Software
Test
10
05.02.2021

Praxis

Sound

Der Softube Weiss EQ MP ist zunächst sehr flexibel nutzbar, da jedes der sieben Bänder die gleichen umfangreichen Optionen bietet, und man so hinsichtlich der Gestaltung der Gesamtkurve ziemlich frei ist. Korrekturen erfolgen klanglich präzise und man erhält schnell knackigen Sound. Insbesondere in den Tiefen zeigt sich der Weiss sehr sortiert – alle Achtung.

Der EQ-1 schlägt sich im Vergleich tatsächlich noch einen Ticken besser, ich empfinde aber beide Weisses generell knackiger als Fabfilter. Insofern: Nein – it‘s not just another eq plugin. Eine ganz andere Welt ist es aber eben auch nicht. Selbst der TC EQ PEQ 3000 schneidet im Vergleich gut ab, bringt für rund 30 Euro mehr aber auch eine schicke Remote mit Display mit, die ein echter Workflow-Beschleuniger und absolut intuitiv zu bedienen ist! 

Warum die beiden Weisses so zickig im Fine-Tuning sind, erschließt sich mir dennoch nicht – auch das Fehlen der numerischen Werteingabe und die wenigen Shortcuts/Key-Commands stoßen bei mir etwas auf Unverständnis – hier darf ein Update gern bald nachhelfen.

Stolzer Preis ?!

Andere Mütter haben auch schöne Töchter und Söhne; Familien wie Fabfilter, Izotope, Equilibrium und SSL. bringen dabei definitiv die bessere Mitgift in Form von Extras. Der Fabfilter Pro-Q 3 beispielsweise kann, abgesehen vom megasteilen und ziemlich exklusiven Q-Faktor des Weiss, deutlich mehr, kostet aber eben nicht mehr. Man könnte dem Pro-Q wiederum Overkill unterstellen. Anderer Vergleich: für rund 500 Euro gibt es anstatt dem EQ-1 auch gleich das ganze Izotope Ozone 9 Advanced Bundle.

Und die meisten DAWs haben ebenfalls sehr gute Boardmittel dabei; die Gewissheit „Weiss“ zu benutzen, rechtfertigen den Preis dennoch. Ob man in Grenzfällen nun besonders große klangliche Unterschiede zu erwarten hat, kann allerdings nur jeder für sich selbst in einer Langzeitstudie herausfinden.

Ich für meinen Teil habe jedenfalls so empfunden, auch wenn es nicht ganz einfach war die EQ Plugins zu matchen. Eine Tendenz ist aber eindeutig da: knackig und transparent, sowie Artefakte-frei selbst bei drastischen Korrekturen.

Die Gretchenfrage

Es fühlt sich für mich nur ein wenig so an, als wollte Softube mit dem EQ MP zunächst den besser zu bedienenden EQ-1 machen, und kam dann doch auf die Idee, ein neues Produkt draus zu machen. Ich hätte die unterschiedlichen Algorithmen lieber alle in einem Plugin gehabt; von mir aus auch teilbeschränkt in unterschiedlichen preislichen Ausbaustufen – das wäre einfach praktischer in vielerlei Hinsicht.

Und noch was: Der Dyn-Mode des EQ-1 sollte ohne dynamische Bänder eigentlich dem EQ MP entsprechen, doch dem ist nicht ganz so: Der EQ-1 braucht in diesem Mode deutlich mehr CPU als der EQ MP, klingt aber auch einen Ticken besser. Auf Rückfrage hin bestätigte Softube, dass dies auf das unterschiedliche Oversampling zurückzuführen ist. Der Fabfilter Pro-Q 3 hingegen braucht – egal in welchen Mode – immer weniger als der Weiss EQ MP – hoppla.

Hört euch mal die Kick an – da merkt man Unterschiede; und das nur wegen des unterschiedlichen Oversamplings. Verrückt.  Hierzu wiederum der Hinweis, dass ich es beim EQ-1 störend finde, dass die Filter-Slopes trotz gleicher Werte bei DYN und LP Mode sich so unterscheiden, dass man sie nicht einfach umschalten kann. Didaktisch sinnvoll ist das nicht – man muss deshalb leider ganz stumpf pragmatisch vorgehen: Der eine für das Mixing, der andere für das Mastering – oder den einen immer dann wählen, wenn der andere gerade nicht passt.  

Damit sind übrigens nicht nur die Modes innerhalb des EQ-1, sondern auch die Auswahlkriterien allgemein, gemeint: heute lieber gleich mit dem EQ-1 in die Vollen gehen oder doch lieber erst mal MP und ggf. später nervige Einstellungen manuell übertragen? Aus Kundensicht jedenfalls anstrengend! Mag sein, dass es technische Probleme mit der Delay-Kompensation gegeben hätte. Das sind nur meine Vermutungen – andere kriegen das ja auch irgendwie hin, oder ?!

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