Test
5
18.08.2021

Technics SL-1500C Test

Direktangetriebener Hi-Fi-Plattenspieler

Turntable für Vinyl-Liebhaber

Seitdem sich die Neuauflage des Klassikers SL-1210MK2  - also der SL1210MK7 (zum Test) - wie geschnitten Brot verkauft und Technics mit dem High-End-Spieler SL-1000R das Plattenhören vom akustischen, aber auch finanziellen Anspruch in die obersten Himmelssphären schoss, galt es für die japanische Edelschmiede eine Lücke zu schließen. Und zwar die eines audiophilen Modells, das aber auch preislich bei weniger Betuchten auf offene Ohren stößt. Herausgekommen ist der SL-1500C, wahlweise in Silber und Schwarz erhältlich.

Bei einer Preisempfehlung von 999,00 Euro kann man zwar nicht unbedingt von einem Einstiegsmodell sprechen, schließlich kosten gängige Hi-Fi-Plattenspieler wie der Pro-Ject Debut III oder Thorens TD 202 nur ein Viertel beziehungsweise die Hälfte des SL-1500C, halten aber nicht mit dessen Verarbeitung und Ausstattung, beispielsweise Direktantrieb und zuschaltbare Tonarmlift-Automatik mit. Nehmen wir den Plattenspieler für einen Test also genauer unter die Lupe.

Details

Mit knapp zehn Kilogramm Gewicht und Maßen von 453 x 169 x 372 Millimeter (B x H x T), liegt der Technics SL-1500C auf Augenhöhe des SL-1210/1200MK7. Schließlich wurde das Gehäuse übernommen und profitiert entsprechend auch von dem Aluminium-Spritzguss-Chassis aus ABS-Kunststoff (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymer) im Verbund mit Glasfasern zur Verstärkung, womit der Hersteller eine hohe Steifigkeit und Vibrationsdämpfung verspricht.

Die Füße bestehen aus einer Feder und einem Gummi, um Stößen, aber auch Resonanzen zu kontern. Da könnte man sich die Frage stellen: „Wird hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen oder warum rüstet sich ein Hi-Fi-Plattenspieler gegen Vibrationen, wie man sie aus dem Club kennt?“

Zwar verbauen andere Hersteller auch robuste und entkoppelte Chassis, allerdings nicht von diesem Ausmaß. Vermutlich wird es eine praktische Lösung gewesen sein, das Rad nicht neu zu erfinden, sondern es einfach zu adaptieren. Dennoch spielt ein sehr gut schockabsorbierendes Chassis auch bei der Heimbeschallung eine wichtige Rolle. Schließlich streuen dort ebenfalls Bässe ein, vor allem, wenn die Lautsprecher recht nah am Spieler und auf einem Holzfußboden stehen.

Wie bereits erwähnt, gleicht der SL-1500C auch optisch dem neu aufgelegten DJ-Klassiker, vor allem der jüngst vorgestellten silbernen Ausgabe, dem SL-1200 MK7. Die komplette Oberfläche ist mit einer silbernen Alu-Schicht überzogen, passend dazu Tonarm und Tasten im gleichen Farbton, sodass der Schallplattenspieler wie aus einem Guss wirkt.

Beim Netzschalter setzt Technics auf eine Tipptaste, wie man sie auch von anderen Technics-Geräten kennt, um sich optisch dem Receiver- und Vollverstärker-Sortiment anzupassen. Zudem war der typische Drehschalter nicht erforderlich, da Technics auf ein Stroboskop samt Spiegeln am Plattenteller verzichtet. Ohne die am Rand verlaufenden Punkte wirkt der zwei Kilogramm schwere, an der Unterseite mit Kautschuk bezogene Aluminium-Druckguss-Plattenteller vom Design sehr clean und smart.

Die Startaste als auch die beiden Taster für die Umdrehungsgeschwindigkeiten (33 1/3, 45 und 78 U/min) übernahm Technics zwar von der Form, Anordnung und Größe von der SL-1200er-Serie, aber auch hier setzt man auf Tipptechnik, die auf leichten Druck reagiert. Ein Klicken dient als Feedback.

Die Tonarm-Sektion kommt fast komplett vom SL-1200/10MK7, wobei die Tonarmhöhenverstellung leicht adaptiert ist, worauf ich noch im Praxis-Teil zu sprechen komme.

Als jahrzehntelanger SL-1210-Fan vermisse ich beim Blick auf das Top-Panel neben der Nadelbeleuchtung die Vertiefung für den beigelegten Single-Puck. Natürlich ist die Nadelbeleuchtung bei einem Hi-Fi-Plattenspieler überflüssig und fast alle audiophilen Plattenabspielgeräte reservieren keinen Platz für den Puck. Aber im Fall des SL-1500C wäre es kein Mehraufwand gewesen und hätte dem sehr schicken und zeitlosen Design in keiner Weise geschadet.

In der Mulde an der Rückseite des Gerätes verstecken sich die Anschlüsse, zum einen für das mitgelieferte Kaltgeräte-Kabel für den Netzbetrieb, zum anderen die Erdungsschraube und vier vergoldete Cinch-Buchsen als Phono- und Line-Ausgänge, um das beigelegte RCA-Kabel zur Signalausspielung anzuschließen. Dank dem verbauten Phono-Entzerrer ist der SL-1500C auch mit einem multifunktionellen Line-Eingang kompatibel. Ein großer Vorteil, da Receiver/Verstärker mitunter keinen Phono-Eingang besitzen. Je nachdem, welcher der beiden Eingänge in Beschlag ist, muss der dazugehörige Schalter in die entsprechende Position gebracht werden. Ein zweiter Schalter aktiviert die automatische Endabschaltung einschließlich Tonarmanhebung.

Links und rechts der Mulde befinden sich die beiden Halterungen für die mit zum Lieferumfang gehörende Abdeckhaube, um sie aufzuklappen beziehungsweise abzusenken und somit auch Platten wechseln zu können, ohne den Staubschutz vorher vom Plattenspieler abzunehmen. Diese Führungen kennt man noch noch vom SL-1200/10MK2-Modell, später wurden sie dort eingespart, weil DJs sie häufig für den Transport im Case und zum nahtlosen Aufbau an den Mixer abschraubten.

Der Direktantrieb

Im SL-1500C schlummert die gleiche Antriebstechnologie wie bei den SL-GAE/GR/MK7-Modellen. Die einstigen zwölf Spulen weichen einer Platine mit hunderten Frames, die als Stator des Motors funktioniert und den Rotor, in diesem Fall eine unterhalb des Plattentellers angebrachte Magnetscheibe, antreibt. Die dazu erforderliche Regelungstechnologie, von Blu-ray-Playern übernommen, erspart den Quarz und sorgt für einen flüssigeren Lauf als beim einstigen Antrieb, der sogenanntes Polruckeln (man spricht von einer ruckartigeren Bewegung des Plattentellers von Pol zu Pol) verursachte. Mit seinem Drehmoment von 1,8 kg/cm schafft der Teller innerhalb von 0,7 Prozent die Maximalgeschwindigkeit, förmlich ein Kickstart wie man ihn von DJ-Laufwerken kennt. Die elektronisch bedingte Gleichlaufschwankung beziffert Technics mit 0,025 Prozent.   

Beim Lieferumfang zeigt sich Technics spendabel: Abgesehen von der Bedienungsanleitung samt Garantie, den notwendigen Kabeln, der erwähnten Schutzhaube, einer Gummi-Auflegematte sowie dem Auflage- nebst Zusatzgewicht liegt ein am Headshell vormontierter Tonabnehmer vom Typ Ortofon 2M Red bei.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare