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Test
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14.06.2015

Superlux WH5 Test

Dynamisches Elvis-Mikrofon

Doppelt hält besser. Und dreifach?

Mit dem Superlux WH5 ist ein Mikrofon bei uns im Test, das mit seinem Design eindeutig Shure-Unidyne-55-Mikros zitiert. Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal des WH5 ist jedoch, dass im großen Gehäuse ganze drei Kapseln ihren Dienst verrichten. Diese werden allerdings nur einzeln betrieben und können umgeschaltet werden.

Drei Kapseln in einem Metall-Druckgussgehäuse verbaut, ein Stativ im Lieferumfang und ein Preis von nur € 193. Die Frage ist naheliegend, ob das WH5 den Grundanforderungen im Studio- und Livebetrieb gerecht werden kann oder ob es mehr ein Gimmick ist. 

Details

Drei Kapseln benötigen Platz

Sicher, die drei Kapseln des Superlux WH5 benötigen einiges an Platz, daher ist das Gehäuse ziemlich ausladend. Nicht nur, dass es breit ist, es baut darüber hinaus auch recht tief. In Zahlen: Es ist acht Zentimeter breit, fast genauso tief und 20(!) Zentimeter hoch. Dadurch allerdings ergibt sich eine einerseits recht eigenständige, hervorstechende Optik, andererseits ist die Formsprache des WH5 eindeutig: Viele werden trotz sehr deutlicher Abweichungen eindeutig Shures 55er-Designs erkennen. Das Logo auf dem Frontgrill wirkt, als sei es das eines traditionellen Herstellers, hier haben die Produktdesigner gute Arbeit geleistet. Das verchromte Metallgehäuse ist zweiteilig, der Frontgrill ist mit dem Rückteil verschraubt. Die Verbindung zum Fußteil mit seiner XLR-Buchse und dem Stativanschluss stellt ein Schwenkgelenk dar.

Schalterwirrwarr

Auf der Rückseite wird die authentische Vintage-Optik jedoch unterbrochen, da dort dieser recht einfach wirkende Schalter in einer Plastikblende eingelassen ist. Mit diesem Switch wird eine der drei Kapslen ausgewählt. Es ist allerdings etwas unglücklich beschriftet, welche Position nun was zu bedeuten hat: Links stehen „Drum“ und „Vocal“, rechts ist „Instrument“ zu lesen. Es ist somit noch nicht einmal klar, dass der Schalter tatsächlich dreistufig ist, es könnte ja auch „Drum/Vocal“ und „Instrument“ als Auswahlmöglichkeiten geben. Ein Blick in den beigefügten Zettel macht mir jedoch Licht ans Fahrrad, denn auf den Abbildungen dort sind noch zusätzliche Striche eingezeichnet, die die jeweiligen Schaltpositionen angeben. Der Switch am Fuß des WH5 ist hingegen eindeutig: „An“ in der oberen, „Aus“ in der unteren Stellung.

Drum-Kapsel sehr unempfindlich

Die drei Kapseln im Bauch des großen Gebildes sind allesamt Supernieren, allerdings mit unterschiedlichen Eigenschaften. Mit nur 0,8 mV/Pa ist die Drum-Kapsel sehr unempfindlich und rangiert im Bereich mancher Bändchenmikrofone. Allerdings hat man es am Schlagzeug auch mit hohen Pegeln zu tun, insofern wurde dieser Wert wohl bewusst gewählt, um auch an Preamps (vor allem Interfaces!) mit recht hoher Minimalverstärkung verzerrungsfrei arbeiten zu können – und mit 147 dB(SPL) maximalem Schalldruckpegel (für 1% THD). Instrument- und Vocal-Kapsel sind sich mit 1,8 und 2,0 mV/Pa und jeweils 134 dB(SPL) recht ähnlich.

Frequenzgänge und Richtcharakteristiken ähnlich, aber nicht gleich

Das Polar-Pattern für Vocals ist das breiteste, das für Drums das schmalste. Das ist sinnvoll, wenn man bedenkt, dass sich Sänger stärker bewegen als eine Bassdrum… Allen drei grafischen Frequenzgängen gemein ist die Tatsache, dass der Bereich um 5 kHz einen deutlichen Boost von mindestens 6 dB besitzt. Genauere Eigenschaften lassen sich in den Höhen kaum herauslesen, derartige Frequenzgänge sind meist geglättet und stellen einen Mittelwert dar – von dem das einzelne Mikrofon durchaus abweicht. Aber dennoch kann mein einige Informationen herauslesen: Die Instrument-Kapsel beispielsweise ist beileibe nicht linear, denn das ist mit diesem Wandlerprinzip und besonders diesem Gehäuse schwer hinzubekommen. Auffällig ist eine leichte Überhöhung um die 200 Hz und die dadurch resultierende stärkste Mittenabsenkung zwischen 200 Hz und 1 kHz. Im Bassbereich geht die Übertragungskurve aller drei Druckgradientenempfänger in den Keller. Wenn sich die Schallquelle jedoch nah am Mikrofon befindet, wird dies durch den Proximity-Effekt wieder kompensiert. In den Höhen neigt sich der Pegel schon deutlich unter 10 kHz dem Keller zu, doch das ist für dynamische Mikrofone nicht ungewöhnlich. 

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