Gitarre Hersteller_Sire
Test
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05.10.2020

Praxis

Als gleichermaßen großer Fan von semiakustischen E-Gitarren und des Spiels von Larry Carlton bin ich nun sehr gespannt, was mich bei der Sire Larry Carlton H7 erwartet. Wie sich zeigt, macht die Gitarre schon beim ersten Anspielen einen guten Eindruck. Ich hatte schon einleitend das etwas erhöhte Gewicht von knapp 4 kg erwähnt. Nun ist es so, dass Semiakustik-Modelle, die leichter sind, am Gurt durchaus zur Kopflastigkeit neigen können. Das Gewicht unseres Testmodells sorgt aber wiederum dafür, dass die Gitarre wirklich perfekt ausbalanciert am Gurt hängt, wonach sich das Gewicht in diesem Zusammenhang auch weniger bemerkbar macht. Das Setup der Sire Larry Carlton H7 ist ansonsten gelungen und ermöglicht eine leichte und flüssige Bespielbarkeit. Nicht unerwähnt sollen an dieser Stelle auch noch einmal die dezent abgerundeten Griffbrettkanten bleiben, die für eine sehr angenehme Haptik beim Umfassen des Halses sorgen. Der ab Werk aufgezogene 010-046 Saitensatz ermöglicht einen flexiblen Einsatz des Instruments. Persönlich spielt Larry Carlton aber übrigens Saiten in den Stärken 010-052, also mit dickeren Basssaiten, was ich vor einiger Zeit auf meinen Semiakustik-Modellen übernommen und wirklich schätzen gelernt habe. Im akustischen Grundklang wirkt die Gitarre verhältnismäßig hell und spritzig. An dieser Stelle kann man schon den Unterschied zu manch hochpreisigen ES-Modelltyp ausmachen, der hier einfach eine Spur runder, weicher und holziger ertönt.

Jetzt wird es aber endlich Zeit die Gitarre am Amp zu hören. Für die Aufnahmen steht ein klassisches Trio, bestehend aus einem 74er Fender Silverface Bassman für die Cleansounds sowie einem Vox AC15 und einem Marshall Mini Silver Jubilee für die verzerrten Sounds bereit. Alle Signale laufen über eine Universal Audio OX Box für die Speaker-Simulationen und werden anschließend über ein Universal Audio Apollo Interface aufgezeichnet.

Los geht's im Clean-Betrieb mit einer ersten Bestandsaufnahme der drei Pickup-Einstellungen.

Das kann sich hören lassen! Larry Carlton, der für seinen geschmackvollen Sound geschätzt wird, konnte scheinbar auch hier seine Expertise gewinnbringend beisteuern. Dabei weisen die Pickups eine gewisse Brillanz auf, die niemals scharf klingt, sondern dem Gesamtklang eher etwas Luftiges und Transparentes verleiht. Gleichzeitig sorgt diese Ausrichtung dafür, dass der Hals-Pickup zwar voluminös wirkt, aber nicht Gefahr läuft, den Bass überzubetonen. Am meisten angetan hat mir die Mittelstellung mit beiden Humbuckern. Mit diesem Sound kann die Gitarre im Popmusik-Kontext wirklich in den unterschiedlichsten Disziplinen bestehen. Dabei wird wieder einmal klar, warum die 335 in so vielen Studios über die Jahrzehnte ein gern gesehener Gast war und ist. Wie zu erwarten, ist die Gitarre aber natürlich auch im Jazz-Kontext sehr gut aufgehoben. Hier lohnt es sich, das Tonpoti ein wenig zurückzudrehen. Es folgen dazu drei weitere Hörbeispiele im Clean-Channel.

Spätestens beim zerrenden Amp wird es Zeit, einen genaueren Blick auf den Steg-Pickup zu werfen. Und auch hier klingt die Gitarre wirklich toll. Besonders bei den Low-Gain bis Medium-Gain-Sounds über den Vox-Amp geht die klangliche Ausrichtung der Gitarre in meinen Ohren voll auf. Rocken kann man mit der Sire Larry Carlton H7 aber auf jeden Fall auch. Für High-Gain-Anwendungen bräuchten die Pickups vielleicht etwas mehr Biss, aber das ist auch nicht die Heimat dieses Modells und daher nicht als Kritik zu verstehen. Hier kommen jeweils zwei Beispiele über den Vox und den Marshall-Amp.

Abschließend gibt es noch einen kleinen Beispielsong mit der Gitarre zu hören. Ich habe dafür wieder den Fender-Amp genutzt. Für die Rhythmusgitarre kam zudem ein Dunlop Cry Baby Wah-Pedal zum Einsatz. Im Falle der Lead-Gitarre hing ein MXR Dyna Comp-Pedal vor dem Amp.

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