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Test
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26.10.2021

Praxis

Erste Schritte

Die einfachste Möglichkeit, dem Pulsar-23 nach dem Einschalten Klänge zu entlocken, ist das Triggern der Module über die Add-Sensoren. Eine Zweite ist es, die verschiedenen Clock-Teiler einfach mit den Triggern zu verbinden. Ein dritter Weg geht über den Loop-Rekorder, der fraglos eine Welt für sich ist, denn es handelt sich hier um einen eigenständigen Mikrocontroller, der vier unabhängige Kanäle mit jeweils autonomen Abspielgeschwindigkeiten (jedes Klangmodul hat einen eigenen Clock-Eingang) bereitstellt. Dazu gibt es vier Bänke von Loops, von denen jedes ein Set von Loops enthält (eines pro Modul). Die Eingabe von Trigger Impulsen erfolgt dann dadurch, dass man mit dem Kippschalter eines Moduls Kanals auf REC wechselt und dann Trigger-Impulse durch den Add-Sensor (im Overdub-Verfahren) setzt und mit DEL – bei Bedarf – auch wieder löscht.

Während des Eintippens dienen die Bank-Tasten L, H, und M zusätzlich dazu, drei verschiedene Anschlagsstärken abzurufen (Low, Medium, High). Wechselt man mit dem Kippschalter auf PLAY, ist die Spur gesichert. In Mittelstellung wird das Modul stumm geschaltet. Möchte man bei aller abstrakter Polyrhythmik des Loop-Records zumindest den Startpunkt aller vier Kanäle synchronisieren, beziehungsweise die Loop-Länge, gilt es, den LRST (Looper-Restart)-Pin mit einem Impuls zu versorgen. Drückt man den BANK-Sensor gleichzeitig mit einem der ADD- oder DEL-Sensoren, schaltet man dann innerhalb eines Moduls zwischen den vier Bänken um.

Wem das etwas kompliziert klingt darf ich sagen: Ja, das ist es auch. Soma selber schreiben in ihrem Manual, dass Anwender, die schnell metrisch strukturierte und quantisierte Beats programmieren wollen, mit einem externen Soft- oder Hardwaresequenzer deutlich schneller ans Ziel kommen und das stimmt. Der integrierte Loop-Rekorder empfiehlt sich entsprechend eher für freies, polyrhythmisches bzw. experimentelles Arbeiten. Weitaus einfacher ist dann tatsächlich das Ansteuern des Pulsar-23 über den MIDI-In. Und das besonders deshalb, weil die Befehligung wirklich ausgezeichnet gelöst ist, da fast alle MIDI-steuerbaren Funktionen über eine komfortable Learn-Funktion verfügen. Die zwölf steuerbaren Parameter werden einfach durch Gedrückthalten der Learn-Taste und anschließendes Senden des entsprechenden Controllers vom Steuergerät aus adressiert. Das gilt auch für die MIDI-Kanalzuweisung und das Mappen von BD, SD und HHT auf die Tastatur.

Der Bass nimmt eine Sonderrolle ein, da er auf einem separaten MIDI-Kanal tonal spielbar ist. So hat man in Nullkommanichts eine DAW oder einen Hardware-Sequenzer mit dem Pulsar bekannt gemacht und die Steuerhoheit übergeben. Und wenn schon die MIDI-Verbindung steckt, kann man den Pulsar-23 auch direkt mit einer MIDI-Clock versorgen, die dann über die Teilermatrix auf die unzähligen Pins zur rhythmischen Steuerung übergeben werden kann. Um nur ein paar wenige Möglichkeiten zu nennen: Clocken des Delay, des LFO, des SHAOS-Generators und der vier AR-Hüllkurvengeneratoren der Synthesemodule. Entsprechend adaptiert oder über die Miniklinken-auf-Pin-Matrix übersetzt, lässt sich der Pulsar-23 selbstverständlich auch über Kontrollspannungen von beispielsweise einem Modularsystem wunderbar fernsteuern. Hat man die vier Klangmodule auf eine der vielen Arten zum Klingen gebracht, geht der Spaß eigentlich erst los, denn an diesem Punkt beginnt die muntere Krokodilklemmerei.

Abseits bekannter Pfade

Den gesamten Umfang an Modulationsmöglichkeiten und Verschaltungen in diesem Testbericht auch nur ansatzweise zu erwähnen ist schlicht unmöglich – es sind zu viele. Tatsächlich werden auch viele Anwender des Pulsar-23 erst nach einiger Zeit und manchmal vielleicht nur durch Zufall, auf neue Wege stoßen, was ganz klar zum Konzept gehört.

