Hersteller_Tama
Test
4
18.04.2015

Tama Silverstar VD48-GXS Jazz Drumset Test

Drumset inkl. Hardware

Vier Trommeln für ein Hallelujah

Das Tama Silverstar Jazz Drumset, um das es im heutigen bonedo Test geht, kommt in der typischen Bebop-Konfiguration mit kleinen Trommelmaßen daher und ist ausgestattet mit Kesseln aus reinem Birkenholz. Gemäß dem Motte der Serie „The New Sound Of Tradition“ setzt sich damit tatsächlich eine alter Brauch fort, denn das Set, mit dem Tama vor fast 40 Jahren neue Maßstäbe in der Drum-Welt setzte, nannte sich Superstar und bestand ebenfalls aus Birke. Aber nicht nur in Sachen Trommelbau machte die Firma von sich reden, auch und vor allem im Bereich Hardware konnte sich Tama durch viele Innovationen wie zum Beispiel die Iron Cobra Pedale gegenüber der Konkurrenz behaupten. Logisch also, dass zum vierteiligen Trommelsatz gleich ein komplettes Hardware-Set mitgeliefert wird.  

Bei der Flut an Bebop-Drumsets mit 18 Zoll Bass Drum und zwei Toms in 12 und 14 Zoll, die uns die Hersteller gerade um die Ohren hauen, mag man sich fragen, ob in den Übungskellern heutzutage nur noch Jazz getrommelt wird. Nun, ich kann nicht für die Allgemeinheit sprechen, aber das Gebolze, das ich bei meinen Proberaumnachbarn vorwiegend höre, hat mehr mit der Geräuschkulisse einer Autobahnbaustelle zu tun als mit der gepflegten Atmosphäre eines Jazz-Konzertes, und tatsächlich kann man mit den kleinen Sets natürlich alle möglichen Genres bedienen, so lange die Drums nicht in erster Linie laut sein müssen. Manchmal ist es auch schlicht der Transportfaktor, der die Kaufentscheidung bestimmt. Mobilität wird schließlich immer wichtiger, und ist es nicht herrlich, wenn man die komplette Backline für einen Gig in einem Kombi unterbringen kann? Was man mit dem Tama Silverstar Jazz Kit so alles anstellen kann, erfahrt ihr in unserem Test.

Details

Gut für den Rücken: kleine, leichte, glitzernde Trommeln

Von den drei Kartons, die mein bester Freund (der Paketbote) dieses Mal liefert, fühlen sich zwei so leicht an, dass ich mich zunächst frage, ob die Lieferung tatsächlich komplett ist. Ein kurzer Abgleich mit dem Lieferschein bestätigt die Richtigkeit, und so fange ich an, die vier in der Tat sehr leichten Trommeln aus den beiden großen Kartons zu befreien. Es kommen eine 18“x16“ Bass Drum, ein 12“x8“ Racktom, ein 14“x14“ Floortom und eine 14“x5“ Snaredrum mit „Galaxy Silver“ Finish zum Vorschein. Außer dieser wirklich schönen Folie mit Sparkle-Effekt gibt es in der Silverstar-Serie noch eine große Auswahl weiterer Lack- und Folien-Finishes. Das Racktom und die Snare sind bereits vormontiert, während bei den beiden anderen Trommeln noch die Felle aufgezogen werden müssen, die übrigens für das komplette Set das Tama-Logo tragen und ihre Herkunft verschweigen. Es ist aber anzunehmen, dass es sich um chinesische Produkte handelt. Auf den Resonanzfellseiten von Snare und Toms kommen klare Versionen zum Einsatz, während die Schlagfelle, abgesehen von der Bass Drum, weiß-aufgeraut sind und die Aufschrift „Power Craft II“ tragen. Die Bass Drum bekam auf der Schlagfellseite ein transparentes Fell mit eingearbeitetem Dämpfungsring verpasst, während das aufgeraute Resonanzfell, ebenfalls mit einem Ring versehen, mit seiner cremefarbenen Optik einen angenehmen Vintage-Touch versprüht.

Verarbeitung und Look sehen nach mehr aus

Wie bei den meisten Sets der unteren und mittleren Preisklasse sind auch die Silverstar-Kessel „Made in China“. Sie bestehen aus tadellos verarbeitetem Birkenholz, sechslagig mit sechs Millimetern Wandstärke bei Snare Drum und Toms, siebenlagig und acht Millimeter stark bei der Bass Drum. Die Kesselgratung zeigt den üblichen 45 Grad-Winkel mit leichtem Gegenschnitt an der Außenkante. Auch im Bereich des zwei bis drei Millimeter tiefen Snarebeds bleibt die Gratung erhalten. Damit die Felle genügend „Luft“ haben, wurde bei allen Trommeln die Folie etwa einen Zentimeter unterhalb des Kesselrandes sauber abgeschnitten. Im Gegensatz zu den Birkentrommeln anderer Hersteller hat Tama die innere Holzlage dunkel gebeizt und zudem mit einem schicken Badge mit der Aufschrift „Hand Crafted“ versehen, was ausgesprochen edel anmutet und so gar nicht nach einem Set unter 900 Euro ausieht.

