Hersteller_Tama
Test
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21.04.2009

Praxis

Jetzt noch einmal zurück zu dem Moment, an dem die Pakete bei mir ankommen: Mein erster Griff geht zielsicher zuerst in den größten Karton, zur Bassdrum. Die Felle aufgelegt und dank einer der vielen kleinen Innovationen von Tama - den bereits erwähnten Gripgummis um die Schrauben -sind sie schnell „handfest“ angezogen.

Ich bin ungeduldig, stelle die Bassdrum auf, ohne zu stimmen, entsichere die noch halb verpackte Fußmaschine und entlade mit dem ersten Schlag eine erstaunliche Sounderfahrung: So tief ist wahrscheinlich noch keine Bassdrum gekommen. Über das weit nach unten offene Frequenzspektrum wird sich jeder Produzent freuen, genauso wie über den für Birke üblichen perkussiven Punch. Ich will es jetzt ganz genau wissen, stimme die Trommel sorgfältig, installiere schnell eine Snare und groove eine kleine Runde. Insgesamt ist der Klang der Bassdrum extrem präsent, du kannst ganz entspannt treten, und ein runder, satter Kick-Sound webt sich optimal in das Gesamtgefüge ein. Spätestens mit diesem Set setzt sich der moderne Drumset-Sound durch. Auch ohne große Erfahrung lässt es sich leicht stimmen, was im sprichwörtlichen Handumdrehen zu einem entspannten Spielgefühl führt. Die werkseitige Fellkombination von Evans rundet den Kesselklang bei Bassdrum und Snare ab. Allerdings erweisen sich bei der Snare einige Felle der Konkurrenz wie zum Beispiel das Coated Ambassador von Remo oder das Controlled Sound Ambassador als noch runder im Klang, die Bassdrum macht sich besonders gut mit einem Coated Powerstroke 3.
Bei der Wahl der Tomfelle liegt der Hersteller punktgenau richtig. Die Evans-Felle sind klar, oben das doppellagige P2, unten das einschichtige P1 als Resonanzfell.

Was sich nun schon nach wenigen Minuten abzeichnet, wird später zur absoluten Gewissheit: Mehr Charakter hatten Toms wahrscheinlich noch nie. Während ich mir beim Stimmen noch nicht sicher bin, was ich vom Klangverhalten der Toms halten soll, bricht sich später bei einer Band-Session im Proberaum eine Begeisterung ihren Weg, die ganz sicher kein Zufall ist. Kurze Kessel, das sehr harte Bubinga-Holz, die Birkenschichten und die pflegeleichte Kesselgratung sorgen für einen beispiellos zeitgemäßen Klang. Alles ist im Überfluss vorhanden, kein Klangbestandteil ist zu aufdringlich, keines fehlt. Egal, wie vorsichtig oder wuchtig man auf das Plastikfell einschlägt, das harte afrikanische Kernholz gewährleistet immer das gesamte Spektrum von Attack, Ton, Bass und seiner ganz eigenen Charakternote. Hinzu kommt, dass sich in dem hier präsentierten Setup die Hängetoms von den Standtoms klar unterscheiden. Während die Hyperdrive Toms vor allem in Sachen Attack, Präsenz und Eigenständigkeit brillieren, drücken die tiefen Kessel der Standtoms ohne großen Kraftaufwand einen beispiellosen Bass-Sound in das Rhythmusgefüge, so dass ich mich bei meinen Bandproben zusammenreißen muss, nicht komplette Grooves über die Toms zu spielen. Es bringt einfach irre Spaß.

Die Snare ist ein Stimmwunder! Innerhalb von zwei Minuten hat man eine gleichmäßig gestimmte Snare. Hat man das geschafft, lassen sich die Stimmschrauben wie die Potis eines Gitarrenverstärkers bedienen. Will man mehr Ton, etwas mehr Bauch, kürzeren Release - jeder Wunsch lässt sich absolut transparent mit einem minimalen Handgriff verwirklichen. Die gerade etwas trendigen 13 Zoll der hier mitgelieferten Snare haben aber auch einen Nachteil: Den über Jahrzehnte gewachsenen Hörgewohnheiten kann man auch mit dieser äußerst flexiblen Snare nicht ganz nachkommen, da zirka 90% aller bekannten Songs dieser Welt mit 14 Zoll Snares eingespielt wurden. Man hat aber bei der Set-Zusammenstellung bei Tama inzwischen fast so viele Freiheiten wie bei einem Anbieter von Custom-Shop Drums, und die „kleine“ mitgelieferte Trommel hat sich bei diesem Test fast unverzichtbar in den Vordergrund gespielt. Es gibt also viele Möglichkeiten.

Das Drumset ist ein echter Performer, alles ist zu 100% praxisnah. Kein Wunder also, dass viele der modernen Topdrummer aus allen Bereichen auf dieses Set zählen. Obwohl ich mich in meinem Zimmer vor lauter Kartons kaum noch bewegen kann, ist die Bezeichnung des Drumsets am sperrigsten: „SC Perfor. B/B Crystal Blue Burst Hyper Drive Shell Kit“. Aber genau in der Mitte des Namens verbirgt sich ein für mich wesentlicher Bestandteil, der für das komplette Set gilt: „Crystal Blue Burst“ heißt das Finish der schmucken Holzeimer, die ich gerade nach und nach aus den Kartons gezupft habe. Es handelt sich um ein wunderschönes Sparkle Finish, das sogar mich als bekennenden Sparkle-Fan (alle meine Drumsets haben Sparkle-Finish) komplett überzeugt.

Ich erinnere mich, dass ich vor wenigen Wochen den Katalog von Tama verzweifelt nach einem wirklich guten Finish durchsucht habe. Hier sehe ich einen kleinen Schwachpunkt, denn es werden zwar sehr viele Farben und Designs angeboten, aber nur wenige sind klassisch. Türkis ist in den Farbkombinationen von Tama´s Sparkle-Sets häufiger vertreten als Silver Sparkle. Außerdem sind die Fotos der Finishes nur selten wirklich gut in Szene gesetzt und auch im Internet sind leider nicht alle Farben als Foto mit Drumset zu sehen. Das hatte allerdings den Vorteil, dass mich die Qualität des echten Drumsets überrascht hat.

Damit ihr euch nun selber von diesem Tama-Set überzeugen könnt, gibt´s hier ein paar Audio-Beispiele:

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