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Test
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05.07.2020

TC Electronic Plethora X5 Test

Multieffekt-Pedal

Toneprint-Multieffektboard

Das TC Electronic Plethora X5 der dänischen Effektschmiede vereint die Vorzüge der beliebten hauseigenen Toneprint-Pedale mit der Praktikabilität einer vollen Multieffekteinheit. Das Pedalboard kommt dabei in sehr handlichen Maßen, bietet fünf zuweisbare Slots für die TC-Effektpedale mit bis zu 75 Toneprints und kann sogar durch die Vier-Kabel-Methode mit einem Amp eingesetzt werden.
Der Name "Plethora" ist hier Programm, entstammt dieses Wort doch dem Griechischen und bedeutet soviel wie "Fülle", bzw. beschreibt es eine sehr große Menge oder Überfluss. Über die TC Electronic-Pedale wurde auf bonedo schon einiges berichtet und darum interessiert uns hier natürlich, wie der Verbund dieser Toneprint-fähigen Einheiten in einem Multieffekt-Konzept in der Praxis aussieht.

Details

Gehäuse/Optik

Das Plethora kommt in einem rechteckigen weißen Metallgehäuse mit den Maßen 29,5 x 5,3 x 11,6 cm und reiht sich hinsichtlich seiner robusten Bauweise in die Riege der anderen TC Electronic-Pedale ein. Auf der Oberseite befinden sich fünf schwarze Drehknöpfe aus Kunststoff, wovon zwei als Endlospotis mit Tasterfunktion ausgestattet sind, sowie zwei Kippschalter. Im unteren Pedaldrittel zeigen sich fünf Silent-Footswitches mit LEDs zum Abrufen von Effekten bzw. Presets.
Im Drittel zwischen den Knöpfen und den Fußschaltern befindet sich das Display, das in fünf Felder aufgeteilt ist und mehrfarbig die dort eingesetzten Effekte, sprich, das virtuelle Bodenpedal anzeigt.

Rückseitig versammeln sich in Reih und Glied alle Anschlüsse in Form von zwei 6,3 mm Klinkenein- und -ausgängen, die den Stereobetrieb ermöglichen. Auch ein Effekt-Insert, bestehend aus einer Send- und Returnbuchse, ist hier anzutreffen, der die Verwendung der Vier-Kabel-Methode erlaubt. Der Anschluss eines externen Expressionpedals zum erweiterten Steuern einzelner Parameter ist ebenfalls möglich. Neben dem EXP Input liegt der Eingang für das mitgelieferte Netzteil, das unseren Kandidaten mit 9 Volt und satten 600 mA befeuern muss, ein Wert, bei dem Batteriebetrieb nicht mehr sinnvoll und demnach auch nicht vorgesehen ist. Rechts außen schließlich wartet der Eingang für ein USB-Kabel sowie ein MIDI-In und -Out.
Der Boden ist fest verschraubt und zwei große Gummiplatten gewähren Kratz- und Rutschsicherheit.

Zum Lieferumfang gehört ein Netzteil mit internationalen Multisteckern, ein Quickstart-Manual, ein Sticker und ein USB-Kabel.

Bedienung

Auch wenn die Verwendung einigermaßen intuitiv vonstatten geht, wundere ich mich doch sehr, dass ein so umfangreiches Pedal nicht mit einem ausführlichen und verständlichen Manual ausgestattet ist. Multieffekte ab einer gewissen Funktionstiefe nur mit einem Quickstart-Guide auszustatten und dann nicht einmal auf der Website ein detailliertes Manual zum Download zur Verfügung zu stellen, ist aus meiner Sicht ein No-Go. Auf Nachfrage beim Hersteller wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ein Manual in Arbeit ist und wohl demnächst zur Verfügung steht.