Gute Kessel-Hardware mit edler Optik

Für die Tama Silverstar Serie wurden neue Low Mass Spannböckchen entwickelt, die sich optisch angenehm vom Einheitsbrei abheben. Acht Stück pro Seite sind an der Bass Drum angebracht, wobei diese, im Gegensatz zu den jeweils sechs bei den Toms, etwas höher ausfallen, um trotz des größeren Fellkragens auf der Bass Drum eine zum Kessel parallele Ausrichtung der Stimmschrauben zu gewährleisten. Sehr gelungen sind auch die äußerst massiven, sauber verchromten und mit kräftigen Gummieinlagen ausgekleideten Halteklauen für die Holzspannreifen der Bass Drum. Der 18“x16“ Kessel steht auf zwei anklappbaren Beinen, deren Länge mittels Vierkantschrauben eingestellt werden kann. Zur Anpassung an verschiedene Böden verbergen sich in den Gummifüßen herausschraubbare Metalldornen. Damit bei normaler Fußmaschinen-Einstellung der Schlägel das Fell genau in der Mitte trifft, wurde an der Unterseite der Trommel ein verschiebbarer Bass Drum Riser angebracht. 

Modern mit einem Hauch Vintage: die Snare Drum

Die Snare Drum ist mit acht Bridge Type Böckchen ausgestattet, die durch eine Aussparung in der Mitte jeweils nur an zwei kleinen Punkten Kontakt mit dem Kessel haben. Wie auch auf den beiden Toms sind die speziellen Sound Arc Hoops montiert, die – bei einer Stärke von 1,6 Millimetern – am oberen Ende nicht nach außen, sondern zur Fellmitte hin abgewinkelt sind. Sieht gut aus und verringert den Stockverschleiß – und erinnert stark an die alten Slingerland Stick Saver Hoops. Der 20-spiralige Snareteppich wird mit kräftigen Gewebebändern gehalten und mittels des Quick Touch Strainers unter Spannung gesetzt. Dabei handelt es sich um ein einseitig justierbares, geschmeidig laufendes Klapphebel-System im „Gladstone-Style“. 

Die Tomhalterung lässt keine Wünsche offen

Das Floortom steht auf drei Beinen, die mittels einfacher Brackets, bei denen die Schraube direkt auf das Bein drückt, befestigt werden. Demgegenüber kommt die Star Mount Tomhaltevorrichtung luxuriöser daher. Ein umlaufender Ring auf Basis des bekannten „Rims“-Systems hält das 12“x8“ Tom an vier der sechs Stimmschrauben, und als Besonderheit lässt sich die Flügelschraube am Halteböckchen in einem Langloch hin und her bewegen, so dass man sie entweder auf der linken oder rechten Seite des Böckchens positionieren kann. Beim Einsatz mehrerer Racktoms kann dieses sinnvolle Detail den Aufbau durchaus erleichtern. Natürlich darf auch die Memory-Schelle am L-Arm nicht fehlen, in die das Halteböckchen sich passgenau einnistet. Beim Tomhalter, der direkt auf der Bass Drum montiert wird, setzt Tama wie eh und je auf das bewährte Omniball-Prinzip und spendierte dem MTH900BM Modell eine Extraaufnahme für einen zusätzlichen Beckenarm, Cowbell-Halter oder ähnliches.

Das Hardware-Paket kommt mit Iron Cobra Pedalen

Das fünfteilige HB5W Hardware-Paket beinhaltet vier doppelstrebige Stative sowie die Iron Cobra HP200P Fußmaschine mit Bodenplatte und „Power Glide“ Zahnkranz mit Doppelkette. Die Verwandtschaft zum „großen Bruder“ HP600D ist am Pedalboard und am Two Way Beater mit seinen zwei verschiedenen Schlagflächen erkennbar. Technisch beschränkt sich die HP200P mit justierbarer Federspannung und stufenloser Einstellung des Anschlagwinkels allerdings auf das Wesentliche. Obwohl die Unterseite der Bodenplatte mit dicken gerippten Gummibelägen versehen ist, wäre für einen sicheren Stand ein Paar Metalldornen wünschenswert gewesen, so wie sie an der Iron Cobra HH205 Hi-Hat-Maschine verbaut sind. Bei diesem Pedal lässt sich die Spannung nicht stufenlos, sondern gerastert in fünf Stufen regulieren, was in der Praxis vollkommen ausreicht. Ein Mechanismus zum Schrägstellen des unteren Beckens ist ebenso vorhanden wie die Möglichkeit, die Beine unabhängig von der Pedalstellung zu drehen. Lobenswert ist der Kunststoffeinsatz an der Hi-Hat Clutch, der das Mittelloch des Top-Beckens vor Abrieb schützt.

Die beiden HC63BW Beckenständer sind mit einem Galgenarm ausgestattet, der sich bei Bedarf im Mittelrohr versenken lässt. Der Neigungswinkel der Becken lässt sich dank des „Quick Set Tilters“ stufenlos verstellen. Beim Snareständer HS60W kommt der gleiche Mechanismus zum Einsatz, und als Sonder-Feature lässt sich der Haltekorb mit Hilfe zweier Vierkantschrauben drehen.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare