Test
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28.07.2017

Praxis

Der Testkandidat ist eine echte „Workhorse“-Trommel ohne Allüren

Als regelmäßiger Acrolite- und Supraphonic-User bin ich auf den Sound der Classic Dry Aluminium Snaredrum natürlich gespannt, denn auch ohne hellseherische Fähigkeiten ist klar ersichtlich, dass Tama diese Trommel durchaus als günstigere Alternative zu den berühmten Ludwig Modellen betrachtet. Bei der Handhabung punktet die Tama, denn während man bei den US-Vorbildern immer noch – wir schreiben das Jahr 2017! -  einen Schraubendreher zur Teppichbefestigung parat halten muss, braucht es bei der S.L.P. nur den Stimmschlüssel. Insgesamt gibt sich die Trommel sehr anspruchslos, das angenehm geringe Gewicht erleichtert das Manövrieren am Drumkit und beim Transport, alle Stimmschrauben laufen hakelfrei, und auch die Abhebung versieht leise und zuverlässig ihren Dienst. Auch eventuelle Bedenken bezüglich der reduzierten Stimmschraubenzahl – acht statt zehn – erweisen sich in der Praxis als unbegründet. Positiv fällt auch auf, dass die Hold Tight Unterlegschreiben ihre Aufgabe auch bei lockerer Fellspannung und harter Spielweise zuverlässig erfüllen. Kommen wir nun zum Sound, in vier Stimmungen habe ich euch die Classic Dry Aluminium Snaredrum aufgenommen, im Video gibt es weitere Variationen.

Je höher, desto trockener

„Tock!“, da ist er, der typische, trockene Aluminiumkessel-Sound. Mit hart angezogenem Fell macht die Classic Dry Aluminium Snaredrum ihrem Namen alle Ehre. Der Klang ist kompakt und offen, besitzt aber weniger harsche Höhenanteile als beispielsweise ein Modell aus Stahl. Für Rock ist dieser Sound natürlich nicht unbedingt geeignet, aber wer es funky mag, bekommt hier einen ganz typischen, griffigen Sound. Dreht man die Stimmschrauben wieder etwas zurück, wird der Attack breiter, der Kessel beginnt zu atmen und erzeugt mehr tonale Anteile. Im Kontext mit anderen Instrumenten fällt auf, dass sich der Ton sehr gut in verschiedene Stile integriert, ohne dass der „Pong“ mit  der Tonart der Musik kollidiert. Dies ist vermutlich auch einer der Gründe für die Beliebtheit der Aluminium-Snares. 

Im Medium-Tuning geht es „saftiger“ zu

Ob eine Snaredrum den Titel Allrounder tragen darf, hängt davon ab, wie breit ihr nutzbarer Stimmbereich ausfällt. Bei unserem Testmodell tritt in mittleren Stimmungen das etwas heisere Singen des Aluminiums noch stärker hervor, gleichzeitig gewinnt die Snaredrum besonders live im Raum an Druck und Dimension. Dabei klingt sie insgesamt etwas „schwerer“ als die Ludwig-Kollegen, an deren Luftigkeit sie nicht herankommt. Allerdings kann man die S.L.P. ziemlich „prügeln“, bevor sie in Sachen Volumen die Segel streicht. 

In tiefen Stimmungen wird es fett, aber nicht unkontrolliert

Viele Drummer bevorzugen eine tiefe Stimmung ihrer Snaredrum, denn besonders in rockigen Situationen oder im Studio erzeugen tiefe, „wet“ klingende Trommeln genau den fetten Backbeat, den der Song braucht. Dass die Classic Dry Aluminium Snaredrum auch diesen Bereich beherrscht, zeigt sich beim Abhören der Soundfiles. Das längere Ausschwingen des Schlagfells sorgt hier für einen dicken, langen Attack mit viel Teppichanteil. Gleichzeitig nervt die Snare nicht mit unkontrollierbarem Gejammer. Wer es tonal trotzdem etwas zurückhaltender mag, verwendet einfach ein bisschen Dämpfung wie beispielsweise Gaffatape oder Moongel. Ein aufgeklapptes Portemonnaie – wie im Video – tut es aber auch. 

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