem man aber – im Gegensatz zu den anderen Geräten der Serie, die man als pfiffiger Anwender noch weitgehend selber gemappt bekommt – zwingend ein entsprechendes Python-Script unterschieben muss. In Bezug auf ihre MIDI-Implementierung und Funktionalität arbeiten die Behringer-Controller indes tadellos. Eine entsprechende Zuweisungstabelle lässt sich wirklich zügig zusammenklicken, was insbesondere dadurch befördert wird, dass die Rückgabewerte für die LED-Steuerung (soweit wir das getestet haben) konsequent auf der gleichen CC-Nummer liegen, wie die der Ausgabe – sehr gut.

Was am CMD-Konzept natürlich besticht, ist die Tatsache, dass hier auf einfachste Weise ein Wunschsystem zusammenstellbar ist, und zwar mit genau den Komponenten und in der Anordnung, wie man sie braucht. Die integrierte Metalllasche, die an der Rückseite jedes Moduls angebracht ist und die Verbindung mehrerer Einheiten ermöglicht, verdient an dieser Stelle einen halben Extrapunkt für angewandte Cleverness. Ebenfalls positiv zu vermerken: das überwiegend großzügige Platzangebot auf der Faceplate der Module. Das in Verbindung mit der Hintergrundbeleuchtung (teilweise mehrfarbig) aller Taster sorgt über weite Strecken für einen guten Bedienkomfort. Hätte man den Potenziometer-Kappen noch den Hauch einer Riffelung und den Tastern ein wenig mehr Kooperationsbereitschaft mit auf den Weg gegeben, hätte es bei vielen der Module – so denn der Hersteller noch die notwendigen Mappings nachliefert – auch für mehr gereicht. Ihre vier Punkte hat sich die Serie in der Summe dennoch redlich verdient. Allerdings ist der vierte Stern ein wenig vom Zerfall bedroht, so wie ein Higgs-Boson-Partikel am Ende des Teilchenbeschleunigers. Und während für sein Überleben allein die Gesetze der Quantenphysik verantwortlich sind, hängt im Fall der CMD-Serie alles an der „Langlebigkeit“ der Module und der Publizierung von Mappings, Firmware und einer guten Editor-Software seitens der Firma Behringer.

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