Einige Fallbeispiele möchte ich exemplarisch nennen, die deutlich machen, wie immens die Möglichkeiten hier sind: So lässt sich beispielsweise die Clock des „Shaos“-Zufalls-Funktionsgenerators so weit nach oben fahren (oder extern clocken), dass er im Audiobereich arbeitet. Man kann aus dem Modul also einen eigenständigen Oszillator mit komplexen Stufen-Wellenformen machen. Sowohl beim internen, als auch externen Gebrauch erweisen sich die vier Attenuatoren (Abschwächer) als ausgesprochen hilfreich. Gleiches gilt für die Impulswandler-Einheit, wo eine Diode, zwei Kondensatoren (0,1 und 10 mf), sowie zwei Signalwandler (Rechteck zu Impuls) auf ihren Einsatz warten.

Erwähnenswert ist auch, dass – obwohl man via Schalter wählen muss, ob Reverb oder Delay auf den Hauptausgang gehen – beide Effekte parallel arbeiten. Möchte man beide gleichzeitig hören, patcht man einfach einen der beiden Ausgänge (Reverb/Delay) in den Mix-Eingang und gut ist. Dennoch hätte ich mir die beiden Effekte eigentlich hardwareseitig fest verdrahtet auf den Mix adressiert gewünscht. Dafür vergebe ich einen halben Minuspunkt.

Ein ausdrückliches Lob erhält die toll übersetzte und gut geschriebene Anleitung, die es wirklich lohnt, durchgearbeitet zu werden. Auch und besonders, da sie eine ganze Reihe von wertvollen Tipps bereithält. Wie beispielsweise kurzerhand den Teiler-2 Clock- und den Mix-Ausgang mit den Fingern zu berühren, wenn man kurz mal einen Metronom-Klick braucht (natürlich kann man diese Verbindung auch dauerhaft mit einem Kabel patchen). Tatsächlich lassen sich über die Körperspannungsbrücke im Grunde fast alle Patch-Vorgänge ausprobieren und dann mit einer der Kroko-Klemmen fixieren – das ist ein klarer Punkt für das Pin-Konzept. Das funktioniert in dieser Form beim Eurorack nicht. In der Anleitung erfährt man dann auch, dass die beiden ominösen Pins „WTF?“ und „OMG!“ im Bassdrum-Modul zur Tonhöhen-Modulation und dem Zugriff auf den Dreieckswellenform-Generator dienen. Entsprechend führt ein beherzter Griff mit den Fingern zwischen den Bit-Ausgängen des Chaoss-Generators und den WTF?- und OMG!-Pins augenblicklich zu wilden Modulationen.

Klang

Wie kaum anders zu erwarten, ist die Grundcharakteristik der vier Klangmodule elementar-elektronischer Natur. Das Bassdrum-Modul lässt sich dabei stufenlos von Dreieck-, über Sinus-, bis Rechteck-Wellenform interpolieren und ist damit für eine Vielzahl typischer analoger Kickdrum-Sounds zu gebrauchen. Noch ein bisschen weiter gehen die Möglichkeiten des Bass-Moduls, dessen Grundwellenform mit den Parametern SHAPE (Anteil harmonischer Obertöne) und WARP (Offset des Waveshapers) modelliert und anschließend mit einem resonanzfähigen Tiefpassfilter in Form gebracht wird. Sowohl das Snaredrum-, wie auch das Hihat-Modul agieren beide mit gefiltertem Rauschen. Dabei stehen der Snare noch zusätzlich ein CLAP-Signalanteil und ein resonanzfähiges Bandpass-Filter zur Seite.

Die Hihat dagegen verfügt über einen resonanzfähigen Highpass, nebst WARP-Funktion, die auf das Noise-Spektrum des Waveshapers wirkt. Dennoch sollte mit dem hier Gebotenen nicht unbedingt dem Klangideal klassischer Drummachines nacheifern. Die Vorzüge liegen hier nämlich ganz klar im Bereich der Modulationsmöglichkeiten. Sprich: Der Pulsar-23 klingt immer dann am besten, wenn man ihm organisch-modulierende Frequenzen entlockt. Erwähnenswert scheint mir auch, dass man hier nicht unbedingt einen klinisch sauberen Sound erwarten sollte, denn die vielen Einschleifpunkt-Pins fordern hörbar ihren Tribut in Form eines leichten Grundrauschens.

Wem das alles noch zu zahm ist, der greift zur Distortion-Einheit, die über Mix und Drive verfügt und dem Gesamtklang angefangen bei sanfter Anwärmung bis hin zur dreckigen Zerrung hinzugemischt werden kann.

Effekte

Der im Pulsar-23 zum Einsatz kommende Reverb- und Delay-Prozessor ist zwar digital, dennoch fügt er sich wunderbar in die organisch-verschwurbelte Klangwelt des Pulsar ein. Grundsätzlich kann er in drei Klangmodi betrieben werden: BPF (Bandpassfilter), DBL (Double) und PCH (Pitch). Alle drei Einstellungen wirken auf beide Prozessoren (Hall und Delay) und zeigen sich mit jeweils völlig unterschiedlicher Charakteristik, wobei besonders die Variante mit Pitch-Shifter recht eindrucksvoll sein kann.

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