Software iOS Keyboards
Test
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01.10.2019

Praxis

Wie klingt der OP-Z?

Obwohl das Gerät aufgrund seiner Sample Import-/Sampling-Funktionalität prinzipiell eine stilistische Wandlungsfähigkeit besitzt, ist der Grundcharakter, der mir vom OP-1 vertraut ist, allgegenwärtig. Die folgenden Audiobeispiele sind ausschließlich mit dem OP-Z entstanden, wobei vielfach die zur Verfügung stehenden Effekte und Sequenzer-induzierten Verfremdungen genutzt wurden. Bei der Präsentation verschiedener Soundkategorien (z. B. Synth Bass) wurden teilweise weitere Spuren als musikalischer Kontext verwendet.

Im finalen Audiobeispiel hört man im zweitaktigen Wechsel eine mehrspurige Sequenz ohne und mit den verschiedenen Punch-In FX, die im Performance Track aufgenommen werden können. Zusammenfassend kann man sagen, dass sich mit dem kleinen grauen Kasten absolut druckvoll und gut klingende Ergebnisse erzielen lassen. Selbst die Aufnahme mit dem eingebauten Mikrofon ist durchaus brauchbar, wenn man die Samples entsprechend sauber schneidet. Der eingebaute Lautsprecher klingt allerdings etwas notdürftig und zerrt schnell, was nicht besonders überrascht. Die Verwendung externer Monitore oder eines Kopfhörers ist somit quasi zwingend geboten. Hierzu ist allerdings anzumerken, dass der ebenfalls ziemlich kompakte Speaker des OP-1 einen spürbar höheren Nutzwert hat. 

Synth Engines vs. Sound Design

Wer mit dem OP-1 vertraut ist, wird möglicherweise etwas enttäuscht sein. Obwohl (überwiegend) identische Synth Engines (Bow, Cluster, Digital, Electric, Saw, Shade, Sample, Uranus) verwendet werden, sind die Möglichkeiten des gezielten Zugriffs spürbar dezimiert. So gibt es zusätzlich zu ADSR-Hüllkurve, Filter und LFO lediglich zwei Engine-spezifische Parameter. Das kann man meinetwegen als ausreichend bezeichnen – beim OP-1 empfand ich dies als deutlich GEILER, inklusive der teilweise drastischen Auswirkungen auf das Sound Design durch die internen Effekte, die beim OP-Z mit dem derzeitigen Betriebssystem konservativer ausfallen. Man darf auf kommende Updates gespannt sein.

 

Sequenzer

Der 16-Spur-Sequenzer ist definitiv das Herzstück und die Stärke des OP-Z. Acht Instrumentenspuren (Kick, Snare, Percussion, Sampler, Bass, Lead, Arpeggio, Chords) stehen zum Step Programming oder wahlweise Realtime Recording zur Verfügung. Die verbleibenden acht Spuren (FX1, FX2, Tape, Master, Performance, Module, Light, Motion) dienen generell der Steuerung visueller Sequenzen sowie dem breit geschnürten Paket der – ich nenne sie mal – musikalischen Performance-Effekte, die auch in den Audiobeispielen vielfach zu hören sind. Letzteres ist der Clou des OP-Z. Punch-In FX, Step Components, Parameter Locks sowie Tonhöhen-/Soundvariationen auf der Masterspur und Tape FX sind definitiv ein luxuriöser Werkzeugkasten, der eine abwechslungsreiche und zeitgemäße Beat-Produktion gewährleistet.

Die methodische Auflistung sämtlicher Details ist in der Anleitung einsehbar. Zusammenfassend und etwas vereinfacht kann man die Funktionsweise der Step Components, Parameter Locks und Punch-In FX aber vielleicht folgendermaßen beschreiben: Audioeffekte, musikalische Variationen wie Fills oder tonale Licks sowie einzelne Soundparameter können wahlweise je Step, Spur oder auch Gruppe (z. B. Drums, Synths, Master) vom Sequenzer gesteuert (teilweise auch live performt) werden. Als sehr sinnvoll empfinde ich hierbei verschiedene Step Component Optionen, die programmierte Ereignisse auf einzelnen Steps wiederum variieren (random, jeder x-te Ablauf des Patterns), wodurch das Pattern lebendig wird. Weitere Kern-Features sind die Fähigkeit zur Polyrhythmik und das Anlegen von Pattern Chains. Je Project lassen sich 32-gliedrige Abläufe aus bis zu 16 Patterns arrangieren, womit durchaus komplexe Songstrukturen möglich sind. Nach diversen Kritikpunkten im Vergleich mit dem OP-1 muss man an dieser Stelle ganz klar sagen, dass der OP-Z diesem in der Disziplin Sequencing haushoch überlegen ist!

Als Musiker/Engineer sind die grafischen Möglichkeiten für mich von untergeordnetem Interesse. Das Betrachten von Bildfolgen, Animationen und Lichtsteuerungen (mit optionalem Zubehör) ist vielleicht ganz lustig, aber wenn ich die Wahl hätte, würde ich zusätzliche Instrumentenspuren definitiv bevorzugen.

 

Haptik und Workflow

In der Summe ist der OP-Z also mit einer Funktionsvielfalt gesegnet, die dem Anwender eine Vielzahl von Möglichkeiten bereitstellt – auf engem Raum wohlgemerkt. Was der eine als das Tor zur Kreativität bewertet, ist für den anderen vielleicht nur ein Türspalt. So wird in einschlägigen Foren und Rezensionen kontrovers diskutiert, ob es sinnvoller ist, den OP-Z mit oder ohne den Touchscreen eines gekoppelten iOS Geräts zu bedienen. Meine Bewertung hierzu ist, dass ein Auswendiglernen von Farbcodierungen, welche die Funktion der Encoder definieren, schon etwas unübersichtlich und für mein Empfinden nicht zeitgemäß ist. Gleiches gilt für so einige kryptische Tastenkombinationen und die Verwendung und Verkettung von Step Components, die ohne Display schwer bis überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Somit gehöre ich eindeutig zur Pro-Display-Fraktion.

Weiterhin habe ich mich bei der Arbeit mit dem OP-Z gefragt, warum man das Gerät nicht etwas größer konzipiert, wodurch weitere Bedienelemente Platz gefunden hätten. Zum Beispiel wäre ein gleichzeitiger Zugriff auf Performance- und Mastertrack, was eine zusätzliche Button-Reihe erfordern würde, ein deutlicher Spaßzuwachs beim Performen und Experimentieren. Haptisch ist die ultrakompakte Bauform ebenfalls kompromissbehaftet und nicht wirklich gut bedienbar, was nicht ausschließlich an der Größe der Bedienelemente sowie deren Abstand zueinander liegt. Die Qualität und Zuverlässigkeit der Buttons meines Testgeräts entspricht leider nicht der Qualität, die ich vom OP-1 kenne. So musste ich einen Taster mehrmals betätigen, um die gewünschte Funktion anzuwählen, und auch vereinzelte Doppel-Trigger traten auf. 

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