Gitarre Hersteller_Sire
Test
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23.11.2021

Praxis

Die Sire A3-D kommt gut gesichert im Pappkarton ins Haus und man kann sofort loslegen. Der Hals ist werkseitig bestens eingestellt und die optimale Saitenlage sorgt auf ganzer Länge für eine "schnarrfreie" Performance. Allerdings behindert ein spitzer Halsfuß die Aktivitäten in den oberen Lagen. Die A3-D ist ohne Cutaway daher eher eine "Zupfgitarre", die mit einem kräftigen Satz auch einen relativ vollen Ton generieren kann, der aber nicht so in die Tiefe geht wie der einer Dreadnought von Martin.
Eine so große Gitarre hat natürlich auf der Bühne auch ihre Tücken, was das Handling im Stehen anbelangt. Jedenfalls wurde ein Gurtpin am Unterklotz, ein zweiter am Halsfuß verschraubt.
Entschädigt wird man mit einem passablen Naturton der Fichtendecke, der auch inspirieren kann. Seine ausgeprägte Obertonstruktur und das lange Sustain kommen vor allem Balladen entgegen. Im Bassbereich tönt die Gitarre erwartungsgemäß schlanker, bietet aber insgesamt, wie schon angedeutet, einen schönen, seidigen Klang mit einem beachtlichen Dynamikumfang. Die Intonation stimmt jedenfalls auf ganzer Länge.

Problematisch ist die Tatsache, dass die beiden Tonabnehmer mit einer gemeinsamen Tonblende geregelt werden. Vergrößert man den Anteil des Mikros, werden praktisch auch dem Summensignal mehr Höhen beigemischt. Andererseits erhält das Summensignal mehr Bauch, wenn man dem Piezo-Signal mehr Anteile gibt. Auf diese Weise kann der Überblender auch in den Stand einer Tonblende versetzt werden, auch wenn dies (vermutlich) nicht beabsichtigt wurde. Den letzten Schliff gibt man dem Summensignal dann mit der eigentlichen Tonblende.
Das Mikrosignal bietet außerdem weniger Pegel, sodass auch der Volume-Controller gelegentlich eingreifen muss, wenn man den Sound verändern will. Am Ende steht aber stets ein brauchbares Signal. Spontane Soundveränderungen sind ad hoc nicht unbedingt möglich, zumal die Beschriftung der Regler fehlt. Leider lässt sich das Mikro auch nicht vollständig ausblenden, sodass Rückkopplungen nicht ganz auszuschließen sind. Auch mit Übersprechungen im Bandkontext muss man hier rechnen. An dieser Stelle kann der Hersteller noch nachbessern.

Das Instrument ist in allen Lagen gut bespielbar. Auch filigrane Solospielstücke erhalten eine Chance.

Balladen können auf einem Ton mit viel Sustain aufbauen.

Einen sehr schönen brillanten Sound bekommt man mit dem Plektrum, vor allem in Verbindung mit dem sehr flexiblen Tonabnehmersystem.

Die Rhythmen kommen klar rüber. 

Die besten Ergebnisse erzielt man, wenn Piezo und Mikrofon (hier im Verhältnis 70:30) gemischt werden. Der Piezo macht dann automatisch im unteren Frequenzbereich Druck, während das Mikro mit natürlichen Frequenzen im oberen Bereich glänzt.

Das Mikrofon (hier 100 %) überträgt, wie schon erwähnt, hauptsächlich natürliche Frequenzen im oberen Frequenzbereich. Unten und in der Mitte klingt es eher "topfig". Im Studio sollte man deshalb lieber zu einem hochwertigen externen Studiomikrofon greifen. Leider wird auch die allgemeine Geräuschkulisse im Bandkontext mitgenommen.

Zum Schluss möchte ich noch mal das Piezo-Signal (100 %) auf die Probe stellen. 

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