In Ermangelung eines Anschaltknopfes stöpsele ich den Netzstecker in das Plethora und das Gerät ist nach einer kurzen Boot-Zeit einsatzbereit. Da die Einheit eine updatefähige Firmware besitzt, will ich gleich mal nachsehen, ob wir hier auch up to date sind und siehe da, die FW 1.1.52 steht zum Download zur Verfügung (Stand Juni 2020). Wie der Update-Vorgang vonstatten geht, ist dem sehr spärlichen Manual leider nicht zu entnehmen, allerdings verrät die Firmware-Dokumentation, dass dies ganz einfach via drag-and-drop zu realisieren ist. Man schließt das Gerät per mitgeliefertem USB-Kabel an den Rechner an, wodurch es als externe Device erkannt wird, und zieht das File auf das Plethora-Icon. Anschließend startet man das Gerät neu und das Update ist vorgenommen.

Vom Aufbau her ist das Plethora so konzipiert, dass es keine wirklichen Gesamt-Presets gibt, sondern vielmehr individuell zusammenstellbare Boards, bei denen sich dann die vorgegebenen Effektkombinationen einzeln per Fuß aktivieren lassen.127 anpassbare Speicherbänke, sprich, 127 komplette Effektboards mit jeweils 5 Slots stehen dem User zur Verfügung, wobei ab Werk die Plätze 1-18 mit Werks-Boards belegt sind. Umschalten lassen sich die verschiedenen Bänke an dem rechten Kippschalter in beide Richtungen. Pro Bank/Board stehen nun jeweils fünf frei konfigurierbare Toneprint-Pedale zur Verfügung, und jedes Pedal bietet Platz für 75 Toneprints.

Wer die Toneprint-Konzeption von TC kennt, weiß, dass die Kategorien Overdrive und Distortion nicht in digitaler Form vorliegen, sondern sich die Technologie im Bereich Kompression, Noise Gate, Modulation, Pitch Shifting und zeitbasierten Effekten (Delay, Reverb) bewegt. Folgende Toneprints sind im Pedal enthalten, wobei auch hier die Update-Fähigkeit in Zukunft die Option weiterer Effekte möglicherweise zulassen wird, denn einige Klassiker wie z.B. der Helix Phaser, der Viscous Vibe und der Ditto Looper werden schmerzlich vermisst, sollen aber noch folgen:

  • Hall Of Fame 2 Reverb
  • Flashback 2 Delay
  • Sub n Up Octaver
  • Brainwaves Pitch Shifter
  • Corona Chorus
  • Hypergravity Compressor
  • Mimiq Doubler
  • Vortex Flanger
  • Pipeline Tap Tremolo
  • Quintessence Harmony
  • Sentry Noise Gate
  • Shaker Vibrato

Die Fußtaster bieten jeweils noch eine Zweitfunktion, die sich durch längeres Gedrückthalten offenbart. So können z.B. die Tempi des Flashback-Delays und des Pipeline-Tremolos tapbar gemacht werden oder aber die MASH-Funktion. Die Möglichkeit, ein globales Tempo einzustellen, gibt es hingegen nicht. Anmerkung: Unter MASH versteht man einen programmierbaren Berührungssensor mit frei editierbaren Wertekurven für bis zu drei Parameter. Dabei reagiert die Touch-Sensor-Funktion auf unterschiedliche Druckstärken, die auf die Schalter ausgeübt werden. Hierauf wurde z.B. beim Testbericht des Flashbacks X4 eingegangen und soll hier nicht mehr weiter thematisiert werden.

Auch das Umschalten der Boards lässt sich per Fuß realisieren, indem man Taster 1 und 3 dreimal kurz drückt und nun mit den Fußschaltern 1 und 2 nach oben oder unten durchsteppt. Darüber hinaus bietet das Plethora einen Tuner, der durch dreimaliges Drücken der Fußtaste 5 aktiviert wird.

Ein anpassbarer Mono FX-Loop für externe Pedale oder aber zur Verwendung der "Vier-Kabel-Methode" ist mit an Bord und kann beliebig platziert werden. Entweder als "always on"-Loop, der dann in der Systemsteuerung platziert werden kann, oder als eigener Block, der per Fuß an- und ausschaltbar ist.

