Gitarre Hersteller_Sire
Test
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23.11.2021

Sire Larry Carlton A3-D NT Test

Westerngitarre mit Tonabnehmer

Larrys Dreadnought

Die Sire Larry Carlton A3-D NT erweitert die inzwischen bemerkenswert umfangreiche Larry Carlton Signature-Serie um eine Akustikgitarre. Die junge Marke nahm in Südkorea ihren Anfang, designt ihre Instrumente mittlerweile im US-amerikanischen California City, fertigt in Indonesien und hat sich mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis einen Namen in der Branche gemacht. Als Berater und Gesichter der Marke fungieren keine Geringeren als die beiden Musikerlegenden Marcus Miller (Bass) und Larry Carlton (Gitarre).
Die Modelle aus der D-Serie verfügen über ein hauseigenes Tonabnehmersystem, einen Korpus aus Mahagoni, ein Griffbrett aus Palisander und eine „geröstete“ Fichtendecke. Und unsere hochglänzende Probandin ist eine echte Schönheit und ein makellos verarbeitetes Instrument, dessen Anblick mir schon vor dem ersten Ton ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Und weil die Instrumente der Marke auch die Unterschriften der beiden Ikonen tragen, sollte man auch seine Erwartungen ruhig etwas höher schrauben dürfen. Ob das auch bei der Larry Carlton A3-D NT der Fall ist, wird der folgende Test zeigen.

Details

Larry Carlton

Schon in den frühen 70er-Jahren begeisterte Larry Carlton nicht nur die Fachwelt mit seinem Spiel. Den sahnigen Gitarrenton kreierte er damals mit einem Mesa Boogie und einer Gibson ES-335, die ihm später auch den Spitznamen Mr. 335 einbrachte. Als gefragter Studiomusiker bereicherte er seitdem den Sound namhafter Künstler wie Joni Mitchell, Sammy Davis jr., Quincy Jones, Paul Anka, Michael Jackson und Bands wie Crusaders oder Steely Dan im Studio oder auf der Bühne. Das herausragende Gitarrensolo, mit dem er den Titel Kid Charlemagne (1976) bereicherte, geht wohl als Highlight in die Rockgeschichte ein. Carlton, der ab 1976 sein Soloprojekt startete, trat nun auch als Komponist stärker in Erscheinung. Seit den 80er-Jahren greift er auch verstärkt zur Akustikgitarre.

Der Resonanzkörper der A3-D kommt mit den standardgerechten Abmessungen und Proportionen einer veritablen Dreadnought. Mit tief ausgeschnittenen Zargen bietet er einen vollen Ton, der auch im Bassbereich noch ausreichend Druck macht. Dazu unten mehr. Die massive torrefizierte (speziell geröstete) Fichtendecke wurde aus zwei symmetrischen Teilstücken „gebookmatched“. Der Trocknungsprozess, dem man sie unterworfen hat, soll dem Holz nicht nur die Restfeuchte entziehen, sondern dem Ton auch die Wärme und Brillanz verleihen, damit er dem einer jahrelang eingespielten Gitarre entspricht. Die mittig verlaufende Nahtstelle ist jedenfalls gekonnt kaschiert. Die Oberfläche wurde mit einem hochglänzenden Finish versiegelt, sodass der Blick auf die fein gezeichneten Maserungen frei bleibt.

Die wunderschöne Randeinlage mit dem beliebten Fischgrätenmuster (Herringbone) hat die A3-D von der alten Martin D-28 geerbt, dazu schützt ein weißes Binding rundum am Boden- und Deckenrand die Kanten. Auch die Schalllochverzierung korrespondiert mit dem Herringbone-Muster, preistreibende Einlagen aus Abalone findet man ansonsten nicht. Ein selbstklebender Deckenschoner ist im Lieferumfang enthalten, der bei Bedarf dafür sorgt, dass die fabelhafte Decke beim Strumming nicht beschädigt wird.

Der Saitenhalter mit einem eigenständigen urigen Design besteht aus edlem Palisander und der einteilige, längenkompensierte Knochensteg ruht sicher in der Fräsung. Der rückversetzte Auflagepunkt für die B-Saite leistet einen konstruktiven Beitrag zur Verbesserung der Intonation. Die Saiten werden konventionell mit Ball-Ends und Pins arretiert.
Zargen und Bodenhälften bestehen aus Mahagoni. In dieser Preisklasse darf man massives Holz natürlich nicht erwarten, aber Boden und Zargen üben ohnehin wesentlich weniger Einfluss auf den Gesamtklang aus als die Decke, da die Korpusresonanzen bei der üblichen Haltung stärker gedämpft werden.
Die A3-D benötigt keinen Cutaway und kokettiert deshalb auch nicht primär mit dem Linienspieler. Mit der Normalmensur kann auch ein größerer Korpus wie die Dreadnought in Schwingung versetzt werden.

