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Test
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04.12.2020

Spitfire Audio Symphonic Motions Test

Virtual-Instrument

Rhythmische Streichergymnastik

Wenn es um Libraries traditioneller Instrumente wie z. B. das Orchester geht, gibt es meist zwei Ansätze: zum einen die mehr oder minder vollständige Darstellung des Instruments mit seinen einzelnen Artikulationen und zum anderen gespielte Phrasen, Patterns, Rhythmen. Mit Symphonic Motions hat Spitfire Audio ein Instrument zweiter Kategorie veröffentlicht. Hier ist der Name Programm, es geht um Bewegung im symphonischen Ausmaß. Wie wendig das Instrument ist, wie es klingt und was es sonst noch kann, wird im Folgenden näher vorgestellt.

Details & Praxis

Download und Installation

Symphonic Motions 13 GB sind über die hauseigene Spitfire App ratzfatz aus dem Netz gezogen. Da es ein eigenständiges Instrument ist, muss auch nichts weiter registriert werden, es kann sofort losgehen.

GUIs

Ich öffne das Instrument und verfalle nicht, wie sonst an dieser Stelle, in ein Lamento, dass der Player zu klein ist, sondern ich bin angenehm überrascht, dass er hier nahezu bildschirmfüllend ausfällt. Ein Überblick kann man sich so schnell verschaffen: Oben befindet sich das Preset-Menü, gegliedert in die vier Kategorien Simple, Complex, Clean und Distorted. Darunter befinden sich drei Controller, Dynamik, Expression und ein fetter Drehregler,der sich mit Reverb, Attack, Decay, Susatin, Release und Tape Saturation unterschiedlich belegen lässt. 

Den Abschluss bildet das Herzstück des Instruments, das Grid. Hier befinden sich 40 einzeln anwählbare Slots, aufgeteilt in sieben verschiedene Artikulationen und vier rhythmische Werte (1/6, 1/8, 1/12, 1/16). Volume und Pan sämtlicher Slots können unabhängig voneinander geregelt werden und jeder Slot hat den Umfang einer großen Terz. Da Symphonic Motions nur aus Violinen und Celli besteht, bedeutet das einen Gesamtumfang von 12 großen Terzen, innerhalb derer man rhythmisch und artikulatorisch auf verschiedenste Weise layern kann.

Womit wir auch schon beim ersten Punkt wären, der mich stutzig macht: nur Violinen und Celli? Ich dachte, es gehe um Symphonic Motions, nicht um String Motions. Die Streicher klingen zwar sehr gut, aber ich bin dennoch erstaunt, denn bei dem Namen habe ich etwas anderes erwartet. 

Presets und Sound

Ich klicke mich durch die Presets und spiele mit dem Grid herum. Neben den sieben Artikulationen gibt es 14 Techniken, und jedes Mal, wenn man eine anwählt, ergibt sich per Zufallsfunktion eine neue Kombination von Slots. Das gefällt mir sehr gut, denn ich sehe mich bei so einem Instrument nicht gerade mit einer besonders großen Akribie bestimmte Techniken und Artikulationen kombinieren. Auch wenn es schön ist, dass es diese Möglichkeit gibt. Aber hier finde ich es wesentlich interessanter, das Feld per Spieltechnik etwas einzugrenzen und dann Kollege Zufall die Kontrolle zu überlassen.

Leider stellt sich auch hier Ernüchterung ein. Egal ob per Random oder Preset, die Bewegungen klingen alle ziemlich gleich. Schön, dass es Achtel, Sechzehntel und ihre triolischen Vertreter gibt. Aber die Möglichkeiten der Bewegung gehen doch weit darüber hinaus. Außerdem habe ich bei Instrumenten mit spezieller Funktion gerne ein Angebot, das ich nicht selber herstellen kann. Und eine halbwegs realistische Programmierung von Achteln und Sechzehnteln kriege ich auch selber hin. Was also wäre schön gewesen? 

Die Antwort ist einfach: alles, was man selber kaum überzeugend programmieren kann – Ricochets, unregelmäßige Bogenbewegungen auf einem Ton, Flageolett-Glissandi, Spiccatos mit so hohem Bogendruck, dass kein Ton mehr, sondern ein Geräusch entsteht.

So, wie es ist, taugt Symphonic Motions für mich in erster Linie zum Anreichern, weniger als eigenständiges Instrument. Schade, da wäre mehr drin gewesen.

FX und Mixer

Es bleiben noch die beiden Fenster FX und Mixer. Hier gibt es nicht allzu viel zu berichten, FX wartet mit Tape Saturation, Delay und Reverb auf, der Mixer dagegen mit den drei Mikrosignalen Close, Tree, Ambient und drei verschiedenen Pre-Mixes der Signale. Außerdem gibt es noch ein paar Controller für die Werte Attack, Dacey, Sustain, Release. Also alles im Bereich des Üblichen. Erwähnenswert finde ich eigentlich nur die Tape Saturation. Die klingt wirklich angenehm und ermöglicht Farben von leicht mit Obertönen angereichert bis hin zu Streichern, die durch den Amp gejagt werden.  Unterm Strich würde ich aber auch hier sagen, dass das nicht genug ist, um es auf z. B. hybride Weise speziell zu machen. Insofern auch hier: Anreicherung ja, Eigenständigkeit eher nein.

Fazit

Für Spitfire Audios Symphonic Motions ein Fazit zu ziehen, fällt mir nicht ganz leicht. Nach Spitfires eigenem Bekunden ist die Idee der Library die Anreicherung und so schnell für etwas Bewegung im Hintergrund zu sorgen. Wenn das die Idee ist: alle Daumen hoch, denn dafür funktioniert sie tadellos. Und klanglich ist Symphonic Motions ebenfalls über jeden Zweifel erhaben. Ich bleibe allerdings dabei, dass man das Konzept etwas phantasievoller hätte umsetzen und der Library damit mehr Charakter hätte geben können. Außerdem finde ich den Titel wirklich irreführend, auch wenn eine Violine auf dem Cover abgebildet ist. Von daher dieses Mal einen Punkt Abzug.

 

  • PRO
  • Übersichtliches, großes GUI
  • Funktional gehalten
  • Klanglich spitze
  • Endlose Kombinationsmöglichkeiten
  • CONTRA
  • Patterns alle recht ähnlich
  • Artikulatorisch eher Standard
  • Nur Streicher
  • FEATURES
  • 13 GB Content
  • 7 Techniken
  • 40 Artikulationen
  • 16 Presets
  • 3 Mikrosignale
  • 3 Pre-Mixe
  • Mac OS X 10.10 oder später Minimum: 2.8 GHz i5 (dual core), 8 GB RAM, 15 GB freier HD Speicher (7200 rpm). Empfohlen: 2.5 GHz i7 (quad-core), 16 GB RAM, 15 GB freier SSD Speicher.
  • Windows 7, Windows 8, oder Windows 10 (letztes Service Pack, 32/64-bit) Minimum: 2.8 GHz i5 (dual core), 8 GB RAM, 15 GB freier HD Speicher (7200 rpm). Empfohlen: 2.5 GHz i7 (quad-core), 16 GB RAM, 15 GB freier SSD Speicher.
  • Preis:
  • 249 €

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