Editierung

Prinzipiell haben wir es beim Editieren mit zwei Ebenen zu tun: Zum einen das Bearbeiten der einzelnen Toneprints mitsamt ihrer Parameter und zum anderen die Zusammenstellung des Boards.

Letzteres erfolgt manuell am Gerät, wobei man den linken Kippschalter von "Play" in den "Edit"-Mode stellt und dann den "Board"-Kippschalter betätigt. Mit dem rechten Regler habe ich nun die Möglichkeit, aus Create, Cancel und Duplicate auszuwählen. Entscheide ich mich für "Create", springt das Plethora auf das nächstgelegene freie Board und ich kann jeden Fußschalter mit dem Effekt meiner Wahl belegen. Hierzu wähle ich das gewünschte virtuelle Pedal mit dem linken Endlospoti an und bestätige es mit einem Klick. Nachträglich die Effektreihenfolge zu ändern ist ebenfalls kein Problem und erfolgt durch Gedrückthalten der beiden Effekt-Fußschalter, die ich tauschen möchte. Auch die mehrmalige Verwendung eines Effekts, wie z.B zwei Delays auf zwei Pedalen, ist möglich.
Das Editieren der Effektparameter kann nun händisch an den drei mittleren Potis erfolgen, die Zugriff auf jeweils drei im Toneprint-Editor frei belegbare Direktparameter erlauben. Das Poti rechts außen ermöglicht nun Zugriff auf die verschiedenen Toneprints, die aktuell im Gerät zur Verfügung stehen.

Feinere Einstellungen und das Laden bzw. Erstellen weiterer Toneprints kann man nun am Toneprint-Editor realisieren, den man ja bereits von den Einzelpedalen kennt und bei dem es sich um eine portable Anwendung handelt, die nicht installiert werden muss. Über die Verwendung des Toneprint-Editors wurde in vergangenenTests von TC Electronic-Pedalen bereits ausführlich berichtet und soll hier ausgespart werden. So viel sei jedoch gesagt: Es verhält sich exakt genauso wie bei den Einzelpedalen.

Alternativ besteht die Möglichkeit, das Editieren über die Toneprint-App durchzuführen.
Hierfür muss lediglich eine Bluetooth-Verbindung zur kostenlosen Toneprint-App geschaffen werden, dann hat man auch hier die Möglichkeit, den Import und die Erstellung von Toneprints zu realisieren und erhält Zugriff auf zig Effektparameter. Das letzte Firmware-Update ermöglicht sogar das Umbenennen und auch das Organisieren der Effektboards hinsichtlich ihrer Reihenfolge.
(Anmerkung Stand Juni 2020: die Toneprint App zeigt bei FW 1.1.52 einen Bug beim Editieren, der dem Hersteller bekannt ist und mit dem nächsten Update gefixt wird. Bis dahin wird die FW 1.1. für den Gebrauch der App empfohlen)

Settings Menü:

Im Settings-Menü lassen sich nun globale Einstellungen vornehmen:

Das Global-Untermenü teilt sich nochmal in Bluetooth-Verbindung, Product Settings, Display Settings, Exp Calibration, Service und Info-Menü auf. Besonders erwähnenswert ist, dass man hier eine fixe Speakersimulation aktivieren oder den Bypass-Mode zwischen True-Bypass und Buffered-Bypass schalten kann.
Auch die Doppelfunktionen der Pedale, wie z.B. das Schalten der Bänke, das Effekt-Swapping oder das Aktivieren des Tuners lassen sich hier einstellen. Das optische Erscheinungsbild von den farblich unterschiedlichen Linien im Effektblock kann man beispielsweise auch zu bunten Kreisen ändern.

Im "Board"-Untermenü wird auch das optional erhältliche Expressionpedal zugewiesen sowie die Zweitfunktion der Effektfußschalter festgelegt, z.B., ob diese keine Funktion oder aber MASH- oder Tap-Aufgaben übernehmen.Die MIDI-Funktion unterstützt die Board/Bank-Selektion sowie die Footswitch On/Off-Kontrolle via CC, wobei CC 102 - CC 106 für die Fußschalter zuständig ist.

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