Interieur

Auch im Innenraum trifft man auf bewährte und erprobte Baumuster, dramatische Innovationen gibt es nicht. Ein massiver Halsblock aus Mahagoni hält Zargen, Decke, Boden und Halsfuß zusammen. Die Decke wurde standardgerecht mit dem obligatorischen X-Bracing unterbaut, der Schnittpunkt der beiden Streben liegt (tastbar) aber deutlich zurückgesetzt hinter dem Schallloch. Diese sind im Unterbug außerdem bogenförmig ausgehöhlt. Den Beweis konnte eine Aufnahme mit dem Handy erbringen, denn mit dem bloßen Auge sind keine Einblicke möglich. Jedenfalls belassen sie der Decke den nötigen Raum zum Resonieren. Der fragile Schalllochbereich wurde an drei Seiten rundherum mit schmalen Holzstreifen verstärkt, während ein kräftiger Querbalken die Decke im Oberbug stabilisiert.

Ganz konventionell werden zur Vergrößerung der Aufleimstellen rundum am Boden- und Deckenrand Holzkeile eingesetzt. Auch diese Arbeiten wurden korrekt und ohne Mängel ausgeführt. Vier robuste Querbalken am Boden sorgen außerdem dafür, dass sich die beiden Bodenhälften nicht voneinander ablösen. Ein Bodenmittelstreifen fehlt, sodass man die Nahtstelle im Innenraum sehen kann. Leimreste konnte ich dort nicht finden. 

Elektronik

Das Tonabnehmersystem wurde von Sire entwickelt, wobei der Preamp, ein SIB Acoustic EQ, mit drei Soft-Touch-Buttons spartanisch ausgestattet ist und sich keinen weiteren Luxus leistet. Die Regler in der Zarge belassen unserer Kandidatin weitgehend das ursprüngliche Erscheinungsbild, Markierungen am jeweiligen Knopf oder eine 360-Grad-Skala fehlen, sodass deren aktuelle Position nicht einsehbar ist.
Herausragend ist das duale Tonabnehmersystem, das aus einem Piezo und einem internen Kondensatormikrofon besteht und ein facettenreiches elektroakustisches Soundangebot macht. Mit einem Überblendregler (Mic Mix) kann der Anteil der beiden Signale gemischt werden, sodass in den extremen Positionen entweder das Piezo- oder das Mikrofon-Signal übertragen wird. Master-Volume stellt den erforderlichen Pegel ein und die Tonblende bestimmt den Klang des Summensignals. Ob das duale System mit lediglich drei Reglern in der Praxis funktioniert, werden wir noch eruieren.
Der 9 V-Batterieblock befindet sich im Batteriefach in der unteren Zarge neben dem Endpin.

Hals und Griffbrett

Hals, Halsfuß und Kopfplatte sind stabil miteinander verleimt und bestehen aus verwindungssteifem Mahagoni. Der dünne Hals (Umfang: 11,3 cm) mit C-Shaping wird mit einem eingelegten Stahlstab versteift. Die Halskrümmung kann damit im unteren Drittel justiert werden. Die Justierschraube erreicht man mit gelockerten Saiten über das Schallloch, der benötigte Inbus ist im Lieferumfang enthalten.

Das Griffbrett aus feinem Palisander ist akkurat auf den Hals geleimt, wobei es die Griffbretteinfassung mit weißem Bindung breiter erscheinen lässt. Die Kanten an den Seiten (rolled fretboard edges) sind sicht- und fühlbar abgerundet, sodass auch ausladende Glissandi widerstandslos und schmerzfrei gelingen.
Auf dem Griffbrett haben 20 Bundstäbchen Platz genommen, deren schmale Bundkronen für eine optimale Intonation sorgen. Sie sind sauber abgerichtet und poliert und treten an den Seiten nicht aus. Eine sanfte Wölbung erleichtert das Spiel mit großen Barrégriffen, kleine Punktmarkierer weisen den Weg beim Lagenwechsel. Entsprechende Dots auf der weißen Einbindung bilden eine sinnvolle Ergänzung. Das Griffbrett überlappt standardgerecht am 14. Bund die Decke.
Der Knochensattel mit einer normalen Breite von 4,3 cm wurde passgenau eingesetzt und korrekt befeilt.

Kopfplatte

Die mit weißem Binding eingefasste, leicht angewinkelte Kopfplatte sieht stylish aus, rotbraunes Mahagoni, hochglänzend lackiert, sorgt auch hier für stabile Verhältnisse. Ein schwarzes, hochglänzendes Kopfplattenfurnier zeigt das Firmenlogo am Kopfende und im Zentrum die Signatur von Larry Carlton in Schönschrift. Auf jeder Seite der Kopfplatte sind jeweils drei gekapselte verchromte Mechaniken mit griffigen Stimmflügeln verschraubt. Die hauseigenen Mechaniken (Sire Acoustic) lassen sich leichtgängig bedienen.

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